Der Unvollendete

Der Dramatiker und Autor Lukas Linder schreibt vom glückssuchenden Anatol und schmückt damit das Programm der Literaturtage Zofingen vom 23. bis 25. Oktober 2020.

Dem in Bern lebenden Autor Lukas Linder liest man die Lust, mit schrägen Figuren zu spielen und das gewonnene Handwerk am Theater zu Papier zu bringen, aus jeder Zeile. Die Nichtakzeptanz, dass die guten Tage längst passé sind, scheint ein perfekter Nährboden für allerlei Visionen und Übungen der Unmöglichkeiten zu sein. Kauzigkeit kann im Alltag nerven, in den Romanen lieben wir sie, die kauzigen, schrulligen und weltfremden Charakteren.

Der Umstand, dass Linder auch das polnische Lodz als sein zweiter Wohnort nennt, könnte der Verdacht zulassen, dass der großartige André Kaminski (1923-1991) mit polnischen Wurzeln mit seiner Kunst, das Allzumenschliche liebevoll zu karikieren, etwas Pate stand. Vom verdientermaßen erfolgreichen Erstling steigt bekanntlich in der Literaturszene die Spannung auf das zweite Buch. Erst recht, wenn dazwischen nur zwei Jahre liegen.

„Der Unvollendete“ lautet der Titel des neuen Romans von Linder. Nach Alfred befassen wir uns mit Anatol. Statt des Heldentums, soll hier das Glück gefunden werden. Auch Anatol mutet sich zu, etwas erreichen zu wollen. Wir schauen ihm zu, amüsiert, da und dort vielleicht auch mit einem Wiedererkennungslachen und Staunen ob Settings wie diesem hier: „In seinem Bett küsste sich überhaupt niemand. In seinem Bett hörte man sich die Erinnerungen von Alt-Bundesräten an und machte sich ein paar gedankliche Notizen. Andererseits: So atmete doch kein Mensch, der einem Alt-Bundesrat zuhörte.“

Lukas Linder reist am Wochenende vom 23. bis 25. Oktober von Bern nach Zofingen, mit seinem neuen Buch unterm Arm. Da heuer das vorgesehene Gastland Kanada, das nach der Frankfurter Buchmesse in den Aargau hätte kommen sollen, nicht an den Literaturtagen teilnehmen kann, haben sich die Verantwortlichen entschlossen, dem heimischen Schaffen und Verlegen eine Bühne zu geben. Ein Fest der Worte und Gedanken soll es sein, von der Sprachmusik von Leontina Lergier-Caviezel, über die Liebe in den Bergen von Thomas Röthlisberger und duftender Erde von Samira El-Maawi bis hin zum Schicksal einer „illegalen Pfarrerin“ von Christina Caprez. Viele Überraschungen, vieles zu entdecken.

ZOFINGEN
23.-25. Oktober
www.literaturtagezofingen.ch

Link: Buch und Autor

Der Beitrag erschien zuerst im Kulturmagazin AKUU