Aernis Depesche: Wirtschaft und Politik, Kochen, Lob für die Jugend und Vogelbesuch inklusive Verlosung für ein Gratis-Abonnement

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hat die Politik dem Markt zu lange vertraut?

Ja, meint Hans Oette in seinem Buch und ich stellte ihm dazu Fragen, die er in der UZ Wien beantwortete:

»Die Politik hat zu lange an die Wirtschaft geglaubt« – Unsere Zeitung (unsere-zeitung.at)

«Anonyme Köche» heißt der Blog von Claudio Del Principe

Am Donnerstagabend stelle ich ihm u. a. die Frage, warum in uns allen ein Kochtalent schlummern soll und wie es zu seinen schönen Büchern kam:

Claudio Del Principe: «A casa» in Buchhandlung Orell Füssli ZH Kramhof & Bookshop (orellfuessli.ch)

Aus Olten stammen viele Schreibende, aus einem Familienstammbaum anscheinend viele Kunstschaffende.

Der Name der Familie? Aerni. Am kommenden Freitag feiern die Aernis ihre Kunstausstellung in Härkingen (Kanton Solothurn):

27. JAN – 12. FEB | Kunstausstellung «aerni’s» – Verein Alte Kirche Härkingen (alte-kirche.ch)

Tschüss Telegramm, verbotene Weissagungen in Afrika und ein Lob an die Jugend.

Erschienen in der Bündner Woche und jetzt hier zu lesen:

Beobachtet – Sondierung

Darf man einen Vogel in die Hände nehmen? Was tun, wenn ein verletztes Tier gefunden wird? Und warum leben von den letzten Schwalbensittiche auf dieser Erde noch welche in Zürich? Das erfahren Sie, wenn Sie zum Ausflug mitkommen, die vom Naturschutzverein Albisrieden NVA organisiert wird:

Besuch Voliere und Vogelpflegestation Zürich – NV Albisrieden

Bleiben Sie wohlauf und herzliche Grüße

Urs Heinz Aerni

— VERLOSUNG —

Verlosung eines Jahres-Abo des Magazins 50plus.

Ein Heft rund ums Leben, Reisen, Staunen und die Kultur. Herausgegeben von Kurt Aeschbacher. Die nächste Ausgabe u. a. mit Geschichten zu einem rabenschwarzen Vogel. Die erste Einsendung mit Postanschrift hat gewonnen. Es wird über die Verlosung keine Korrespondenz geführt. Viel Glück!

————————

Werbung

Beobachtet

Veröffentlich in der Bündner Woche

Die Deutsche Post stellte auf den Jahreswechsel den Telegramm-Dienst endgültig ein und am letzten Tag wurden noch 3’228 Telegramme verschickt. Was bleibt? Die Redewendung, im «Telegramm-Stil» was aufzunotieren. Übrigens, in der Schweiz gibt es noch Firmen die Telegramm-Post anbieten.

Und in Ghana hat die Polizei verboten, Prophezeiungen, Weissagungen und Gerüchte über die Zukunft zu veröffentlichen, was in vielen afrikanischen Ländern religiöse Oberhirten gerne tun. Das Verbot soll verhindern, unnötig Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung zu verbreiten. Ein Jurist betont jedoch, dass es kein Gesetz gebe, das «Weissagungen reguliere». Nun hier im Westen werden in den Medien ja laufend Fachleute befragt, was das Jahr uns bieten wird, von Inflationsraten über das Wetter bis zu den Wahlen und Volksabstimmungen.

Hoffen dürfen wir immer.

Nach der lautesten Neujahrsnacht die ich je erlebt habe – als hätten alle die, die am 1. August nicht abfeuern durften dies jetzt nachgeholt – wurde über die Jugend geschimpft. Doch sie kann auch anders.

