Erica Pedretti wird 90 und Chur feiert mit einer Ausstellung

Es waren sehr schöne Begegnungen und Gespräche, mit der Schriftstellerin und Künstlerin Erica Pedretti. Zum Beispiel 2009 am Literaturfestival LeseLenz in Hausach (D), 2010 im züri litéraire im Kaufleuten Zürich zusammen mit Gunhild Kübler, Martin Ebel und Mona Vetsch als Gesprächsleiterin, 2013 am Festival Sprachsalz in Hall in Tirol und 2014 nach den Hottinger Literaturgesprächen im Neumarkt Theater mit Charles Linsmayer. Bei einem Besuch bei Erica und ihrem Mann, Gian Pedretti, am Bielersee, wo sie lebten und arbeiteten, zeigten sie sich als liebenswürdige Gastgebende und ließen uns Einblick nehmen, in eine unglaublich vielfältige Kunstwelt. Gian und Erica teilten sich für ihr Schaffen das Haus in zwei Atelier-Teile. Nun leben sie wieder nach vielen Umwegen durch Europa, New York und die Schweiz wieder in Celerina (Graubünden).

Nach einem Gespräch mit ihr als Schriftstellerin an einer Schule in Baden-Württemberg, durften die Kinder fragen stellen. Ein Junge gab zu, dass er sich mit der Rechtschreibung schwer täte. Sie riet allen Schreibmuffeln, einfach loszulegen, frei und wild die Fantasien, Geschichten und Bilder in Worte aufs Papier zu bringen, ohne gleich auf Fehler zu achten. Der Schulleiter stand auf und betonte aber, doch auf die Rechtschreibung zu achten. Die Kinder verdrehten die Augen und Erica schaute mich an und schüttelte den Kopf. Bei den anschließenden Gesprächen mit den Lehrpersonen, war für sie wichtig, dass Kinder den Mut haben zu schreiben, kreativ zu werden, ohne gleich einen Pflichtriegel vorgeschoben zu bekommen.

Das wechselvolle und nicht leichte Leben von Erica Pedretti, generierte nicht nur eine faszinierende Literatur und Kunst, sondern ihr Schaffen rettete ihr in vielen Momenten den Mut zum Weitermachen.

Nun feiert Erica nicht nur ihren 90. Geburtstag, sondern ihr wird im Kunstmuseum Chur eine große Ausstellung gewidmet.

Urs Heinz Aerni

http://www.buendner-kunstmuseum.ch/de/ausstellungen/aktuell/Seiten/Erica-Pedretti.-Fremd-genug.aspx

Sollen in den Polizeimeldungen jeweils die Herkunft der Beteiligten genannt werden?

In Zürich entfachte wieder die Debatte, ob die Polizei jeweils die Herkunft von involvierten Personen bei Zwischenfällen genannt werden soll. Hier geht es zu einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung…

 

Ein Deutscher, ein Italiener und ein Serbe hätten den Überfall begangen. So stehts in der Zeitung. Wie relevant sind die Aussagen für den Lesenden? Hilft es? Nützt es? Wer will es wissen? Wäre es auch interessant, zu erfahren, ob bei der Schlägerei oder beim Autounfall ein Bayer, ein Hesse und ein Hamburger involviert sind? Wieso nicht? Bei der Massenkollision auf der A1 zwischen Dortmund und Köln durch Nebel waren Autolenker aus dem Saarland, aus NRW, Brandenburg und Bremen beteiligt. Im Berliner Lokalblatt könnte doch darauf verwiesen werden, dass ein Marzaner, ein Neuköllner und ein Spandauer im Nachtclub nach Belästigungen des Personals verhaftet wurden. Und in im Kiezblatt müsste folglich erwähnt sein, dass die prügelnden Gäste von der Hinterhofstraße, der Oberaustraße und der Mittelgasse kommen und einer sogar am Waldweg wohnt.

Urs Heinz Aerni, mütterlicherseits ein Zuger (Zentralschweiz), väterlicherseits ein Solothurner, jedoch in Baden (Aargau) geboren und in Fislisbach (Aargau) aufgewachsen aber in Zürich wohnhaft.

Ist in der Schweizer Version auch am 30. Januar 2020 in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen.

Genossenschaft

Liebe Eidgenossinnen und Eidgenossen

Einer Einladung zur 1.-August-Rede sagte ich geehrt und dankend ab. Und doch, in Anbetracht dessen, dass sich viele Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz in diesen Tagen über den Sinn und Zweck ihres Landes Gedanken machen, erlauben Sie mir analog der eidgenössischen Gepflogenheiten, außer Landes kommende Kräfte zu nutzen, hier und jetzt ein paar Weisheiten wiederzugeben, die für eine nachhaltige Reflexion zum Label Schweiz anregen werden.

Der Kabarettist und Lyriker Heinz Erhardt (1909 – 1979) meint:

„Ein jedes Land hat seinen Reiz

so auch die Schweiz.

Doch frage ich mich, andererseits,

was wäre die Schweiz,

wärn die Berge, die zum Himmel streben,

eben.“

Der Dozent für deutsche Sprache an der Staatlichen Akademie für angewandte Technik in Nürnberg, Richard Pekrun vermittelt im Jahre 1963 im Zürcher Stauffacher Verlag erscheinen Buch „Das deutsch Wort“ folgende Assoziationen zu „Schweizer“:

„Schweizer, der: Einwohner der Schweiz : Kuhknecht : Kuhmeister : Leiter einer Molkerei : Türhüter : Aufseher in kath. Kirchen : Erdeichhorn (…) Schweizerpillen Mz: Abführpillen…“

Der ungarische Schriftsteller Alexander Roda Roda (1872 – 1945) gab folgendes zu: „Als Schweizer geboren zu werden, ist ein großes Glück. Es ist auch schön, als Schweizer zu sterben. Aber was tut man dazwischen?“

Der Franzose André Gide (1869 – 1951) erhielt nicht nur den Literaturnobelpreis 1947, sondern kam zum Schluss, dass ‚jeder Schweizer seinen Gletscher in sich trage’.

Und erst kürzlich erklärte ein Zeitgenosse, welches die stärkste Droge der Schweiz sei: „Die SBB. Ein Zug und du bist weg.“

Ja liebe Genossinnen und Genossen, diese Zeilen machen wach und nachdenklich, nicht?

Laut UNO steht die Schweiz auf dem zweiten Platz im „Index der menschlichen Entwicklung“. Nach Landesgrösse belegt das Land den 133. Rang, nach der Anzahl der Einwohner den 98. jedoch unter den grössten Volkswirtschaften der Erde nimmt die kleine Schweiz Platz 20 ein (Stand 2017).

Es ist wie bei Grossunternehmen im Lebensmittel- und Immobilienbereich, wo hört sie auf, die Genossenschaft, und wo fängt er an, der Konzern?

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtitpp zum Jahrestag der Eidgenossenschaft: „Die tintenblauen Eidgenossen – Über die literarische und politische Schweiz“ von Peter von Matt, DTV, 978-3-423-34094-6

Spenden oder nur Wünschen?

Zuerst fand ich das eine gute Idee. Eine Bekannte startete anlässlich ihres Geburtstages via Facebook eine Spende-Aktion für eine gemeinnützige Organisation, wohl mit der Überlegung, dass die Leute nichts schenken sollen, sondern etwas Gutes unterstützen. Aber bei Lichte betrachtet, ist es doch nicht so optimal, dieses Konzept. Warum?

Erstens, soll nicht erwartet werden, überhaupt beschenkt werden zu müssen. Zweitens, gibt es Zeitgenossen, die einfach alles Gute wünschen möchten, ohne Geld ausgeben zu wollen. Drittens, die zu unterstützende gute Sache finden vielleicht nicht alle genau so gut. Viertens, wenn Freunde nur Glückwünschen können, wenn eine Spende damit gekoppelt ist, erzeugt das einen unangenehmen Druck.

Bei der besagten Bekannten, wünschte also mal nur alles Gute. Resultat: Keine Antwort und dann wird auf der publizierten Liste mit allen Spenderinnen und Spendern erkennbar, dass mein Name fehlt und ich dann als Erbsenzähler verdächtigt werde.

Also meine Lieben, zu meinem 56. biologischen Betriebsjubiläum, kann freiwillig hier gespendet werden: BirdLife, «Kultur am Pass», Pro Natura, NABU, Ärzte ohne Grenzen, Naturschutzbund Österreich, Sprachsalz oder Deutsch Schweizer PEN, dies als kleine Auswahl.

Auf jeden Fall, lasst uns das Glas erheben, auf Gesundheit, Fröhlichkeit und in Gedenken an liebe Menschen und vor allem an solche, die nicht mehr mit bei uns auf dem blauen Planeten weilen.

Herzlich
Euer Urs

Zum 10. Mal heißt es wieder „Berg & Buch“ über Ostern im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Vom 19. bis 22. April 2019.

Es werden wieder viele neue Bücher präsentiert, Geschichten erzählt und Kinder machen Bücher!

Programm:
So macht man Bücher!

In dieser Werkstatt lernen wir, wie man Bücher unkompliziert mit Nadel und Faden bindet. Dazu braucht es neben Nadel und Faden noch Zeichenpapier und einen Fotokarton sowie ein wenig Geduld.
Mit Buntstiften, Wasserfarben oder einer Collage gestalten wir die fertigen Bücher.
Danach experimentieren wir noch mit verschiedenen Textsorten – Zum Beispiel probieren wir Elfchen, Stabreime, Haiku, Schnitzltexte oder die sogenannte „visuelle Poesie“ in der Praxis aus. Im Anschluss können die Kinder ihre Bücher mit nach Hause nehmen.
Geeignet für Kinder im Alter von 7 – 12 Jahren. Melden Sie sich an der Réception an.
Mit dem Künstler und Autor Christian Yeti Beirer. Viele Ausstellungen zeigten von ihm Karikaturen, Kalender-, Buch-, und Plakatillustrationen, von Wien über New York bis Innsbruck. Der Künstler aus Österreich ist zum ersten Mal in Graubünden.

