Trump kommt in die Schweiz kommen. Hm … wie soll das Land ihn empfangen?

Diese Frage stellte ich auf Facebook und dann entstand dieser Dialog zwischen Paul Ott und Beat Gloor:

Paul Ott „Das Land“ soll gar nichts tun. Der Privatgastgeber WEF soll ihn anständig empfangen. Man empfängt Gäste immer anständig, auch wenn man sie nicht mag.

Beat Gloor Ja, aber man ladet keine Leute ein, die man nicht mag. Schon gar keine wandelnden Shitstorms.

Paul Ott Ich nicht. Aber wer ist „man“?
Beat Gloor WEF und Berset. Berset soll hat die Aufgabe, die Schweiz zu vertreten. Da gehören wir alle dazu. Ich würde schätzen, wenn die direkte Demokratie etwas schneller wäre, würden wir feststellen, dass mehr als die Hälfte im Land keine Grobiane und Dreckschleudern im Land haben möchten. Ich weiss, die Höflichkeit gebietet so einiges. Aber der Anstand verbietet es. Haltung bewahren.
Paul Ott Berset hat ihn nicht eingeladen. Wenn schon das WEF. Und die laden ja alle wohl „Leader“ ein, denn je mehr kommen, desto bedeutsamer fühlt man sich. Dass der Bundesrat Schlange steht (heute in der Tagesschau Schneider-Ammann), um den US-Präsidenten zu treffen, ist ein anderes Thema. Die Person lässt sich leider nicht vom Amt trennen.
Letztes Jahr war ja der Chinese dabei und hat sich als Hüter des Welthandels zelebriert. Vielleicht will T. diesen Auftritt kontern?
Irgendwie ist es wie mit Nordkorea. Man möchte die Typen gern missachten. Aber dann sind sie gekränkt und werden noch unberechenbarer. 
Mögen die Tage schnell an uns vorübergehen …
Beat Gloor Meines Erachtens ist jemand ein Gast, der eingeladen wird. In diesem Fall hat das WEF eingeladen und die Politiker stehen Schlange, wie du sagst. Nicht vergessen werden darf, wer das alles bezahlt – mit Geld und seinem guten Namen. Das ist der Bund. Dem zahlen wir Steuern. Ich komme nicht um die Erkenntnis herum, dass der Bund Donald Trump willkommen heisst, solange die Schweizer Bürgerinnen und Bürger dafür aufkommen. Und dagegen will ich meinen Protest einlegen, und zwar in aller Schärfe:
Ich bitte Sie sehr um Entschuldigung, Herrr Bundespräsident Berset, aber das Arschloch Trump wollen wir hier in der Schweiz nicht haben. Wem sollte der Besuch eines geistig Elfjährigen mit dem Ego eines Elefanten etwas bringen? Der Schweiz? Der Welt? Nicht einmal den USA. Der Einzige, dem es etwas bringt, ist der Aufmerksamkeitsstaubsauger, der hinten raus sozial giftigen Feinstaub verteilt: pmurt.
Muss sich die Schweiz wirklich mit jedem Grobian der Weltpolitik gemein machen! Ich weiss schon, die Höflichkeit gebietet es. – Aber Sie sollen wissen: Der Anstand verbietet es.
Paul Ott Ich bin einverstanden.
Das Problem ist nur:
1. T. ist von den US-Bürger/innen zum Präsidenten gewählt worden. Er ist nicht irgendein Hinterzimmer-Diktator.
2. Als Politiker (aber wohl auch als Mensch) kann man nicht nur mit Leuten reden, die einem „sympathisch“ sind oder die eine genehme Politik betreiben.
3. In der Schweiz haben wir mehrere männliche und weibliche Mini-Trumps, die teilweise sogar im Parlament rumfurzen. Was machen wir mit denen?
Beat Gloor Ich würde so antworten
1. Wenn er von den Amerikanern gewählt wurde, sollen ihn die auch ertragen. Solange so ein Kerl Präsident ist, sollten wir die Beziehungen zu diesem Land aus politischem Anstand sich selber und der eigenen Bevölkerung gegenüber einstellen.
2. Einverstanden. Es gibt aber eine Grenze nach unten, da verliert man die eigene Haltung, den Respekt vor sich selber und den der Bevölkerung. Meinen Respekt hat Berset verloren, so viel ist klar.
3. s. oben: Solange der Obertrumpel durchkommt mit seinem Programm, weil alle kuschen, ermuntert das immer mehr Minitrumpel, es ebenfalls zu versuchen. Ich halte das für schädlich und ungesund. Da sollte niemand mitmachen, der seine fünf Sinne noch beisammen hat.
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Donna Leon und die Amerikanisierung

Donna Leon signierte die Bücher und hörte freundlich zu, als die Leser ihr an einer Veranstaltung in Zürich Komplimente machten oder Fragen stellten. Das war damals so etwa beim fünften Fall von
Commissario Brunetti. Die sehr sympathische Lady erklärte dann im Gespräch, dass ihre Krimis nicht ins Italienische übersetzt werden, damit sie weiterhin in Venedig leben könne. Mittlerweile gibt es ja schon den 23. Fall ihres Kommissars und die Autorin genießt eine riesige Fangemeinde im deutschsprachigen Raum und in Grossbritannien. Sie lebt übrigens ja auch regelmäßig im Schweizer Kanton Graubünden. Auf die Frage, warum ihre Romane in ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten, keinen ähnlichen Anklang fänden, meinte die Bestsellerautorin: «Brunetti philosophiert übers Leben und seine Frau ist Literaturdozentin. Meinen Sie, das interessiert die Amerikaner?»

Wie gesagt, diese Situation liegt schon einige Jahre zurück. Seit damals habe ich Frau Leon nur noch einmal kurz an einem Verlagsfest getroffen, aber zur Lage der amerikanischen Nation kamen wir nicht mehr ins Gespräch. Liebend gerne hätte ich ihre Meinung zu dem ganzen Zirkus erfahren, mit dem superreichen Präsidenten namens Donald Trump als Clown in der Manege. Sie hätte vielleicht die Augen verdreht und mir zu verstehen gegeben, dass Inszenierungen von politischen Selbstdarstellern auch in Europa langsam amerikanische Züge annehmen.

Vielleicht hätte sie mir gezeigt, wie überhaupt hier bei uns alles amerikanisiert würde, von den Polizeiuniformen in gewissen Schweizer Kantonen aber auch Bundesländern über das Fernsehprogramm bis hin zu den Weihnachtsmännern, die in der Shoppingmeile «ho ho ho» rufen. Sie hätte als Wahlschweizerin vielleicht vor den selben Fehlern wie der Ökonomisierung der Grundversorgung oder der Sparprogramme an den Schulen bei der Allgemeinbildung gewarnt.

Ich weiß es nicht, aber ich könnte es mir vorstellen.

Der passende Buchtipp: „Abc 4 USA – Amerika verstehen“ von Arthur Honegger, Stämpfli Verlag

Der Beitrag ist auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE erschienen.

Was ist Ihr Kommentar zu Trump?

Wir haben nach Kommentaren gefragt und diese Antworten erhalten. Schreiben Sie uns auch Ihre Meinung.

Ein ungehobelter, respektloser, sexistischer und aufwieglerischer Präsident an der Spitze des mächtigsten Landes der Welt: Der Ausgang der Wahlen in den USA erschüttert mich. Wir sind damit gefordert, uns weiterhin und noch stärker für Werte wie gesellschaftliche Offenheit und Vielfalt, für Toleranz und Gleichberechtigung, für soziale Sicherheit und den Schutz von Minderheiten einzusetzen. Corine Mauch, Stadtpräsidentin Zürich

In der Sekunde, in der mir klar wurde, wer für mehrere Jahre der nächste amerikanischer Präsident sein wird, habe ich beschlossen, ihn in meinen Nennungen als den an der Seite der neuen First Lady, Melanie Trump, stehenden Mann zu führen, der mächtigsten Fist Lady der Welt. Es war schließlich Melanie Trump, die im Wahlkampf als erste die Frage an die Wählerinnen und Wähler ihres in ihrem Interesse und im Interesse aller Frauen in den USA kandidierenden Mannes aufgeworfen hat: „Wollen wir ein Land, in dem Frauen respektiert werden?“ Die Antwort ist eindeutig ausgefallen. Amerika will dieses Land sein, ein Land, in dem Frauen respektiert werden.
Es müssen zwar selbstverständlich auch noch ein paar andere Dinge respektiert werden, wie die Gewaltentrennung, vor allem von Staat und Privatangelegenheiten, oder die Menschenrechte, vor allem für sozial Schwache und rechtlich Schutzlose, aber darum wird sich die neue First Lady nach ihren eigenen Worten in Zukunft ohnedies intensiv kümmern. Sicher in Begleitung ihres Mannes, der an ihrer Seite viel von ihr lernen kann, das ihm zugute kommt, wenn er bei der nächsten Wahl zum wichtigsten Unterstützer ihrer Kandidatur für das Amt der ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden wird. Gerhard Ruiss, Schriftsteller und Autor in Wien                                                                                
Sie haben einen Hirnschaden gegen Hillary antreten lassen – und den Hirnschaden gewählt. Sie hätten auch einen Joghurt oder einen Rasenmäher gewählt. Man erträgt sie einfach nicht. Christoph Simon, Schriftsteller und Kabarettist in Bern

Was das Trump-Trauma angeht, da fehlen mir ehrlich gesagt die Worte! Ulrich Land, Hörspielautor und Kriminalschriftsteller in Freiburg

Kommentar auch unter Einbezug der Wahlen in Österreich um den Nationalpräsidenten: Nationalismus uralt ist gleich neu. Am wichtigsten ist der eigene Sieg. Dann kann man auch großzügig sein. Für den Moment. Der Feind ist das FREMDE, die FREMDE, der FREMDE. Man will gar nicht wissen, WAS oder WER das eigentlich ist. FREMD muss FREMD bleiben. Sonst funktioniert der Motor Angst nicht. Schranken durch demokratischen Grundkonsens, Respekt, Mitgefühl darf es nicht geben, es geht um MEHR. Religiöse Werte werden missbraucht, um das eigene Konzept zu heiligen. Bündnispartner sind alle, die zustimmen. Und andere Nationalisten. Das System ist böse, man verspricht Rettung und Heil. Nicht durch Taten, sondern in dem man die ANDEREN an den Pranger stellt. Das Nationale verbrämt sich sozial durch den Kampf gegen die ANDEREN, gegen DIE DA OBEN. Es bietet sich als Lösung an. Für alles. National und sozial. Hatten wir schon. Eva Rossmann, Autorin in Wien 

Ein aufgeföhnter, rassistischer, frauengrapschender Steuerhinterzieher kann Präsident werden – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten … Gabrielle Alioth, Schriftstellerin in County Louth, Irland

Schmerzhafte Koinzidenz. Gerade bin ich in Tokyo. Das Wetter ist herrlich, nie in diesem Jahr war der Blick auf den Fuji klarer. Hier in Japan schreibt man das heutige Datum so: 11/9. Ein gleichlautendes Datum kennt die Welt bereits. Es war auch eine Art Weltuntergang. Ich bin Amerikanistin. Ich fühle mich geradezu mental wie körperlich angegriffen von diesem Wahlergebnis. Und weiß nicht ein noch aus.. Wie meine Familie in den USA. Nora Gomringer, Schriftstellerin in Bamberg aber live aus Japan

hahahha: no comment! Daniel Schnyder, Musiker in New York

Donald Trump ist der ultimative Weckruf an alle Medien, nicht mehr am Volk vorbei zu schreiben/berichten. Das Volk hat gewählt zwischen dem Elefanten im Porzellanladen und einer verhärteten intellektuellen Strategin. Die USA bekommt was sie verdient. Europa, inklusive Schweiz, werden vor Trump knien, seine Hand küssen und ihm folgen. Wie immer. Alles bleibt gut. Heidi Lang, Autorin in Zürich

z.b. 9.11.2016

morgens

die nachbarn

freundlich

grüssen

verbündete suchen

gegen

trump

Guy Krneta, Schriftsteller in Basel

Buchtipp: „Kleine Geschichte der USA“, Reclam Verlag. Viellicht hilft es etwas.