Zum Tod des Literaten und Wortmenschen Ernst Nef

Ernst Nef (1931 – 2018)

Ernst Nef prägte die Geschichte des Literarischen Clubs Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen) als Präsident und Vorstandsmitglied durch seine wunderbare entspannte Art, durch seine Lust an Literatur und dank seiner charmanten Weise der Vermittlung von Autorinnen und Autoren mit ihren Werken.

Ernst Nef wurde 1931 in Basel geboren und wuchs in Krefeld in Deutschland und in Goldach im Kanton St. Gallen auf. Sein Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und London bereitete den Boden, auf dem er sein Schaffen für die Literatur, das Feuilleton und die Sprachkultur weiterentwickelte und mit sehr viel Verve vorantrieb. Seine Arbeit als Gymnasiallehrer und als Literaturkritiker wurde von Schülerinnen und Schülern und der Leserschaft der Zeitungen Tages-Anzeiger, NZZ und Die Zeit sehr geschätzt bzw. gerne gelesen.

Seit 1996 wirkte er für die Zweimonatsschrift „Sprachspiegel“, in der er regelmäßig Artikel über Tendenzen und Trends in unserer Sprache publizierte, mit Esprit, scharfen Beobachtungen und punktueller Ironie.

Seine schriftstellerischen Arbeiten waren nicht für die Bestseller-Listen gedacht, die ihn auch nicht besonders interessierten. Seine Themen waren einerseits Persönlichkeiten wie Gottfried Benn, Carl Einstein oder Wolfgang Hildesheimer und andererseits seine Wahrnehmung der Welt und Beobachtungen in der Gesellschaft, die er in lyrische Texte münden ließ, oft so, dass bei der Leserin oder beim Leser ein Schmunzeln nicht zu verhindern war, was ein Buchtitel wie „Mach die Linsen scharf“ (1999) schon verspricht und  wofür er die Ehrengabe des Kantons Zürichs erhielt.

Ob als Vermittler von Literatur oder Schreibender: Ernst Nef gehörte zu den hellen Geistern der gelassenen Art. Er stopfte seine Pfeife, während er fragte oder herzlich lachte.

 

In seinem letzten Buch „Sei’s drum“ ist folgendes zu lesen:

 

In den alten Spiegel schauend entdecke ich

an meinem Kinn das Grübchen der Ehrgeizigen

und wundere mich

wie Menschen sich verstellen können.

 

Eine bedachte und lebensfröhliche Stimme ist nun verstummt. Schön, dass wir sie hören konnten und sie heute noch immer lesen dürfen.

 

Weitere Informationen zu den Publikationen von Ernst Nef finden Sie hier in der Nationalbibliothek Bern.

Der Beitrag erschien zuerst in der P. S. Zeitung Zürich.

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