Archiv der Kategorie: Kultur

Vorsicht beim Draufkleben

Offeriert man in Deutschland einen Umtrunk mit Häppchen beim Antritt einer neuen Arbeitsstelle oder zum Abschied von der Firma, können die «Ausgaben als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend gemacht werden». Das war im «Offenburger Tageblatt» zu lesen. «Dabei sollten die Kosten zur beruflichen Stellung und der Anzahl der Gäste passen», heisst es weiter. Also darf sich einAngestellter in der Spedition nicht dieselbe Apéro-Dimension leisten wie der CEO einer Privatbank. Wie das in der Schweiz ist, weiß ich grad nicht, aber ich durfte Folgendes lernen:

Ich gab bei der Post ein Paket nach Hamburg auf. Wissend, dass Schweizer Briefmarken im Ausland geschätzt werden, klebte ich eine schöne Anzahl als Anzahlung aufs Paket. Die Dame am Schalter sah mich an, zog die Augenbrauen hoch und sagte: «Leider dürfen wir Ihnen diese Briefmarken für dieses Paket mit diesem Gewicht nicht anrechnen.» Ich: «Wie meinen?» Sie: «Entweder nehmen Sie diese Briefmarken wieder ab oder nehmen etwas aus dem Paket, aber diese Marken sind nicht gültig.» Nach dem misslungenen Versuch, die nicht wenigen Franken als Briefmarken vom Karton abzukniefeln, resignierte ich und sie klebte eine computergedruckte neue Frankatur von etwa 50 Franken darüber. Ich schenkte der Post Geld, weil ich nicht wusste, dass Briefmarken von der Post für ein Postpaket ab einem bestimmten Gewicht nicht mehr als Zahlungsmittel gelten. Wüssten Sie einen Volkshochschulkurs für mich zum Thema wie etwa «Wie werde ich ein kompetenter Postkunde»?

Urs Heinz Aerni

Der passende Buchtipp: Zumstein Katalog Schweiz Liechtenstein 2019, kartonierter Einband, 978-3-909278-80-0. Vermerk: Achtung, diese schönen Briefmarken gelten nicht mehr als Zahlungsmittel für Pakete ins Ausland ab einem bestimmten Gewicht…

Dergestalt mega

Ich las einen Roman, der sich in den 1930er Jahren in Berlin abspielte. Ich stieß auf eine Passage, in der ein Mann einen anderen fragte, ob ihm der soeben besuchte Anlass gefallen habe. Da antwortete der Andere: «Nicht wirklich.» Dann musste ich das Buch weglegen. Wissen Sie warum? Weil diese Wendung damals nicht üblich war, die kam erst so im 21. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum auf. «Das geht gar nicht», dachte ich und hielt inne mit der Feststellung, dass auch diese Formulierung noch nicht lange bei uns gebräuchlich ist. Interessant ist, wie wir seit einigen Jahren uns erkenntlich zeigen mit «Ich danke Dir» und nicht mehr einfach nur «Danke» sagen und es mit «Gerne» quittiert bekommen statt «Gern geschehen». Eingebürgert hat sich die Rückmeldung in Restaurants bei der Aufgabe von Bestellungen mit «sehr gerne». Die Sprache ist in Bewegung, mutiert sich, übernimmt von da einen Sound und woanders her ganze Satzteile. Spurenelemente zeugen von Herkunft und vergangenen Kulturen. So muss der Jugend erklärt werden, dass die «gemeine» Amsel nicht eine hinterhältige ist und die «Wählscheibe» eigentlich aus der alten Welt der Kommunikation stammt. Wir könnten uns doch mal vornehmen, dergestalt ältere aber noch taugliche Wörter zu verwenden, dass unser Gegenüber zur Feststellung gelangen könnte, wie mega cool es sein kann, wenn man versuchte, mit archäologischer Manier aus dem Vollen zu schöpfen.

 

Hochachtungsvoll

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp: «Die deutsche Sprache – Ursprünge, Entwicklung und Wandel» von Herbert, Genzmer Matrix Verlag

Beitrag erschien auch in der BÜNDNER WOCHE

Lob und Tod

Lob, Leid und Tod können so nahe beieinander sein. Im Bahnhofsbuffet Olten sagte mir ein Mann aus Zizers, dass er immer gerne meine Kolumnen in der Bündner Woche lese. Ich beherrschte mich, ihn zu umarmen.  Aber liebe Leserinnen und Leser, selbstredend ist mir bewusst, dass ich auch Kritik auf mich nehmen muss. Also nur zu, schreiben Sie mir, mit offenem Visier.

