Fragen zur wachsenden Macht der Technologie

Konzerne wie Google, Amazon, Alibaba und Facebook fördern die Globalisierung, so sagt man. Parallel wachsen politische Kräfte für Nationalismus, Sezession und Lokalpatriotismus. Zurzeit läuft in Zürich das World Web Forum, an dem Manager und Politiker über die Frage diskutieren und referieren, wie stark die Digitalisierungs-Riesen auf die Wahlen, das politische Verhalten und das Weltbild Einfluss nehmen.

Das Programm kann heute hier live verfolgt werden, dank SRF …

 

Für diejenigen, die sich die obigen und ähnliche Fragen stellen aber Lust haben auf gute Lektüre am Kaminfeuer, kann ich diese Bücher empfehlen:

JOEL LUC CACHELIN: INTERNETGOTT, Stämpfli Verlag

In diesem Buch wird aufgezeigt, wie fast unmerklich eine neue Art Gottheit in digitaler Form auferstanden ist. Die Hörigkeit an die digitale Macht und Vision fördert ähnliche Mechanismen wie damals das Nachbeten und Verbeugen vor den Mächten, die behaupteten, Gott zu vertreten. Chachelin warnt davor, dass diese Kräfte beginnen die Wahrheit für sich zu beanspruchen und im Namen ihrer mit uns zu machen, was wir eigentlich nicht wollen.

 

GERD LEONHARD: TECHNOLOGY VS. HUMANITY – Unsere Zukunft zwischen Mensch und Maschine, Vahlen Verlag

Hier wird nicht nur dokumentiert, wie eine gesellschaftliche Umwälzung in einem rasanten Tempo geschieht, ohne dass sich die Betroffenen dessen bewusst sind. Die Technik entwickelte der Mensch als Werkzeug, nun wird sie aber immer mehr zum Selbstzweck. Das heißt, wir überliefern den Maschinen nicht nur immer mehr freiwillig Informationen und intime Details über uns, sondern überlassen ihnen auch Verantwortung, Steuerungshoheit ja sogar die Auswertung und Einschätzung der Verwendbarkeit der erhaltenen Daten. Gehen wir mit der Technologie einen Deal ein, ähnlich dem literarischen Vorbild von Faust?

 

Noch haben wir es in der Hand, aber wie lange noch? Lesen Sie die beiden Bücher und stellen Sie die soeben gestellte Frage nochmals.

Ausgehtipp zum Thema:

„Machen wir uns bereit – Die Herausforderungen der Digitalisierung“

Zwei Tage für dieses Thema. Freitag, 26. und Samstag, 27. Januar im Atelier für Kunst und Philosophie, Albisriederstraße 164, 8003 Zürich.

Das Programm und den Kontakt finden Sie hier…

 

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Das Ende eines Volkssports?

Die UEFA Champions League können im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, also SRF, ARD, ZDF und ORF nicht mehr gezeigt werden. Grund: zu teuer für die Sender. Auch die 1. und 2. Bundesliga können die klassischen Sender nicht mehr zeigen, zum Teil sogar auch die Zusammenfassungen nicht. Deshalb baut das Schweizer Fernsehen SRF die Berichterstattung der Super Leage (Nationaliga A) aus, wohl als Kompensation und Trost für Fußballfreunde, die sich die Abonnemente der Pay-TVs nicht leisten können oder wollen. Der gemeinsame Fußballabend mit Freunden zuhause vor dem Fernseher geht nur noch bei jemanden, der den richtigen Kanal für das gewünschte Spiel abonniert hat. UEFA baut die beiden Europaligen aus, damit sie mehr verdienen. FIFA hat seine Glaubwürdigkeit seit die Hoffnungen auf den neuen Chef sich in Luft aufgelöst haben, vollends verspielt. Privatbesitzer von Clubs leisten sich 220 Millionen Euro für einen Spieler und die Bandenwerbung in den großen Stadion wurden zu kleinen Kinos, die das richtige Produkt genau dann zeigen, wenn das Spiel daran vorbeizieht. Ein Präsident eines spanischen Clubs drohte den Steuerbehörden gemäß eines Berichtes der ARD, dass sie den Spielbetrieb einstellen würden, wenn die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung weiterliefen.

Das, was im Spitzenfußball geschieht ist nichts anderes als ein Spiegel der restlichen Gesellschaft; es geht nicht mehr um Inhalte, es geht nur noch um den Reingewinn. Was tun wir? Mit der Faust im Sack die teuren TV-Abos bezahlen oder mit unseren Kindern auf den nächsten Regionalfußballplatz gehen um einen genau so spannenden Match zu erleben?

Hopp FC Rhäzüns!*

 

* Rhäzüns ist eine Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden mit beeindruckender Fußballtradition

Für Leserinnen und Leser aus Deutschland würde ich „Hopp FC 03 Radolfzell“ rufen (schönes Städtchen am Bodensee) und für Leserinnen und Leser aus Österreich rufe ich „Hopp SV Hall“ (ein Städtchen in Tirol umgeben von Bergen, mit dem ich langjährig durch das Festival Sprachsalz verbunden bin).

Der passende Buchtipp: „Spielfeld Europa: Landschaften der Fußball-Amateure“ von Hans van der Meer, Steidl Verlag

Die Kolumne erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE