Willkommen in was für einem Land?

Im November kommt der Film von Marc Tschudin „Welcome to Zwitscherland“ in die Schweizer Kinos, eine Art Hommage an ein Land samt seinen gefiederten Mitbewohnern, aber nicht ohne Fragezeichen.

Der Journalist, Filmer und Biologe widmete die letzten drei Jahre einem cineastischen Projekt, das den Alpenstaat mitten in Europa als Porträt einzukreisen versucht. Dies tut er aus der Sicht einer Existensebene, die oft übersehen oder überhört wird, aus der Sicht der Vögel. Tschudin verblüfft mit einer Ästhetik der Bilder, die er oft mit liebevoller Ironie auf die Schweiz mit all seiner Schönheit fokussiert, die allerdings anfällig geworden zu sein scheint.

Eine Geschichte zwischen Ankommen und Abschied

Ist die Schweiz eventuell eine Idee, die gewahrt und weiterentwickelt werden muss? Der Rahmen dieses erzählenden Dokumentarfilms ist eine familienbedingte Rückkehr in die alte Heimat mit einer Überraschung im Haus des Vorfahren, die eine ungewöhnliche Tour de Suisse nach sich zieht, bevor es wieder heißt, Abschied nehmen zu müssen. Aber mit einer neuen Beziehung zu dem Land, aus dem man herkommt.

Die Bandbreite der Vielfalt in Kultur und Natur sei in diesem kleinen Land zwischen großen Staaten immens, davon ist Marc Tschudin überzeugt. Und das visualisiert er in seinem ersten abendfüllenden Film. Szenen mit brütenden Feldlerchen, alles niederwalzenden Kampfpanzern, auf Wellen schaukelnden Reiherenten, tanzenden Menschenmengen, singendem Girlitz und glockenschweren Alpaufzügen veranschaulichen wie Gegensätze aufeinanderprallen oder auch Parallelwelten, die möglich sind, zwischen dem Genfer- und Bodensee, zwischen dem Rhein und dem Ticino oder zwischen dem Jura und dem Engadin.

Geduld mit dem Unberechenbaren

Die Idee zu diesem Projekt entstand während der Arbeiten zum Ausstellungsfilm für die Schweizerische Vogelwarte Sempach. Die Identität eines Landes im Kontext der vielfältigen aber verletzlichen Natur- und Vogelwelt in der Art eines Filmes zu formulieren, trieb Marc Tschudin an, die vielen Orte aufzusuchen, die das ermöglichen. Zu den Herausforderungen hätten nicht nur die Geduld mit der Unberechenbarkeit der Vögel und des Wetters gehört, sondern auch gute Nerven bei der Bewältigung der Administration bei Anfragen und Bewilligungen.

Der Forscher und seine Fragen

Der gebürtige Basler wollte einst Archäologe oder aber Biologe werden; von Expeditionen in abgelegene Wüsten und Urwäldern hatte er geträumt. Er entschied sich für das Biologie-Studium, das ihn schlussendlich in die Welt der Medien führte, vom Printjournalismus über die Fotografie zum Film. Das Besondere, das Irritierende oder gar das Abgründige wollte er entdecken, was er nicht nur in der Welt des Menschen fand, sondern auch in der Naturwissenschaft. Theorien unterschiedlichster Disziplinen, die Suche nach Zusammenhängen und die Hinterfragung unserer Zivilisation und ihrem Verhältnis zur Um- und Mitwelt ließen ihn privat und beruflich nie in Ruhe. Nach Jahren als Dokumentarfilmer und Dozent bei SRF realisierte Marc Tschudin seinen ersten großen Kinofilm über ein Thema, das ihn umtreibt und uns ebenso noch umtreiben wird.

„Welcome to Zwitscherland“ von Marc Tschudin: www.welcome-to-zwitscherland.ch

Und noch ein Tipp für humorige Büchermenschen, die auch zurück zur Natur möchten: „Zurück zur Natur mit Loriot“, Diogenes Verlag, ISBN 978-3-257-02144-8

Advertisements

Luftige Migration

Oder wie es dem Menschen bald gelingen wird, auch den Zugvögeln Grenzen zu setzen

Elf Küken springen dreißig Meter tief aus dem Festungsloch eines Schlosses im schweizerischen Aargau. Vor zwei Tagen aus dem Ei gepellt und schon knallen sie auf dem Kiesboden auf, wie Tennisbälle. Der Bauer staunt, die Katze faucht und ein Straßenarbeiter dreht sich um. Die elf Gänsesäger-Küken richten sich piepsend auf und schauen zu, wie die Mutter vor ihnen landet. Nun watscheln alle Richtung Bach durch Gärten, Wiesen und über eine Hauptstraße. Sie überleben alle. Vor einem Jahr schaffte es fast keines, dafür wurden die Krähen satt.

Windmühlen gegen den Vogelzug

Es ist doch verrückt, dass Laub- und Rohrsänger tausende Kilometer hinter sich bringen, nur um hier Insekten zu fressen und die nächste Generation ins Nest zu setzen. Alles Wirtschaftsflüchtlinge, die ohne diese Reise nicht überleben könnten. Ein komplexes Atmungssystem, das eher einem Dudelsack gleicht, befähigt Vögel zu Höchstleistungen in dünner Luft, so dass auch mal ein Himalaya-Bergsteiger Gänse über sich hinweg ziehen sieht. Vögel, die Insekten fressen statt Beeren und Samen, müssen dahin, wo auch zwischen November und März das Richtige auf dem Speiseplan steht. Die Zivilisation scheint dieses Gewohnheitsrecht verhindern zu wollen: Strommasten fangen Störche ab, Windräder schlitzen Flussseeschwalben auf, Malteser schießen sich Feldlerchen in den Kochtopf und Alpensegler geraten in die Düsen von Flugzeugen.

Warum in die Ferne schweifen

Als ich diese Zeilen einem Biologen vorlas, meinte er, der Begriff „Reisen“ passe nicht zu den Vögeln, da damit eher Bildungsoder Erholungsreisen gemeint seien. Aber reisen wir nicht oft auch aus Widerwillen? Arbeitssuche, Verwandtenbesuche, Beerdigungen bis hin zur Flucht vor Unterdrückung, Hunger und Krieg. Das Reisen zur Erholung und Weiterbildung begann erst mit den Briten im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Vögel haben Gründe für ihre Reisen – und die ändern sich. Rotmilane stellen fest – um es in uns vertraute Worte zu fassen –, dass der Schnee immer mehr ausbleibt und so die Sicht auf herumlaufende Mäuse offenlässt. Störche scheinen sich den Aufwand für ihre Reise an die Feder zu stecken, wenn die Sümpfe nicht mehr gefrieren und die Felder auch im tiefsten Winter alles bieten. Stare sind schon länger Pendler, die sich immer wieder relativ spontan für Norden und Süden entscheiden. Der Wandel des Klimas lässt also die Vögel nicht kalt, sie reagieren.

Was wird mit den Gästen aus dem Norden geschehen? Zu Tausenden bewohnen die Reiherenten Europas hiesige Seen im Winter und bieten nicht nur ein bezauberndes Bild, sondern halten die Wandermuschelbestände im Zaum. Die aus dem Norden kommenden Rotkehlchen ersetzen im winterlichen Wald den Gesang derjenigen, die gen Süden zogen. Im Frühling ist dann Schichtwechsel, dann, wenn die Nordischen wieder nach Hause ziehen und die Heimischen aus dem Süden kommen.

Aber auch der Ruf als Transitland für Zugvögel steht auf dem Spiel. Millionen von Bergfinken überziehen unsere Breitengrade und immer wieder schmücken einige Kraniche unsere Moorgebiete bei einer Rast auf ihrer langen Reise. Vögel mit Namen wie Sichelstrandläufer oder Mornellregenpfeifer verzücken Ornithologen, wenn sie als Durchzugsgäste zu sehen sind.

Ein paar Fakten zum Vogelzug

• Noch immer ist die Navigationstechnik der Zugvögel ein weites Forschungsfeld. Wie stark die topografischen Verhältnisse oder die Sternenkonstellation oder das Learning by Doing eine Rolle spielen, ist unklar und variiert je nach Art. Während die Jungtiere bei Störchen und Kranichen mit den Erwachsenen fliegen, muss der elternlose Kuckuck alleine den Weg in den Süden finden.

• Extreme Wetterverhältnisse können Vögel von der Flugroute abbringen, so kam auch schon mal aus Versehen ein Meisenwaldsänger aus Nordamerika in Westeuropa an.

• Sogenannte Kurzzieher wie die Haubenlerche fliegen nach Südeuropa oder Nordafrika, Langzieher wie den Berglaubsänger zieht es bis südlich der Sahara, Südafrika oder gar Südostasien. Vertikalzieher bleiben zwar im Land, aber überwintern eher in tieferen Lagen, so zum Beispiel der Mauerläufer.

• Stare bringen gerne auch mal Geräusche mit aus dem Süden. So kann es vorkommen, dass die nachahmungsfreudigen Vögel einen arabisch anmutenden Geräusche-Teppich hinter die blühenden Obstbäume im Thurgauer Hinterland legen.

Die Natur zieht sich in Reservate zurück

Der Mensch scheint alles daran zu setzen, dass Vögel nicht mehr ziehen können. Damit Vögel zwischen Skandinavien und Afrika oder Südostasien pausieren können, brauchen sie passende Orte – Seen, Feuchtgebiete, Moore, Flachgewässer, weite Brachlandschaften, Kies- und Sandbänke. Doch die Kulturlandschaft verwandelt sich zunehmend in ausgelaugte Felder für die Nahrungsmittel- und Biogasindustrie. Die Zersiedelung der Restlandschaft vernichtet grünes Land im Stundentakt. Die Gärten um die Häuschen und Wohnblocks sind ohne Naturwert: Monokultur in den Hecken, englischer Rasen, der den Boden verlehmen lässt statt Leben bringt, exotische Sträucher ohne Nutzen für Insekten und damit auch für Vögel. Der Artenvielfalt ist damit nicht gedient. Irgendwie scheint der Homo sapiens einen Instinkt zu haben, allen anderen auf dem noch blauen Planeten das Leben schwer zu machen. Gönnen wir doch den Zugvögeln die Reisefreiheit, die auch wir beanspruchen und lassen wir ihnen die Natur, die sie – und wir – so dringend brauchen!

Urs Heinz Aerni

Dieser Beitrag erschien im Magazin Zeitpunkt (Solothurn) und in der Zeitung MALMOE (Wien)

Es war wohl doch eine Rohrammer

Auf Einladung des Natur- und Vogelschutzvereins Höngg gingen wir im Nuoler Ried (Kanton Schwyz) auf die Pirsch.

Der Bahnhof Lachen SZ machte mit seiner kostenpflichten Toilette gleich etwas Umsatz, als rund 20 Vogelfreunde die S-Bahn aus Zürich verließen. In guter Laune ging es dann schnurstracks durch den mit seinen rund 8600 Einwohner zählenden Hauptortes des Schwyzer Bezirks March, hin zu den weiten Feldern, gesäumt vom Auenwäldchen, Seeanstoß und Bächen.

