Wiederlesen mit Elke

„Keiner kennt meine Geschichten so genau wie ich.“ Das sagte Elke Heidenreich auf meine Frage, ob sie beim Vorlesen, auch mal spontan was ändere im Text. Dieses Interview wurde im St. Galler Tagblatt 2001 veröffentlicht. Wir trafen uns an den Solothurner Literaturtagen, nebenan saß Peter Bichsel. Meine Güte, wie viel Wasser ist seit dann durch den Rhein geflossen. Heidenreich ist eine unglaubliche Vielleserin und gehört zu den temperamentvollsten Literaturvermittlerinnen, was ich sehr schätze. Nun, nach so vielen Jahren werde ich sie wieder treffen, an der Novitätenschau im Literaturhaus Zürich am 13. Dezember um 19:30 Uhr, dann werden wir zusammen mit den Gastgeberinnen Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen neu entdeckte Bücher präsentieren. Welche Bücher die anderen drei vorstellen werden, weiß ich nicht. Aber es ist interessant, wie sich im Laufe des Lebens die literarische Vorliebe verändern kann. Oder tut sie es doch nicht? Egal, da Sie liebe Leserin und lieber Leser vielleicht nicht den Weg zu dieser Veranstaltung unter die Räder nehmen werden, darf ich Ihnen dafür heute schon meine Entdeckungen preisgeben.

Beat Gloor ist Sprachforscher und treibt in seinem Buch „uns ich er“ (Salis) ein herrliches Sinnspiel mit ungewöhnlichen Worttrennungen. Nicht ganz ein neues Werk aber eines, das würdig ist, noch von vielen sprachliebenden Zeitgenossen entdeckt zu werden. Neu ist von Hans Ulrich Bänziger „Ahnungslose Beute“ (Wolfbach), mit Miniaturen wie: „Ohne Schwerkraft wären wir schon längst im Himmel.“ oder „Er ging auf dem rechten Weg, doch in der falschen Richtung.“ „Wörter statt Möbel“ (Gesunde Menschenversand) macht deutlich, wie intensiv die verstorbene Autorin Aglaja Veteranyi in der Sprache lebte und nun ermöglicht uns ihr damaliger Bühnenpartner, Jens Nielsen, neue Zugänge in ihre Kunst. Matthias Jäger nimmt den Lesenden im „Der letzte Schritt der Vernunft“ (Bucher) mit, zu Ereignissen und Menschen in alter Zeit, die heute noch nachhallen und er versteht es, die Vergangenheit ins Hier und Jetzt zurück zu holen. Und dann wäre noch das grandios schön gemachte Buch „Das Gedicht & sein Double“ (Azur), das von Lyrikerinnen und Lyriker ein ausgesuchtes Gedicht einem ästhetischen Schwarzweißportrait gegenüberstellt, so, dass quasi die eine Seite mit der anderen den Dialog aufnimmt.

Diese Bücher bringe ich mit zur Novitätenschau aber, Sie können diese selbstverständlich kaufen aber noch nicht verraten, es soll am 13. Dezember eine Überraschung sein.

Urs Heinz Aerni

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Dieser Beitrag erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE