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«Das Handeln ist zentral»

Was bewirkt das Malen? Ein Interview mit Kunst- und Maltherapeutin Irma Grieder.

Wir leben ja in einer bunten Welt, und doch soll Malen recht viel bewirken. Kunsttherapie und Begleitetes Malen bieten Sie und Ihre Kolleginnen an. Nennen Sie mal drei Gründe, warum das guttut?

Beim Malen nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihre Kreativität. Durch das Malen kommen Sie in Kontakt mit Ih- ren Bedürfnissen und Wünschen. Sie werden durch das Malen Veränderungen erleben.

Begleitetes Malen gehört zu den Angeboten der Ateliergemeinschaft. Wie muss man sich das vorstellen? Wird beim Malen geredet?

Die wichtigste Tätigkeit ist das Malen, das Auftragen der Farbe auf das Papier. Gesprochen wird, wenn die Arbeit am Bild nicht mehr fließt, wenn Schwierigkeiten auftauchen, dann bin ich als Malbegleiterin da, unterstütze die malende Person und das Bild.

In unserer Gesellschaft geht viel über Kopf und Sprache, welche Nischen füllt denn das Malen aus?

Beim Begleiteten Malen im Atelier ist das Handeln zentral. Viele Menschen erleben beim Malen eine Zeit der Stil- le, der Achtsamkeit und der Fürsorge. Die eigene Intuition kommt zum Tragen, und Ressourcen werden entdeckt, Veränderungen sind dann auch in den Bildern sichtbar.
Und bei Ausnahmezuständen …?Wenn jemand eine Krise durchlebt, hat er oder sie häufig schon Verschiedenes ausprobiert. Das Malen ermöglicht einen anderen Zugang zu einer Fragestellung. Neurobiologische Forschungen haben gezeigt, dass Bilder Gefühle verändern und dadurch heil- sam wirken können.

Was bringt das Begleitete Malen für Menschen, die vielleicht nicht gerade in einer Krise stecken? Lohnt sich auch mal eine Schnupperstunde, obwohl man karriere- oder gefühlsmäßig voll auf Touren ist?

Ja, jeder Mensch kann von der ruhigen und konzentrierten Atmosphäre im Atelier profitieren. Jederzeit sind Entdeckungen und Veränderungen möglich, die kreative Aktivität kann eine willkommene Auszeit vom Alltag bieten; es lohnt sich, das selber zu erleben. Malen wirkt auch präventiv.

Der Klient oder Kunde steht also in Ihrem Atelier, in Malerschürze, und vor einem hängt das weiße Blatt und auf dem Tisch steht eine Reihe von Farbtuben. Wie gehts nun weiter?

Jede Person darf malen, was sie möchte, es gibt in unserem Atelier also kein vorgegebenes Thema. Das Bild entsteht nach und nach; wenn jemand Hilfe braucht, bin ich da und unterstütze.

Sie und Ihre Kolleginnen haben eine Ausbildung für Kunsttherapie oder auch zum Beispiel für «Lösungsorientiertes Malen» hinter sich. Was fordert eine solche Schulung von einem selber ab?

In der Ausbildung sind das eigene Malen und die Auseinandersetzung mit der Biografie zentral. Wertfreies Wahrnehmen vom Entstehungsprozess steht immer wieder im Fokus, dazu braucht es auch ein fundiertes Wissen über psychologische und seelische Prozesse sowie ein breites Inventar an therapeutischen Interventionsmöglichkeiten.

Die da wären?

Es gibt verschiedene maltherapeutische Methoden: Das Begleitete Malen ist prozessorientiert, das heißt, die Bilder werden intuitiv ohne Themenvorgaben gemalt. Beim Lösungsori- entierten Malen wird für ein definiertes Problem eine Veränderung gesucht; dafür werden einfache, klare Bilder geschaffen.

Gibt es für Sie eine Lieblingsfarbe?