Alle waren sich bewusst, dass Mitte September vogeltechnisch es sich etwas ruhiger angehen ließ als im Frühling, doch wie sagte ein Teilnehmer: «Wer den Sperling nicht ehrt, ist des Bartgeiers nicht wert». Mit der Wertschätzung jeder Vogelart gegenüber wurde die Gruppe doch erfreulich überrascht. Zuerst zuckten mal alle ihr Fernglas und Spektiv und zoomten an weidenden Kühen und acht Graureihern vorbei auf ein Feld, auf dem rund 150 Große Brachvögel genauso weideten, wie die Milchlieferanten nebenan. Zusammen mit etwa 20 Staren. Ihre für Limikolen typischen Rufe ließen die Vogelkundlergemeinde sich an der Nordsee wähnen.

Sportflieger und ein alpiner Überraschungsgast

Kaum empfahl Rossano vom Leitungsteam, dass man bei neuen Sichtungen rufen soll, wendeten sich alle auf Empfehlung um und bestaunten durch die Linsen Teichhuhn-Familien, Zwergtaucher Löffelenten und Schnatterenten nebst den altbekannten Tauchern und den nicht mehr so schicken Stockenten.

Der Betrieb des kleinen Sportflugplatzes und fahrradfahrende Wochenendsportler schienen die Rabenkrähen mitnichten nervös zu machen aber nicht nur diese. Die Gruppe blieb stehen, weil ein Vordermann lange ins Spektiv blickte und empfahl: «Schaut mal da vorne, in der Wiese vor der Silberweide!» In der Tat, eine Familie Bachstelzen mit Teenies neben einer Schafstelze boten ein nettes Bild, doch er meinte den einsamen, nach Insekten rennenden Steinschmätzer.

Es war eine gute Entscheidung des Leitungsteam vom NV Höngg, diese Exkursion trotz Sturmwarnung von Meteo Suisse nicht zu canceln. Das Septemberlicht, der warme Wind genossen sichtlich alle, so auch direkt vorne am Zürichsee, der meerähnlich vor sich hinbrandete.

Diskustieren und Bestimmen

Was solche Exkursionen auszeichnen, ist der Austausch, ja gar die Debatte, die es vor allem bei zwei Sichtungen gab. Die eine betraf die Frage ob es eine Sumpf- oder Weidenmeise war, die andere über eine mögliche Gold- oder Rohrammer. Es obsiegten die Sumpfmeise und der Rohrammer, gerne immer noch als Rohrspatz im Volksmund genannt aber niemand wusste spontan, woher die Redewendung «Schimpfen wie ein Rohrspatz» kommt.

Recherchen des Verfassers ergab die Erklärung, dass das «oft sehr ausdauernde Singen» in früheren Zeiten oft zu hören war und mit dem Schimpfen über Gott und die Welt am Stammtisch verglichen wurde. Aber eben, damals gab es ihn noch überall, den Rohrammer.

Welche Vögel sonst noch entdeckt wurden, kann auf ornitho.ch gut nachgelesen werden. Eines machte es wieder deutlich: ein in der Natur verbrachter Tag ist ein guter Tag, erst recht, mit Menschen zusammen, die es noch verstehen, diese immer fragiler werdende Umwelt zu bewundern.

Mit Dank an das Exkursions-Team Esther Juzi und Rossano Stefanelli vom Natur- und Vogelschutzverein Höngg

24. September 2018: Urs Heinz Aerni Zürich (Text), Rossano Stefanelli (Fotos)

Kein Schutz und neue Fragen an die Schützenden

Seit 20 Jahren gelang es in der Schweiz nicht mehr, ein neues Refugium für die Natur einzurichten. Die Meldungen über Artensterben und zunehmende Belastung der Umwelt durch Bautätigkeit und Lärm verursachen lediglich Schlagzeilen in den Medien aber kein Umdenken bei Menschen, die stattdessen lieber weiterhin Pilze sammeln oder jagen wollen. Die erneute Ablehnung zu einem Nationalpark im Tessin nach dem Volksnein gegen Nationalparkt Adula nötigt uns folgende Fragen ab:

