Kino made in Switzerland und Filme für die Erde

Das Zurich Filmfestival 2020 ehrt das Gesamtwerk von Rolf Lyssy. Seine Dok- und Spielfilme drehen sich immer um gesellschaftliche Themen, die mit viel Charme, Empathie und Humor eingekreist werden. Sein neuester Streifen „Eden für jeden“, wieder eine Komödie über uns allzu bekannte menschliche Facetten feiert in Zürich Premiere.

Nebst der Erinnerung an unseren Lesungen aus unserem gemeinsamen Buch denke ich an 2012 zurück, als wir in La Punt auf der Bühne über die Rolle des Schweizer Films auf dem Markt diskutierten. Dabei waren auch Oscar-Preisträger Xavier Koller, damalige SRF-Filmkritikerin Monika Schärer und der Filmemacher Paul Riniker. Das Gespräch wurde im Magazin FILMBULLETIN veröffentlicht und ist heute noch hier zu lesen. Viel Vergüngen: „Wir sind halt ein eigenartiges Land“.

Der Verein «Filme für die Erde» zeigt in diversen Ländern, so auch in der Schweiz, Doku-Filme mit Themen wie Umwelt, Naturschutz, Klima und generell über unseren Umgang mit der Erde. Der Schweizer Co-Geschäftsleiterin, Barbara Roth, stellte ich Fragen zu Konzept und Programm und über die Stärke des Filmes bei der Vermittlung von Wissen und Anliegen. Das Interview ist in verschiedenen Medien zu lesen, hier per Link in der Jungfrau Zeitung: «Filme haben die Kraft, viel auszulösen».

Einen fröhlichen Restsommer und viel Vergnügen beim Lesen und mit den vielen neuen Kunstwerken auf der Leinwand.

Urs Heinz Aerni

Talk mit Rolf Lyssy und Urs Heinz Aerni im Dorfmuseum Lengnau (Aargau) 2008.

Barbara Roth ist Co-Präsidentin des Vereins „Filme für die Schweiz“


„Genießen statt vernichten“

Medien berichteten von der Gefahr der Weinvernichtung wegen zu volle Weinkeller durch gute Erntejahre und pandemiebedingte rückläufige Absätze. Und die nächste Lese ist bald. Das Weingut zum Sternen in Würenlingen macht aus dieser Herausforderung eine Tugend.

Die Neue Zürcher Zeitung vom 13. Juni 2020 berichtete von übervollen Weinlagern in der Schweiz, sinkender Absatz und von einer neuen reichen Ernte im Herbst, mit dem Titel „In der Not müssen die Winzer Millionen Liter Wein vernichten“. Das möchte das Weingut zum Sternen in Würenlingen unbedingt verhindern. Mit dem neuen Tafelwein rot und Tafewein weiß engagiert sich das Familienunternehmen mit der Kampagne „Füllhorn – Ein Dank der Natur“ und teilt mit: „Nach einer übermäßigen Fülle an Trauben und qualitativ hochwertigen Veredelungsprozessen sind die Tanks der Weinkeller sowie die Vorräte der Gastronomie aufgrund der Corona-bedingten Ereignisse üppig gefüllt. Mit diesen beiden Tafelweinen können wir die Vorräte aufbrauchen und Platz schaffen, für die kommende Saison ohne weitere Verluste hinnehmen zu müssen.“

Das Weingut lädt Weinfreunde in der Nachbarschaft und weitherum ein, dieses Sommer-Angebot zu nutzen und zu genießen. Der Tafelwein kann per Internet, Telefon bestellt werden, oder wie Winzer Andreas Meier besonders betont, direkt auf dem Weingut in Würenlingen abgeholt werden. „Wir würden uns freuen, wenn Menschen uns direkt besuchen kommen! Wir sind gerne für sie da und zeigen auch die Rebhänge und unsere Weinkeller, als Blick hinter die Kulissen der so reichen Weinkultur in unserer schönen Region.“

