Impf statt Schimpf

Die journalistische Gattung «Kolumne» stammt aus dem 18. Jahrhundert und schwappte später von der britischen Pressekultur auf den ganzen Kontinenten über. In der Kolumne schreibt regelmäßig eine Autorin oder ein Autor über Beobachtungen, Einschätzungen und Schlussfolgerungen aus dem Leben des Alltags. Das kann von einer seltsamen Begegnung im Bus sein oder beim Anstehen im Bio-Laden. Das Weltgeschehen greift oft mehr als erwünscht in unseren kleinen Alltag ein. Als ein öffentlich Publizierender werde ich logischerweise auch und immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie ich es denn mit dem Impfen habe. Deshalb hier und einmalig meine Erklärung, warum ich mich impfen ließ und wieder lassen werde:

  1. Nach eingehender Recherche bin ich zum Schluss gekommen, dass alle zugelassenen Impfstoffe die üblichen und notwendigen Forschungsstufen und Qualitätskontrollen bestanden haben und den bestmöglichen Schutz bieten.
  2. In einer Gesellschaft tragen wir die Verantwortung, dass Mitmenschen bei schweren Erkrankungen oder Unfällen die bestmögliche medizinische und therapeutische Hilfe erhalten. Dies kann –natürlich mit Ausnahmen – durch eine Impfung besser gewährleistet werden.
  3. Auch wenn aus biologischer oder evolutionstechnischer Hinsicht über den Zweck des Impfens gerne weiter diskutiert werden darf, beginnt in einem demokratischen Rechtsstaat mit all seinen Mängeln irgendwann das Vertrauen. Ich schenke den Expertinnen und Experten in Wissenschaft und Medizin das Vertrauen in ihre Arbeit und auch den Verantwortlichen in den Behörden und der Verwaltung, in der Überzeugung, dass sie versuchen, den menschenmöglich besten Job zu machen. Ansonsten müsste ich bei jedem Koch in den Topf oder der Lokführerin über die Schulter schauen.

So, nun freue ich mich wieder auf die großen Geschichten aus unserem kleinen Alltag für die nächste Kolumne.

Urs Heinz Aerni

Diese Kolumne erschien in der Zeitung BÜNDNER WOCHE

Aerni’s Depesche

Zukunft des Lesens

Glauben Sie an die Zukunft des Bücherlesens? Während ich hadere, ist Annette König davon sehr überzeugt. Die Kulturjournalistin wurde bekannt als die Bloggerin BuchKönig und gibt mir im Interview im Sender „Die Redaktion“ gleich noch drei Buchtipps mit auf den Weg:

Katzen und Vögel

Die eine Tierart möchte nicht in die Quere der anderen kommen. Aber zusammen in einem schönen Magazin gedruckt, geht prima. Dörte Welti schreibt über Hape Kerkeling und sein Verhältnis zu den Katzen und ich versuche den Grund herauszufinden, warum der Mensch den Vogelzug verhindern möchte. Das und vieles mehr über das Leben, Reisen und die Lebensqualität findet sich im Magazin, herausgegeben vom sympathischsten Chefredakteur Kurt Aeschbacher.

  • Die ersten 5 Rückmeldungen per Mail erhalten ein Gratisexemplar per Post zugestellt.

Wann ist der Witz witzig?

Das versuchen wir auf einer Tour durchs Land herauszufinden. Der Poet, Mundartexperte und Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und meine Wenigkeit beschäftigen sich mit der Frage, warum der Witz als Literaturgattung verkannt wird und wie man einen Witz am besten vom Besten gibt, natürlich mit Fallbeispielen. Nach Stationen u. a. in den Kantonen Uri, Schwyz, Basel-Landschaft, Luzern. Aargau und St. Gallen sind nun die Menschen im Züricher Unterland dran:

https://www.bibliotheken-zh.ch/Niederhasli/#Start1

Zur Einstimmung kann schon mal vorab diese Kolumne gelesen werden:

http://www.berglink.de/der-witz-eine-verkannte-kunst/

Zeitgenössische Kunst in historischen Gemäuern

Vom 18. November bis 12. Dezember zeigen Künstlerinnen und Künstler im schmucken Ortsmuseum Albisrieden ihr Schaffen. Mit dabei ist eine Künstlerin, die mir besonders nahe steht…

http://www.ortsmuseum-albisrieden.ch/kunst_plakat_21.pdf

In der nächsten Depesche erfahren Sie, warum ich mich impfen ließ und warum der Kinostart am 25. November im Kosmos Zürich nicht nur uns alle angeht, sondern vor allem Mädchen und Frauen, die Visionen haben.

Bis dahin also.

Ihr 

Urs Heinz Aerni

Lesekrise?

Fachleute der Pädagogik sind sich immer mehr einig, dass eine Zweiklassengesellschaft entsteht. Zwischen lesenden und nichtlesenden Menschen. Sieht man sich im Zug oder in der Strassenbahn um, dann wird getippt, gescrollt und gestreamt. Weit und breit keine Zeitungs- oder gar Buchlesenden. Wo sind sie geblieben?

Dabei: Frankfurter Buchmesse zieht Scharen an, Literaturtage Zofingen, «Zürich liest», Buchfestival Olten, BuchBasel präsentieren neue Bücher in immenser Auswahl. Hier ein paar eigene Entdeckungen, bevor ich zum Eingangsthema zurückkomme.

Katerina Schiná zeigt in «Die Nadeln des Aufstandes» wie die Kunst des Strickens auch rebellisch sein kann (Edition Converso). Ulrich Land erzählt in «Kleist – Der letzte Akt» eine Kriminalgeschichte mit überraschenden Denkanstössen (Kameru). Martin Kunz nimmt uns in «Alltag» in seine faszinierende Gedankenwelt mit, in einem merkwürdigen Jahr (Edition Baes). Lukas Holliger schafft es in «Unruhen» mit seinen Erzählungen uns unruhig zu werden zu lassen (Edition Meerauge). Theodor Wolff versetzt uns in «Die Schwimmerin» in die verrückte Zeit Berlins der 1930er Jahre (Weidle). Christoph Simon zaubert in «Der Suboptimist» sein famoses Bühnenprogramm zwischen zwei Buchdeckeln (Knapp). Ute Bernhardt und Karsten Massei machen in ihrem Kinderbuch «Noemi und die Bienenkönigin» neue filigrane Facetten der Bienenwelt sichtbar (Futurm). Martin Liechti produziert meisterlich in «Leicht daneben» mit knappen Worten pointierte Unterhaltung mit Nachhall (Bucher). Ulrike Kotzina erzählt in «Jenseits des Abgrunds» von einer Beziehung, die zum Abenteuer wird (Edtion Laurin). Markus Bundi verschafft uns mit der Tragikomödie zwischen Dystopie und Thriller «Die letzte Kolonie» einen Klotz in der Magengegend, im positiven Sinne.

Verzeihung, dabei wollte ich doch über die Lesekrise schreiben. Machen wir dazu gleich mal eine Umfrage:

Welches Buch hatten Sie als letztes in den Händen und was machte es mit Ihnen? Antworten an: ursaerni@web.de

Urs Heinz Aerni

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Zeitung BÜNDNER WOCHE.

Ferienkritik 2021

Es werden Filme und Bücher besprochen, wieso nicht auch der Sommerurlaub 2021? Nur, wo beginnen? Vielleicht mit einem Kompliment an das Bergbadschwimmbad in Bergün mit schöner Grünanlage und einem sympathischen Briten als Bademeister. Auf dem Dorfplatz des idyllischen Dorfes Intragna, im Tessiner Centovalli, ist Stefan Früh anzutreffen. Seine Führungen in die Geschichte des Dorfes lassen die Hektik von heute vergessen. Auf der fast dreistündigen Aare-Schiffsfahrt von Biel nach Solothurn können in der Schleuse von Port Muscheln entdeckt werden, die nicht nur zwischen Wasser und Luft leben, sondern Wasser spucken. Das Café Inka im südbadischen Ötlingen mitten in einem Weingebiet mit Blick auf Weil am Rhein und Basel, bietet leckeren Kuchen in einem traumhaften Ambiente, umgeben von Pflanzen und romantischem Gemäuer. Auf dem Schiff von Lugano nach Gandria schnauzte mich die Kellnerin an: ich solle gleich sagen, ob ich zur Cola auch ein Glas wolle, damit sie nicht zweimal laufen müsse. Und auf der Schiffsfahrt von Luzern nach Beckenried stellten wir in der 1. Klasse fest, dass kein Restaurant in Betrieb war, trotz vollem Deck. Eine aufmerksame Frau von der Crew legte mir ein Formular auf den Tisch und bat, diesen Mangel aufzuschreiben. Im Naturschutzgebiet Auried im Kanton Fribourg sichtete ich zum ersten Mal Zwergschnepfen. Im italienischen Ponte Tresa wurde uns zum Glas Weisswein eine Vesperplatte aufgetischt, einfach so. Nach zwei Beinahe-Zusammenstössen mit rasenden Velofahrern bei Schinznach Bad und Rifferswil entdeckten wir am Kunstmarkt im Nidwaldner Museum in Stans zeitgenössisches Schaffen, das es in sich hat und Andreas Jahn zeigte im Gertsch-Museum in Burgdorf, wie viel Ironie in der Kunst stecken kann. Im Walliser Naturpark Pfyn sahen wir, wie ein Schlangenadler mit einer Smaragdeidechse als Beute davonflog und im Aargauer Jurapark verkosteten wir den Besserstein-Wein und bestellten gleich nach. Und das ist nicht alles…

Urs Heinz Aerni

PS: Das Bild zeigt ein Gebäude, das hier nicht erwähnt wird, ist aber eine andere Geschichte.

Diese Kolumne erschien in der Zeitung Bündner Woche.

P wie Panne oder Post

Das Team der Poststelle in Lenzerheide ist für ihre Freundlichkeit und der Wille zur Problemlösung gleich zu Beginn an, zu loben und herzlich zu verdanken.

Für gutes Geld erteilte ich der Post den Auftrag, für eine bestimmte Zeit alle an mich adressierten Briefe entsprechend umzuleiten, nur diejenige für meine Liebste nicht. Der Mensch fliegt in’s All, spaltet Atome und fuchtelt in den Genen von Pflanzen herum. Wenn er das kann, ist die Postumleitung ein Klatsch dagegen. Aber:

Schon am ersten Tag lag im Hotelpostfach ein Brief für meine Liebste statt für mich. „Kann passieren“ dachte ich und gab ihn auf Post Lenzerheide erneut auf. Das Porto für A-Post zahlte ich.

Der selbe Brief lag wieder in meinem Fach hier im Hotel statt bei ihr Zuhause. Zu diesem gesellten sich noch weitere, die nicht für mich sind. Wenn ich mal ein Brief mit zehn Rappen zu wenig frankiert habe, kommt postwendend eine Karte vom Konzern, der gleich noch ein Strafporto einfordert.

Auf der erhaltenen Bestätigung des Umleitungsauftrages wird eine E-Mail-Anschrift angegeben für Fragen. An diese Adresse schrieb ich die Bitte, doch den Zustellungspannen ein Ende zu bereiten. Und das hier – ohne Schmäh – kam zurück:

Liebe Kundin, lieber Kunde

Besten Dank für Ihre Anfrage.

Zurzeit erreichen uns mehr Anfragen per Telefon, E-Mail und Chat als gewohnt. Bedauerlicherweise ist es uns auf Grund dieser Situation meist nicht möglich, Ihre Anfrage unmittelbar zu beantworten.

Daher bitten wir Sie, Ihre Anfrage nur einmal auf einem von Ihnen favorisierten Kanal zu stellen. 

Wir danken für Ihr Verständnis.

Ihr Contact Center Post

Als ich mich wieder gefasst habe, griff ich zum Telefon aber hielt es in der kostenpflichtigen Warteschlaufe nicht länger aus und legte auf. Wenn einem Kunden ein Fehler passiert, hagelt es gleich Mahn- und Bearbeitungsgebühren. Wenn ein Konzern im Service versagt, dann…

Vor Beendigung dieser Kolumne teilte die Post mit, dass sie mir den Betrag für die Postumleitung wieder zurückzahlen möchte mit der Bitte um Entschuldigung.

Soll ich nun trotzdem auf eine Rechnung für meine entstandenen Aufwendungen verzichten?

Urs Heinz Aerni

Ist in der Zeitung Bündner Woche erschienen.

Sommerkino 2021

Hegen Sie eine Vision oder den Wunsch, was endlich anpacken zu können? Dann wissen Sie, wie es der jungen Sambierin Gladys erging. Sie nahm ihren Mut zusammen und wurde aktiv, denn sie erfuhr vom Wunsch eines Stammesfürsten, die Infrastruktur in einem kleinen Dorf aufzubauen. Thomas, ihr Mann aus der Schweiz konnte sie dafür überzeugen, sich mit ihr zusammen für eine bessere medizinische Versorgung und Ausbildung der Kinder einzusetzen. Ihre Vision von Weltverbesserung, und Abenteuer prallte auf eine Realität mit Hürden und Härten, die sogar ihre Liebe auf die Probe stellte. Ob sie es dennoch schaffte, sei hier nicht verraten. Cornelia Gantner begleitete mit ihrem Filmteam Gladys bei ihrem Projekt in Sambia. Es gelang ihr einen eindringlichen und empathisch gelungenen Film, der uns beherzt mitnimmt, in eine Geschichte, irgendwo in Afrika.

Der Bündner Filmer Mario Theus machte sich auch auf, um der Welt eines der ältesten Kulturen vor die Linse zu bringen, die der Mensch kennt aber sie heute oft verdrängen will: die Jagd. Theus ist selber Jäger und weiss, wovon er filmt. Er zeigt subtil oft auch gar poetisch, wie wirr die Ambivalenz unserer Gesellschaft ist, zwischen Haustiermedizin, Massentierhaltung und der Diskussion über eine Jagdkultur, die heute oft auch nicht mehr so ist, wie sie sein müsste. Mit viel Respekt lässt der Film uns am Leben von Menschen teilhaben, die in grandiosen Landschaften auf der Pirsch sind oder sich um unsere Lieblinge mit dem Seziermesser kümmern. Und damit bestätigt der Film, dass wir mit unserer Sicht zur Natur neu über die Bücher gehen sollten.

Nebenbei bemerkt, ist Ihnen schon aufgefallen, dass alle Fluchttiere die Augen eher auf der Seite haben wie Amsel, Reh oder Gams und Beutejäger nach vorne gerichtet Augen wie Falke, Kauz oder Luchs? Und wo liegen die Augen bei uns Menschen? Eben.

Diese zwei Dokumentarfilme machen Kino nicht nur fürs Herz, sie öffnen Horizonte und retten den Open Air-Sommer 2021. Siehe www.open-air-kino.ch.

Urs Heinz Aerni

Hier die beiden Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=fHjYxknv51A
https://www.youtube.com/watch?v=76nuPBUrD08

Gegenmittel

Am 29. Mai 2021 blätterte ich die NZZ auf um den Artikel «Dünger als Philosophie» zu lesen, der mit den Worten «Eine spirituelle Lehre gerät in der Pandemie unter Verdacht» angekündigt wurde. Birgit Schmid versuchte der von Rudolf Steiner (1861 – 1925) gegründeten Anthroposophie für die Zeitung auf den Grund zu gehen, was ihr lesefreundlich gelang.

Die Reformation befreite ab dem 16. Jahrhundert ganze Völker von Dogmen der Katholischen Kirche, wobei der Pegel der Intoleranz nach calvinistischer Manier in neue Extreme ausschlug. Im Fahrwasser der verheerenden Unterwerfung der Welt durch die Kolonialmächte nutzten Forscher die Entdeckungen exotischer Flora und Fauna für neue Rückschlüsse, die wieder festgezurrte Weltbilder zum Erodieren brachten. Charles Darwin (1809 – 1882) ebnete mit der Evolutionstheorie den Niedergang alter Gottesbilder und den Weg der Funktionalität mit Auswirkungen in Wirtschaft und Politik. Charles Dickens (1872 – 1870) beobachtete literarisch die Früchte der Industrialisierung wie Gier und Armut. In dieser Zeit entstanden viele neue Denkversuche und Bewegungen um für das elende Dasein neue Visionen oder auch nur Trost zu finden. Sigmund Freud (1856 – 1939) suchte Antworten in den Tiefen der Seelen, Carl Gustav Jung (1875 – 1961) weitete diese Suche mit Symbolik, Alchemie und Farben aus. Im 19. Jahrhundert entstanden Gemeinschaften wie «Ernste Bibelforscher», «Adventisten», die «Heilsarmee», die «Neuapostolische Kirche» oder die «Mormonen» um nur einige zu nennen. Denkmuster und Visionen sind Resultate gesellschaftlicher Biotope. Jede neue Denkweise beginnt als Revolution und sickert mit der Zeit in unser Alltaggefüge in einer erträglichen Restdosis.

Und doch enden wir frei nach Bertold Brecht (1989 – 1956) so: «Wir sehn betroffen – Den Vorhang zu und alle Fragen offen.»

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtipp: „Monte Verità – 1900 der Traum vom alternativen Leben beginnt“ von Stefan Bollmann.

Supplement: „Nicht der Kormoran ist das Problem“

Aerni’s Depesche

Liebe Leserin, lieber Leser

Startschuss zum Chorsingen in der ganzen Schweiz

Am 31. Mai um 9 Uhr startet bei «Einsingen um 9» die Woche «Alles einsteigen, bitte!». Zu diesem Zeitpunkt werden sich alle Singfreudigen vor ihren Bildschirmen einfinden, um gleichzeitig mit tausenden anderen ihre Stimmen wieder fit für das Chorsingen zu machen. Mehr als 2000 Menschen, schaffen sie das?

http://www.berglink.de/31-mai-2021-9-00h-startschuss-zur-wiederaufnahme-des-chorsingens-in-der-schweiz/

Haben die Vögel einen Sinn für schöne Musik?

Jetzt im Frühling wird gezwitschert und geträllert in der Natur, was das Zeug hält. Die Vögel geben alles und uns freut’s. Doch haben die gefiederten Freunde eigentlich auch Spaß daran oder gar einen Sinn für Ästhetik? Das fragt mich die Reporterin Regula Tobler für den Kanal DIE REDAKTION:

Filme für die Erde

Seit 10 Jahren ist «Filme für die Erde» das Kompetenzzentrum für Film und Nachhaltigkeit. Eine von der UNESCO ausgezeichnete Bildungsinitiative, die Morgen wieder über die Leinwände gehen wird.

Der Co-Geschäftsleiterin von «Filme für die Erde», Barbara Roth, konnte ich dazu Fragen stellen. Ihre Antworten sind unter anderem in der Jungfrau-Zeitung zu lesen:

https://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/184624/

Vögel und mehr an drei Orten

Auf Einladung des Naturschutzvereins Tägerig (Kanton Aargau), gibt es einen Vogelabendspaziergang:

«birds & words» – Ein Spaziergang zu den Vögeln mit Zitaten aus der Weltliteratur. Zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart in Seon:

https://seon.biblioweb.ch/aktuelles/1

Von Kappel nach Rifferswil

Organisierst vom Kulturclub La Marotte spazieren wir zur Natur und in die Geschichte des Säuliamt, zusammen mit dem Historiker Bernhard Schneider:

https://www.lamarotte.ch/content/lama/pages/spielplan.html?limit=3

Das war’s für heute und ich wünsche Ihnen gute Gesundheit und viel Fröhlichkeit!

Ihr

Urs Heinz Aerni

www.ursheinzaerni.com

Demnächst:

Philosophische und andere Notizen in einem merkwürdigen Jahr. Von Martin Kunz.
Mit einem Vorwort von Zora del Buono und einem Gespräch mit Urs Heinz Aerni.

Kontaktchaos

Der Rekord war fünfmal das Treppenhaus runter und rauf für fünf Pakete. Dabei lernte ich keuchend die Mitarbeiter der Firmen Schweizerische Post, DHL, Planzer, UPS, DPD und Quickpac kennen. Fünfmal hat es geklingelt und fünfmal durfte ich für jedes einzelne Paket meine Unterschrift für die Empfangsbestätigung auf fünf verschiedene elektronische Geräte kritzeln.

Wenn Sie so ungefähr in meinem zarten Alter sein sollten, dann haben wir das Vorrecht, uns an die Zeit zurückzuerinnern, als die Post zwar zweimal klingelte aber nur einmal alle für uns vorgesehenen Pakete überreichte und wir wieder an die Arbeit konnten. Seit der Liberalisierung der Paketpost partizipieren viele Unternehmen mit eigenen Logistikzentren und läuten uns x mal im Tag zur Haustüre runter. Ein Fortschritt im Sinne der Kundenfreundlichkeit in Preis und Service? Werden wir in ein paar Jahren zehnmal zur Tür rennen müssen oder vielleicht wieder auch nur einmal am Tag nach wettbewerbsbedingter Reinigung?