Ein Reiseleiter meinte nach einer Führung: „Wenn es Ihnen gefallen hat, dann schreiben Sie eine E-Mail, wenn nicht, dann schreiben Sie einen Brief und werfen ihn als B-Post in einen abgelegenen Briefkasten.“ Mir dürfen Sie mailen…

Apropos Lob, Ehre und Ruhm, hier noch ein Buchtipp für ein garantiertes Leseglück:

Am 29. Juni 1910 kommt eine beliebte Sopranistin durch Pistolenschüsse ums Leben. Der Täter: Dirigent Aloys Obrist. Das Opfer: Anna Sutter. Das Ereignis ist identisch und wahr. Anna Sutter stammt aus der Schweiz und nach Umwegen feiert sie Erfolg an Erfolg auf den Bühnen Deutschlands. Sie singt sich als perfekte „Carmen“ nicht nur in die Herzen der Mengen, sie bricht auch welche. Das Leben auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten, vermischt sich leise und gemächlich mit dem privaten Sein.

Die Geschichte beginnt im Zimmer der toten Anna Sutter, an der zwei Männer eine Gipsmaske abnehmen. Draussen warten trauernd Operettenfreunde und in der Küche befragt der diensthabende Kommissar das aufgelöste Hausmädchen.

Nach eingehender Recherche erzählt Alain Claude Sulzer dieses Drama und spinnt den Faden auf seine grossartige Manier weiter. Eine Geschichte, ein Buch, das hoffentlich zur Lesegemeinde finden wird, die es zu schätzen weiss, dass solches prädestiniert ist für die Lektüre im Gartenstuhl oder wo auch immer.

 

Urs Heinz Aerni

 

Das Buch: „Annas Maske“ von Alain Claude Sulzer, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-518-45785-6

„Die Poesie verträgt alles“

Florian Bissig versammelt und kommentiert 20 Gedichte aus der Schweiz und hat Mühe mit Poesie im öffentlichen Raum.

Urs Heinz Aerni: Herr Bissig, Sie lesen und besprechen Gedichte, die nun gesammelt als Buch erschienen sind. Im Vorwort steht, dass Lyrik im Trend liege. Ist dem wirklich so und wie machen Sie das fest?

Florian Bissig: Im gesamten deutschsprachigen Raum lässt sich beobachten, dass sich brillante Schriftstellerinnen und Schriftsteller ganz auf die Lyrik konzentrieren – statt nach einem Bändchen gleich zum Roman zu wechseln. Von Berlin ausgehend ist die deutsche Dichtung seit 2000 zu einer neuen Blüte herangereift. Das schlägt sich in den Feuilletons nieder und auch bei wichtigen Literaturpreisen, die in jüngster Zeit mehrfach an Lyriker vergeben wurden. In der Schweiz bekommt die Lyrik auch im Zusammenhang mit der Performance-Kunst wieder mehr Aufmerksamkeit.

Aerni: Sie wählten zwanzig Gedichte aus, um sie zu präsentieren und zu kommentieren. Über Poesie zu reden ist nicht leicht, wie gingen Sie denn vor?

Bissig: Ja, vielen fällt es schwer, über Gedichte zu reden. Das geht auch regelmäßigen Lesern wie mir so.

Aerni: Wieso eigentlich?

Bissig: Der Grund liegt in der Eigenschaft der Lyrik, die Welt in ganz eigenwilliger Weise zur Sprache zu bringen, an die man als Leser zunächst nicht anknüpfen kann. Ich bin aber davon überzeugt, dass es sich lohnt, dem Gefühl der Verständnislosigkeit und Sprachlosigkeit zu trotzen und Lyrik zu lesen und zu diskutieren. Dabei übt man nebenbei Fähigkeiten, die auch anderweitig hilfreich sind, etwa den Umgang mit Vieldeutigkeit und mit anderen Perspektiven. Wenn man nicht aufpasst, erweitert man dabei seinen Horizont! (lacht)

Aerni: Es finden sich Texte u. a. von Gerhard Meier, Klaus Merz, Eugen Gomringer, Franz Hohler, Ilma Rakusa, ja sogar von Mani Matter und Robert Walser. Was muss ein Text haben, damit dieser von Ihnen beachtet wird?

Bissig: Wenn ich die Gedichte nach einem einzelnen Kritierum ausgewählt hätte, wäre das Buch langweilig geworden. Gerhard Meiers «Rondo» etwa fesselt mich durch einen verblüffenden Gedankengang. Klaus Merz «Nach Homer» ist eine ultrakurze, raffinierte Anspielung an die Odysseus-Sage. Und der Text der jungen Dichterin Marina Skalova ist eine formal spannende und sehr musikalische Begegnung der deutschen mit der französischen Sprache. Ich wollte mit dem Bändchen nicht zuletzt die Vielfalt der Schweizer Lyrik zeigen, der heutigen wie derjenigen seit der Moderne.

Aerni: Sie studierten zudem Philosophie, wieviel Poesie verträgt die Philosophie oder anders gefragt, wäre die Lyrik ein guter Weg zur Philosophie?

Bissig: Die Poesie verträgt alles. Darum ist sie seit Pindar und Sappho auch nicht totzukriegen. Sie hält philosophische Spekulation und religiöses Schmachten ebenso aus wie Betrachtungen über die Banalitäten des Alltags. Entscheidend ist, dass das Gedicht nie ganz im Dienst an irgendeiner Sache aufgeht, sondern eben ein gewisses poetisches Etwas mit sich führt. Wie die Philosophie zielt auch die Lyrik oft auf ein Innehalten ab, auf ein radikales Hinterfragen, oder auf einen ganz neuen Blickwinkel.

Aerni: Wir treffen uns in Zürich West, einem schnell wachsenden Stadtteil, wie überhaupt in ganz Zürich. Wo täte im Stadtbild mehr Poesie gut?

Bissig: Ich bin nicht unbedingt ein großer Freund von Poesie im öffentlichen Raum. Man kann ja Gedichte auf Hausfassaden malen und hoffen, dass sie dann von ein paar Menschen mehr wahrgenommen werden. Aber irgend jemand wird sich dann belästigt oder beleidigt fühlen und die Übermalung fordern. Der Sache der Dichtung dienen solche Streitereien nicht wirklich. Am liebsten sehe ich es, wenn die Menschen ihre Nasen in schöne Gedichtbände stecken –  ich meine natürlich nicht nur mein Büchlein (lacht). Das kann im Tram oder am Dorfbach sein. Und es tut auch dem Stadtbild bestimmt besser als die üblichen Smartphone-Zombies.

 

Florian Bissig, geboren 1979, studierte in Zürich, Berlin und Austin. Nach dem Lizenziat in Philosophie promovierte er in Englischer Philologie mit einer Studie zu Samuel Taylor Coleridge. Er schreibt als freier Journalist für verschiedene Schweizer Zeitungen und Zeitschriften über Literatur, Musik und Philosophie und arbeitet an der Übertragung von Coleridges Lyrik ins Deutsche. Florian Bissig lebt mit seiner Familie in Affoltern am Albis bei Zürich.

Florian Bissig: „Mauerlängs durch die Nacht – Kleine Anthologie der Schweizer Lyrik“, Limbus Verlag, ISBN 978-3-99039-131-0, Gebunden mit Lesebändchen, 96 Seiten.

 

Dieses Interview ist auch in der P. S. Zeitung, im Anzeiger Bezirk Affoltern, in Zürich West und Berglink.de

 

«Medienmitteilung» und Ihre Aussagekraft

Auch Presse- und Medienmitteilungen sind erstellte Texte, die einerseits für den Absender und seine Angebote werben aber auch Inhalte vermitteln, die je nach Medium kommentiert oder genau so übernommen werden kann. Die Solothurner Literaturtage gehören in der Schweiz zu den wichtigsten Anlässen rund um die Kunstdisziplin Sprache. Wir schauten uns mal das Schlusscommuniqué der 41. Ausgabe genauer an.

(Originaltext in normaler Schrift, Kommentare fett und kursiv)


 

Erfolgreiche 41. Solothurner Literaturtage

Schlusscommuniqué | Solothurn, 2. Juni 2019 (Sperrfrist 17.30 Uhr)

Dieses Communiqué traf um 16:57 Uhr ein. Aus welchen Gründen muss man für das Veröffentlichen bis 17:30 Uhr warten?

Mit seiner Lesung aus dem Roman «Heimkehr» beschloss Thomas Hürlimann heute die 41. Solothurner Literaturtage.

Ein Fakt ohne Attribute. War es langweilig? War Hürlimann in Form? Schien die Sonne durch die Fenster, las er die richtigen Passagen? Herrschte etwas Melancholie im Raume darüber, dass alles schon vorbei ist?

Gleichzeitig begeisterte der deutsche Spoken Word Künstler Dalibor Marković das Publikum

Ah jetzt kommt eine positive Wertung. Warum? Was zeichnen seine Auftritte aus? Was haben alle Zuhausegebliebene verpasst?

und Rolf Hermann und Tabea Steiner sprachen über das ihre Bücher verbindende Thema: die Familie in der Literatur.

Was meinen die beiden dazu? Gäbe es dazu bemerkenswerte Zitate?

Die drei Schlussveranstaltungen stehen für die Vielgestaltigkeit der Literatur, die an den Solothurner Literaturtagen auch dieses Jahr wieder bei Sonnenschein gefeiert, gehört, diskutiert und gelesen wurde. Reina Gehrig, Geschäftsleiterin der Solothurner Literaturtage, freut sich: «Die Solothurner Literaturtage zeigen, wie lebendig und vielfältig die Schweizer Literatur ist».

Ist sie das nicht ständig und immer? Woran konnte man dies gerade in dieser Ausgabe des Festivals festmachen? Ist die Österreicher oder die Irische Literatur nicht genau so lebendig? Bestand eine Debatte, dass sie langweilig wäre, die Schweizer?

Mit über 200 gut besuchten Veranstaltungen, über 70 Autor*innen und Übersetzer*innen, die in Solothurn zu Gast waren und rund 17‘800 verzeichneten Eintritten (Hochrechnung 16.00 Uhr) ziehen die Veranstalter*innen eine durchwegs positive Bilanz. Ausserdem waren noch mehr Personen als im letzten Jahr beim «Literarischen Flanieren» am Freitag- und Samstagabend unterwegs.

Gendergerechte Sprachfindung ist bekanntlich ein riesiges Thema, ist die Version mit dem Sternchen eine gute Lösung für den Lesefluss? Was spräche gegen «Autorinnen und Autoren» und «Übersetzende»? Dass die Quote für Veranstaltende nicht unwesentlich ist, leuchtet ein, würde eine runde Zahl nicht reichen und müsste man nicht dann genauer darauf eingehen, wenn die Zahl der Eintritte massiv zurück ginge?

Zu den Publikumsmagneten gehörte die Lesung von Ruth Schweikert. Sie präsentierte ihr berührendes Buch «Tage wie Hunde», in dem sie offen und schonungslos über ihre Krebserkrankung schreibt. Offen und humorvoll vermittelte sie das ernste Thema einem gebannt lauschenden Publikum.

Ah, hier wird einen ein Stimmungsbild mit etwas mehr Content vermittelt, so dass man gerne da gewesen wäre.

Weitere Höhepunkte waren unter anderem die Veranstaltungen mit Milena Moser, Martin R. Dean, Lukas Hartmann und Angelika Overath.

Was macht ein Höhepunkt aus? Der illustre Name? Wie unterscheiden sich die Lesungen von den anderen?

Sehr gut besucht war auch das ganze Spoken Word Programm.

Was natürlich sehr erfreulich ist.

Ein Höhepunkt im diesjährigen Programm war die Lesung des internationalen Bestsellerautors Ferdinand von Schirach im bis auf den letzten Platz gefüllten Landhaussaal. Auch die beiden Autorinnen Nell Zink und Judith Schalansky zogen das Solothurner Publikum in ihren Bann.

Warum war von Schirach auch ein Höhepunkt? Weil der Saal voll war? Wie schafften es, Zink und Schalansky diesen Bann zum Publikum?

Eine grosse Überraschung war Zerocalcare: Nach seiner Lesung signierte der italienische Graphic Novel Zeichner drei Stunden für die zum Teil aus Italien angereisten Fans.

Wieso überraschte Zerocalcare? Seine Art der Kunst, sein Auftreten?

Starke Beiträge von Nachwuchsautorinnen prägten die 41. Ausgabe. Während Julia von Lucadou und Gianna Molinari mit ihren erfolgreichen Debüts das Publikum zu begeistern vermochten, fanden auch noch unbekanntere Stimmen, wie die von Sabine Gisin oder von Shelley Kästner grossen Anklang beim neugierigen Literaturtage-Publikum.

Eine Medienmitteilung muss keine Berichterstattung sein, sie könnte aber da und dort mit einem Brocken Inhalt dokumentieren, warum Begeisterung ausgelöst wurde oder wie die Begeisterung zu spüren war oder wie die Neulinge selber das Alles wahrnahmen.

Noch unveröffentlichte Texte gab es im «Skriptor» zu entdecken, wo Nachwuchsautor*innen ihre Manuskripte zur Diskussion stellten und spannende Auseinandersetzungen ermöglichten.

Dass unveröffentlichte Texte Bestandteil des Programmes war, wurde schon im Vorfeld angekündigt aber worin bestanden die Auseinandersetzungen und ist heutzutage nicht all zu viel «spannend»?

Die Solothurner Literaturtage sind ein Ort für Diskussionen und Dialoge. Welche Machtstrukturen herrschen im Literaturbetrieb vor und wie ist mit ihnen umzugehen? Diese aktuelle Frage diskutierten Annette Hug, Silvia Ricci Lempen und Dani Landolf auf einem Podium. Annette Hug sprach von einem «Zwischenfazit» in Bezug auf die Stellung von Frauen im Literaturbetrieb: Vieles sei schon erreicht, Probleme sehe sie aber beispielsweise bei der Kanonbildung und bei der Förderung, wo es immer noch strukturelle Diskriminierung gebe.

Hier erfahren wir etwas mehr, in welche Richtung die Diskussion ging. Dass Dani Landolf Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV) ist, wissen vielleicht nicht alle Adressaten dieser Medienmitteilung und seine Rolle in diesem Thema ist ja auch nicht ganz uninteressant, oder?

Auch abseits der grossen Bühnen wurde diskutiert. Die aktuelle Situation der Buchbranche lieferte Gesprächsstoff für das neue Format «Branchengespräche». Vertreter*innen der Buchbranche tauschten sich in angeregten Diskussionen mit dem Publikum über virulente Themen aus.

Gute Idee, auch das Gewerbe miteinzubinden, das ja für diese Kultur eine tragende Rolle spielt. So ein oder drei Sätze zur aktuellen Lage des Buchhandels wären noch «spannend», nicht?

Auch Übersetzer*innen und Autor*innen traten miteinander in einen Dialog. So diskutierten die Übersetzerin Maja Pflug und die Autorin Raffaella Romagnolo über ihre gemeinsame Arbeit.

Und, können Sie es gut zusammen, die beiden?

Von einer anderen Seite präsentierten sich die Autor*innen am Abend beim Literarischen Flanieren: Sie dichteten spontan, mixten Drinks an der Literaturtage Bar oder trafen sich auf ein Glas Wein – Besucher*innen konnten sich dazusetzen.

Hört sich entspannt an, man wäre gerne dabei gewesen, oder?

Die Schriftsteller-Nati * begeisterte das Publikum in der belebten Hafebar,

Als Korrespondent für Medien in Deutschland und Österreich, von denen man ja ebenso auf Resonanz hofft, muss erklärt werden, was damit gemeint ist, mit «Nati» – also Nationalmannschaft der fußballspielenden Schriftsteller – und Schriftstellerinnen glaub auch. Also doch eher Nationalteam, korrekterweise?

das Autorinnen-Kollektiv Rauf (unter anderem mit Tabea Steiner, Katja Brunner und Michelle Steinbeck) widmete zwei Abende den «Alten Meisterinnen» der Literatur.

Verstehen wir das richtig? Es gibt ein Autorinnen-Kollektiv (also nur Frauen) mit dem Namen «Rauf»? So ein zwei Worte über Zweck und Ort es Sitzes würden neugierig machen, oder?

Meisterinnen bestritten auch die Eröffnung der 41. Solothurner Literaturtage. Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti lobte den Mut von Autor*innen und forderte das Publikum dazu auf, den Mut zu haben, Veranstaltungen in anderen Sprachen zu besuchen.

Die Überleitung von den «Alten Meisterinnen» der Literatur zu den «Meisterinnen» der Festivals-Eröffnung zeugt von kreativer Lust der Abteilung Kommunikation, doch während die Erstgenannten literarische Meisterleistung vollbrachten, ist nicht klar, worin solche bei der Eröffnung erbracht wurden und es ist ja nur von einer «Meisterin», der Nationalratspräsidentin, mit Namen die Rede. Gab es noch andere, Nichtgenannte?

Die vier Autorinnen Amina Abdulkadir, Laura Di Corcia, Rinny Gremaud und Leontina Lergier-Caviezel reagierten in ganz unterschiedlichen, eigenwilligen Texten in allen vier Landessprachen auf die Eröffnungsrede von Nell Zink.

Eigenwilligkeit ist ein großes Wort, das gerne benutzt wird, um Irritation zu umschreiben und was war die Kernaussage der Eröffnungsrede von Nell Zink?

Auch für die Kleinsten boten die Solothurner Literaturtage ein vielfältiges Programm. Im Vorfeld der Solothurner Literaturtage fanden vom 27. bis 29. Mai 2019 die Jugend- und Kinderliteraturtage (JuKiLi) statt, die um die 2‘100 Kinder und Jugendliche begeisterten.

Wenn ein ganzes Programm für Kinder und Jugendliche mit so viel Besuchenden über die Bühne ging, dürfte die Frage erlaubt sein, warum nicht mehr oder mit einer gesonderten Medienmitteilung darüber berichtet wird. Denn die Literaturszene und die Buchbranche baut ja auf die Lesenden von Morgen. Wo wären wir in Jahren ohne sie?

Urs Heinz Aerni

 

 

Nachtrag: Der Schriftsteller und Druckkünstler Beat Brechbühl wird heuer 80 Jahre alt und die Solothurner Literaturtage ehrte ihn mit der Ausstellung „Das Leben ist rund wie ein Dreieck“ und Lesungen.

 

Falscher Job?

Der Zürcher Gemeinderat Samuel Balsiger (dessen Partei hier nicht genannt wird, in der Hoffnung, dass sie nicht auch so denkt) meinte in einer Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich, dass die «Klimahysterie eine postreligiöse Form» angenommen habe, dass bei den Rechenmodellen «unzählige Interessen» einflößen, dass es fraglich sei, ob die Klimaveränderung menschengemacht sei, und legte die Verantwortung für den Fortschritt auf die Schultern der Wissenschaft, Forschung und Industrie, nicht der Politik.

Noch nie in der Erdgeschichte wurden so viel fossile Ressourcen aus dem Boden geholt und verbrannt wie während der industriellen Epoche der Menschheit. Kein Lebewesen sonst verbaute in dieser kurzen Zeit solche Dimensionen an natürlichem Boden. Noch nie in der Geschichte schrumpfte die Artenvielfalt in so kurzer Zeit wie seit dem 20. Jahrhundert. Und wir wissen, ohne Artenvielfalt erodiert die Kraft unserer Lebensgrundlage, die Natur. Seit Jahrhunderten nutzte der Mensch die Natur als Lieferant, und wenn nun ein Zeitalter eingeläutet wird, in dem man sich ihrer erinnert und sorgt, liest man im Kommentar des genannten Politiker, dass es sich hier um «Ideologie» handle.

Die Wissenschaft beweist den Artenverluste in Rekordgeschwindigkeit. Forschung und Bildung verdienten Unterstützung, um für eine künftige Lebensqualität in der bestmöglich intakten Umwelt zu sorgen. Und Industrie und Wirtschaft müssten einsehen, dass nicht Maximalrendite das Ziel sein sollte, sondern eine langfristige Existenz. Damit das alles im Interesse der Bürger auch geschieht, braucht es eine Übersicht und Verwaltung. In diese Verwaltung werden Politiker gewählt. Und wenn ein Politiker erklärt, dass dies nicht seine Aufgabe sei, dann hat er den falschen Job und müsste ersetzt werden.

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp: „Schweizer Staatskunde“ von Ueli Leuthold und Jilline Bornhand, Compendio Bildungsmedien, ISBN 978-3-7155-7757-9

Wenn Kundenfragen zur Werbe-Idee werden

Fragen seitens der Kundschaft können für Schaufenster inspirieren. Das zeigt die von Corina Friderich inhabergeführte Buchhandlung Mattmann in der Kleinstadt Zofingen im Schweizer Kanton Aargau. Der Text auf dem Plakat lautet auf Deutsch: „Ich weiß den Titel nicht mehr, aber das Cover war blau!“ Dieses Kundenzitat landete nun im Schaufenster und mit einem kurzen „OK“ werden eben Bücher in Blau präsentiert.
Übrigens, die Buchhandlung Mattmann wurde für die „Buchhandlung des Jahres“ vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) nominiert.

 

Schaufenster Buchhandlung Mattmann Zofingen (Schweiz) – uha