Die Region Unteres Aaretal zwischen Würenlingen und Bad Zurzach, zwischen der Aare, dem Naturschutzgebiet Klingnauer Stausee, dem Rhein und Südschwarzwald ist nicht nur reich an südlich ausgerichteten Rebhängen und viel Natur, sondern bietet mit der lebendigen Kulturgeschichte und vielfältigem Angebot an Restaurants und Hotel schöne Entdeckungen im nächsten Urlaub. Deshalb empfiehlt Winzer Andreas Meier dringend, nicht nur einen leeren Kofferraum im Auto mit nach Würenlingen zu bringen, „sondern auch Wanderschuhe und Sonnencreme mit dabei zu haben.“ In anbetracht des großen Jammertals zwischen Wirtschaftskrise und Coronawellen, muss auch mal über so etwas berichtet werden. Prost.

Web: www.weingut-sternen.ch

Auf Berglink erschien mit Andreas Meier und Markus Utiger ein Interview über einen gemeinsamen Wein und Tendenzen in der Weinkultur.

Erica Pedretti wird 90 und Chur feiert mit einer Ausstellung

Es waren sehr schöne Begegnungen und Gespräche, mit der Schriftstellerin und Künstlerin Erica Pedretti. Zum Beispiel 2009 am Literaturfestival LeseLenz in Hausach (D), 2010 im züri litéraire im Kaufleuten Zürich zusammen mit Gunhild Kübler, Martin Ebel und Mona Vetsch als Gesprächsleiterin, 2013 am Festival Sprachsalz in Hall in Tirol und 2014 nach den Hottinger Literaturgesprächen im Neumarkt Theater mit Charles Linsmayer. Bei einem Besuch bei Erica und ihrem Mann, Gian Pedretti, am Bielersee, wo sie lebten und arbeiteten, zeigten sie sich als liebenswürdige Gastgebende und ließen uns Einblick nehmen, in eine unglaublich vielfältige Kunstwelt. Gian und Erica teilten sich für ihr Schaffen das Haus in zwei Atelier-Teile. Nun leben sie wieder nach vielen Umwegen durch Europa, New York und die Schweiz wieder in Celerina (Graubünden).

Nach einem Gespräch mit ihr als Schriftstellerin an einer Schule in Baden-Württemberg, durften die Kinder fragen stellen. Ein Junge gab zu, dass er sich mit der Rechtschreibung schwer täte. Sie riet allen Schreibmuffeln, einfach loszulegen, frei und wild die Fantasien, Geschichten und Bilder in Worte aufs Papier zu bringen, ohne gleich auf Fehler zu achten. Der Schulleiter stand auf und betonte aber, doch auf die Rechtschreibung zu achten. Die Kinder verdrehten die Augen und Erica schaute mich an und schüttelte den Kopf. Bei den anschließenden Gesprächen mit den Lehrpersonen, war für sie wichtig, dass Kinder den Mut haben zu schreiben, kreativ zu werden, ohne gleich einen Pflichtriegel vorgeschoben zu bekommen.

Das wechselvolle und nicht leichte Leben von Erica Pedretti, generierte nicht nur eine faszinierende Literatur und Kunst, sondern ihr Schaffen rettete ihr in vielen Momenten den Mut zum Weitermachen.

Nun feiert Erica nicht nur ihren 90. Geburtstag, sondern ihr wird im Kunstmuseum Chur eine große Ausstellung gewidmet.

Urs Heinz Aerni

http://www.buendner-kunstmuseum.ch/de/ausstellungen/aktuell/Seiten/Erica-Pedretti.-Fremd-genug.aspx

Sollen in den Polizeimeldungen jeweils die Herkunft der Beteiligten genannt werden?