Ich liebe alle Farben; welche ich im Moment bevorzuge, hängt von meiner Befindlichkeit, meinen Gefühlen und Bedürfnissen ab. Ich erlebe immer wieder, wie eine Farbe neben einer anderen eine neue Wirkung hervorbringt. Farben und ihre Kom- binationen mit anderen faszinieren mich.

Das Interview ist in der Zeitung ZÜRICHBERG erschienen.

Heute ist TAG DER OFFENEN TÜRE ab 13 Uhr an der Englischviertelstraße 32 Zürich

Buchcover

Das Wetter und wir

Wie wichtig das Wetter für uns Menschen zu sein scheint, bewies die Veranstaltung in Uzwil. Vor vollen Reihen unterhielt ich mich mit dem Meteo-Chef des Schweizer Fernsehens SRF Thomas Bucheli. Nach Podien über die Medizin in Lenzerheide mit Annina und Christian Hess und einem über das liebe Geld mit Christoph Pfluger und Lukas Hässig in Zürich war zu spüren, dass das Geld die Menschen unglaublich umtreibt.

Die Besucherinnen und Besucher stellten Fragen zum Klimawandel, zu den Hagelkanonen der Bauern, über die Wetterfühligkeit, ob wir einen guten Sommer hatten, was mit dem Winter wird und wie das so geht, auf dem berühmten Dach des SRF-Gebäudes, von wo jeweils jeden Abend um 20 Uhr die Prognosen bekannt gegeben wird.

Lesen Sie den Bericht der Journalistin Annelies Seelhofer-Brunner, die in Uzwil mit dabei war hier…

Der passende Buchtipp: „Wetterzeichen am Himmel“ von Andreas Walker, Thomas Bucheli, ISBN/EAN: 9783038004646, Seitenzahl: 224, CHF 38.00 oder Euro 34,90. Kann per E-Mail hier portofrei bestellt werden: buch-news@web.de

Buchcover

Industrie Medizin?

Mir ist aufgefallen, dass hier nie bis selten gegrüßt wird. Ausgerechnet hier, wo es ums tiefste menschliche geht: die Gesundheit und das Leben. Die Rede ist vom Krankenhaus. In meinem familiären Umfeld gab es in jüngster Zeit gleich zwei Spitalaufenthalte und die dadurch gesammelten Erfahrungen sind unschön. Beispiel 1: Nach eingehender Besprechung mit einem Chirurgen, stand plötzlich ein anderer im OP. Beruhigend, nicht? Beispiel 2: Nach der Verlegung in ein neues Zimmer, wusste das Pflegepersonal nicht, wo die dazugehörenden Dokumente sind. Beispiel 3: Ein Röntgentermin ging Vergessen und die Patientin musste wieder nach Hause reisen. Beispiel 4: Eine ganze Abteilung litt unter vibrierendem Baulärm. Der Grund war ein Umbau für eine VIP-Etage mit exklusivem Helikopter-Landeplatz. Befinden wir uns mitten drin, in der Amerikanisierung einer Grundversorgung? Irgendwo im Lande verwandelte sich eine Psychiatrische Klinik in eine Aktiengesellschaft. AG’s sind dafür da, Rendite zu erwirtschaften und sicher ist es eine originelle Herausforderung, mit Menschen in mentaler Verzweiflung Gewinn erwirtschaften zu wollen. Über diesen Trend kann gestritten, wohl aber nicht mehr gestoppt werden. Es gibt aber eine Bewegung, die sich aufbäumt gegen die Rationalisierung und Zweiklassengesellschaft im Gesundheitswesen. Sie heißen Annina und Christian Hess und gründeten den Verein Akademie Menschenmedizin. Mit Symposien und weiteren Aktionen wird versucht, Gegensteuer zu geben. Zurückrudernd auf eine Qualität in der Medizin, die wir heute vermissen. Ob es gelingt?