Zeiten: Karfreitag & Ostersonntag ab 16 Uhr und Ostersonntag

Geben Sie Ihrem Gesicht ein neues Antlitz
Der Grafiker, Maler und Karikaturist Ralf-Alex Fichtner wird Sie innert weniger Minuten porträtieren. Sie setzen sich ihm gegenüber und er legt los mit Pinsel, Tusch und Farbe.

Ralf-Alex Fichtner wurde 1952 in Aue im Erzgebirge geboren und lernte Werkzeugmacher und Plakatmaler. Seit 1987 ist er freischaffender Künstler, Mitglied in Künstlervereinigungen, entwarf viele Auftragsarbeiten, die von Museen und Banken erworben werden. Die größte Arbeit war eine Wandgestaltung einer Bank in Nürnberg.

Zeiten: Während den Osterfeiertagen tagsüber in der Lobby.

„Ohne Krimi geht die Mimi…“
Lesung von und mit Claudia Puhlfürst

Sie nennt sich die „Kriminelle Schreibtischtäterin aus Sachsen“. Die 1962 geborene Claudia Puhlfürst wirkte in der Branche Biologie, Chemie als Dozentin für Anatomie und Physiologie an der medizinischen Fachschule Zwickau. Als Redakteurin und Herausgeberin arbeitete sie für verschiedene Verlage u. a. auch für den DUDEN. Als Schriftstellerin publiziert sie zudem erfolgreich Thrillers und Kriminalromane. „Eine der besten deutschen Psychothriller-Autorinnen!“ Westfalenblatt.

Zeit: Samstag, 20. April um 21 Uhr in der Gabar

Die höchstgelegenste Buchmesse mit Büchern aller Art mit den beiden Buchhändlerinnen Alexandra Vogel und Susanne Müller ist über ganz Ostern geöffnet.

Alle Veranstaltungen und Buchmesse sind frei zugänglich und öffentlich.

Wir freuen uns auf Sie! Claudia und Andreas Züllig-Landolt, Gastgeber und
Urs Heinz Aerni, Kulturverantwortlicher Schweizerhof

Amuse bouche aus dem Bücherfrühling

Es ist Bücherfrühling. Neben meinem Computer steht ein Stapel Bücher; Bücher, die ich empfehle, aber wie soll ich das auf so wenig Platz tun? Ah, ich pflücke daraus je einen Satz, so quasi als Amuse bouche:

«Manchmal ist’s, als schliefen wir um eines Traumes Willen», Hans Ulrich Bänziger aus «Ahnungslose Beute» (Wolfbach). «Ihre Augen wurden feucht, vom Rauch der Kerzen?», Markus Ramseier aus «In einer unmöblierten Nacht» (Haymon). «Ich fühle den Wanderweg mehr unter mir, als ich ihn sehe.», Johanna Romberg aus «Federnlesen» (Lübbe). «Das Sterben ist das Schönste am Tod», Aglaja Veteranyi aus «Wörter statt Möbel» (Der gesunde Menschenversand). «Todesanzeigen enthalten in der Regel drei Informationen, die von größter Bedeutung sind.», Elias Schneitter aus «Über die Jahre» (Anthologie Pyjamaguerilleros). «Die Antworten auf die Frage nach den Grenzen der Pädagogik haben immer einen mythischen Anteil.», Martin Kunz aus «Die stille Erotik der Melancholie» (Bucher). «Die Frau am Empfang sieht uns an, als beträten zwei Aliens ihr Haus.», Beat Glogger aus «Zweimaltot» (Reinhardt). «Nur bin ich nicht die werbeträchtige Luxusuhr, die vom Vater auf seinen Sohn übergeht.», Christof Gasser aus «Blutlauenen» (Emons). «Du müsstest unbedingt mal indische Philosophie lesen, gerade du, Vanessa.», Patrizia Hausheer aus «Was soll das alles» (Arisverlag). «Es ist ihr klar, dass sie Luca nicht einfach aushalten kann.», David Weber aus «Reduit» (Knapp). «Sofort begann es zu schäumen und sich blutrot zu färben.», Alexander Günsberg aus «Tanz der Vexiere» (Münster). «Nun war es Sonntag, sein Veston verbeult und sein Anzug lamentabel.», Benedikt Meyer aus «Nach Ohio» (Zytglogge). «Selbstverständlich habe ich Sie manipuliert, was erwarten Sie?», Markus Bundi aus «Alte Bande» (Septime). «Mein Gott, Anke, ich … ich … wusste ja nicht …», Wolfgang Marx aus «Am grauen Meer» (Kameru). «Im Grunde sah man nur einen Wuschel schwarzer Haare.», Simon Libsig aus «Der Velodieb, der unters Auto kam» (Librium).

Und wenn Sie noch Fragen haben sollten, so treffen Sie mich anlässlich «Berg & Buch» vom 18. bis 21. April im Hotel Schweizerhof Lenzerheide.

Diese Kolumne erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE.