Recherche auf Schienen

Diese Kolumne ist Journalistinnen und Journalisten gewidmet, die vor dem Computer mit einem Schreib- oder Recherchestau sitzen, nicht weiterkommen als am Bleistift kauend aus dem Fenster sehen.

Vor kurzem fuhr ich mit dem Zug nach Klagenfurt und Chur. «Wenn schon denn schon» sagte ich mir und buchte 1. Klasse in Vorfreude auf gemütlich ruhige Fahrten. Das mit der ersten Klasse hat geklappt aber mit dem Rest nicht. Den Laptop ließ ich allerdings offen, denn es gab viel zu Schreiben.

«Sie ist fachlich sehr gut aber menschlich zeigt sie Defizite. Nein, eine Lohnerhöhung kann ich nicht unterschreiben, im Gegenteil, vielleicht täte es ihr gut, eine neue Herausforderung zu suchen.»

«Ja, es ist ein Ärztepaar aus Norddeutschland und sie würden sich freuen, in unserer neuen Klinik in  […] zu arbeiten, nur wie finden wir eine Wohnung für sie? Sie wären bereit, eine Miete zu bezahlen aber nur höchstens bis…»

«Die Finanzierung ist noch nicht gesichert, da unser Partner in Spanien zur Fusion noch kein grünes Licht gab.»

«Du, wie der Chef mit mir spricht ist eine Frechheit. Das kann ich nicht akzeptieren und werde da oben mal mächtig den Tarif durchgeben.»

«… aber der Arzt hat mir doch das Rezepte verschrieben und es wäre furchtbar nett von Ihnen, wenn ich Morgen Vormittag zur Apotheke dürfte. Wissen Sie, der Krankheitsverlauf war etwas kompliziert, denn…»

Richtig, der Daten- und Persönlichkeitsschutz samt der Vertraulichkeitsverpflichtung werden laut und deutlich in der Eisenbahn aufgehoben. Vor allem in der ersten Klasse, in der sichtlich gestresste Berufsleute nicht anders können, als während der Fahrt das ganze menschliche und betriebsinterne Innenleben nach außen zu stülpen.

Ich erfuhr von Entlassungen, Budgetkürzungen, Baupläne, Verhandlungen mit Behörden und Managern, intimste Sehnsüchte, kriegsähnliche Zustände im Betriebsklima und in einem Fall sogar könnte man von krimineller Energie reden. Auffallend ist, dass deutlich mehr Männer dergestalt wichtigtuend telefonieren und somit ihre soziale Inkompetenz öffentlich bekannt machen.

Also ein Fundus für Medienschaffende und lasst Euch von der Redaktion das Zugs-Ticket bezahlen, läuft unter «Recherche-Aufwand». In einigen Fällen wäre es vielleicht sogar sinnvoller, gleich die Polizei ins Abteil zu setzen.

Nun liebe Kolleginnen und Kollegen, weiterhin frohes Schaffen.

Urs Heinz Aerni

Buchtipp: „Professionell telefonieren“ Die Kolumne erscheint auch in der Zeitung Bündner Woche

Buchtipp: „Steile Flügel“ von Hanspeter Müller-Drossaart

Tiefe Wasser, dunkle Täler, schweigende Dörfer, gleißende Bergsonne, duf- tendes Heu und sagenhafte Geschich- ten sind in den Alpen versteckt. Für den Zugang zu den zuletzt genannten bedarf es noch Schürfrechte. Ein solches Recht hat er, der aus Obwalden und Uri, also mitten in den Schweizer Alpen stammenden Hanspeter Müller-Drossaart.

Dem großen Publikum ist er bekannt aus Kino und Fernsehen, in Filmen wie «Der Koch», «Die Herbstzeitlosen», der Bozen-Krimi auf ARD oder mit seiner Kunst des Vorlesens in Sendungen wie «Literaturclub» auf SRF und 3sat. Den Menschen, die die Welten zwischen den Zeilen suchen sei dringlich geraten, die Bücher von ihm aufzuschlagen. Hier schürft er nach der Poetik des Innenlebens von Menschen.

In seinen Gedichten, seinen Kolumnen sitzen die vielen kleinen Wahrheiten und ein Schalk, der eigentlich zur Schulpflicht gehörte. Nicht nur das eigene Schreiben lässt tief in seine Kunst am Wort blicken, auch seine Interpretationen und Inszenierungen auf der Bühne von Büchern wie Seethalers «Der Trafikant» oder «Bajass» von Flavio Steimann machen deutlich, wie nah und wichtig ihm der literarische Umgang dieser Welt ist.

Das Widerspiel mit der Literatur als Schauspieler und Vorleser – auch von vielen Hörbüchern übrigens – vollbringt er dergestalt, dass Worte in unserem intellektuellen Alltagspermafrost mehr als Haarrisse verursachen können.

Müller-Drossaart erwischt uns mit seinen Texten auf dem richtigen Fuß, vorausgesetzt, dass wir unsere ureigene Melancholie und Sehnsucht zulassen.

Bücher: «steile flügel» Gedichte 2020 Wolfbach Verlag; «gredi üüfe» Gedichte in Urner Mundart 2018; «zittrigi fäkke» Gedichte in Obwaldner Mundart 2015 beide Bildfluss Verlag

www.hanspeter-mueller-drossaart.comDer Text ist zuerst im Programmheft zu den Internationalen Literaturtagen Sprachsalz in Hall in Tirol erschienen.

Das aktuelle Buch „Steile Flügel“ kann direkt beim Verfasser dieser Zeilen portofrei bestellt werden und es ist im Buchhandel erhältlich.

„Zürich ist begeisterungsfähig“

Der Kabarettist Mathias Richling startet seine Tour mit einem neuen Programm Zürich und gibt Auskunft über sein Verhältnis zur Stadt.

Und wir verlosen zwei Gratis-Tickets für die Premiere am 9. September 2022 im Bernhard Theater Zürich (siehe unten).

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Urs Heinz Aerni: Herr Richling, Sie feiern die Premiere Ihres neuen Programms in Zürich. Wenn man ein Verhältnis zu einer Stadt haben kann, wie würden Sie Ihres Zürich gegenüber beschreiben?

Mathias Richling: Ich feiere die Uraufführung meines neuen Programmes mit Begeisterung in Zürich, weil die Zuschauer in Zürich trotz oder gerade wegen aller nachgesagten Reserviertheit enorm begeisterungsfähig sind. Und so ist auch mein Verhältnis zur Stadt herzlich-distanziert.  Man geht durch die Straßen. Die Menschen, soweit sie Zürcher sind, schauen einen freundlich an. Und grüßt man sie dann, sind sie überrascht, dass sie einen erkannt haben.

Aerni: Was würden Sie einer Bekannten in Berlin Zürich beschreiben, ohne den See und die Bahnhofstraße zu erwähnen?

Richling: Der Vergleich mit Berlin ist ideal wegen der enormen Gegensätzlichkeit: Denn im Vergleich mit der bundesdeutschen Hauptstadt ist Zürich nicht offensiv, nicht extrovertiert, nicht überschäumend, sondern diskret, zurückhaltend und man wird in Zürich nicht behelligt mit den Unbillen anderer Leben.

Aerni: Hier in der Schweiz beobachtet man genau, was im nördlichen Nachbarland geschieht. Umgekehrt scheint das nicht der Fall zu sein. Warum?

Richling: Die Schweizer beobachten Deutschland und seine Politik schon deswegen um so ausführlicher, weil stets eine gewisse Häme mitschwingt über unsere Unfähigkeiten. Und außerdem lenkt diese Häme ab von den Qualen über die Politik im eigenen Land.

Aerni: … eine Art Ablenkung…?

Richling: Das Interesse ist also vor allem Selbstheilung. Man steht einfach besser da, wenn man sich vergleicht mit deutscher Politik. Warum dies umgekehrt nicht der Fall ist, mag mit einer gewissen deutschen Überheblichkeit zu tun haben. Es scheint sich für uns nicht zu lohnen. Schade.

Aerni: Ihr aktuelles Programm karikiert mit viel satirischem Biss das Gebaren der Mächtigen in Deutschland und der Welt drum herum. Wieviel Hoffnung sehen Sie als kritischer Geist für unsere Gesellschaft, so ganz unter uns gefragt?

Richling: Wenig. Denn die Erfahrung zeigt – ob beim Klima, bei Corona, bei der Wirtschaft oder beim Krieg – , dass der Mensch, auch der deutsche, erst neigt zu Menschlichkeit, zu Rücksicht, zu Nachsicht, zu Umsicht, wenn er selbst wirklich und existentiell in Not gerät.

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Premiere «Mathias Richling#2023» am 9. September 2022 um 20 Uhr im Bernhard Theater Zürich

Für alle, die mitmachen an der Verlosung: Bitte einfach eine Mail mit Name und Anschrift schicken an: ursaerni@web.de. Viel Glück!

www.bernhard-theater.ch/spielplan/mathias-richling

So oft und gerne der schwäbische Menschen-Beobachter, Politik-Deuter und sarkastische Wahr-Sager Mathias Richling im Fernsehen zu sehen ist: am liebsten kommuniziert er doch direkt und live mit seinem Publikum, was durch pandemische Umstände in den letzten Jahren nicht leicht oder unmöglich war. Richling, der von vielen Kritikern als der beste Parodist der deutschen Kabarett-Szene gefeiert wird, bringt seine jüngsten Beobachtungen wie immer in literarisch anspruchsvoller Form (über seine Texte gibt es bereits Magister-und Doktorarbeiten) und kaum jemand aus Politik und Show bleibt verschont.

Spaß beim Sparen

Energiekrise, Stromlücke und Wassermangel treiben die Medien und die Fachleute um. Die Politik debattiert, Behörden warnen und bitten um sparsamen Umgang mit den Mitteln, die wir zum Leben brauchen. Wir müssen nicht erst handeln wenn es brenzlig oder wenn es im Geldbeutel leerer wird. Wir können daraus einen Sport machen, der Spass machen kann und sogar die Gesundheit fördert:

Kühleres oder kaltes Duschen mobilisiert unseren Kreislauf und die Abwehrkräfte unseres Immunsystems. Weniger oder nur alle paar Tage rasieren lässt uns Kerle verwegener aussehen und wir sparen Geld für den Rasierschaum. Den Rasen nicht mehr mähen, lässt die Schmetterlinge tanzen und das Geld für Benzin oder Strom ist auch gespart. Stromschienen ausstecken oder Standby-Lampen ausmachen sorgt für weniger Elektrosmog in unserem Kopf.

Ein feines Steak nur am Samstag reguliert den Cholesterinhaushalt und fördert die Vorfreude. Wasser trinken aus einer Glas- statt PET-Flasche verschafft weniger Mikroplastik in der Lunge.

Mit erster Klasse im Zug sitzen statt eingepfercht im Flieger lässt das Reisen zum Teil des Urlaubs werden. Früher Lichterlöschen am Abend unterstützt das haptische Kennenlernen der eigenen Wohnung und die Treppen steigen statt den Fahrstuhl nehmen – egal wie hoch das Haus ist, erspart das Abo eines Fitness-Centers und erhöht die Durchblutung.

Ah, noch ein Tipp für alle, die sich in Kommunikation üben möchten. Des Öfteren sind hauptsächlich Männer zu beobachten, die im stehenden Wagen das Navi einstellen oder am Handy fummeln während der Motor im Stillstand brummt. Überwinden Sie Ihre innere Hemmung, gehen zu ihm hin und machen bei geschlossener Scheibe eine deutliche Bewegung des Zündschlüsseldrehens oder bei offenem Fenster fragen Sie freundlich, ob er den Motor nicht ausmachen könne. Die einen machen den Daumen hoch und drehen den Schlüssel, die anderen steigen aus und gehen mit einer recht agressiv gestalteten Mimik auf Sie zu. Egal ob Sie Ihre Nahkampfkenntnisse in Einsatz bringen müssen oder sich gut mit Ihrem Hausarzt verstehen, es war für eine gute Sache und ein Training für ihre Sozialkompetenz.

Urs Heinz Aerni

Buchtipp: «Klima schützen kinderleicht – Mit vielen praktischen Tipps» von Maik Meuser und Nicole Kallwies Meuser, Penguin Verlag

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitung BÜNDNER WOCHE erschienen.

Sommer-Wettbewerb

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung NOVITATS gibt es eine Wettbewerbsfrage:

Warum heißen die Stockenten eigentlich so? Sicher nicht, weil sie einen stocksauren Eindruck machen.

Die Zeitung verlost 1 Buch „Vögel – Charakterköpfe“ von Tom Krausz, Elke Heidenreich und Urs Heinz Aerni

Ihre Antwort mit Postanschrift kann direkt an diese Adresse gemailt werden: novitats@somedia.ch

Viel Erfolg!

Heinz Aerni wird 90!

Morgen gibt’s was zu feiern. Mein Herr Papa wird Neunzig.

Dem früheren Architekten, Musiker, Gemeinderat von Fislisbach und Großrat im Kanton Aargau und dem heute fröhlichen Vater, Großvater und Ur-Großvater wünschen wir alle für den 7. August von Herzen einen wunderschönen Geburtstag!

Momentaufnahmen

Erschienen in der Zeitung REUSSBOTE

Reisen

Es gab Zeiten, da reiste ich viel. Ich korrigiere, ich reise auch jetzt gerne, aber anders. Warum reisen wir überhaupt? Um die Welt kennen und verstehen zu lernen? Um den Alltag mit Exotik zu übertünchen? Oder die Arbeitskollegin neidisch zu machen und beim Grill die Gastgeber zu beeindrucken? Aber eigentlich funktioniert das heute nicht mehr, alle können es sich leisten, durch die Welt zu jetten, und tun es auch. Umwelt hin oder her. 

Ja, sie gehören an einen prominenten Platz im Lebensalbum, die Tage in Namibia, Ägypten, Malediven, Malta, Madeira, USA etc. Ich weiss nicht, wie Sie es mit dem Reisen während und nach der Pandemie hatten. Als stolzer Generalabonnement-Besitzer (oder SwissPass) entdeckte ich die Vielfalt an Natur und Kultur der Schweiz aufs Neue. Beim Studieren des GA-Netzes stieß ich auf die famose Möglichkeit, ins Ausland zu reisen ohne Aufpreis. Also besuchten wir alle Nachbarländer mit dem GA, genossen andere Mentalitäten und neue Naturschönheiten. Es sind bezaubernde Orte mit klangvollen Namen: Thonon-les-Bains mit französischem Charme am Wasser. Porlezza mit Italianità in Architektur und Kulinarik. Feldkirch mit österreichischem Schmäh in schmucker Altstadt. Mals mit südtirolischem Weitblick ins Tal. Weil am Rhein zwischen Weinbergen und Curry-Wurst nach Berliner Vorbild. Die Liste wäre noch zu verlängern mit Tirano, Luino, Evian-les-Bains, Divonne-les-Bains, Delle, Schopfheim, Waldshut, Konstanz, Friedrichshafen, Lindau, Hohenems, Malbun, Landeck-Zams, Nauders, Livigno, Bormio, Chiavenna, Menaggio, Luino, Domodossola … Sind das nicht Namen von Sehnsuchtsorten? Alle GA-tauglich.

Falls Sie jedoch das GA oder den SwissPass nicht haben sollten, so bleiben Sie im Land und gehen in die Buchhandlung Ihres Vertrauens und kaufen dieses Buch: «Eine Weltreise durch die Schweiz» von Artur Kilian Vogel (Wörterseh Verlag), das mit grandiosen Bildern zeigt, dass auch hier die Welt stattfindet. Gute Reise. 

Urs Heinz Aerni

Alle Jahre wieder, zum Leidwesen der Vögel

Im ganzen Land wird zur Nationalfeier am 1. August Feuerwerke gezündet, auch immer mehr in privaten Gärten. Welche Auswirkungen hat das auf die Vögel? Fragen an die Leiterin der Vogelpflegestation Voliere Zürich, Elisabeth Schlumpf.

Urs Heinz Aerni: Frau Schlumpf jedes Jahr wird über die Auswirkungen der Feuerwerke auf die Natur und die Tiere diskutiert. Wie verhalten sich eigentlich die Vögel wenn es draußen knallt?

Elisabeth Schlumpf:  Sie erschrecken und fliegen in Panik davon. Bei den Wasservögeln kommt noch die Verschmutzung der Gewässer durch herumliegende Raketenreste und Russ dazu.

Aerni: Könnte es sein, dass die Vögel das Feuerwerk als ein Gewitter empfinden?

Schlumpf: Ein Wetterwechsel spüren die Vögel vorher schon, durch Wind, Bewölkungszunahmen oder näherkommendes Donnergrollen. Die Knallerei der Feuerwerke komme ohne Ankündigung und plötzlich. Zudem meistens in der Nacht und somit sind vor allem die ruhenden Tiere besonders betroffen.

Aerni: Werden mehr verletzte Vögel nach einer solchen Nacht, wie auch nach einer Silvesternacht zu Ihnen in die Pflegestation gebracht?

Schlumpf: Wir erhalten jeweils mehr Meldungen über tote Vögel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Panik in Mauern und Scheiben geflogen sind.

Aerni: Gibt es Lärm, an den sich Vögel gewöhnen können?

Schlumpf: Die Lautstärke muss nicht immer ein Problem sein, denken wir an natürliche Lärmquellen, wie z.B. Wasserfälle, Bäche etc. und auch an regelmäßigen Lärm wie Straßen oder Eisenbahn können sich die Vögel recht gut gewöhnen, denken wir zum Beispiel an den Damm zwischen Rapperswil und Pfäffikon an Oberen Zürichsee, wo die Ko-Existenz zwischen Verkehr und Vogelschutzgebiet erstaunlich gut funktioniert. Das Problem ist das plötzliche Knallen und das dazugehörende Lichtgewitter, das die Tiere sehr verängstigt.

Aerni: Was würden Sie sich wünschen und was raten Sie Menschen, die Tiere besitzen wenn es dann wieder die Raketen gezündet werden?

Schlumpf: Am besten darauf verzichten. Auch wenn ein Feuerwerk Tradition und für uns Menschen sicher sehr schön ist, sollte man Traditionen nach dem heutigen Stand des Wissens überdenken. Alle Wildtiere, wie auch Haustiere würden es danken, in dem sie uns erhalten bleiben.

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Elisabeth Schlumpf ist Geschäftsführerin der Voliere am Mythenquai und die Vogelpflegestation, wo verletzte einheimische Vögel gepflegt und wieder ausgewildert werden. Die Voliere nimmt auch Vögel zur Ferienpension auf und unterhält exotische Vögel aus Zuchthaltungen, zum Teil Arten, die vor dem Aussterben bedroht sind. Die Voliere-Gesellschaft Zürich wird durch Spenden und Gönnerbeiträge finanziert. www.voliere.ch

Depesche mit diesen Themen:

Der ARD-Tatort beschäftigte sich mit dem Streit um den Kormoran am Bodensee, doch nicht der Vogel ist das Problem. Hier zu lesen.

„China würde mich rausschmeißen“ meint die SRF-Korrespondentin Karin Wenger im Interview, das hier per Mausklick zu lesen ist: Kurier

Nicht jeder Jungvobel braucht Hilfe. Die Vogelpflegestation Voliere Zürich teilt mit, dass Passanten zu viele und unnötig junge Vögel bringen. Was ist zu tun, wenn beim Spazieren ein junger aus dem Nest gefallener Jungvogel gesichtet wird? Hier geht es zum Beitrag.

Nächste Veranstaltungen:

Gespräch mit der Künstlerin und Autorin Nana Pernod zu ihrem neuen Buch im Atelier für Kunst und Philosophie in Zürich

Gespräch mit der SRF-Korrespondentin Karin Wenger über ihre Zeit in Asien in Thun

Im Juli startet das KulturNatur-Programm im Hotel Schweizerhof Lenzerheide (Graubünden)

Ausblicke:

Nahreisen in die Geschichte und Vogelwelt im Säuliamt (Kanton Zürich)

Literaturfestival Sprachsalz in Hall in Tirol

Literaturtage Zofingen mit Spanien als Gastland

Einen fröhlichen Sommer wünscht Ihnen: Urs Heinz Aerni

PS: Das Foto stammt aus Monza (Italien)

«Musik ist eine gute menschliche Investition»

Die Musiklegende Pepe Lienhard geht mit BigBand und sieben Sängerinnen und Sänger auf große Schweizer Tournee mit «Music was my firstl love». Im Interview zeigt sich dankbar, zuversichtlich obwohl ihn auch etwas wütend machen kann.

Urs Heinz Aerni: Sie gelten als eine lebende Legende der Schweizer Musikgeschichte. Ist das ein Kompliment?

Pepe Lienhard: Es ehrt mich natürlich schon, aber in der Regel gehören Legenden eher der Vergangenheit an und ich bin definitiv noch aktiv stecke voller Pläne und Tatendrang.

Aerni: Sie waren 37 Jahre Orchesterleiter von Udo Jürgens, spielten mit Stars zusammen wie Frank Sinatra, Whitney Housten oder Quincy Jones. Und auch heute stehen viele Konzerttermine an, auch in Orten wie Affoltern am Albis, Cham, Thun oder Luzern. Ganz unter uns: verspüren Sie auch mal Ermüdungserscheinungen?