Was braucht es noch, bis die Gesellschaft feststellt, wie groß ihre Verantwortung gegenüber ihrer Lebensgrundlage, die Natur, eigentlich ist? Wie viele Pflanzen und Tiere müssen noch verschwinden, bis alle merken, dass nun das Steuer herumgerissen werden muss? Aber auch die Verantwortlichen der Umweltverbände müssen sich Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel diejenige, ob nicht die bisherigen Konzepte und Mittel in Sachen Kommunikation, Information und Kampagne einer Sanierung bedürfen. Nebst vielen erfolgreichen kleineren Projekten in den Regionen gelang es trotz vielen Spenden und einer beachtlichen Mitgliederzahl den Naturschutzorganisationen nicht, seit dem 1914 gegründeten Bündner Nationalpark einen zweiten zu realisieren. Hier ist kritische Analyse in den eigenen Reihen angesagt. Diese Zeilen entstehen kurz vor dem Urlaub im Österreichischen Nationalpark Neusiedlersee, wo wir sehr gerne unser Feriengeld ausgeben werden, wegen der fantastischen Natur.

Der passende Buchtipp: „Naturschutz – Ein kritischer Ansatz“, Klaus-Dieter Hupke, Springer Spektrum, ISBN 978-3-662-46903-3

Dieser Text erschien zuerst in der BÜNDNER WOCHE

Was steckt kulinarisch in den Alpen?

Welche Geheimnisse in den Alpen versteckt sind und für unsere Sinne kulinarischer Hinsicht entdeckt werden können, wurde den staunenden Gäste im Scalottas des Hotels Schweizerhof Lenzerheide auf genussreiche Art präsentiert. Werner Tobler und Hansjörg Ladurner kochten Gerichte rund ums Thema Bündner Wild.
Dazwischen erläuterte der Experte und Buchautor Dominik Flammer wie Kastanienholz auch für Weinfässer verwendet werden oder wie die Honigkultur unglaublich vielfältig ist und mit vielen Detailinformationen machte er deutlich, wie wenig eigentlich wir über das schlummernde Potenzial in der alpinen Natur steckt. Sein großartiges Buch „Das kulinarische Erbe der Alpen“ (AT Verlag), das er zusammen mit dem Fotografen Sylvan Müller herausgab bringt die kulinarischen Schätze im ganzen Alpenraum näher mit Geschichten über eigenwillige Produzenten und Informationen, die hinter den faszinierenden Produkten stecken.

Winzer, Schlossherr und Buchliebhaber Gian Battista von Tscharner begleitete die Gäste mit seinen Weinen durch den Abend. Schon der Einstieg beim Apéro u. a. mit einem kinderfreundlichen Fondue (eine Geschichte für sich) ließ die Spannung steigen. Ein Churer Schiller, bestehend aus Blauburgunder, Pinot blanc und Completer. Er erklärte auch, dass der Begriff „Schiller“ nichts mit dem Schriftsteller zu tun habe, der nebenbei für sein Stück „Die Räuber“ in Sachen Graubünden schlecht recherchiert hätte. Der Begriff käme aus dem Österreichischen „schiach“, was gemäß Herkunftswörterbuch schwierig, unangenehm, unschön bedeutet und es später durch Lautverschiebungen zum Wort „Schiller“ mutierte.

Tscharner stellte u. a. auch den ersten Wein vor, der unter der Regie seines Sohnes Johann-Baptista entstanden ist und zeigte sich glücklich über die Aussichten für sein Weingut.
Scalottas-Koch Hansjörg Ladurner gelang zusammen mit dem Koch Werner Tobler, den Gästen ein kulinarisches Highlight, als perfekter Abschluss der Herbstsaison. Tobler schreibt auf seiner Website: „Ich esse nur noch bei jenen Köchen, von denen ich weiß, dass sie keine Schönschwätzer sind. Ehrliche Handwerker sind mir lieber.“ Ladurner ist so einer, der zusammen mit Souschef René Bissig mit einer einzigartigen Hingabe in ihrer Werkstatt namens Küche dergestalt zaubern, dass es jeden Menschen, der das Wahre und Gute liebt, immer wieder hinziehen lässt.

