Was steckt kulinarisch in den Alpen?

Welche Geheimnisse in den Alpen versteckt sind und für unsere Sinne kulinarischer Hinsicht entdeckt werden können, wurde den staunenden Gäste im Scalottas des Hotels Schweizerhof Lenzerheide auf genussreiche Art präsentiert. Werner Tobler und Hansjörg Ladurner kochten Gerichte rund ums Thema Bündner Wild.
Dazwischen erläuterte der Experte und Buchautor Dominik Flammer wie Kastanienholz auch für Weinfässer verwendet werden oder wie die Honigkultur unglaublich vielfältig ist und mit vielen Detailinformationen machte er deutlich, wie wenig eigentlich wir über das schlummernde Potenzial in der alpinen Natur steckt. Sein großartiges Buch „Das kulinarische Erbe der Alpen“ (AT Verlag), das er zusammen mit dem Fotografen Sylvan Müller herausgab bringt die kulinarischen Schätze im ganzen Alpenraum näher mit Geschichten über eigenwillige Produzenten und Informationen, die hinter den faszinierenden Produkten stecken.

Winzer, Schlossherr und Buchliebhaber Gian Battista von Tscharner begleitete die Gäste mit seinen Weinen durch den Abend. Schon der Einstieg beim Apéro u. a. mit einem kinderfreundlichen Fondue (eine Geschichte für sich) ließ die Spannung steigen. Ein Churer Schiller, bestehend aus Blauburgunder, Pinot blanc und Completer. Er erklärte auch, dass der Begriff „Schiller“ nichts mit dem Schriftsteller zu tun habe, der nebenbei für sein Stück „Die Räuber“ in Sachen Graubünden schlecht recherchiert hätte. Der Begriff käme aus dem Österreichischen „schiach“, was gemäß Herkunftswörterbuch schwierig, unangenehm, unschön bedeutet und es später durch Lautverschiebungen zum Wort „Schiller“ mutierte.

Tscharner stellte u. a. auch den ersten Wein vor, der unter der Regie seines Sohnes Johann-Baptista entstanden ist und zeigte sich glücklich über die Aussichten für sein Weingut.
Scalottas-Koch Hansjörg Ladurner gelang zusammen mit dem Koch Werner Tobler, den Gästen ein kulinarisches Highlight, als perfekter Abschluss der Herbstsaison. Tobler schreibt auf seiner Website: „Ich esse nur noch bei jenen Köchen, von denen ich weiß, dass sie keine Schönschwätzer sind. Ehrliche Handwerker sind mir lieber.“ Ladurner ist so einer, der zusammen mit Souschef René Bissig mit einer einzigartigen Hingabe in ihrer Werkstatt namens Küche dergestalt zaubern, dass es jeden Menschen, der das Wahre und Gute liebt, immer wieder hinziehen lässt.

Noch zeigt der Herbst seine goldige Seite aber die Vorfreude auf die Wintersaison ist bereits da, wenn es draußen kalt ist und das Scalottas wieder ins warme Licht lädt.

Bis es soweit ist, surfen Sie digital zu diesen Webseiten:
Werner Tobler, Koch und Buchautor
Dominik Flammer, Foodscout und Buchautor
Sylvan Müller, Buchautor und Fotograf
Gian Battista von Tscharner, Weinbauer

Übrigens, das oben erwähnte Fondue wurde aus Molke und Käse von Maria Mayer und Martin Bienerth von der Sennerei Andeer hergestellt.

Das Buch „Das kulinarische Erbe der Alpen“ ist im Handel erhältlich.

Weitere Informationen über das Restaurant Scalottas Hotel Schweizerhof Lenzerheide finden Sie hier.

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Kommt nach der Panik der Mut?

Eisbären leiden nicht nur durch den Eisschwund, sondern auch unter Abenteuern. Es geschah am 11. April 2017. Evelyne Binsack stand mit einer Expeditions-Gruppe kurz vor dem Ziel, dem Nordpol. Eine japanische Kollegin verköstigt sich während einer Pause mit Salami und legt diesen auf den Schlitten. Eisbären brauchen für ihr Überleben eine gute Nase und genau eine solche treibt ein Tier direkt auf die Menschen zu. Der Bär frisst die Salami vom verwaisten Schlitten, doch die Angst der Abenteurer führt zu einem Warnschuss mit der Signalpistole und zu einem gezielten Schuss, der den Bären trifft. Evelyn Binsack gibt in einem TV-Interview zu, dass der Gruppenführer diesen Vorfall verschweigen wollte, doch sie rapportiert alles der Polizei. Dieses Ereignis „machte mich so hilf- und ratlos, dass es es für mich fertig und Schluss ist, mit solchen Sachen.“ Eine Nachricht vom 19. April lässt Binsack wissen, dass der Bär durch die Verletzung am Kopf nicht mehr jagen und richtig fressen könne und wohl einen Hungertod erleiden werde.

Dieser Vorfall und der Tod des Extrembergsteigers Ueli Steck löste eine breite Debatte aus, über die Frage, was das alles soll. Binsack erntete Applaus über Ihren Entscheid, mit dem sportmotiviertem Extremreisen aufzuhören und noch mehr dafür, dass sie die peinliche Tragödie um den Eisbären nicht verheimlichte. War es Mut? Oder war ihr klar, dass früher oder später die Sache doch ans Tageslicht gekommen wäre? Die Angst vor dem Versagen und der Enthüllung lässt eigentlich nur einen Gegenangriff zu, eine Strategie, die jeder Medienberater empfiehlt. Warum tun sich Menschen das überhaupt an? Sind Extrem-Abenteurer mutig? Wem müssen sie sich beweisen? War es vielleicht die Angst, ein durchschnittliches Leben führen zu müssen ohne Anerkennung? Der Schuss auf den Eisbären war nicht eine feige Tat, sondern ein Reflex aus der puren Panik. Die Deklaration der Feigheit bekommt die Tat erst aus der Sicht des Publikums vor der Glotze in beheizter Stube. Braucht die Welt solche Helden, die einen Mut präsentieren, den es gar nicht gibt? Gier und Lust generieren Taten, über die andere staunen. Eveylne Binsack erhielt 2016 von der SRF-Sendung „Glanz & Gloria“ den Golden Glory in der Kategorie „Crazy“. Vielleicht brauchte es hier Mut, diesen Preis abzuholen.

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtipp: „Wie Angst mutig macht“ von Gerhard Buzek, Verlag Business Village