In Zürich entfachte wieder die Debatte, ob die Polizei jeweils die Herkunft von involvierten Personen bei Zwischenfällen genannt werden soll. Hier geht es zu einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung…

 

Ein Deutscher, ein Italiener und ein Serbe hätten den Überfall begangen. So stehts in der Zeitung. Wie relevant sind die Aussagen für den Lesenden? Hilft es? Nützt es? Wer will es wissen? Wäre es auch interessant, zu erfahren, ob bei der Schlägerei oder beim Autounfall ein Bayer, ein Hesse und ein Hamburger involviert sind? Wieso nicht? Bei der Massenkollision auf der A1 zwischen Dortmund und Köln durch Nebel waren Autolenker aus dem Saarland, aus NRW, Brandenburg und Bremen beteiligt. Im Berliner Lokalblatt könnte doch darauf verwiesen werden, dass ein Marzaner, ein Neuköllner und ein Spandauer im Nachtclub nach Belästigungen des Personals verhaftet wurden. Und in im Kiezblatt müsste folglich erwähnt sein, dass die prügelnden Gäste von der Hinterhofstraße, der Oberaustraße und der Mittelgasse kommen und einer sogar am Waldweg wohnt.

Urs Heinz Aerni, mütterlicherseits ein Zuger (Zentralschweiz), väterlicherseits ein Solothurner, jedoch in Baden (Aargau) geboren und in Fislisbach (Aargau) aufgewachsen aber in Zürich wohnhaft.

Ist in der Schweizer Version auch am 30. Januar 2020 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

Genossenschaft

Liebe Eidgenossinnen und Eidgenossen

Einer Einladung zur 1.-August-Rede sagte ich geehrt und dankend ab. Und doch, in Anbetracht dessen, dass sich viele Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz in diesen Tagen über den Sinn und Zweck ihres Landes Gedanken machen, erlauben Sie mir analog der eidgenössischen Gepflogenheiten, außer Landes kommende Kräfte zu nutzen, hier und jetzt ein paar Weisheiten wiederzugeben, die für eine nachhaltige Reflexion zum Label Schweiz anregen werden.

Der Kabarettist und Lyriker Heinz Erhardt (1909 – 1979) meint:

„Ein jedes Land hat seinen Reiz

so auch die Schweiz.

Doch frage ich mich, andererseits,

was wäre die Schweiz,

wärn die Berge, die zum Himmel streben,

eben.“

Der Dozent für deutsche Sprache an der Staatlichen Akademie für angewandte Technik in Nürnberg, Richard Pekrun vermittelt im Jahre 1963 im Zürcher Stauffacher Verlag erscheinen Buch „Das deutsch Wort“ folgende Assoziationen zu „Schweizer“:

„Schweizer, der: Einwohner der Schweiz : Kuhknecht : Kuhmeister : Leiter einer Molkerei : Türhüter : Aufseher in kath. Kirchen : Erdeichhorn (…) Schweizerpillen Mz: Abführpillen…“

Der ungarische Schriftsteller Alexander Roda Roda (1872 – 1945) gab folgendes zu: „Als Schweizer geboren zu werden, ist ein großes Glück. Es ist auch schön, als Schweizer zu sterben. Aber was tut man dazwischen?“

Der Franzose André Gide (1869 – 1951) erhielt nicht nur den Literaturnobelpreis 1947, sondern kam zum Schluss, dass ‚jeder Schweizer seinen Gletscher in sich trage’.

Und erst kürzlich erklärte ein Zeitgenosse, welches die stärkste Droge der Schweiz sei: „Die SBB. Ein Zug und du bist weg.“

Ja liebe Genossinnen und Genossen, diese Zeilen machen wach und nachdenklich, nicht?

Laut UNO steht die Schweiz auf dem zweiten Platz im „Index der menschlichen Entwicklung“. Nach Landesgrösse belegt das Land den 133. Rang, nach der Anzahl der Einwohner den 98. jedoch unter den grössten Volkswirtschaften der Erde nimmt die kleine Schweiz Platz 20 ein (Stand 2017).

Es ist wie bei Grossunternehmen im Lebensmittel- und Immobilienbereich, wo hört sie auf, die Genossenschaft, und wo fängt er an, der Konzern?

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtitpp zum Jahrestag der Eidgenossenschaft: „Die tintenblauen Eidgenossen – Über die literarische und politische Schweiz“ von Peter von Matt, DTV, 978-3-423-34094-6

Spenden oder nur Wünschen?

Zuerst fand ich das eine gute Idee. Eine Bekannte startete anlässlich ihres Geburtstages via Facebook eine Spende-Aktion für eine gemeinnützige Organisation, wohl mit der Überlegung, dass die Leute nichts schenken sollen, sondern etwas Gutes unterstützen. Aber bei Lichte betrachtet, ist es doch nicht so optimal, dieses Konzept. Warum?

Erstens, soll nicht erwartet werden, überhaupt beschenkt werden zu müssen. Zweitens, gibt es Zeitgenossen, die einfach alles Gute wünschen möchten, ohne Geld ausgeben zu wollen. Drittens, die zu unterstützende gute Sache finden vielleicht nicht alle genau so gut. Viertens, wenn Freunde nur Glückwünschen können, wenn eine Spende damit gekoppelt ist, erzeugt das einen unangenehmen Druck.

Bei der besagten Bekannten, wünschte also mal nur alles Gute. Resultat: Keine Antwort und dann wird auf der publizierten Liste mit allen Spenderinnen und Spendern erkennbar, dass mein Name fehlt und ich dann als Erbsenzähler verdächtigt werde.

Also meine Lieben, zu meinem 56. biologischen Betriebsjubiläum, kann freiwillig hier gespendet werden: BirdLife, «Kultur am Pass», Pro Natura, NABU, Ärzte ohne Grenzen, Naturschutzbund Österreich, Sprachsalz oder Deutsch Schweizer PEN, dies als kleine Auswahl.

Auf jeden Fall, lasst uns das Glas erheben, auf Gesundheit, Fröhlichkeit und in Gedenken an liebe Menschen und vor allem an solche, die nicht mehr mit bei uns auf dem blauen Planeten weilen.

Herzlich
Euer Urs

Zum 10. Mal heißt es wieder „Berg & Buch“ über Ostern im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Vom 19. bis 22. April 2019.

Es werden wieder viele neue Bücher präsentiert, Geschichten erzählt und Kinder machen Bücher!

Programm:
So macht man Bücher!

In dieser Werkstatt lernen wir, wie man Bücher unkompliziert mit Nadel und Faden bindet. Dazu braucht es neben Nadel und Faden noch Zeichenpapier und einen Fotokarton sowie ein wenig Geduld.
Mit Buntstiften, Wasserfarben oder einer Collage gestalten wir die fertigen Bücher.
Danach experimentieren wir noch mit verschiedenen Textsorten – Zum Beispiel probieren wir Elfchen, Stabreime, Haiku, Schnitzltexte oder die sogenannte „visuelle Poesie“ in der Praxis aus. Im Anschluss können die Kinder ihre Bücher mit nach Hause nehmen.
Geeignet für Kinder im Alter von 7 – 12 Jahren. Melden Sie sich an der Réception an.
Mit dem Künstler und Autor Christian Yeti Beirer. Viele Ausstellungen zeigten von ihm Karikaturen, Kalender-, Buch-, und Plakatillustrationen, von Wien über New York bis Innsbruck. Der Künstler aus Österreich ist zum ersten Mal in Graubünden.

Zeiten: Karfreitag & Ostersonntag ab 16 Uhr und Ostersonntag

Geben Sie Ihrem Gesicht ein neues Antlitz
Der Grafiker, Maler und Karikaturist Ralf-Alex Fichtner wird Sie innert weniger Minuten porträtieren. Sie setzen sich ihm gegenüber und er legt los mit Pinsel, Tusch und Farbe.

Ralf-Alex Fichtner wurde 1952 in Aue im Erzgebirge geboren und lernte Werkzeugmacher und Plakatmaler. Seit 1987 ist er freischaffender Künstler, Mitglied in Künstlervereinigungen, entwarf viele Auftragsarbeiten, die von Museen und Banken erworben werden. Die größte Arbeit war eine Wandgestaltung einer Bank in Nürnberg.

Zeiten: Während den Osterfeiertagen tagsüber in der Lobby.

„Ohne Krimi geht die Mimi…“
Lesung von und mit Claudia Puhlfürst

Sie nennt sich die „Kriminelle Schreibtischtäterin aus Sachsen“. Die 1962 geborene Claudia Puhlfürst wirkte in der Branche Biologie, Chemie als Dozentin für Anatomie und Physiologie an der medizinischen Fachschule Zwickau. Als Redakteurin und Herausgeberin arbeitete sie für verschiedene Verlage u. a. auch für den DUDEN. Als Schriftstellerin publiziert sie zudem erfolgreich Thrillers und Kriminalromane. „Eine der besten deutschen Psychothriller-Autorinnen!“ Westfalenblatt.

Zeit: Samstag, 20. April um 21 Uhr in der Gabar

Die höchstgelegenste Buchmesse mit Büchern aller Art mit den beiden Buchhändlerinnen Alexandra Vogel und Susanne Müller ist über ganz Ostern geöffnet.

Alle Veranstaltungen und Buchmesse sind frei zugänglich und öffentlich.

Wir freuen uns auf Sie! Claudia und Andreas Züllig-Landolt, Gastgeber und
Urs Heinz Aerni, Kulturverantwortlicher Schweizerhof

Amuse bouche aus dem Bücherfrühling

Es ist Bücherfrühling. Neben meinem Computer steht ein Stapel Bücher; Bücher, die ich empfehle, aber wie soll ich das auf so wenig Platz tun? Ah, ich pflücke daraus je einen Satz, so quasi als Amuse bouche:

«Manchmal ist’s, als schliefen wir um eines Traumes Willen», Hans Ulrich Bänziger aus «Ahnungslose Beute» (Wolfbach). «Ihre Augen wurden feucht, vom Rauch der Kerzen?», Markus Ramseier aus «In einer unmöblierten Nacht» (Haymon). «Ich fühle den Wanderweg mehr unter mir, als ich ihn sehe.», Johanna Romberg aus «Federnlesen» (Lübbe). «Das Sterben ist das Schönste am Tod», Aglaja Veteranyi aus «Wörter statt Möbel» (Der gesunde Menschenversand). «Todesanzeigen enthalten in der Regel drei Informationen, die von größter Bedeutung sind.», Elias Schneitter aus «Über die Jahre» (Anthologie Pyjamaguerilleros). «Die Antworten auf die Frage nach den Grenzen der Pädagogik haben immer einen mythischen Anteil.», Martin Kunz aus «Die stille Erotik der Melancholie» (Bucher). «Die Frau am Empfang sieht uns an, als beträten zwei Aliens ihr Haus.», Beat Glogger aus «Zweimaltot» (Reinhardt). «Nur bin ich nicht die werbeträchtige Luxusuhr, die vom Vater auf seinen Sohn übergeht.», Christof Gasser aus «Blutlauenen» (Emons). «Du müsstest unbedingt mal indische Philosophie lesen, gerade du, Vanessa.», Patrizia Hausheer aus «Was soll das alles» (Arisverlag). «Es ist ihr klar, dass sie Luca nicht einfach aushalten kann.», David Weber aus «Reduit» (Knapp). «Sofort begann es zu schäumen und sich blutrot zu färben.», Alexander Günsberg aus «Tanz der Vexiere» (Münster). «Nun war es Sonntag, sein Veston verbeult und sein Anzug lamentabel.», Benedikt Meyer aus «Nach Ohio» (Zytglogge). «Selbstverständlich habe ich Sie manipuliert, was erwarten Sie?», Markus Bundi aus «Alte Bande» (Septime). «Mein Gott, Anke, ich … ich … wusste ja nicht …», Wolfgang Marx aus «Am grauen Meer» (Kameru). «Im Grunde sah man nur einen Wuschel schwarzer Haare.», Simon Libsig aus «Der Velodieb, der unters Auto kam» (Librium).

Und wenn Sie noch Fragen haben sollten, so treffen Sie mich anlässlich «Berg & Buch» vom 18. bis 21. April im Hotel Schweizerhof Lenzerheide.

Diese Kolumne erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE.

„Es gibt Menschen, die vor allem in Bildern, Klängen und Düften denken“

Mit neuen Begriffen zu einem neuen Menschenbild. Die siebente Flugschrift von Rupert Bucher widmet sich dem Begriff der Sprache der Handlung. Diese, als Grundsprache nicht nur des Menschen, sondern aller Lebewesen, soll uns die Wurzeln und Gemeinsamkeiten allen Lebens aufzeigen. Ich stellte dem Denker und Autor Fragen dazu.

