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Migros statt St. Moritz

Als ich über die Finanzpolitik der Gemeinde St. Moritz recherchieren wollte, erhielt ich von der Migros Genossenschaft einen Brief mit Stimmkarte zur „Urabstimmung“ auf der man der Geschäftsleitung den Rechnungsbericht absegnen kann oder auch nicht. Dazu liegt ein Brief u. a. mit diesem Text: „Statutengemäß haben Sie das Recht, zur Jahresrechnung Stellung zu nehmen. Die Urabstimmung, dem obersten Organ der Migros, messen wir große Bedeutung bei.“Auf der Website steht: „Die Migros gehört den Leuten … Über 2 Millionen Genossenschafter sind Besitzer der Migros.“ Und weiter unten: „Die Mitglieder sind verpflichtet, die Interessen der Genossenschaft in guten Treuen zu wahren.“

Hört sich gut an, nicht? Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich als Mitbesitzer die Löhne in der Chefetage mitbestimmen, die Ladenöffnungszeiten kürzen, Billigfleisch aus dem Sortiment entfernen, nicht perfekt geformte Zwiebeln trotzdem mit ins Sortiment nehmen und mich für Begrünung auf allen Flachdach-Filialen engagieren konnte. Ersetzt die jährliche Urabstimmungskarte der Migros-Genossenschaft die sogenannten Mitwirkungsrechte? Als ich begann, in „meiner“ Migros Kunden zu beraten, wie in den TV-Spots, stellte mich der Filialleiter zur Rede. Und im Engadin fühle ich mich als Genossenschafter so richtig verloren, weit und breit keine Migros! Aber da gibt es ja noch den anderen, auch so mit roten Buchstaben…

 

Urs Heinz Aerni

Der passende Lesetipp für alle Engadinnerinnen und Engadiner, die sich trotzdem als Genossenschafter für einen Grossverteiler engagieren möchten: Die Coopzeitung erscheint wöchentlich. Ergänzung: Die erste Migros soll ja 2021 in Samedan eröffnet werden…

 

Diese Kolumne erschien in der Zeitung BÜNDNER WOCHE