P wie Panne oder Post

Das Team der Poststelle in Lenzerheide ist für ihre Freundlichkeit und der Wille zur Problemlösung gleich zu Beginn an, zu loben und herzlich zu verdanken.

Für gutes Geld erteilte ich der Post den Auftrag, für eine bestimmte Zeit alle an mich adressierten Briefe entsprechend umzuleiten, nur diejenige für meine Liebste nicht. Der Mensch fliegt in’s All, spaltet Atome und fuchtelt in den Genen von Pflanzen herum. Wenn er das kann, ist die Postumleitung ein Klatsch dagegen. Aber:

Schon am ersten Tag lag im Hotelpostfach ein Brief für meine Liebste statt für mich. „Kann passieren“ dachte ich und gab ihn auf Post Lenzerheide erneut auf. Das Porto für A-Post zahlte ich.

Der selbe Brief lag wieder in meinem Fach hier im Hotel statt bei ihr Zuhause. Zu diesem gesellten sich noch weitere, die nicht für mich sind. Wenn ich mal ein Brief mit zehn Rappen zu wenig frankiert habe, kommt postwendend eine Karte vom Konzern, der gleich noch ein Strafporto einfordert.

Auf der erhaltenen Bestätigung des Umleitungsauftrages wird eine E-Mail-Anschrift angegeben für Fragen. An diese Adresse schrieb ich die Bitte, doch den Zustellungspannen ein Ende zu bereiten. Und das hier – ohne Schmäh – kam zurück:

Liebe Kundin, lieber Kunde

Besten Dank für Ihre Anfrage.

Zurzeit erreichen uns mehr Anfragen per Telefon, E-Mail und Chat als gewohnt. Bedauerlicherweise ist es uns auf Grund dieser Situation meist nicht möglich, Ihre Anfrage unmittelbar zu beantworten.

Daher bitten wir Sie, Ihre Anfrage nur einmal auf einem von Ihnen favorisierten Kanal zu stellen. 

Wir danken für Ihr Verständnis.

Ihr Contact Center Post

Als ich mich wieder gefasst habe, griff ich zum Telefon aber hielt es in der kostenpflichtigen Warteschlaufe nicht länger aus und legte auf. Wenn einem Kunden ein Fehler passiert, hagelt es gleich Mahn- und Bearbeitungsgebühren. Wenn ein Konzern im Service versagt, dann…

Vor Beendigung dieser Kolumne teilte die Post mit, dass sie mir den Betrag für die Postumleitung wieder zurückzahlen möchte mit der Bitte um Entschuldigung.

Soll ich nun trotzdem auf eine Rechnung für meine entstandenen Aufwendungen verzichten?

Urs Heinz Aerni

Ist in der Zeitung Bündner Woche erschienen.

Als der Postbote zweimal…

Michael* wohnte in einem Dorf irgendwo in der Schweiz und liebte Denise*. Sie lebte im Nachbardorf. Er liebt sie so sehr, dass er ihr Briefe schrieb, einen am Vormittag, den sie am Nachmittag erhielt und einer am Nachmittag, den sie am nächsten Vormittag erhielt. Er verziehrte die Umschläge mit Zeichnungen und Zierschriften so sehr, dass es für sie nur so eine Wonne war. Das war so Anfangs der 80er Jahre, als der Postbote zweimal den Briefkasten heimsuchte. Zweimal im Tag konnte Denise den Briefkasten leeren und die Mutter rief aus der Küche ob was gekommen sei. Denise rief zurück: „Nichts!“ während sie den Brief von Michael ans Herz presste. Damals entstand viel Großes mit einem Brief, wie heute die Post wirbt.

Neulich gab ich einen Kartonumschlag am Schalter auf, der noch als Brief durchging. Liebevoll schrieb ich die Anschrift in leserlichen Lettern. Die Dame am Schalter sah mich ernst an und klebte eine Etikette über meine Schrift. Ich fragte nach, sie antwortete. Man müsse diese Etikette verwenden. Aha. Und man dürfe nur in Großbuchstaben schreiben. Oha. Und auch keine Zwischenzeile sei erlaubt. Ah ja. Umgehend käme das Ding zurück. Das wollen wir ja nicht. Klar. Eben, sonst könne der Computer den
Empfänger nicht lesen. Ja, und die Damen an den Schaltern erhielten Ermahungen von oben. Nun denn, da wollen wir als moderne Konsumenten nicht zurück stehen und den Maschinen geben was sie brauchen: Kalte klare Schrift auf genormten Etiketten damit für teures Geld unser Brief hoffentlich noch in der gleichen Woche ankommt. Oder noch besser, die Volkshochschule bietet einen neuen Weiterbildungskurs an. Titel: „Kompetenter Postkunde – Eine Herausforderung, die ich annehme“.