Auch falsche Beträge bezahlen

Ich hätte bei Amazon für rund 200 Franken eigenkauft. So steht es auf meiner Mastercard-Abrechnung. Dabei bin ich aus Überzeugung kein Kunde von Amazon. Ich kopierte diese Rechnung, markierte die diversen falschen Belastungen, schickte diese mit einem Brief an die Geschäftsleitung des Kreditkartenunternehmens in Horgen. Dann zog ich die falschen Beträge ab und überwies den korrekten Betrag.

Nach einem Monat Funkstille erhielt ich die neue Abrechnung. Alle falschen Belastungen wurden mir wieder gutgeschrieben aber nun muss ich einen Soll-Zins von 9 Franken zahlen.

Ich schrieb nochmals an die Geschäftsleitung. Keine Antwort, keine Erklärung, nichts.

Dann wandte ich mich kraft meines Jobs als Journalist an die Pressestelle der Credit Suisse, die Inhaberin der Swisscard, mit klaren Fragen. Hier Auszüge aus den Antworten, die per Brief eintrafen :

„Es kann vorkommen, dass über einen legitimen Händler/Dienstleister Belastungen abgerechnet werden, die der Kunde nicht selber veranlasst hat. Dabei kann es sich um missbräuchliche Belastungen, aber auch um Buchungsfehler handeln.“ In diesem Fall sei beim Händler, also Amazon, ein Fehler passiert. Um einen Sollzins zu vermeiden, „muss durch den Kunden – immer auch im Falle einer strittigen Belastung – der Gesamtbetrag einbezahlt werden.“ Gemäß Geschäftsbedingungen. Also das Kleingedruckte genau lesen und auch Fehlbeträge voll und ganz überweisen, mit der Hoffnung, dass das Geld wieder zurückkommt. Ich frage mich, wie viel falsches Geld fließt wegen Kunden, die nicht jeden Posten auf der Rechnung verifizieren. Fazit: Doch wieder mehr mit Rechnung einkaufen, das Vertrauen in Konzerne herunterfahren und mit dem Presseausweis wedeln (falls vorhanden) wenn nichts läuft.

 

Der passende Buchtipp: „Kreditkarten und ihre Gefahren“ von Andreas Jordan, Verlag GRIN, ISBN 978-3-640-76006-0

Déjà-vu-Erlebnis nach „Tatort“ (ARD) beim „Bestatter“ (SRF)

Im Kölner Tatort auf ARD begegnen sich der Kommissar und ein ehemaliger Kollege, der nun auf Streife ist und einen unglücklichen Eindruck macht; Scheidung, Alkohol, so die Ausgangslage:
https://www.daserste.de/…/send…/weiter-immer-weiter-100.html

Dann startet die letzte Staffel „Der Bestatter“ auf SRF und hier trifft der ermittelnde Ex-Polizist ein ehemaliger Kollege aus der Polizeischule, der auch in Uniform arbeitet und ebenso einen ungesunden Eindruck von sich gibt; Scheidung, Alkohol:
https://www.srf.ch/…/der-bestat…/video/asche-auf-dein-haupt…

Zufall? Ein beliebtes Setting von Drehbuchautoren? Eine Figur, die gerade in Mode ist?

Der Bestatter Aarau

Das Glühwürmchen ist das Tier des Jahres 2019

Ein Gastbeitrag von Pro Natura

Das geheimnisvolle Tier ist bei uns zwar noch weit verbreitet. Doch schrumpfender Lebensraum und steigende Lichtverschmutzung setzen dem Glühwürmchen zu – wie unzähligen anderen Insekten auch. Mit der Wahl des Glühwürmchens zum Tier des Jahres 2019 wirft Pro Natura ein Schlaglicht auf den Zerfall der Wunderwelt der Insekten und zeigt auf, was dagegen unternommen werden muss.

Mit den ersten warmen Frühlingstagen werden die Larven des Glühwürmchens (Lampyris noctiluca) aus der Winterruhe erwachen.  Das Glühwürmchen ist aber eigentlich gar kein Wurm, sondern ein Käfer. Es glüht auch nicht, sondern verbreitet ein kaltes Leuchten. Deshalb heisst das Tier des Jahres 2019 korrekt «Grosser Leuchtkäfer». Er ist in der Schweiz die häufigste von vier vorkommenden Leuchtkäfer-Arten.

Der Schrecken der Schnecken
Erst ganz am Ende seines Lebens verzaubert das Glühwürmchen in lauen Sommernächten die Landschaft mit seinen Lichtpunkten. Zuvor hat es rund zwei Lebensjahre als Larve verbracht. Seine Hauptbeute in dieser Zeit sind Schnecken. Die rüden Jagdmethoden der Larven passen nicht ins romantische Bild vom Glühwürmchen als feenhaftes Lichtwesen. Wie schwarzbraune Mini-Krokodile pirschen sich die Larven an ihre oft viel grösseren Beutetiere heran. Sie töten die erbeutete Schnecke mit Giftbissen und fressen sie innert eines Tages ganz auf.

Leuchtendes Finale
Im Sommer des dritten Lebensjahres verpuppen sich die Larven. Die erwachsenen Glühwürmchen schlüpfen. Sofort entzünden die Weibchen an einem günstigen Leuchtplatz das Landefeuer für liebeshungrige Männchen. Das Licht in ihren Leuchtorganen entsteht durch eine chemische Reaktion. Die Glühwürmchen-Männchen leuchten nicht. Sie überfliegen ihren Lebensraum und spähen mit grossen Augen nach dem ersehnten Liebessignal. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Die erwachsenen Tiere fressen nämlich nichts mehr. Wer sich jetzt nicht paaren kann, stirbt nach rund zwei Wochen ohne Nachkommen.

Eine von 30‘000 Arten
Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. Von rund 36‘000 in der Schweiz bekannten Tierarten gehören 30‘000 zu den Insekten. Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung. Doch die Wunderwelt der Insekten zerfällt in beängstigender Geschwindigkeit. Lebensraumzerstörung, Pestizide, Lichtverschmutzung und andere Faktoren setzen ihr zu. Die Folgen für Natur und Mensch sind schwerwiegend. Auf diese Probleme, aber auch auf praktische Lösungen wirft das Glühwürmchen 2019 sein magisches Licht.

 

Fragen?

Franziska Rosenmund, Pro Natura Medienverantwortliche: franziska.rosenmund@pronatura.ch

René Amstutz, Projektleiter Biotope und Arten, Pro Natura: rené.amstutz@pronatura.ch
 

WEF Davos 2019 und der angekündigte erneute Besuch Donald Trumps

Ein offenes Wort an Veranstalter und Gastgeber Klaus Schwab

Sehr geehrter Herr Schwab

Dank dem World Wide Web ist der Welt der letztjährige Auftritt von Donald Trump in bester Erinnerung:

https://www.youtube.com/watch?v=UT7GlaDc060

Nach dem Bekanntwerden, dass Herr Trump auch 2019 mit seiner Entourage wieder nach Davos kommen wolle, erlaube ich Ihnen, Herr Schwab, folgende wohlgemeinte Worte zu widmen.

Donald Trump wirkt Kraft seines Amtes als US-Präsident:

  1. Gegen die Bemühungen der Welt, eine Klimakatastrophe abzuwenden
  2. Für eine Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten
  3. Für eine noch nie dagewesene Fluktuation des Personals im Weißen Haus
  4. Für eine regelmäßige Brüskierung seinen internationalen Partnern
  5. Für eine Verschleierung der laufenden rechtlichen Verfahren und Untersuchungen gegen ihn
  6. Für eine Lockerung und Aufhebung von Naturschutzzonen um an Öl zu gelangen
  7. Gegen Medien, die ihn für seine Politik kritisieren
  8. Für eine zunehmende Agressivität in der internationalen Politik
  9. Gegen die Chance, andere Menschen verstehen zu können
  10. Für die Möglichkeit, dass Psychologen und Psychiater sich in einem Buch über seine geistige, charakterliche und mentale Gesundheit Gedanken machen (Buchtitel siehe unten)

 

Aus diesen 10 Gründen, die nur eine Auswahl darstellen, darf die Frage zugelassen werden, inwiefern sich der immense Aufwand an Personal, Kosten und Kerosin lohnt, Herrn Trump zum zweiten Mal die Bühne zur Selbstdarstellung analog zu 2018 zu überlassen. Sie seien ein herzlicher Gastgeber, Herr Schwab, so wurde mir es zugetragen und Ihr Ziel sei es mit dieser Veranstaltung, Verbindungen und den Austausch zwischen Menschen mit großer Verantwortung für unsere Gesellschaft zu ermöglichen, ja zu fördern. Die prächtige Bergwelt Graubündens trägt sicherlich dazu bei, Ihre edlen Absichten mitzuprägen, so dass in Gelassenheit und Empathie die Kultur des Verstehens zwischen den Welten möglich gemacht werden kann.

Wenn in diesem Sinn und Geist Herr Trump miteingebunden werden kann, in den Dialog, dem Zuhören, dem Lernen und der Findung von Kompromissen und konstruktiven Kooperationen der Nachhaltigkeit, dann könnte dem logistischen und sicherheitstechnischen Aufwand einen Sinn abgerungen werden. Und wenn es Ihnen gelingt, Herr Schwab, mit Herrn Trump bei einem gemütlichen Fondue ohne Blaskapelle, das eigentliche Anliegen der Menschheit so zu formulieren, dass er nickt und endlich begreift, dann macht das WEF uns allen ein schönes Geschenk. Mit den besten Wünschen für Ihre Arbeit und das Leben drum herum, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Urs Heinz Aerni

Das erwähnte Buch: „Wie gefährlich ist Donald Trum?“  27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie, Psychosozial Verlag, ISBN 978-3-8379-9

Dieser Beitrag erschien auch auf Berglink Berlin und Zürich

„Bilder im Kopf das Laufen zu lehren“

Wie haben es Schreibende eigentlich mit ihrem Tun und ihrem Verhältnis zu Büchern und zur Sprache an der Arbeit. Fragen an den Schriftsteller und Hörspielautor Ulrich Land

 

Urs Heinz Aerni: Die Kraft der Sprache ermöglicht…

Antwort: … lauter Leute, die man kennt, und noch mehr, die man nicht kennt, einsteigen zu lassen in eine Kutsche, die losfährt und erst unterwegs damit rausrückt, wohin die Reise geht. Oder wohin nicht.

Aerni: Mein Lieblingsschreibort ist:

Ulrich Land: … ganz eindeutig der fahrende Zug. Smartphone ausgestellt, Landschaft vorbeirauschen lassen, zwei, drei Gesprächsfetzen aufschnappen, vielleicht sogar einbauen – und weiter und weiter schreiben. Und weiter. Raus in die Welt. In die Welt, die draußen vorbeifließt.

Aerni: Der Lesende darf meine Bücher…

Land: … gern auf den Kopf stellen. Fließt kein Blut raus. Das steckt hoffentlich zwischen und in den Zeilen. Und er darf auch die letzte Seite zuerst aufschlagen – bei meinen Krimis wird er allerdings wenig Glück haben; dann auf der letzten Seite steht meistens irgendein mehr oder weniger halbgares Kochrezept.

Aerni: Eine Welt ohne Bücher würde…

Land: … ein Leben ohne Atmen bedeuten. Okay, fast. Jedenfalls ohne eine gepfefferte Fantasiebeigabe. Überleben würde man wahrscheinlich auch ohne Bücher, aber das Erleben anderer Lebensdimensionen, das Eintauchen in andere Leben und andere Welten, die einem nicht via Leinwand oder Bildschirm vorgekaut werden, das würde wegfallen. Ein ewiger Verlust. Eine Verarmung. – Interessant aber, dass man sich die Frage überhaupt stellt. Dass man die Vorstellung einer Welt ohne Bücher überhaupt in den Kopf nimmt. Schon das ein Zeichen der Zeit. Und der Zeiten.

Aerni: Die Fähigkeit des Lesens ermöglicht…

Land: … die Bilder im Kopf das Laufen zu lehren.

Aerni: Die Arbeit mit Sprache und Geschichten bedeutet für mich…

Land: … mein Lebenselexier. Wüsste gar nicht, was ich sonst mit den Tagen anfangen sollte. Nee, echt.

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Ulrich Land, *1956 in Köln, lebt und schreibt in Freiburg. Neben Lyrik, Erzählungen und Essays hat er 40 Hörspiele und über 60 Radiofeatures veröffentlicht. »Krätze eiskalt« ist sein siebter Krimi in der Reihe »Mord und Nachschlag«. Land lotet in seinen Texten mit Vorliebe die Ränder des süßen Grauens und skurrile Alltagsereignisse aus. Krisen und Katastrophen, Süchte und Sehnsüchte, Mut und Unmut, Tod und Teufel sind sein Metier.
Sein aktuelles Buch: „Krätze eiskalt – Finnland-Krimi mit Rezepten, Mord und Nachschlag“

Wiederlesen mit Elke

„Keiner kennt meine Geschichten so genau wie ich.“ Das sagte Elke Heidenreich auf meine Frage, ob sie beim Vorlesen, auch mal spontan was ändere im Text. Dieses Interview wurde im St. Galler Tagblatt 2001 veröffentlicht. Wir trafen uns an den Solothurner Literaturtagen, nebenan saß Peter Bichsel. Meine Güte, wie viel Wasser ist seit dann durch den Rhein geflossen. Heidenreich ist eine unglaubliche Vielleserin und gehört zu den temperamentvollsten Literaturvermittlerinnen, was ich sehr schätze. Nun, nach so vielen Jahren werde ich sie wieder treffen, an der Novitätenschau im Literaturhaus Zürich am 13. Dezember um 19:30 Uhr, dann werden wir zusammen mit den Gastgeberinnen Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen neu entdeckte Bücher präsentieren. Welche Bücher die anderen drei vorstellen werden, weiß ich nicht. Aber es ist interessant, wie sich im Laufe des Lebens die literarische Vorliebe verändern kann. Oder tut sie es doch nicht? Egal, da Sie liebe Leserin und lieber Leser vielleicht nicht den Weg zu dieser Veranstaltung unter die Räder nehmen werden, darf ich Ihnen dafür heute schon meine Entdeckungen preisgeben.

Beat Gloor ist Sprachforscher und treibt in seinem Buch „uns ich er“ (Salis) ein herrliches Sinnspiel mit ungewöhnlichen Worttrennungen. Nicht ganz ein neues Werk aber eines, das würdig ist, noch von vielen sprachliebenden Zeitgenossen entdeckt zu werden. Neu ist von Hans Ulrich Bänziger „Ahnungslose Beute“ (Wolfbach), mit Miniaturen wie: „Ohne Schwerkraft wären wir schon längst im Himmel.“ oder „Er ging auf dem rechten Weg, doch in der falschen Richtung.“ „Wörter statt Möbel“ (Gesunde Menschenversand) macht deutlich, wie intensiv die verstorbene Autorin Aglaja Veteranyi in der Sprache lebte und nun ermöglicht uns ihr damaliger Bühnenpartner, Jens Nielsen, neue Zugänge in ihre Kunst. Matthias Jäger nimmt den Lesenden im „Der letzte Schritt der Vernunft“ (Bucher) mit, zu Ereignissen und Menschen in alter Zeit, die heute noch nachhallen und er versteht es, die Vergangenheit ins Hier und Jetzt zurück zu holen. Und dann wäre noch das grandios schön gemachte Buch „Das Gedicht & sein Double“ (Azur), das von Lyrikerinnen und Lyriker ein ausgesuchtes Gedicht einem ästhetischen Schwarzweißportrait gegenüberstellt, so, dass quasi die eine Seite mit der anderen den Dialog aufnimmt.

Diese Bücher bringe ich mit zur Novitätenschau aber, Sie können diese selbstverständlich kaufen aber noch nicht verraten, es soll am 13. Dezember eine Überraschung sein.

Urs Heinz Aerni

Link zum Anlass…

Dieser Beitrag erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE

Das Leben auf der Bühne und mit Büchern und der Dialekt

Das Leben auf der Bühne und mit Büchern

Thomas Sarbacher spielt Rollen und Figuren vor der Kamera und auf der Bühne und er liest brillant aus Büchern im Literaturclub SRF/3sat oder an Festivals wie Sprachsalz in Tirol. An zwei Abenden am schönen Thunersee unterhalten wir uns über das Spiel mit Charakteren, das Lesen und das Leben drum herum.

Am 3. und 5. Dezember 2018 im Hotel Beatus Merligen. Hier geht es zum Veranstalter…

Die Mundart – und was sie mit uns macht

«Gredi üüfe» lautet das brandneue Gedichtbuch von Hanspeter Müller-Drossaart. Der erste Band des Autors erschien auf Obwaldnerisch, der zweite nun im Urner Dialekt. Seine Lesungen sind legendär, sein Spiel mit der Mundart ebenso. Was führt Hanspeter Müller-Drossaart dazu, so zu schreiben, wie den Menschen in den Bergtälern der Schnabel gewachsen ist? Erfährt die Poesie eine andere Erlebnisebene je nach Färbung mit Lokalkolorit?
Was passiert mit Ihnen, wenn Sie in einem «Tatort» schwäbisch hören, oder alemannisch oder auch tirolerisch? Genau, es heimelt an. Und in der Regel sind Figuren im Film, die Mundart sprechen, selten die Bösewichte. Meine Gesprächsgäste und ich nehmen Platz am literarischen Kaminfeuer in der guten Wortstube: Der Schauspieler Hanspeter Müller- Drossaart verwandelt sich im Rahmen seines Berufes wie kein anderer verbal in einen Bayer, Bündner oder Basler. Markus Gasser beantwortet als Redaktor der SRF-Sendung «Schnabelweid» Fragen rund um unsere Mundart. Als Experte meinte er in einem Zeitungs-Interview, dass «jeder Dialekt schön» sei. Ist dem so? Wir werden sehen.

Am 7. Dezember im La Marotte Affoltern am Albis. Hier geht es zum Veranstalter…

 

Und, am 13. Dezember ist die letzte Veranstaltung von 2018 angesagt, mit Elke Heidenreich in Zürich. Aber davon kurz vorher mehr auf diesem Kanal.

Bis bald und herzliche Grüße

Ihr Urs Heinz Aerni

Der Witz – die unterschätzte literarische Gattung

Der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und der Journalist Urs Heinz Aerni sind überzeugt, dass die Literaturgattung „Witz“ sehr unterschätzt wird. Die beiden befinden sich nach Recherchen im Pointenfieber und garantieren einen Abend, der sich dem Lachen widmet – und vielleicht mehr?

Datum: Donnerstag, 29. November 2018
Zeit: 19.30 Uhr, anschließend gemütlicher Ausklang

Ort: Mediothek Dällikon (Kanton Zürich) Eintritt: frei, freiwilliger Unkostenbeitrag

Willkommen in was für einem Land?

Im November kommt der Film von Marc Tschudin „Welcome to Zwitscherland“ in die Schweizer Kinos, eine Art Hommage an ein Land samt seinen gefiederten Mitbewohnern, aber nicht ohne Fragezeichen.

Der Journalist, Filmer und Biologe widmete die letzten drei Jahre einem cineastischen Projekt, das den Alpenstaat mitten in Europa als Porträt einzukreisen versucht. Dies tut er aus der Sicht einer Existensebene, die oft übersehen oder überhört wird, aus der Sicht der Vögel. Tschudin verblüfft mit einer Ästhetik der Bilder, die er oft mit liebevoller Ironie auf die Schweiz mit all seiner Schönheit fokussiert, die allerdings anfällig geworden zu sein scheint.

Eine Geschichte zwischen Ankommen und Abschied

Ist die Schweiz eventuell eine Idee, die gewahrt und weiterentwickelt werden muss? Der Rahmen dieses erzählenden Dokumentarfilms ist eine familienbedingte Rückkehr in die alte Heimat mit einer Überraschung im Haus des Vorfahren, die eine ungewöhnliche Tour de Suisse nach sich zieht, bevor es wieder heißt, Abschied nehmen zu müssen. Aber mit einer neuen Beziehung zu dem Land, aus dem man herkommt.

Die Bandbreite der Vielfalt in Kultur und Natur sei in diesem kleinen Land zwischen großen Staaten immens, davon ist Marc Tschudin überzeugt. Und das visualisiert er in seinem ersten abendfüllenden Film. Szenen mit brütenden Feldlerchen, alles niederwalzenden Kampfpanzern, auf Wellen schaukelnden Reiherenten, tanzenden Menschenmengen, singendem Girlitz und glockenschweren Alpaufzügen veranschaulichen wie Gegensätze aufeinanderprallen oder auch Parallelwelten, die möglich sind, zwischen dem Genfer- und Bodensee, zwischen dem Rhein und dem Ticino oder zwischen dem Jura und dem Engadin.

Geduld mit dem Unberechenbaren

Die Idee zu diesem Projekt entstand während der Arbeiten zum Ausstellungsfilm für die Schweizerische Vogelwarte Sempach. Die Identität eines Landes im Kontext der vielfältigen aber verletzlichen Natur- und Vogelwelt in der Art eines Filmes zu formulieren, trieb Marc Tschudin an, die vielen Orte aufzusuchen, die das ermöglichen. Zu den Herausforderungen hätten nicht nur die Geduld mit der Unberechenbarkeit der Vögel und des Wetters gehört, sondern auch gute Nerven bei der Bewältigung der Administration bei Anfragen und Bewilligungen.

Der Forscher und seine Fragen

Der gebürtige Basler wollte einst Archäologe oder aber Biologe werden; von Expeditionen in abgelegene Wüsten und Urwäldern hatte er geträumt. Er entschied sich für das Biologie-Studium, das ihn schlussendlich in die Welt der Medien führte, vom Printjournalismus über die Fotografie zum Film. Das Besondere, das Irritierende oder gar das Abgründige wollte er entdecken, was er nicht nur in der Welt des Menschen fand, sondern auch in der Naturwissenschaft. Theorien unterschiedlichster Disziplinen, die Suche nach Zusammenhängen und die Hinterfragung unserer Zivilisation und ihrem Verhältnis zur Um- und Mitwelt ließen ihn privat und beruflich nie in Ruhe. Nach Jahren als Dokumentarfilmer und Dozent bei SRF realisierte Marc Tschudin seinen ersten großen Kinofilm über ein Thema, das ihn umtreibt und uns ebenso noch umtreiben wird.

„Welcome to Zwitscherland“ von Marc Tschudin: www.welcome-to-zwitscherland.ch

Und noch ein Tipp für humorige Büchermenschen, die auch zurück zur Natur möchten: „Zurück zur Natur mit Loriot“, Diogenes Verlag, ISBN 978-3-257-02144-8

Zum Tod des Literaten und Wortmenschen Ernst Nef

Ernst Nef (1931 – 2018)

Ernst Nef prägte die Geschichte des Literarischen Clubs Zürich (vormals Lesezirkel Hottingen) als Präsident und Vorstandsmitglied durch seine wunderbare entspannte Art, durch seine Lust an Literatur und dank seiner charmanten Weise der Vermittlung von Autorinnen und Autoren mit ihren Werken.

Ernst Nef wurde 1931 in Basel geboren und wuchs in Krefeld in Deutschland und in Goldach im Kanton St. Gallen auf. Sein Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und London bereitete den Boden, auf dem er sein Schaffen für die Literatur, das Feuilleton und die Sprachkultur weiterentwickelte und mit sehr viel Verve vorantrieb. Seine Arbeit als Gymnasiallehrer und als Literaturkritiker wurde von Schülerinnen und Schülern und der Leserschaft der Zeitungen Tages-Anzeiger, NZZ und Die Zeit sehr geschätzt bzw. gerne gelesen.

Seit 1996 wirkte er für die Zweimonatsschrift „Sprachspiegel“, in der er regelmäßig Artikel über Tendenzen und Trends in unserer Sprache publizierte, mit Esprit, scharfen Beobachtungen und punktueller Ironie.

Seine schriftstellerischen Arbeiten waren nicht für die Bestseller-Listen gedacht, die ihn auch nicht besonders interessierten. Seine Themen waren einerseits Persönlichkeiten wie Gottfried Benn, Carl Einstein oder Wolfgang Hildesheimer und andererseits seine Wahrnehmung der Welt und Beobachtungen in der Gesellschaft, die er in lyrische Texte münden ließ, oft so, dass bei der Leserin oder beim Leser ein Schmunzeln nicht zu verhindern war, was ein Buchtitel wie „Mach die Linsen scharf“ (1999) schon verspricht und  wofür er die Ehrengabe des Kantons Zürichs erhielt.

Ob als Vermittler von Literatur oder Schreibender: Ernst Nef gehörte zu den hellen Geistern der gelassenen Art. Er stopfte seine Pfeife, während er fragte oder herzlich lachte.

 

In seinem letzten Buch „Sei’s drum“ ist folgendes zu lesen:

 

In den alten Spiegel schauend entdecke ich

an meinem Kinn das Grübchen der Ehrgeizigen

und wundere mich

wie Menschen sich verstellen können.

 

Eine bedachte und lebensfröhliche Stimme ist nun verstummt. Schön, dass wir sie hören konnten und sie heute noch immer lesen dürfen.

 

Weitere Informationen zu den Publikationen von Ernst Nef finden Sie hier in der Nationalbibliothek Bern.

Der Beitrag erschien zuerst in der P. S. Zeitung Zürich.