Als ich neulich am Abend in eine Bar ging um bei einem Glas Wein mich der Pflichtlektüre zu widmen, beobachtete ich folgendes Szenario: Die junge Kellnerin, die wahrscheinlich als Studentin hier jobbte, widmete sich mit viel Geduld und Humor einem nicht einfachen Kunden am Tresen. Links von mir saß ein junges Paar und spielte konzentriert Schach. Rechts am Tisch diskutierten vier junge Frauen nicht über Partys, Modetrends oder Kerle, sondern über gelesene Bücher, Klassiker der Weltliteratur. Da befand ich mich mitten drin als Ältester im Raum und dachte, soll ja einer wieder schimpfen über die Jungen…

Urs Heinz Aerni

Depesche mit Bücherplaudern, Winzer, Krimi, Krähen und VerlosungDepesche mit

Liebe Leserin, lieber Leser,

Was haben Uta Köbernick, Beat Brechbühl, Emil Zopfi und Romana Ganzoni gemeinsam? Sie alle schreiben. Ihre Bücher demonstrieren die Artenvielfalt der Literatur. Am Donnerstag kommen ihre Bücher ins Gespräch, zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart in Olten und am Schluss wird eine Autorin live befragt…

BUCHPLAUDERER: Hanspeter Müller-Drossaart & Urs Heinz Aerni | Theater & Bühne | Theater & Bühne / Lesungen | 12.01.2023 (eventfrog.ch)

Vom Rebberg ins Parlament. Andreas Meier ist Inhaber des «Weingutes zum Sternen» im Unteren Aaretal in der Schweiz, zwischen der Aare und dem Rhein unweit von Baden-Württemberg. Nun will er sich als Parlamentarier engagieren. Als er seinen Betrieb auf Bio umstellte, haben wir ihn für einen Video-Beitrag besucht:

BIO WINZER – YouTube

Krimi ist das beliebteste Genre beim Film und Lesen. Warum? Dazu unterhalte ich mich mit der Medienchefin der Stadtpolizei Zürich und bekennende Krimileserin Judith Hödl und mit dem Krimiautor und Arzt Peter Hänni. Im Hotel Beatus in Merligen am Thunersee:

hb_kulturprogramm_2022_zickzack_rz_web.pdf (beatus.ch)

Nicht wir beobachten, sondern die Krähen uns. Nicht gewusst? Das und anderes mehr verrät der neue Kinofilm von Martin Schilt ab März 2023. Weiteres dazu folgt, hier geht schon mal zum Trailer mit einer bekannten Stimme:

KRÄHEN / Kino Trailer (2023) – YouTube

Und zu guter Letzt gibt es eine Verlosung von zwei Büchern:

Buch 1: «Kurzum» von Martin Liechti. In seinen Aphorismen stellt er zum Beispiel die Frage: «Warum dauert Unglück länger als Glück?»

Buch 2 «Alles Vögel sind schon da!» Schöne Gedichte aus der Weltliteratur in einem kleinen Taschenbuch.

Wählen Sie die gewünschte Nummer und mailen Sie mir Ihre Postanschrift zurück. Vielleicht haben Sie Glück und das gewünschte Buch liegt im Briefkasten.

Das wär’s für heute und ich wünsche ein fröhliches Wochenende!

Ihr

Urs H. Aerni

— ANZEIGE —

«Wer mit der Erde arbeitet, gewinnt Boden unter den Füßen» lautet das Motto der Gastgeber Claudia Zangger und Jonathan Stauffer von der «Moulin de la Rouchotte» in Frétigney in Frankreich. Nicht weit weg von der Schweiz oder Deutschland aber ganz weit weg vom Hamsterrad des Alltags:

Moulin de la Rouchotte – Empfang

Schöne Sätze

Statt über das neulich Erlebte in einem Hotel oder die Begegnung auf dem Friedhof zu berichten,  machen wir für die letzte Kolumne in diesem Jahr eine Art Geschenk- und Verlosungsaktion für Sie als treue Leserin und Leser.

Sie finden hier schöne Sätze, die nummeriert sind. Dann dürfen Sie eine Nummer aussuchen und diese mir per E-Mail schicken. Dann, wenn Sie Glück haben, erhalten Sie das Buch, aus dem der Statz stammt.

Ist mal was anderes oder? Also, viel Spass und Glück wünsche ich Ihnen und natürlich einen fröhlichen und gesunden Jahresausklang:

1

Zwischen mir und meinem Sohn

liegen schon

Generationen von Smartphone.

2.

Noch schreibe ich. Bald braucht es mich nicht mehr. Die künstliche Intelligenz übernimmt. Was bleibt dann noch? Lesen!

3.

Frisch geniest ist halb gehustet.

4.

Glauben oder Wissen? Darum, was wir wissen, werden keine Kriege geführt.

5.

Liebende Schreibende, bleiben Sie dran, lassen Sie nicht nach, tun Sie’s weiter und schenken Sie der Welt neue Texte.

6.

Auf Abwegen trifft man gerne auf jene, denen man eigentlich ausweichen wollte.

7.

Um stressfeie Phasen zu haben, saß er in seiner kleinen Wohnung, trank Tee und lauschte dem Straßenlärm, wohl wissend, wie viele interessante Sätze da draußen gesagt werden.

So und nun mailen Sie Ihren Lieblingssatz an ursaerni@web.de

Und bei Verlosungsglück erhalten Sie das dazugehörende Buch gratis.

Urs Heinz Aerni

Sonder-Depesche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Schweizer Großbank Credit Suisse verklagt den Finanzblog INSIDE PARADEPLATZ.

Grund: Kritische und angriffige Berichterstattung und die Kommentare von Leserinnen und Lesern.

Wer steckt eigentlich hinter INSIDE PARDEPLATZ, das schon mit einigen Investigative-Storys so manchen Skandal in der Finanzwelt ans öffentliche Licht brachte?

Für DIE REDAKTION stellte ich dem Inhaber und Herausgeber des Finanzportals, Lukas Hässig, Fragen:

Kritische Fragen an LUKAS HÄSSIG – YouTube

Hans Oette schrieb nicht nur ein lesenswertes Buch über die Auswirkungen des „Freien Markts“ auf die Gesellschaft und Umwelt, sondern meint im Interview für die Zeitung UZ in Wien, dass die Politik der Wirtschaft zu lange vertraute.

Hier geht es zum kurzen Interview:

»Die Politik hat zu lange an die Wirtschaft geglaubt« – Unsere Zeitung (unsere-zeitung.at)

Herzliche Grüße mit den Wünschen für einen entspannten Jahresausklang

Urs Heinz Aerni

— ANZEIGE—

Der neue Thriller von Claude Cueni: „Dirty Talking“

Aernis Depesche 11. Dezember 2022

Wohin die Reise geht? Hoffentlich in ein neues besseres Jahr.

Liebe Leserin, lieber Leser

Ob es die letzte Depesche in diesem Jahr sein wird, ist je nach Datenlage nicht sicher. Sicher ist, das sich ab 2023 einiges ändert was die Auftragslage angeht.

Dazu gehört der Abschied von der Klubschule Migros, die ihr Weiterbildungsgeschäft an eine neue Firma auslagerte, die nicht nur mehr Administration erfordert, sondern auch die Konditionen für Selbständigerwerbende verschlechtert. Es machte Freude, die Begegnungen an den Kursen in Sachen Vögel und Publizieren.

Und soeben wurde bekannt, dass das Magazin Buchreport in Dortmund auch zu den ehemaligen Auftraggeber gehören wird. Der Harenberg Verlag hat einen neuen Besitzer, der nun alle Korrespondenten entlässt, so auch derjenige in der Schweiz. Es waren anregende Jahre – sicher über zehn waren es schon.

Doch, das eine geht, das andere kommt. So sind wir gespannt auf 2023.

Was ja in der Schweiz 2022 neu eingeführt wurde, sind die neuen sogenannten QR-Einzahlungsscheine, die für alle Ein- und Auszahlende verpflichtend sind. Für ältere Menschen und andere, die noch kein E-Banking machen, bedeutet es natürlich mehr Arbeit und achten Sie mal auf die Monatsabschlüsse Ihrer Bank, denn es entstehen damit neue zusätzliche Gebühren…

Und zu guter Letzt ist Geschenklaune für die treuen Abonnenten der Depesche angesagt:

Wer möchte ein Gratis-Exemplar der aktuellen Ausgabe des Magazins 50plus?

Das Literaturmagazin DUM ist interessant für alle, die kreativ und literarisch schreiben. Gerne schicken wir ein Gratis-Exemplar der neuesten Nummer. Interesse?

Das Buch ist zwar schon 2017 erschienen aber Hans Oette gelingt es anschaulich, die Zusammenhänge der Wirtschaft und ihre Auswirkung auf Umwelt und Gesellschaft darzustellen. Aber mit Aussichten, die hoffen lassen. Im Licht der Geldströme„. Auch hier gäbe es ein Gratis-Exemplar.

In der Zeit des Rück- und Ausblicks bringt es der Schriftsteller Martin Liecht auf den Punkt:

Höhen und Tiefen sind es, an denen wir wachsen. Oder scheitern, dann sind wir unten durch.

Dieser Satz stammt aus seinem neuen Buch Kurzum – Aphorismen und Notate. Gerne kann ein Gratis-Exemplar zugeschickt werden.

Also, wenn Sie das eine oder mehrere Geschenke sich wünschen, dann einfach zurückmailen und die Postanschrift nicht vergessen.

Und wenn Sie noch immer nicht so richtig wissen, was Sie in den kommenden Tagen lesen oder verschenken möchten, könnte sich vielleicht ein Gang am kommenden Donnerstag in‘s Literaturhaus Zürich lohnen. Dort werden gute und schöne Bücher empfohlen. Ab 19:30 Uhr mit Nina Kunz, Isabelle Vonlanthen, Gesa Schneider und dem Verfasser dieser Zeilen.

Falls wir uns da nicht sehen sollten, dann sei jetzt noch ein fröhlicher Jahresausklang gewünscht und ein ebensolchen Rutsch in ein hoffentlich bessesers Jahr.

Herzliche Grüße

Urs Heinz Aerni

Supplement für solche, die weiterlesen möchten:

Soll man Vögel füttern? Das meint die Vogelpflegestation und Voliere Zürich dazu.

Ausblick 2023:

Klang am Berg“ heißt die Kulturreihe im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Ohrenschmeichelnder Sound jeden Donnerstag abend während der Winterferien. Programm folgt.

Ein grandioser Film von Martin Schilt wird in die Kinos kommen, über Krähen und ihr Verhältnis zu uns Menschen

Ausflüge und Kurse rund um Natur und die Vogelwelt organisiert der Naturschutzverein Albisrieden

Mit der Pfingstexkursion BirdLife entedecken wir eine reiche Welt der Fauna und Flora in Frankreich.

Nach Spanien wird Slowenien zu Gast sein, nach der Frankfurter Buchmesse in Zofingen anlässlich der Literaturtage.

Das und noch mehr ist zu erfahren durch ein Abo von Aernis Depesche.

Die Nähe hat Zukunft

Bild: Schwanzmeise von Thomas Bürli, Döttingen (Schweiz)

Auch schon aufgefallen? Wenn die Lachmöwen auf den Gestängen am Seeufer sitzen, halten sie fast perfekt den gleichen Abstand zum Nächsten ein. Wenn ein Vogel da ebenso landen will, wird etwas gekeift aber alle passen die Abstände zum Nachbarn an, so dass der Neue Platz nehmen kann. Zwischen den einzelnen Individuen könnte man fast zentimetergenau immer die gleiche Distanz messen. Ein bisschen so wie bei uns; gerne in Gesellschaft aber mit dem nötigen Abstand.

Diese Abstandsregel kann bei anderen Vögeln für bestimmte Stunden außer Kraft gesetzt werden. In der Hochsaison der Familienplanung im Frühling und Sommer schaut jede Familie, dass kein anderer zu nahekommt, auch nicht von der eigenen Art. Dann, wenn die Kleinen groß und selbstständig sind, werden die Vögel wieder gesellig und ziehen in Gruppen oder gar in Schwärmen umher, suchend nach Futter und Übernachtungsorten. Das tun Buch- und Bergfinken, die Stare, Erlenzeisige, die Rabenkrähen oder zum Beispiel die kleinen Wintergoldhähnchen und Schwanzmeisen. Diejenigen, die auf die Reise in den warmen Süden verzichten, müssen also mit der winterlichen Kälte und dem entsprechenden Nahrungsangebot klarkommen.

Die kleinen rundlichen Schwanzmeisen mit ihrem winzigen Schnabel und auffällig großem Schwanz fallen dem aufmerksamen Spaziergänger auf, wie sie als gesellige Gruppe in den Bäumen lebhaft nach Insekten, Spinnen und Larven suchen. Wie andere Kleinvögel, die den Winter hier verbringen, müssen sie tagsüber viel Energie sammeln um die nächste Nacht überleben zu können. Doch zusätzlich geht es nicht ohne Kuscheln. In kalten Winternächten können über zehn und mehr Schwanzmeisen auf einem Baumzweig, gerne eines Nadelbaumes, eng zusammenrutschen, so dass sie möglichst wenig Körperwärme verlieren. Fazit: man ist gerne zusammen aber nicht zu nah, doch wenn es drauf ankommt, dann geht’s auch anders.

