„Gibt es bei ORF noch was zu lachen?“ und „Ein 32-jähriger Bundeskanzler ist nicht normal“

Helle Aufregung über den ORF-Auftritt des Satirikers Jan Böhmermann und seinen Äußerungen zu Österreich, seine Mentalität und Regierung. Anlässlich einer Ausstellung in Graz zu rechtsextremen Tendenzen in Österreich gab der Künstler seinem Interviewpartner ziemlich Saures über das Alpenland zwischen West und Ost. Die Wochenzeitung FALTER empfiehlt unbedingt den Besuch dieser Ausstellung.
Laut der BERNER ZEITUNG wurde bei der Ausstellung diese
fiktionale Begrüßung von Vizekanzler Strache mit «Vom Neonazi zum Sportminister, eine typisch österreichische Karriere» zensiert.
Welche Satirikerin könnte die Schweiz spiegeln lassen? Welchen Schweizer könnte man nach Österreich und Deutschland schicken lassen? Oder müsste man die Deutschen Bundesländer einzeln abfertigen? Soll man Böhmermann mal auf die Schweiz los lassen?
Demnächst weile ich in Österreich, mal sehen, wie sich die Stimmungslage sich so anfühlt…
Hier der Auftritt Böhmermanns im ORF:

Neulich beim Jazz

Mir ist endgültig aufgefallen, dass ein bestimmtes Phänomen nicht nur die Jugend kennt. Also das war so. Eine Jazzband kündigte in einer Kneipe ein Konzert an. Ich habe die schon mal gehört und war begeistert, wie genau und fantasievoll die komponieren und ihren Funk-Jazz-Stil wuchtig mit viel Verve zum Besten geben.

Nun, ich verschickte eine Rundum-E-Mail an ausgesuchte Bekannte und Freunde, von denen ich dachte, dass sie an dieser Musik genauso Spaß haben könnten wie ich. Sicherheitshalber reservierte ich gleich mal einen Tisch für fünf bis acht Personen. Erfreulich war, dass tatsächlich alle Stühle besetzt wurden. Die einen bestellten ihren Drink, die anderen dazu Pasta oder Pizza. Die Stimmung war fröhlich und alle schienen sich auf das Konzert zu freuen. Beim Jazz ist es ja so, dass während der Musik auch gegessen oder das eine oder andere Wort gesagt werden kann. Die sechs Musiker nahmen hinter den Instrumenten ihre Position ein und nach dem Begrüßungsapplaus stellte der Bandleader seine Kollegen vor und dann legten sie los.

Der Groove ging ins Blut, der Rhythmus bannte einen sofort, verspielt und clever zugleich lösten sich Piano, Sax und Gitarre bei den Soli ab, und Percussion, Schlagzeug und der Bass schienen die ganze Band von unten her richtig einzupacken.

Aber, liebe Leserin und Leser, was geschieht bei gewissen Anwesenden, die sich doch so zwischen dem 40. und 60. Altersjahren befinden? Sie greifen während die Musiker da vorne Gas geben, zum Smartphone und scrollen durch ihre Facebookseiten und checken E-Mails. Wir saßen in der ersten Reihe, die Band gab alles und eintrittzahlende Gäste spielen an ihrem Handy rum, als hockten sie in einem Wartesaal. Ich wusste nicht, was ich davon halten soll. Doch alle applaudierten am Schluss und als ich vorsichtig fragte, wie es ihnen denn gefallen habe, meinten die Handymenschen, dass sie das Konzert großartig fanden…

 

Um diese Band geht es, deren Musik ich zur Entdeckung empfehle:

Journeys, mit Philippe Mal am Sax, Willy Kotoun an der Percussion, Ueli Gasser an der Gitarre, Robert Mark am Schlagzeug, Angela Signore am Keyboard oder Klavier und Luciano Maranta am Bass.

Und diese CDs sei Ihnen ins gute Abspielgerät empfohlen: „Transit“ und „New Destination“ www.journeys.ch

Urs Heinz Aerni

Zum 10. Mal heißt es wieder „Berg & Buch“ über Ostern im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Vom 19. bis 22. April 2019.

Es werden wieder viele neue Bücher präsentiert, Geschichten erzählt und Kinder machen Bücher!

Programm:
So macht man Bücher!

In dieser Werkstatt lernen wir, wie man Bücher unkompliziert mit Nadel und Faden bindet. Dazu braucht es neben Nadel und Faden noch Zeichenpapier und einen Fotokarton sowie ein wenig Geduld.
Mit Buntstiften, Wasserfarben oder einer Collage gestalten wir die fertigen Bücher.
Danach experimentieren wir noch mit verschiedenen Textsorten – Zum Beispiel probieren wir Elfchen, Stabreime, Haiku, Schnitzltexte oder die sogenannte „visuelle Poesie“ in der Praxis aus. Im Anschluss können die Kinder ihre Bücher mit nach Hause nehmen.
Geeignet für Kinder im Alter von 7 – 12 Jahren. Melden Sie sich an der Réception an.
Mit dem Künstler und Autor Christian Yeti Beirer. Viele Ausstellungen zeigten von ihm Karikaturen, Kalender-, Buch-, und Plakatillustrationen, von Wien über New York bis Innsbruck. Der Künstler aus Österreich ist zum ersten Mal in Graubünden.

Zeiten: Karfreitag & Ostersonntag ab 16 Uhr und Ostersonntag

Geben Sie Ihrem Gesicht ein neues Antlitz
Der Grafiker, Maler und Karikaturist Ralf-Alex Fichtner wird Sie innert weniger Minuten porträtieren. Sie setzen sich ihm gegenüber und er legt los mit Pinsel, Tusch und Farbe.

Ralf-Alex Fichtner wurde 1952 in Aue im Erzgebirge geboren und lernte Werkzeugmacher und Plakatmaler. Seit 1987 ist er freischaffender Künstler, Mitglied in Künstlervereinigungen, entwarf viele Auftragsarbeiten, die von Museen und Banken erworben werden. Die größte Arbeit war eine Wandgestaltung einer Bank in Nürnberg.

Zeiten: Während den Osterfeiertagen tagsüber in der Lobby.

„Ohne Krimi geht die Mimi…“
Lesung von und mit Claudia Puhlfürst

Sie nennt sich die „Kriminelle Schreibtischtäterin aus Sachsen“. Die 1962 geborene Claudia Puhlfürst wirkte in der Branche Biologie, Chemie als Dozentin für Anatomie und Physiologie an der medizinischen Fachschule Zwickau. Als Redakteurin und Herausgeberin arbeitete sie für verschiedene Verlage u. a. auch für den DUDEN. Als Schriftstellerin publiziert sie zudem erfolgreich Thrillers und Kriminalromane. „Eine der besten deutschen Psychothriller-Autorinnen!“ Westfalenblatt.

Zeit: Samstag, 20. April um 21 Uhr in der Gabar

Die höchstgelegenste Buchmesse mit Büchern aller Art mit den beiden Buchhändlerinnen Alexandra Vogel und Susanne Müller ist über ganz Ostern geöffnet.

Alle Veranstaltungen und Buchmesse sind frei zugänglich und öffentlich.

Wir freuen uns auf Sie! Claudia und Andreas Züllig-Landolt, Gastgeber und
Urs Heinz Aerni, Kulturverantwortlicher Schweizerhof

Amuse bouche aus dem Bücherfrühling

Es ist Bücherfrühling. Neben meinem Computer steht ein Stapel Bücher; Bücher, die ich empfehle, aber wie soll ich das auf so wenig Platz tun? Ah, ich pflücke daraus je einen Satz, so quasi als Amuse bouche:

«Manchmal ist’s, als schliefen wir um eines Traumes Willen», Hans Ulrich Bänziger aus «Ahnungslose Beute» (Wolfbach). «Ihre Augen wurden feucht, vom Rauch der Kerzen?», Markus Ramseier aus «In einer unmöblierten Nacht» (Haymon). «Ich fühle den Wanderweg mehr unter mir, als ich ihn sehe.», Johanna Romberg aus «Federnlesen» (Lübbe). «Das Sterben ist das Schönste am Tod», Aglaja Veteranyi aus «Wörter statt Möbel» (Der gesunde Menschenversand). «Todesanzeigen enthalten in der Regel drei Informationen, die von größter Bedeutung sind.», Elias Schneitter aus «Über die Jahre» (Anthologie Pyjamaguerilleros). «Die Antworten auf die Frage nach den Grenzen der Pädagogik haben immer einen mythischen Anteil.», Martin Kunz aus «Die stille Erotik der Melancholie» (Bucher). «Die Frau am Empfang sieht uns an, als beträten zwei Aliens ihr Haus.», Beat Glogger aus «Zweimaltot» (Reinhardt). «Nur bin ich nicht die werbeträchtige Luxusuhr, die vom Vater auf seinen Sohn übergeht.», Christof Gasser aus «Blutlauenen» (Emons). «Du müsstest unbedingt mal indische Philosophie lesen, gerade du, Vanessa.», Patrizia Hausheer aus «Was soll das alles» (Arisverlag). «Es ist ihr klar, dass sie Luca nicht einfach aushalten kann.», David Weber aus «Reduit» (Knapp). «Sofort begann es zu schäumen und sich blutrot zu färben.», Alexander Günsberg aus «Tanz der Vexiere» (Münster). «Nun war es Sonntag, sein Veston verbeult und sein Anzug lamentabel.», Benedikt Meyer aus «Nach Ohio» (Zytglogge). «Selbstverständlich habe ich Sie manipuliert, was erwarten Sie?», Markus Bundi aus «Alte Bande» (Septime). «Mein Gott, Anke, ich … ich … wusste ja nicht …», Wolfgang Marx aus «Am grauen Meer» (Kameru). «Im Grunde sah man nur einen Wuschel schwarzer Haare.», Simon Libsig aus «Der Velodieb, der unters Auto kam» (Librium).

Und wenn Sie noch Fragen haben sollten, so treffen Sie mich anlässlich «Berg & Buch» vom 18. bis 21. April im Hotel Schweizerhof Lenzerheide.

Diese Kolumne erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE.

Legitim?

Heute lag dieser Prospekt einer Firma, die u. a. Textilien und Schuhe verkauft im Briefkasten. Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg dient hier als Covergirl und Eye-Catcher.

Es stellen sich hier Fragen, wie:

– Weiß das Mädchen davon und verdient sie was?

– Wurde das Bild offiziell als Presse- oder Agenturbild erstanden aber für ein Werbeprodukt verwendet?

– Wo ist die Grenze zwischen Werbung und Journalismus?

Was meinen Sie?

Urs Heinz Aerni

Amuse bouche für Lesende

Es ist Bücherfrühling. Neben meinem Computer steht ein Stapel Bücher, die ich empfehlen möchte aber wie soll ich das auf so wenig Platz tun? Ah, ich pflücke daraus je ein Satz, so quasi als Amuse bouche:

«Manchmal ist’s, als schliefen wir um eines Traumes Willen», Hans Ulrich Bänziger aus «Ahnungslose Beute» (Wolfbach). «Ihre Augen wurden feucht, vom Rauch der Kerzen?» Markus Ramseier aus «In einer unmöbilierten Nacht» (Haymon). «Ich fühle den Wanderweg mehr unter mir, als ich ihn sehe.» Johanna Romberg aus «Federnlesen» (Lübbe). «Das Sterben ist das Schönste am Tod» Aglaja Veteranyi  aus «Wörter statt Möbel» (Der gesunde Menschenversand). «Todesanzeigen enthalten in der Regel drei Informationen, die von größter Bedeutung sind.» Elias Schneitter aus «Über die Jahre» (Anthologie Pyjamaguerilleros). «Die Antworten auf die Frage nach den Grenzen der Pädagogik haben immer einen mythischen Anteil.» Martin Kunz aus «Die stille Erotik der Melancholie» (Bucher). «Die Frau am Empfang sieht uns an, als beträten zwei Aliens ihr Haus.» Beat Glogger aus «Zweimaltot» (Reinhardt). «Nur bin ich nicht die werbeträchtige Luxusuhr, die vom Vater auf seinen Sohn übergeht.» Christof Gasser aus «Blutlauenen» (Emons). «Du müsstest unbedingt mal indische Philosophie lesen, gerade du, Vanessa.» Patrizia Hausheer aus «Was soll das alles» (Arisverlag). «Es ist ihr klar, dass sie Luca nicht einfach aushalten kann.» David Weber aus «Reduit» (Knapp). «Sofort begann es zu schäumen und sich blutrot zu färben.» Alexander Günsberg aus «Tanz der Vexiere» (Münster). «Nun war es Sonntag, sein Veston verbeult und sein Anzug lamentabel.» Benedikt Meyer aus «Nach Ohio» (Zytglogge). «Selbstverständlich habe ich Sie manipuliert, was erwarten Sie?» Markus Bundi aus «Alte Bande» (Septime). «Mein Gott, Anke, ich … ich … wusste ja nicht …» Wolfgang Marx aus «Am grauen Meer» (Kameru). «Im Grunde sah man nur einen Wuschel schwarzer Haare.» Simon Libsig aus «Der Velodieb, der unters Auto kam» (Librium).

Und wenn Sie noch Fragen haben sollten, so treffen Sie mich anlässlich «Berg & Buch» vom 18. – 21. April im Hotel Schweizerhof Lenzerheide.

Urs Heinz Aerni

 

«Bauchkraulzentrale»?

In der Aargauer Zeitung äußerte sich die Kollegin Anne-Sophie Scholl sehr pointiert über das Kerngeschäft des Journalismus’ unter dem Druck von Schriftstellern (bewusst hier auf die feminine Variante verzichtend), die eine nachhaltige Rezension ihres Buches erwarten oder mindestens eine Mitteilung, wenn ihr Buch auf einer Bestenliste gelandet ist. Ein hierzulande sehr bekannter Schriftsteller hätte sich mit einem Interview schwergetan, da er der Ansicht sei, dass eine Besprechung dem Verkauf seines Buches mehr diente. Und ein anderer Schriftsteller soll sich über die Auswahl des Bildes in der Zeitung geärgert haben und zudem hätte die falsche Person sein Buch besprochen und sie sei trotz Einladung, nie bei einer seiner Lesungen erschienen. Die Kollegin gab dann folgendes zu verstehen: «Wir Journalisten schreiben für unsere Leserinnen und Leser. Wir sind nicht das PR-Büro der Autoren, die Bauchkraulzentrale auch nicht.»

Liebe Zunft der Schriftstellerei, fürwahr, wir alle haben das Pech, mit unserem Leben im Zeitgeist des schrumpfenden Feuilletons gelandet zu sein. Kulturredaktionen wandeln sich zu Abteilungen für Gesellschaft und People, die Printmedien versuchen die wegerodierenden Werbeeinnahmen und Abonnenten mit verdünnter Berichterstattung, pointierten Gastkommentaren, Lokalkolorit und Onlineangebote wett zu machen. Ergo: Schluss mit ausufernden Rezensionen über Bücher, Kunst und Theater, hin zu Tipps und Interviews. Und da, wo es sich noch halten kann, das gute alte Feuilleton, werden überwiegend Bücher aus großen Konzernverlagen besprochen. So ist es nun, lieber Freund der Literatur und des Kulturjournalismus’, wir texten in finsteren Zeiten bis wir uns alle in die passenden Nischen gekuschelt haben, so wie es die Vinyl-Schallplatten-Fans oder die Jazzfreunde mit ihrer CD-Sammlung uns vorgemacht haben.

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp:

„Feuilleton – Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur“ von Hildegard Kernmayer und Simone Jung, Transcript Verlag, 978-3-8376-3722-9

 

Kippende Stimmung im stehenden Zug

Nichts geht mehr. Rucksack, Zeitungen und Handys liegen am Boden. Das Licht flackert, der Zug steht still. Mit einem „Hoppla!“ bücke ich mich nach den Sachen im vordersten Waggon der Gotthard-Matterhorn-Bahn, oberhalb von Sedrun. Stille, etwas Ächzen in den blechigen Wänden. Ich ziehe die Fensterscheiben runter und blicke nach vorne,  zur Lok. Sie steckt im Schnee, der sich genau bei der Ausfahrt einer tunnelartigen Galerie breit machte. Eine junge Frau betritt das Abteil: „Hier brennt wenigstens noch Licht, bei uns ist es duster.“ Sie zieht aus ihrem Rucksack zwei Bücher, „hier kann ich wenigstens lesen, bis wir wieder draußen sind“. Die Bücher tragen die Titel: „Das kleine Buch der Ruhe und Gelassenheit“ und „Das Leben ist zu kurz für später“. Dann stolpern drei Männer in voller Ski-Montur ins Abteil, die den Zug irgendwie verlassen wollen, was aber nicht geht. Wir alle kommen ins Gespräch. Die Frau ist Marketingexpertin bei einem Großverteiler, die drei Männer lernten sich über ein Online-Portal für Bergferien kennen, zwei aus Frankfurt, einer aus Basel. Und während ein sehr kümmernder Kondukteur uns allen einen Getränke-Gutschein fürs Bahnhofbuffet verteilt, zeigt sich eine Niederländische Familie großzügig mit leckeren Keksen.

Drei Stunden stecken wir hier fest und die Stimmung wird immer besser. Irgendwann werden wir rückwärts nach Sedrun zurückgezogen und steigen in eine Bar auf Gleisen ein, in der wir die Gutscheine einlösen, bei einem unglaublich witzigen Barkeeper, der so richtig Ballermann-Schlager aus den Lautsprecherboxen scheppern lässt. Nicht oft herrscht in der Bahn solch lebensfröhliche Stimmung, in der über das Leben und den Sinn desselben geplaudert wird. So geschehen am 22. Februar 2019.

Liebe Bahn, falls wieder mal irgendwo vor einem Tunnel Schnee liegen sollte, so ruft mich an, damit ich wieder einsteigen kann.

Urs Heinz Aerni

 

Die passenden Buchtipps, von der Dame aus dem Zug im Schnee lauten: „Das kleine Buch der Ruhe und Gelassenheit“ und „Das Leben ist zu kurz für später“ beide von Ashley Davis Bush (Heyne und MVG)

Dieser Beitrag erschien auch in der Zeitung Bündner Woche

Vorsicht beim Telefonieren

 

 

Entlassungen, Liebeserklärungen, Qualifikationsgespräche, Rechtsverfahren, intime Gesundheitsprobleme ja Betreibungen waren schon Themen, die ich im Zug oder Bus live bei mir völlig fremden Menschen miterleben durfte. Es wird dergestalt laut telefoniert in der Öffentlichkeit, dass es für jeden Detektiv nur so eine Freude sein dürfte. Ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Stimme an einem Telefon in der Regel deutlicher zu vernehmen ist als das Plaudern zweier physisch anwesenden Mitreisenden?

Einmal saß ich im Tram und zu meiner Linken neben mir, telefonierte eine junge und blonde Frau (das mit dem blond ist echt Zufall). Mit ihrem Freund. Es scheint gerade nicht so gut zu laufen mit den beiden. Sie redete laut und über alles. Es wurde immer stiller um uns herum, alle hörten mit, im Tram, als hätten sie alle ausgefahrene Antennen auf dem Kopf, voll auf Empfang. Die Frau vergaß sich und die Umwelt und redete intensiv auf ihre krisengeschüttelte Liebe am anderen Ende ein. Langsam allerdings begann es echt zu nerven, bis bei mir der Geduldsfaden riss und ich handeln musste. Ich rutschte etwas näher zu ihrem Handy hin und sagte mit tiefer Stimme: „Liebling, komm zurück ins Bett.“ Alle schwiegen, die Frau auch, sie schaute mich kurz an und sagte: „Sorry Schatz, aber nein, ich kenne den nicht, wirklich! Ich bin im Tram…“ Ein Grinsen ging durch die Reihe der Fahrgäste und zum Glück musste ich an der nächsten Haltestelle aussteigen, bevor sie zu ende telefonierte. Ob sie mit ihrem Freund heute noch zusammen ist?

Auf jeden Fall meine Damen und Herren, nehmen Sie sich in Acht, wenn sie in meiner Anwesenheit irgendwo über Dinge telefonieren, die mich nichts angehen.

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp: „Telefonieren – Professionelle Gesprächstechniken“ von Holger Backwinkel und Peter Sturtz, Verlag Haufe Lexware, ISBN 978-3-648-12226-6