Zwei entdeckte Bücher

Es war in der Pause eines Theorieabends über Vögel in Zürich. Der Verfasser dieser Zeilen kam mit Meret Gut ins Plaudern, auch über Literatur. Sie outete sich als Lyrikerin. Die Neugier war geweckt und führte ihn dazu, sie zu fragen, ob er etwas lesen dürfe. Am nächsten Theorieabend – es ging um Limikolen – händigte sie ihm das Manuskript aus. Noch in der Straßenbahn ließ er sich auf ihrem Wortteppich durch die nächtliche City gleiten. Jedoch nicht im taumelnden Traum der Verklärung, es ist eher eine Art der Erdung, die hier bei der Lektüre geschieht. Als würde man auf einem moosigen weichen Waldboden gehen, irgendwie archaisch, direkt und naturnah. Die 1989 geborene Meret Gut schloss mit einem Master in Molekularbiologie ab, unterrichtet Biologie, kämpft für den Naturschutz … und schreibt Poesie! Eine Poesie, die nach deren Genuss weiter austreibt und gedeiht. Dies zum ersten entdeckten Buch.

Als Radio SRF eine Besprechung eines literarischen Buches über Vögel ankündigte, wurde der Verfasser als Leser und Hobby-Ornithologe hellhörig. Und fürwahr, nach dem Interview mit den beiden Brüdern und Autoren Jürgen und Thomas Roth wurde das Buch beschafft. Jürgen Roth wurde 1968 geboren und lebt als Schriftsteller in Frankfurt am Main, er schreibt für Medien wie FAZ, taz oder die Titanic. Thomas Roth wurde 1971 geboren und lebt als Historiker im Rheinland. Beide fanden schon früh ihre große Liebe zu den Vögeln.

Aus den rund 11´000 Vogelarten besprechen die beiden ausgesuchte Arten wie andere Filme oder Romane. Sie kreisen all die Eigenarten der gefiederten Subjekte fabulierend und aus der Fachliteratur zitierend solchermaßen ein, dass der Lesende zu staunen beginnt. Ein Staunen über den Umstand, wie etwa in alter Zeit die Tierwelt interpretiert wurde und wie Esprit und Witz der Sprache guttun kann. Und erst recht ein Staunen über all das Wunderbare, was in der Welt der Piepmätze geschieht.

 

Urs Heinz Aerni

Die Angaben zu den Büchern: „Einen Knochen tauschen wir“ Gedichte von Meret Gut, Wolfbach Verlag, ISBN 978-3-906929-00-2; „Kritik der Vögel – Klare Urteile über Kleiber, Adler, Spatz und Specht“ von Jürgen und Thomas Roth, Verlag Blumenbar bei Aufbau, ISBN 978-3-351-05032-0

Die drei oben erwähnten Schreibende werden am Festival Sprachsalz 2018 in Hall in Tirol zu Gast sein. Hier gelangt man zum Programm.

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Die Kunst des digitalen Grüßens

Wie grüßen Sie? Also nicht auf der Straße oder im Laden, sondern digital, am Schluss einer E-Mail. Hier herrschen ganz eigene Gesetze. Nirgend sonst in der Kommunikation wird dergestalt mit der Grußformel gespielt und variiert wie im Mail-Verkehr.

Wenn die Presseabteilung eines Verlages anfragt, ob ich ein Buch besprechen möchte, wird immer «herzlich» gegrüßt. Die ungeschriebenen Grußgesetze zeigen den Aggregatszustand der Beziehungen an. Da war zum Beispiel die Dame, mit der ich für ein Projekt zu tun hatte. Wir wechselten via Mail vom «Sie» zum «Du». Jede Mail in der Startphase schloss mit «Liebe Grüße» oder «Herzliche Grüße» oder gar nur mit «Herzlich». Dann kamen die ersten Herausforderungen in Planung und Budgetierung etc. Hier begannen die ersten unterschiedlichen Ansichten und Arbeitsmethoden zum Vorschein zu kommen, also auch Meinungsunterschiede. Demgemäß schienen sich die Grußworte der Stimmungslage anzupassen. Vom «Herzlich» mutierte es sich herunter auf «Beste Grüße» und «Gruß». Wenn kalter Krieg herrscht, so liest man dann wieder «Freundliche Grüße», der eisige Tiefstand in der Austauschkultur. Im Comics hätten die Sprechblasen dann Eiszapfen. Ich wollte es schon mit dem veralteten «Hochachtungsvoll» versuchen aber das wäre eines zu viel aufgesetzt. Wir hüpfen also heutzutage zwischen «Herzlichst», was ja schon eine Umarmung bedeutet, und dem Formalen, wo wir uns fast zwingen müssen, überhaupt zu grüßen. Ich stelle mir die Frage, was heutzutage Freundschaften noch auszuhalten vermögen. Da ich nicht weiß, was Sie von meinen Kolumnen halten, schließe ich mit folgendem Gruß … Moment, in der Kneipe, in der ich diese Zeilen schreibe, grüßt mich der Wirt, der frei heraus erklärt, dass er schwer krank ist …

Da verpixelt mein obiges Gedankenspiel zum Luxusproblem, nicht?

Herzlich, Ihr

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp: «Duden Ratgeber – Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben» Bibliographisches Institut, ISBN 978-3-411-74303-2

Beitrag erschien auch in der Bündner Woche und Berglink Berlin

Kein Schutz und neue Fragen an die Schützenden

Seit 20 Jahren gelang es in der Schweiz nicht mehr, ein neues Refugium für die Natur einzurichten. Die Meldungen über Artensterben und zunehmende Belastung der Umwelt durch Bautätigkeit und Lärm verursachen lediglich Schlagzeilen in den Medien aber kein Umdenken bei Menschen, die stattdessen lieber weiterhin Pilze sammeln oder jagen wollen. Die erneute Ablehnung zu einem Nationalpark im Tessin nach dem Volksnein gegen Nationalparkt Adula nötigt uns folgende Fragen ab:

Was braucht es noch, bis die Gesellschaft feststellt, wie groß ihre Verantwortung gegenüber ihrer Lebensgrundlage, die Natur, eigentlich ist? Wie viele Pflanzen und Tiere müssen noch verschwinden, bis alle merken, dass nun das Steuer herumgerissen werden muss? Aber auch die Verantwortlichen der Umweltverbände müssen sich Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel diejenige, ob nicht die bisherigen Konzepte und Mittel in Sachen Kommunikation, Information und Kampagne einer Sanierung bedürfen. Nebst vielen erfolgreichen kleineren Projekten in den Regionen gelang es trotz vielen Spenden und einer beachtlichen Mitgliederzahl den Naturschutzorganisationen nicht, seit dem 1914 gegründeten Bündner Nationalpark einen zweiten zu realisieren. Hier ist kritische Analyse in den eigenen Reihen angesagt. Diese Zeilen entstehen kurz vor dem Urlaub im Österreichischen Nationalpark Neusiedlersee, wo wir sehr gerne unser Feriengeld ausgeben werden, wegen der fantastischen Natur.

Der passende Buchtipp: „Naturschutz – Ein kritischer Ansatz“, Klaus-Dieter Hupke, Springer Spektrum, ISBN 978-3-662-46903-3

Dieser Text erschien zuerst in der BÜNDNER WOCHE

Ein Angebot auf Erdoğans innovative Bildungsidee

Sie haben es sicher vernommen: der türkische Machthaber möchte im Westen Schulen einrichten, die Religions- Geschichts- und Kulturlektionen erteilen sollen (siehe Bericht hier per Mausklick).

Nun, dazu schrieb ich ihm einen Gegenvorschlag, den Sie hier lesen können…

 

Der Text erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE

 

 

 

Die innere Not auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Die innere Not ist die uns nächste, egal ob der immensen Tragödie in Syrien oder Nordafrika. Liegt es an der Machtlosigkeit unsereins im globalen Getriebe der Katastrophen? Diese und andere Fragen stellte ich mir nach dem Verlassen des Kleintheaters Sogar in Zürich. Es wurde der „Der Trafikant“ gespielt nach dem Roman des österreichischen Autors Robert Seethaler. Es handelt von der Geschichte des Jungen Franz Huchels, der wirtschaftsbedingt von seiner Mutter aus dem beschaulichen Salzkammergut nach Wien zur Arbeit geschickt werden musste, als Lehrling bei einem Kriegsinvaliden in einer Zeitungs- und Tabak-Trafik. Dies in den Jahren 1937 und 1938. Es rumort. Durch die selbstherrlichen und marodierenden Nationalsozialisten draußen in der Stadt, und drinnen im Herzen des jungen Franz. Aber dafür sorgt seine Liebe zur drei Jahre älteren Böhmin Anezka mit der er erste erotische Erlebnisse erfuhr. In seiner Liebesnot sucht der Junge beim Stammkunde Sigmund Freud Anschluss mit der Frage: „Stimmt es, dass Sie den Leuten den Schädel wieder geraderichten können?“

Das vielstimmige Stück scheint zu beweisen, wie die vermeintlich große Welt um uns herum immer wieder erodiert, unabhängig wie es um die relevante Welt in uns steht. Auf jeden Fall bannt diese Inszenierung auf der besagten Kleinbühne jede und jeden aber mit dem Effekt eines emotionalen Umkehrschubs. Wie? Der Schauspieler rührte mit seiner brillanten Kunst an unseren Schlaf des Alltags.

Der hier erwähnte Schauspieler ist Hanspeter Müller-Drossaart und wie es zur Idee kam, den „Trafikant“ zu spielen, ist dem Verfasser nicht bekannt, nur eines ist gewiss: die von ihm verkörperte Umsetzung einer Geschichte, die uns alle nie in Ruhe lassen wird, dürfte aus den vielen bisherigen Aufführungen mit guten Gründen herausragen, die da wären: Virtuosität des Allzumenschlichen und der Sprache, Szenische wie technische Raffinesse ohne dem Liebäugeln einer dramaturgische Aufpeppung zu verfallen. Dem Darsteller konnte von den Lippen abgelesen werden, dass die Sache der inneren Not und zugleich des unsäglichen Weltgetöses noch lange nicht ausgestanden ist.

Urs Heinz Aerni

PS: Hanspeter Müller-Drossaart ließ mich wissen, dass er mit dem „Trafikanten“ demnächst auf Tour geht. Also dran bleiben.

Der passende Buchtipp: „Der Trafikant“ von Robert Seethaler, Kein & Aber, ISBN 978-3-0369-5909-2

Beginnt ein Label zu schwanken?