Neulich ließ mich Hugo wissen, dass er via Instagramm und Signal erreichbar sei aber nicht über Threema und WhatsApp. Annelies schickte mir ein WhatsApp in dem sie mitteilte, dass sie nun neu nur auf Telegram kontaktierbar sei, Yvonne fragte mich, ob sie mich über Messenger-Facebook erreichen könne und Sebastian meint, dass er am liebsten über Skype mit mir reden würde … oder meinte er FaceTime?

Ist ja schön, wie wir unter Freunden und Geschäftsleuten den Kontakt suchen und pflegen und erst noch kostenlos und allen so ziemlich egal zu sein scheint, dass all diese Gratisanbieter uns für die Werbung durchleuchten, Daten entlocken und als bald Gesichtserkennungsprogramme über unsere Antlitze schicken werden.

Es gab irgendwann mal Zeiten, in denen uns der Kontakt mit einem Menschen noch etwas Geld wert war. Sei es als Briefmarke, Telefonat, E-Mail-Account oder SMS. Diese Geiz-Kultur treibt mich nun zum zeitraubenden Verwaltungs- und Abspeicherungsaufwand um die richtige Person in ihrer gewünschten Kommunikationsform zu registrieren und wieder zu finden.

Liebe Leserin, lieber Leser, gerne bin ich für Sie da und beantworte Ihre Fragen. Und nun wünsche ich Ihnen abenteuerliche Freude beim Herausfinden, auf welchem Kanal das möglich sein könnte.

Urs Heinz Aerni

Fragen an Schauspielerinnen und Schauspielern zu Ihrer Aktion „Alles dicht machen“

Mehr als 50 Film- und Fernsehschauspieler äußern sich in einer koordinierten Protestaktion gegen die staatliche Corona-Politik. Die Reaktionen von den sogenannten „Querdenkern“ und rechten Parteien münden in Applaus und Zustimmung. Differenzierend denkende Menschen schütteln über diese Aktion den Kopf. Ich kann die Kritik an den Maßnahmen der Regierungen nachvollziehen, in der Meinung, dass über alles offen diskutiert werden müsse, auch wenn noch sehr viele Unsicherheiten bestehen, in unserem Wissen über diesen Virus, der sich noch durch neue Mutationen präsentieren wird. Und doch, diese Aktion ist misslungen und hilft niemanden. Apropos gesellschaftliches Engagement, dazu seien diese Fragen erlaubt.

Liebe Schauspielerinnen und Schauspieler

Euer gesellschaftliches Engagement in Ehren, egal wie das nun herauskommt ist, aber wo sind Eure radiophonen Stimmen und telegenen Gesichter wenn es um die Zunahme des Nationalismus‘ geht, der demokratische Werte in immer mehr Ländern unterwandert und für einen weltweiten Rekord an Militärausgaben sorgt?

Wo ist Euer kritischer Esprit in der Zeit der größten Krise für die Artenvielfalt, die sich durch Insektensterben, Vogelschwund und der abnehmenden Flächen auf denen die Natur gedeihen kann auswirkt; eigentlich die Lebensversicherung für unsere Kinder?

Wo mischt Ihr Euch politisch ein, wenn durch Gier nach Rentabilität immer mehr Bereiche der Grundversorgung privatisiert und dem freien Markt zugeführt werden mit dem Effekt der Zunahme an Kosten für die Verbraucherin und den Verbraucher mit einem gleichzeitigen Verlust der Qualität und Kundenfreundlichkeit?

Wo ist Euer Lärm gegen die global zunehmende Massenproduktion von Gütern in armen Ländern um sie in den reichen billig einzukaufen? Die daraus entstehende Vernichtung von immens vielen Ressourcen an Luft, Boden und Natur drängt immer mehr Menschen an den Abgrund einer Existenz-Sicherheit. Auf dem Planet agierende Konzerne liefern uns immer mehr digitalen Schnickschnack, saugen unsere persönlichsten Daten ab und schicken uns in eine digitalisierte Diktatur, ohne dass wir murren. Wo ist hier Euer Protest?

Aber erst der Versuch einer Regierung, einem noch recht unbekannten und sich mutierenden Virus Paroli bieten zu wollen, ruft Menschen aus der Welt der schauspielenden Prominenz auf die Polit-Bühne. Nicht dass man mit diesem Versuch einverstanden sein muss, aber hey, was ist mit den gigantischen Problemen drum herum?

Urs Heinz Aerni