Noch zeigt der Herbst seine goldige Seite aber die Vorfreude auf die Wintersaison ist bereits da, wenn es draußen kalt ist und das Scalottas wieder ins warme Licht lädt.

Bis es soweit ist, surfen Sie digital zu diesen Webseiten:
Werner Tobler, Koch und Buchautor
Dominik Flammer, Foodscout und Buchautor
Sylvan Müller, Buchautor und Fotograf
Gian Battista von Tscharner, Weinbauer

Übrigens, das oben erwähnte Fondue wurde aus Molke und Käse von Maria Mayer und Martin Bienerth von der Sennerei Andeer hergestellt.

Das Buch „Das kulinarische Erbe der Alpen“ ist im Handel erhältlich.

Weitere Informationen über das Restaurant Scalottas Hotel Schweizerhof Lenzerheide finden Sie hier.

Kommt nach der Panik der Mut?

Eisbären leiden nicht nur durch den Eisschwund, sondern auch unter Abenteuern. Es geschah am 11. April 2017. Evelyne Binsack stand mit einer Expeditions-Gruppe kurz vor dem Ziel, dem Nordpol. Eine japanische Kollegin verköstigt sich während einer Pause mit Salami und legt diesen auf den Schlitten. Eisbären brauchen für ihr Überleben eine gute Nase und genau eine solche treibt ein Tier direkt auf die Menschen zu. Der Bär frisst die Salami vom verwaisten Schlitten, doch die Angst der Abenteurer führt zu einem Warnschuss mit der Signalpistole und zu einem gezielten Schuss, der den Bären trifft. Evelyn Binsack gibt in einem TV-Interview zu, dass der Gruppenführer diesen Vorfall verschweigen wollte, doch sie rapportiert alles der Polizei. Dieses Ereignis „machte mich so hilf- und ratlos, dass es es für mich fertig und Schluss ist, mit solchen Sachen.“ Eine Nachricht vom 19. April lässt Binsack wissen, dass der Bär durch die Verletzung am Kopf nicht mehr jagen und richtig fressen könne und wohl einen Hungertod erleiden werde.

Dieser Vorfall und der Tod des Extrembergsteigers Ueli Steck löste eine breite Debatte aus, über die Frage, was das alles soll. Binsack erntete Applaus über Ihren Entscheid, mit dem sportmotiviertem Extremreisen aufzuhören und noch mehr dafür, dass sie die peinliche Tragödie um den Eisbären nicht verheimlichte. War es Mut? Oder war ihr klar, dass früher oder später die Sache doch ans Tageslicht gekommen wäre? Die Angst vor dem Versagen und der Enthüllung lässt eigentlich nur einen Gegenangriff zu, eine Strategie, die jeder Medienberater empfiehlt. Warum tun sich Menschen das überhaupt an? Sind Extrem-Abenteurer mutig? Wem müssen sie sich beweisen? War es vielleicht die Angst, ein durchschnittliches Leben führen zu müssen ohne Anerkennung? Der Schuss auf den Eisbären war nicht eine feige Tat, sondern ein Reflex aus der puren Panik. Die Deklaration der Feigheit bekommt die Tat erst aus der Sicht des Publikums vor der Glotze in beheizter Stube. Braucht die Welt solche Helden, die einen Mut präsentieren, den es gar nicht gibt? Gier und Lust generieren Taten, über die andere staunen. Eveylne Binsack erhielt 2016 von der SRF-Sendung „Glanz & Gloria“ den Golden Glory in der Kategorie „Crazy“. Vielleicht brauchte es hier Mut, diesen Preis abzuholen.

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtipp: „Wie Angst mutig macht“ von Gerhard Buzek, Verlag Business Village