Doch bis es besser wird, freuen wir uns, wenn uns doch noch ein „Grüezi“ auf dem Flur entgegen flattert.

*Die Vorfälle sind in Spitälern irgendwo in der Schweiz geschehen, deren Namen der Verfasser kennt.

 

Der passende Buchtipp: „Menschen als Menschen behandeln. Vom Wesen einer menschlichen Medizin“ von Jürgen Harms, Verlag Akademie Menschenmedizin

Tiroler Tageszeitung

Was erwartet uns in Hall i. Tirol?

Viel Eigensinnliches rund ums Wort. Da wäre mal Rolf Lappert.

«Mannezimmer?», schon gehört, war das nicht eine Soap im Schweizer Fernsehen? Rolf Lappert nickt, er schrieb für diese in der Schweiz extrem erfolgreiche Serie. Wir zwei waren damals gerade auf dem Weg in ein altehrwürdiges Fußballstadion in Wien zum Spiel zwischen den beiden Nationalmannschaften der Autoren. Die Schweizer haben 1:7 gegen die Österreicher verloren, aber Rolf Lappert stand vor einem großen Erfolg als Schriftsteller, denn der Bestseller «Nach Hause schwimmen» sollte erst noch das Licht der Buchhandlungen erblicken. Mit diesem Roman räumte Lappert Preise und Komplimente en masse ab, dies zurecht; seine Geschichten greifen weit aus, erzählen vielstimmig mit dem Sinn fürs Wesentliche des Lebens um den Puls der einzelnen Figuren spüren zu lassen. Er sagte mal, dass er beim Schreiben sehr störanfällig sei, ja sogar eine einzelne Fliege könne ihn aus dem Konzept bringen. Freuen Sie sich auf ihn hier in Hall; und wenn Sie ihn mit einer Fliegenklatsche durchs Parkhotel gehen sehen, dann freuen Sie sich gleich nochmal, nämlich auf seinen nächsten Roman.

Dann kommt auch Christoph Simon ins Tirol

Es ist schon sehr lange her, als sich der junge Schriftsteller Christoph Simon im Bahnhofsrestaurant in Solothurn für ein Interview mit mir an den Tisch setzte. Heute ist die Kneipe durch ein Bistro ersetzt worden, aber der Autor wirkt noch immer so frisch wie damals. Von seinem ersten Roman mit dem Titel «Franz oder warum Antilopen nebeneinander laufen» sind bis heute Bücher erschienen, die allesamt in jedes Bücherregal gehören.

Irgendwie machte er dann in seiner Karriere eine Art Umkehrschub: Nachdem er Romane schrieb, an Literaturfestivals und in Literaturhäusern las, steht er nun auf Bühnen als literarischer Kabarettist oder als Poetry Slammer vor 800 Menschen in einer riesigen Halle in Zürich. Der Verfasser dieses Artikels war Zeuge des soeben erwähnten Anlasses. Da fetzten, lallten und kalauerten die anderen Spoken-Worder, was das Zeug hielt, und dann tritt dieser Christoph Simon völlig unaufgeregt und entspannt ans Mikro und beginnt zu reden. Ohne Halligalli erzählt er Sachen dergestalt, dass der Applaus seine Mitbewerbenden von der Bühne fegt. Und irgendwie genau so sind seine Bücher. Beginnt man sie zu lesen, dann nehmen seine Geschichten ganz sachte Fahrt auf, bis es zu spät ist, aufzuhören.

Hier die Namen aller Autorinnen und Autoren 2016:

Viv Albertine (England);

Hans Augustin (Österreich)

Marcel Beyer (Deutschland)

Safiye Can (Deutschland)

John Cleese (England)

Stephan Eibel Erzberg (Österreich)

Martin Fritz (Österreich)

Jón Gnarr (Island)

Iman Humaidan (Libanon)

Uta Köbernick (Deutschland/Schweiz)

Rolf Lappert (Schweiz)

Jeremy Reed (England)

Tom Schulz (Deutschland)

Christoph Simon (Schweiz)

Alina Simone (USA)

Weitere Links zu Informationen zum Festival:

Nach Hall gelangen Sie sehr gut mit der Bahn über Innsbruck mit Anschluss der Regionalbahn. Mit dem Auto sind es von Innsbruck etwa 20 Minuten, entweder über die Autobahn oder noch schöner, an der nördlichen Hangstraße entlang via Absam. Wunderschöne Landschaft. Hall ist ein bezauberndes Städtchen mit beeindruckender Altstadt, grandioser Rundsicht auf die Tiroler Alpen und das Parkhotel entzückt durch die Architektur.

Besuchen Sie mal digital folgende Webseiten:

Stadt Hall

Parkhotel Hall

Festival Sprachsalz

Wenn Sie zu Hause bleiben, dann können wir gerne darüber reden.

 

 

 

Rothus Verlag

Vielfalt – auch im Tourismus

Dass es nicht ungefährlich ist, der großen bunten Zeitung ein mündliches Interview zu geben, erfuhr ein Tourismuschef irgendwo in Graubünden. Aus dem langen Gespräch blieb ein Satz übrig, der besagt, dass Biker mehr Geld in die Ferienregion brächten als Wanderer. Logisch, dass darüber diskutiert wurde. Obwohl nicht sicher ist, aus welchem Zusammenhang dieser Satz gerissen wurde, fragte ich mich etwas herum, was man so denke, über die Zukunft des Tourismus mit velofahrenden und wandernden Feriengästen.

Unser Wasserbotschafter Ernst Bromeissieht die Zukunft im Miteinander und weiß von einer Wanderin aus Arosa und einem Biker aus Lenzerheide, die sich auf dem Hörnligrat verliebten. Seitdem würden sie gemeinsam durchs Leben radeln und wandern.

Peter-Lukas Meier, Herausgeber des Wandermagazins Schweiz, schätzt die Zahl der Genusswanderer immer noch höher ein, die auch beim Essen und der Unterkunft Geld fürs Genießen ausgeben möchten und fährt fort: „Mit den E-Bikes verändert sich der Markt im Moment noch einmal radikal, bald werden die Hardcore-Biker an den Rand gedrängt werden“, so dass sich Tourismus-Chefs zusätzliche Angeboten ausdenken müssten. Er sei froh, dass dieses Thema öffentlich diskutiert würde.

Die Herausforderung oder sagen wir, die Lust auf neue Konzepte, müssen auf jeden Fall eine Vielfalt an Bedürfnissen abdecken; vom Kamikaze-Biker über die Extremkletterin und Blümchenbestauner bis zum Dauerwellnesser. Das entspricht dem Gesetz der Biologie, das besagt, dass die größte Biodiversität das Überleben sichert…

Passende Lektüre: Wandermagazin Schweiz – kann am Kiosk und im Buchhandel gekauft oder abonniert werden

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Lust statt Angst

Soeben fand ein sehr inspirierendes Gespräch im Hotel Schweizerhof in Lenzerheide statt.
Mit Rolf Lyssy, Giancarlo Pallioppi (Kurhaus) und Ehepaar Züllig (Schweizerhof) am Podium über die Zukunft Schweiz unter der Leitung von Urs Heinz Aerni.

Fazit: Zu dem stehen, was wir haben, Lust am Job, Interesse an Inhalten und kreativ die Zukunft gestalten wollen.

Zum Schluss betonte Lyssy, dass jegliche Angstmachereien durch populistisch agierende Politik weder helfen noch nützen.

Ein Bericht zu diesem Anlass folgt demnächst in der Zeitung NOVITATS.

Foto von Nicole Trucksess („Novitats“) zeigt auch Lukas Moos (Präsident der örtlichen Lions) bei der Begrüßung.