Ihre Flugschriftenreihe, deren 7.Band unter dem Titel „Die Sprache der Handlung“ aktuell erschienen ist, steht unter dem Motto „Neues sehen – Neues wagen“. Welcher Grundgedanke findet sich dahinter?

Stellen Sie sich vor, Sie gehen einen Weg, den noch niemand gegangen ist und wissen nicht, wohin er führt – das ist Wagnis. Vernunft, Verstand, Bewusstsein, Unbewusstes, Intuition, Selbst, Fantasie, Trieb, Instinkt, Moral, Gewissen und Sexualität, Erziehung und Rolle sind die Grundbegriffe des autoritären Weltbildes. In diesen ist unser Denken über uns selbst und den Menschen im Allgemeinen fest verankert und mit dem Prinzip der Hierarchie verkettet. Durch deren weitere Verwendung halten wir das alte Weltbild am Leben. Über die Verabschiedung dieser Begriffe das Denken und Handeln frei zu machen, war der erste Schritt.

Das hieße, wir müssten neue Wörter für ein neues Denken erfinden…?

Korrekt. Die Formulierung und Anwendung neuer, von der Geschichte unbelasteter Begriffe, ist das Anliegen der Flugschriftenreihe. Diese kreiert das Gemälde eines neuen Menschenbildes, das dann in der letzten Flugschrift unter dem Titel „Was den Menschen zum Menschen macht!“ zusammengefasst werden soll. In der Gesellschaft sehen wir die Verabschiedung des alten patriarchalen Weltbildes in aller Deutlichkeit am Zerfall der Familien. In allen anderen gesellschaftlichen Organisationen, die noch dem Prinzip der Hierarchie folgen, kämpft der alte Geist um sein Überleben. Es gibt große Betriebe, in denen herrscht in der einen Abteilung ein tyrannischer Vorgesetzter, gleich welchen Geschlechts, der seine Mitarbeiter in die Verzweiflung oder einen Burn-out treibt und in der anderen beobachten wir ein partnerschaftlich-kollegiales Miteinander. Die Zeichen des Umbruchs sind unverkennbar.

Und das neue Sehen? Was zeigt sich diesem?

Ein mächtiges gesellschaftliches Tabu! Die Gewalt der autoritären Frau und ihr verstecktes Matriarchat. Nun kann sie sich nicht mehr hinter dem Bild der heiligen Mutter und des ewigen Opfers verstecken.

Folgt der Aufbau der Reihe einer Systematik, bzw. in welchem Verhältnis stehen die einzelnen Titel der Reihe zueinander?

Ihre Entstehung gleicht dem eines Bildes, einer Skulptur oder eines Gedichts. Über die einzelnen Titel formt sich ein neues Bild des Menschen.

Mit anderen Worten, Sie erschaffen mit all den Büchern eine Art Skulptur, die einen neuen Blick auf den Menschen visualisiert.

Kann man so sagen. In all den Jahrzehnten meiner Arbeit als Psychotherapeut, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, sind mir viele Menschen begegnet, die unter der schulischen Rationalitätsdressur, anders kann man das nicht nennen, sehr gelitten haben. Waren das einfach die Dummen, die halt nichts begriffen haben? Gewiss nicht! Es gibt Menschen, die vor allem in Bildern, Klängen und Düften denken, nicht in der logischen Schlussfolgerung.

Also dürfen gewohnte Wörter nicht ins Recycling gelangen, sondern in den verbalen Sondermüll?

Richtig. Es gibt noch weitere Gründe, warum es an der Zeit ist, sich von den alten Begriffen der antiken Sklavenhalter-Gesellschaften, insbesondere der griechisch-römischen Kultur, zu verabschieden. Die Beziehung von Frau und Mann hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Gleichzeitig vollzieht sich der Umbruch in der Kernzelle der Gesellschaft. Die Familien lösen sich auf.

Zudem hat die technische Entwicklung ein schwindelerregendes Tempo angenommen.

All diese Veränderungen und die damit verbundenen Aufgaben sind mit den alten Begriffen aus längst vergangenen Zeiten nicht mehr zu bewältigen. Gemeint sind die Begriffe, in denen sich der Mensch selbst zu verstehen versucht. Wagen wir es, diesen, vom Hauch des autoritären Weltbildes durchwehten Begriffen Adieu zu sagen.

Wen möchten Sie besonders mit der Flugschriftenreihe ansprechen?

Alle Menschen auf der Suche nach sich selbst, dem Leben und immer neuer Erkenntnis. Der Leser ist eingeladen, an dem Projekt, mit neu zu formulierenden Begriffen am Entstehen eines gänzlich anderen Menschenbildes unmittelbar teilzunehmen. Über die Lektüre der stetig sich erweiternden Flugschriftenreihe kann der Leser eintauchen in dieses Abenteuer. Er kann in neue Denkwelten vorstoßen, sodass sich ihm unbekannte Einblicke und Einsichten eröffnen werden.

Was erwartet den Lesenden der Flugschriften?

2013 betrat ich den Pfad der neuen Worte. Seit 2014 sind jedes Jahr ein bis zwei neue Titel erschienen, was auch in den folgenden Jahren so bleiben soll. Der Leser befindet sich gemeinsam mit dem Autor auf diesem Pfad, von dem niemand weiß, wohin er führen wird. Er ist unmittelbar beteiligt an diesem Projekt gleich einem Fortsetzungsroman, das ist einmalig in dieser Form von Erkenntnisabenteuer.

Wirken sich diese neuen Einsichten für die Leserin und den Leser auch auf die Praxis des Lebens aus? Wenn ja, wie?

Ja gewiss. Mit den neuen Begriffen wird sich seine Wahrnehmung in sozialen Situationen verändern. Er kann dadurch die familiären Muster seiner Herkunft und die anderer in allen erdenklichen Situationen sofort erkennen. Das ist besonders hilfreich in der Partnerschaft, im familiären Alltag mit den Kindern und bei Konflikten im Berufsleben. Aber es geht darüber hinaus um sehr viel mehr: um eine Vision der Überwindung des menschlichen Leidens, der Leere des Nichts, die wir Depression nennen.

Welche Begriffe stellten Sie denn in den vorherigen Büchern auf den Prüfstand?

Die Auseinandersetzung startete mit den Begriffen Trieb, Instinkt, Sexualität, Erziehung und Rationalität, wandte sich dann dem Thema der autoritären Frau zu, um dann bei der Suche nach dem wahren Selbst zu landen. Immer steht im Zentrum, die neuen Begriffe in der konkreten Anwendung vorzustellen. Der Anspruch ist ja, über sie zu vertiefter Erkenntnis vorzudringen.

Im aktuellen, siebten Band der Flugschriftenreihe wird der neue Begriff der Sprache der Handlung eingeführt. Er soll uns die Grundsprache des Menschen, die er mit allen Lebewesen gemeinsam hat, näherbringen. Auch hier erwarten den Leser überraschende Einsichten.

In welches begriffliche Neuland werden Sie uns in den kommenden Bänden entführen?

Der nächste Band wird den Titel „Das Ich-Gesicht“ haben. In ihm wird gezeigt, dass das Ich des Menschen aus den Drehbüchern unserer familiären Geschichte besteht. Ihm folgt dann eine Flugschrift über die Depression, die über das Ich-Gesicht und die Sprache der Handlung ihre Rätselhaftigkeit verliert. Durch den völlig neuen Zugang eröffnen sich die Wege der Bewältigung und der Übergang in eine grundlegend veränderte Lebenshaltung.

Rupert Bucher, geboren 1950 in Lindau am Bodensee. Er studierte Philosophie in München und Marburg, Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität und Bildhauerei an der Fachhochschule (ehemalige Muthesius-Schule), beide in Kiel. Seit 1982 zurück in Lindau, arbeitet er als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Psychologischer Psychotherapeut und Supervisor in eigener Praxis.

Das aktuelle Buch oder Flugschrift: Rupert Bucher: „Die Sprache der Handlung“, Bucher Verlag, 978-3-99018-441-7