Lienhard: Ehrlich gesagt stehe ich immer noch ausgesprochen gerne auf der Bühne und es ist für mich keine Belastung heute hier und morgen da zu spielen. Nach den Konzerten geht es nicht mehr auf die Gasse wir früher, das erlaubt das Alter natürlich nicht. Solange die Gesundheit mitmacht und die Leute unsere Musik hören will, mache ich mit Freude weiter.

Aerni: Sie erlebten als Musiker auch einen grossen Wandel in der Art, wie Musik konsumiert wird, von der Schallplatte bis zum digitalen Streamen. Verändert das auch unser Verhältnis zum bewussten Musikhören?

Lienhard: Ja, ich denke schon, dass sich das Musikhören wandelt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Musik auf digitalen Hörsystemen mit dem Daumen beliebig rauf und runter geschoben wird. Die jüngeren Generationen hören kaum mehr längere Musikstücke oder schauen zum Musikhören noch was anderes auf dem Handy an. Zu meinem 75. Geburtstag haben wir ein Streaming- Konzert aus dem Theater Rigiblick gemacht. Die Crew, die das Konzert technisch begleitet hat war völlig überrascht, wie viele Menschen das ganze Konzert, über eine Stunde, durchgehend geschaut haben.

Aerni: Ein Ausnahmeerlebnis also?

Lienhard: Ja, das erleben die sonst nicht so. Da wird rein und rausgezappt. Gleichzeitig gibt es ja doch auch wieder einen Trend hin zur Schallplatte, doch bleibt dies wohl eine Nische. CDs hört ja auch kaum noch wer – entsprechend haben wir unsere neue CD «Music was my first love» mit einem Download-Code versehen.

Aerni: Und, wie hören Sie?

Lienhard: Ich für mich höre nach wie vor Schallplatten und CDs. Zuhause lasse ich mich auch nicht den ganzen Tag von Musik berieseln. Ich höre und geniesse sie sehr bewusst.

Aerni: Wie oft denken Sie auch mit etwas Sehnsucht an die gute alte Zeit, wie damals mit dem Hit «Swiss Lady» oder die Tourneen mit Udo Jürgens?

Lienhard: Natürlich sind dies einmalige Erinnerungen und ich denke mit viel Freude und vor allem Dankbarkeit daran zurück. Im Sextett waren wir jung und ungebunden. Spielten elf Monate im Jahr. Ich fuhr zweimal im Jahr nach Hause und wechselte die Sommer – oder Wintergarderobe.

Aerni: Wir leben grad in einer komplizierten und unschönen Welt. Wie und wo könnten wir mit der Musik noch mehr Gutes tun?

Lienhard: Musik verbindet, tröstet, beschwingt. Sie hat in schlimmsten Zeiten stets grosse Wichtigkeit. Sie darf nie aufhören zu spielen. Das dürfen wir uns nie nehmen lassen. Wenn ich zum Beispiel höre, dass in gewissen islamischen Ländern den Mädchen das Singen verboten wird, macht mich das fassungslos und auch wütend. Wir tun gut daran, Kindern den Zugang zum gemeinsamen Musizieren zu ermöglichen. Ich glaube das ist eine sehr gute, menschliche Investition.

Aerni: Sie scheinen in allen Musiksparten zu Hause zu sein, von Schlager über Swing und Jazz bis Pop. Welchen Radiosender schalten Sie beim Autofahren ein?

Lienhard: Radio Swiss Jazz oder SRF1 – dies vor allem kurz vor Mittag, wenn es ums Essen geht!

Aerni: Zu guter Letzt: Was man einem Fischer oder einem Jäger wünscht, ist ja bekannt. Was dürfen wir Ihnen als Musiker wünschen?

Lienhard: Eine erfolgreiche Tournee wäre ganz wunderbar. Vielen Dank!

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Seit über 50 Jahre steht Pepe Lienhard auf der Bühne in vielen Musikwelten wie von Eurovisions-Songcontest bis Montreux Jazz Festival, von TV-Gala und Ländler-Juuzer. Er war 37 Jahre lang Orchesterleiter von Udo Jürgens. Solomusiker, Bandleader, Arrangeur, Talkmaster, Gastredner. Er blickt zurück auf die Zusammenarbeit mit Superstars wie Frank Sinatra, Whitney Houston, Quincy Jones. Weitere Infos zur neuen Tournee finden sich auf:

www.pepe-lienhard.ch

PS: Das Bild stammt vom Konzert in Bonstetten zu Ehren des 20jährigen Jubiläums des Kulturkellers La Marotte in Affoltern am Albis (Kanton Zürich)