Was lernen wir? Das mit dem «Komm mir nicht zu nahe oder zu persönlich» kennen wir, aber das mit dem Zusammenrücken, wenn es kalt und finster wird, müssen wir noch üben.

Urs Heinz Aerni

Abbau

Ein Dauerthema in den Meiden, die Schalter-Schließungen der SBB. Der Bundesbetrieb im Besitze aller Steuerzahlenden verweist auf die digitalen Dienste. Neulich wollte ich einen Fahrschein nach Besançon in Frankreich kaufen. Die Verbindung zeigte die SBB-App an aber es sei kein Billetkauf möglich. So musste das am Schalter gemacht werden. Und Rückfahrt? Der Versuch über die SBB-App scheiterte erneut. Was tun? Genau, die App der Deutschen Bahn oder der französischen SNCF herunterladen. Ich machte es bei der DB. Und voilà, ohne großen Aufwand, konnte ein Billett mit Platzreservierung gebucht werden und erst noch um einiges günstiger als am SBB-Schalter.

Die Bahn spart an Schalterpersonal, schickt die Kundschaft ins Web ohne das anzubieten, was bei anderen Bahnen funktioniert. Auf Anfrage beim entsprechenden Bundesamt heisst es, dass man sich ins operative Geschäft der Bundesbetriebe nicht einmische. Aber wer schaut diesen Firmen auf die Finger? Nur noch Konsumentenmagazine? Eine Großüberbauung der SBB in Zürich wurde vom Volk abgelehnt, vielleicht ein Zeichen gegen die Verlagerung von der Kernaufgabe der SBB zum Immobiliengiganten?

Postfinance: Nun sind ja nur noch die QR-Code-Einzahlungsscheine gültig. Unternehmen und Freischaffende müssen diese selber generieren und selber ausdrucken, was ein Mehraufwand an Arbeit und Material bedeutet. Beim letzten Monatsauszug meines Kontos waren folgende neuen Gebühren nebst den bekannten zu entdecken:

Preis für Einzahlungen am Schalter QR-Rechnung: CHF 2.35

Preis für Beitragserfassung für QR-Rechnung: CHF 0.04

Wir machen die Arbeit, die Konzerne verdienen dabei? Grundversorgung ade und die Eidgenossenschaft verwandelt sich in eine Schweiz AG?

Wenn das so weitergeht, dann müsste ich bei einer allfälligen Verhaftung zum Beispiel in Bellinzona verlangen dürfen, dies von Polizisten aus dem Kanton Obwalden erledigen zu lassen, weil deren Handschellen zwar etwas teurer sind, aber viel bequemer.

Urs Heinz Aerni

Recherche auf Schienen

Diese Kolumne ist Journalistinnen und Journalisten gewidmet, die vor dem Computer mit einem Schreib- oder Recherchestau sitzen, nicht weiterkommen als am Bleistift kauend aus dem Fenster sehen.

Vor kurzem fuhr ich mit dem Zug nach Klagenfurt und Chur. «Wenn schon denn schon» sagte ich mir und buchte 1. Klasse in Vorfreude auf gemütlich ruhige Fahrten. Das mit der ersten Klasse hat geklappt aber mit dem Rest nicht. Den Laptop ließ ich allerdings offen, denn es gab viel zu Schreiben.

«Sie ist fachlich sehr gut aber menschlich zeigt sie Defizite. Nein, eine Lohnerhöhung kann ich nicht unterschreiben, im Gegenteil, vielleicht täte es ihr gut, eine neue Herausforderung zu suchen.»

«Ja, es ist ein Ärztepaar aus Norddeutschland und sie würden sich freuen, in unserer neuen Klinik in  […] zu arbeiten, nur wie finden wir eine Wohnung für sie? Sie wären bereit, eine Miete zu bezahlen aber nur höchstens bis…»

«Die Finanzierung ist noch nicht gesichert, da unser Partner in Spanien zur Fusion noch kein grünes Licht gab.»

«Du, wie der Chef mit mir spricht ist eine Frechheit. Das kann ich nicht akzeptieren und werde da oben mal mächtig den Tarif durchgeben.»

«… aber der Arzt hat mir doch das Rezepte verschrieben und es wäre furchtbar nett von Ihnen, wenn ich Morgen Vormittag zur Apotheke dürfte. Wissen Sie, der Krankheitsverlauf war etwas kompliziert, denn…»

Richtig, der Daten- und Persönlichkeitsschutz samt der Vertraulichkeitsverpflichtung werden laut und deutlich in der Eisenbahn aufgehoben. Vor allem in der ersten Klasse, in der sichtlich gestresste Berufsleute nicht anders können, als während der Fahrt das ganze menschliche und betriebsinterne Innenleben nach außen zu stülpen.

Ich erfuhr von Entlassungen, Budgetkürzungen, Baupläne, Verhandlungen mit Behörden und Managern, intimste Sehnsüchte, kriegsähnliche Zustände im Betriebsklima und in einem Fall sogar könnte man von krimineller Energie reden. Auffallend ist, dass deutlich mehr Männer dergestalt wichtigtuend telefonieren und somit ihre soziale Inkompetenz öffentlich bekannt machen.

Also ein Fundus für Medienschaffende und lasst Euch von der Redaktion das Zugs-Ticket bezahlen, läuft unter «Recherche-Aufwand». In einigen Fällen wäre es vielleicht sogar sinnvoller, gleich die Polizei ins Abteil zu setzen.

Nun liebe Kolleginnen und Kollegen, weiterhin frohes Schaffen.

Urs Heinz Aerni

Buchtipp: „Professionell telefonieren“ Die Kolumne erscheint auch in der Zeitung Bündner Woche

Buchtipp: „Steile Flügel“ von Hanspeter Müller-Drossaart

Tiefe Wasser, dunkle Täler, schweigende Dörfer, gleißende Bergsonne, duf- tendes Heu und sagenhafte Geschich- ten sind in den Alpen versteckt. Für den Zugang zu den zuletzt genannten bedarf es noch Schürfrechte. Ein solches Recht hat er, der aus Obwalden und Uri, also mitten in den Schweizer Alpen stammenden Hanspeter Müller-Drossaart.

Dem großen Publikum ist er bekannt aus Kino und Fernsehen, in Filmen wie «Der Koch», «Die Herbstzeitlosen», der Bozen-Krimi auf ARD oder mit seiner Kunst des Vorlesens in Sendungen wie «Literaturclub» auf SRF und 3sat. Den Menschen, die die Welten zwischen den Zeilen suchen sei dringlich geraten, die Bücher von ihm aufzuschlagen. Hier schürft er nach der Poetik des Innenlebens von Menschen.

In seinen Gedichten, seinen Kolumnen sitzen die vielen kleinen Wahrheiten und ein Schalk, der eigentlich zur Schulpflicht gehörte. Nicht nur das eigene Schreiben lässt tief in seine Kunst am Wort blicken, auch seine Interpretationen und Inszenierungen auf der Bühne von Büchern wie Seethalers «Der Trafikant» oder «Bajass» von Flavio Steimann machen deutlich, wie nah und wichtig ihm der literarische Umgang dieser Welt ist.

Das Widerspiel mit der Literatur als Schauspieler und Vorleser – auch von vielen Hörbüchern übrigens – vollbringt er dergestalt, dass Worte in unserem intellektuellen Alltagspermafrost mehr als Haarrisse verursachen können.

Müller-Drossaart erwischt uns mit seinen Texten auf dem richtigen Fuß, vorausgesetzt, dass wir unsere ureigene Melancholie und Sehnsucht zulassen.

Bücher: «steile flügel» Gedichte 2020 Wolfbach Verlag; «gredi üüfe» Gedichte in Urner Mundart 2018; «zittrigi fäkke» Gedichte in Obwaldner Mundart 2015 beide Bildfluss Verlag

www.hanspeter-mueller-drossaart.comDer Text ist zuerst im Programmheft zu den Internationalen Literaturtagen Sprachsalz in Hall in Tirol erschienen.

Das aktuelle Buch „Steile Flügel“ kann direkt beim Verfasser dieser Zeilen portofrei bestellt werden und es ist im Buchhandel erhältlich.