Es ist schon lange her, die Veranstaltung auf Einladung des Verlegers Dirk Vaihinger von Nagel & Kimche zum Austausch ins schöne Hotel Waldstätterhof in Brunnen am Vierwaldstättersee. Es versammelten sich Autorinnen, Verleger, Buchhändlerinnen, Journalisten und anderweitig Publizierende. Wir saßen in einem feudalen Saal, das Fenster stand offen und gab die Sicht frei auf die Urner Berge hinter gleißendem Wasser und vor stahlblauem Himmel. Als die Podienteilnehmenden fast alle zugleich und mit etwas Sehnsucht rausschauten, fuhr in diesem Moment ein hornendes Schiff vorbei mit wehender Schweizer Flagge. Da konnte der damalige Hanser-Verleger und heute freischaffender Lyriker Michael Krüger, nicht anders als auszurufen: «Was sorgt sich die Schweiz, schaut Euch das an, diese herrlich glitzernden Berge!» so sinngemäß, wie gesagt, ist schon eine Weile her. Da ergriff der beliebteste Literaturwissenschaftler Peter von Matt das Wort, zeigend mit dem Finger auf die selben Berge: «Und drinnen, drinnen donnert die Hölle!» Das Publikum verstand sofort die Anspielung der beiden Medaillenseiten der Schweiz. Betrachten wir die sogenannte Kehrseite derselben. Was macht sie den aus, die Schweiz oder die Idee der Schweiz? Müssen wir uns Sorgen machen um die die zahlreichen Gütesiegel, die für ein Lebensprinzip namens Schweiz garantieren? Nach dem Grounding der Swissair, zerkratzten die UBS und die Credit Suisse mit ihren Risikogeschäften ziemlich das Image des Alpenstaates und die Raiffeisen stolperte im Expansionswahn gleich hinterher. Ähnlich wie sich die Schweizerische Post immer mehr vom Otto Normalverbraucher entfernt, verspielte die Postauto AG dank den Gelüsten auf mehr Boni das Vertrauen der landesweiten Mitinhabern, sprich Steuerzahler. Die SBB, wohl lernunfähig und beratungsresistent, schliddert immer mehr in die Negativzeilen mit ihrer Preispolitik bei Kindern mit Rentnern und als aufstrebenden Immobilien-Giganten mit Fokus auf Rendite, koste was es wolle. Das Gesundheitssystem verlässt das gemeinnützige Ideal durch Privatisierung von Spitälern und psychiatrischen Kliniken. Es wird ständig diskutiert, wer die Kosten für die Räumungsarbeiten in Bondo bezahlen soll, was die Sicherheit am WEF in Davos kostet und in Bundesbern wird über die Kürzung der Sozialleistungen für Menschen am Rand der satten Gesellschaft debattiert.

Sie haben Recht, jetzt sieht es der Verfasser doch allzu pessimistisch. Wir haben ja unsere SRF gerettet, die Zürcher Kantonsregierung schuf den 5-Frankenzuschlag auf den Schiffen ab und schlussendlich sind unsere Seen inzwischen so sauber, dass überall darin gebadet werden kann, auch wenn die Berufsfischer für sich engmaschigere Fangnetze reklamieren, da die Fische nicht mehr so groß werden, wie damals im trüben Wasser … jetzt muss ich schauen, dass ich mich nicht verheddere.

Urs Heinz Aerni

(Die Kolumne erschien zuerst in der Zeitung Bündner Woche)

Der passende Buchtipp: „Total alles über die Schweiz“, Susann Sitzler, Folio Verlag, ISBN 978-3-85256-673-3

MINNE meets POETRY

Vom 7. bis 11. März 2018 geht das Festival MINNE meets POETREY an verschiedenen Orten in Konstanz über die Bühnen. Es ist der finale Höhepunkt des Jubiläums „600 Jahre Konstanzer Konzil 2017 – 2018“. Nach Mitwirkung in der Kunst-Jury durfte ich zusammen mit dem Kulturamt-Team das Programm des Festivals zusammenstellen…

Ein paar Worte vorab

Sie suchten das Seelenheil, die Macht, ein neues Europa oder auch nur das Geld, damals in Konstanz von 1414 bis 1418. Seit daher kamen und gingen Herrscher und Päpste, und so mancher Krieg zerzauste den Kontinent. Was blieb? Die Sehnsucht nach neuen Horizonten und die Neugier. Aber auch das Vergnügen, wissen zu wollen, wie damals es hier in der Stadt am Bodensee zu und her ging. Immer wieder versuchen wir herauszufinden, was die Menschen vor 600 Jahren glaubten, fühlten und dachten. Von 2014 bis 2017 widmeten sich Kunst- und Kulturschaffende den verbliebenen Spurenelementen des Konzils und bereicherten die Stadt mit Visionen, mit kreativem Esprit. Sie beschäftigten sich mit den selben Fragen ans Leben, die uns nicht ruhen lassen.

Nun geht es mit dem „Jahr der Kultur“ ins Finale des Konziljubiläums mit dem Festival „MINNE meets POETRY“. Dieses mannigfaltige Programm wurde im Geist von Oswald von Wolkenstein programmiert und zusammengestellt. Ein Minnesänger, Ritter und Diplomat aus Südtirol, der nicht nur hier seine Spuren hinterlässt, sondern quer durch Europa. Er war ein Lebemann, ein Händler und Verhandler mit allen Hochs und Tiefs, er taktierte, kannte das Leben in Saus und Braus und das Schmachten in der Zelle. Diese mit allen Wassern gewaschene Biografie inspiriert das Festival mit der Absicht, Kunst und Poesie mit dem Leben zu verbinden, das alltäglich uns auf Trab hält. Bevor Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nun das Programm studieren um dann in neue Welten des Sinn und Geistes hinüberzuwechseln, möchte ich einen großen Dank ausrichten.

Dieser Dank gebührt dem ganzen Team des Kulturamtes und der Konzilstadt Konstanz für eine Zusammenarbeit, die man sich einfach nur wünschen kann. Auch den Mitwirkenden im Beirat ganz zu Beginn der Planung, die mit Ihren Ideen und Erfahrungen wunderbare Bereicherungen waren und maßgeblich zum Esprit des Festivals beigetragen haben, übermitteln wir einen großen Dank.

Liebe Besucherinnen und Besucher des Festivals, das Leben zu verstehen, wird uns wohl auch nicht im letzten Jahr des Konziljubiläums nicht gelingen aber es zu entdecken und zu genießen hoffentlich schon.

Urs Heinz Aerni

Hier gehts zu mehr Informationen und zum detaillierten Programm.

«Eine befreiende Entkörperlichung»

Daniel Sonder hat Psychologie und Philosophie studiert. Viele Jahre arbeitete er als Software-Entwickler – nun ist sein erster Roman erschienen: «Der Schönschreiber».  «Philosophisch, romantisch, lüstern und ebenso ironisch»: Mit diesen Adjektiven bewirbt der Arisverlag den ersten Roman von Daniel Sonder. Ich besorgte das Buch, begann zu lesen und kam zum Schluss, dass ich dem Autor folgende Fragen stellen möchte.

Lesen Sie das Interview, das im Bündner Tagblatt erschienen ist, in dem Sie hier anklicken.

„Damalige und zeitgenössische literarische Kreativität vermengen sich.“

Vom 7. bis 11. März 2018 findet in Konstanz das Festival „MINNE meets POETRY“ statt. Zusammen mit dem Kulturamt durfte ich ein Programm zusammenstellen. Später lesen Sie hier meine Gedanken dazu, doch vorher haben die Leiterin des Kulturamts, Sarah Müssig, und ich Fragen beantwortet; lesen Sie das Interview hier…

Und wer es genau wissen möchte, was am Festival geboten wird, kann hier anklicken…

 

 

 

REPUBLIK und seine Newsletter

Nach langem Vorspiel und mit viel Startgeld startete das journalistische Projekt REPUBLIK in Zürich mit der Arbeit. Im Vorfeld wurden wir Abonnentinnen und Abonnenten mit sehr vielen Newslettern beliefert. Soeben ist wieder ein Newsletter eingetroffen, der mich zu folgendem Schreiben veranlasste:

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Republik

Nach einer Unmenge von Newslettern und Ankündigungs- Vorfreude-Mails ist Eure eigentliche Arbeit gestartet.
Nun wähne ich mich in gespannter Erwartung als Abonnent und Leser auf die News, Infos, also die Resultate Eures neuen Jobs.

Nun, nach dieser heutigen neuen E-Mail über Details aus Eurer Redaktion wie über fehlende Links und PDFs und schlafenden Informatikers und erste Entschuldigungen für zu lange Texte und Einladungen zum Reden und Feedbacks, gestattet Ihr mir die Meinung, dass es für mich noch zu viel Brimborium drum herum herrscht. Jetzt wäre es doch mal an der Zeit, sich in den journalistischen Alltag zu knien, zu produzieren, zu recherchieren und zu berichten.

Wir, die auch täglich nach unserem täglich Brot schauen müssen, sprich arbeiten, haben schlicht nicht die Zeit, Euch so viel Aufmerksamkeit zu schenken, um bei jedem Newsletter Fragen zu stellen, mitzudenken oder zu kommentieren. Und nebst der „Republik“ gibt es nicht wenige Digital-Journale, die ihre Sache auch nicht schlecht machen wie Zentralplus, Watson, Nau, TagesWoche, Tsüri, Finews, Onlinereports, Inside Paradeplatz und Infosperber ohne diejenigen zu erwähnen, die ja auch schon sehr digital aktiv sind wie Spiegel, Focus, Vice, Standard etc.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von Republik, nun habt Ihr ein schönes Sümmchen Startgeld, macht was draus und überzeugt uns als Lesende, dass Ihr uns so richtig verwöhnt mit gutem, fundierten Journalismus mit Esprit und Überraschenungen.

Herzliche und kollegiale Grüße
Urs Heinz Aerni
Redaktion Berglink.de Berlin

 

Dieser Text entstand nach dem Erhalt dieses Newsletters:
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Gesendet: Dienstag, 16. Januar 2018 um 07:00 Uhr
Von: Republik
An: Urs Heinz Aerni
Betreff: Ihre Kritik verbessert die Republik (bevor Sie durch Roboter ersetzt werden)

Ladies and Gentlemen,

langsam erholt sich die Crew von den Aufregungen des Starts: Die schreibende Redaktion hat wieder geduscht, während die IT noch immer schläft, nach zwei Nächten, die sie durchgearbeitet hat.

Wir danken Ihnen für Ihr Lob, aber auch Ihre Kritik. Wir haben dadurch schon einiges gelernt. In den Diskussionsforen etwa fehlen die Möglichkeiten zu Absätzen und Links – und überall sauber druckbare PDFs. Wir werden uns an die Arbeit machen, sobald der erste Informatiker wieder aufwacht.

Und der Autor unseres gestrigen Monsterartikels über Politik und Irrationalität, Constantin Seibt, hat sich vorgenommen, sich künftig einen Hauch kürzer zu fassen. Besonders wenn ein Essay mit dem Fazit «Nimm dich nicht so wichtig» endet, sollte man davor nicht 50’000 Zeichen schreiben, so interessant man das Thema auch findet.

Nun, nach dem Anschlag gestern lassen wir es heute ruhiger angehen. Sie finden nur einen Artikel, aber der behandelt die vierte industrielle Revolution. Und damit die Frage, ob Ihr Job von einer Maschine ersetzt wird.

Das zentrale Problem, das der Artikel «Aufstieg der Maschinen» von Mark Dittli debattiert, lautet: Ist diesmal alles anders? Denn drei Mal ging es bisher gut: Jede Welle von technologischen Erneuerungen schuf mehr Jobs, als sie vernichtete. Doch wurden drei Mal nur Muskeln von Menschen ersetzt – bei der Digitalisierung nun geht es um die kognitiven Fähigkeiten.

Dittlis These: Die Jobs sind nicht einmal die entscheidende Frage. Sondern etwas anderes.

Was? Das lesen Sie am besten bei einem Kaffee, einem der Dinge, bei dem der menschliche Hals bei der Anwendung noch lange jeder Computertastatur weit überlegen sein wird.

Mit besten Grüssen
Ihre Crew der Republik

 

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