«Musik ist eine gute menschliche Investition»

Die Musiklegende Pepe Lienhard geht mit BigBand und sieben Sängerinnen und Sänger auf große Schweizer Tournee mit «Music was my firstl love». Im Interview zeigt sich dankbar, zuversichtlich obwohl ihn auch etwas wütend machen kann.

Urs Heinz Aerni: Sie gelten als eine lebende Legende der Schweizer Musikgeschichte. Ist das ein Kompliment?

Pepe Lienhard: Es ehrt mich natürlich schon, aber in der Regel gehören Legenden eher der Vergangenheit an und ich bin definitiv noch aktiv stecke voller Pläne und Tatendrang.

Aerni: Sie waren 37 Jahre Orchesterleiter von Udo Jürgens, spielten mit Stars zusammen wie Frank Sinatra, Whitney Housten oder Quincy Jones. Und auch heute stehen viele Konzerttermine an, auch in Orten wie Affoltern am Albis, Cham, Thun oder Luzern. Ganz unter uns: verspüren Sie auch mal Ermüdungserscheinungen?

Lienhard: Ehrlich gesagt stehe ich immer noch ausgesprochen gerne auf der Bühne und es ist für mich keine Belastung heute hier und morgen da zu spielen. Nach den Konzerten geht es nicht mehr auf die Gasse wir früher, das erlaubt das Alter natürlich nicht. Solange die Gesundheit mitmacht und die Leute unsere Musik hören will, mache ich mit Freude weiter.

Aerni: Sie erlebten als Musiker auch einen grossen Wandel in der Art, wie Musik konsumiert wird, von der Schallplatte bis zum digitalen Streamen. Verändert das auch unser Verhältnis zum bewussten Musikhören?

Lienhard: Ja, ich denke schon, dass sich das Musikhören wandelt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Musik auf digitalen Hörsystemen mit dem Daumen beliebig rauf und runter geschoben wird. Die jüngeren Generationen hören kaum mehr längere Musikstücke oder schauen zum Musikhören noch was anderes auf dem Handy an. Zu meinem 75. Geburtstag haben wir ein Streaming- Konzert aus dem Theater Rigiblick gemacht. Die Crew, die das Konzert technisch begleitet hat war völlig überrascht, wie viele Menschen das ganze Konzert, über eine Stunde, durchgehend geschaut haben.

Aerni: Ein Ausnahmeerlebnis also?

Lienhard: Ja, das erleben die sonst nicht so. Da wird rein und rausgezappt. Gleichzeitig gibt es ja doch auch wieder einen Trend hin zur Schallplatte, doch bleibt dies wohl eine Nische. CDs hört ja auch kaum noch wer – entsprechend haben wir unsere neue CD «Music was my first love» mit einem Download-Code versehen.

Aerni: Und, wie hören Sie?

Lienhard: Ich für mich höre nach wie vor Schallplatten und CDs. Zuhause lasse ich mich auch nicht den ganzen Tag von Musik berieseln. Ich höre und geniesse sie sehr bewusst.

Aerni: Wie oft denken Sie auch mit etwas Sehnsucht an die gute alte Zeit, wie damals mit dem Hit «Swiss Lady» oder die Tourneen mit Udo Jürgens?

Lienhard: Natürlich sind dies einmalige Erinnerungen und ich denke mit viel Freude und vor allem Dankbarkeit daran zurück. Im Sextett waren wir jung und ungebunden. Spielten elf Monate im Jahr. Ich fuhr zweimal im Jahr nach Hause und wechselte die Sommer – oder Wintergarderobe.

Aerni: Wir leben grad in einer komplizierten und unschönen Welt. Wie und wo könnten wir mit der Musik noch mehr Gutes tun?

Lienhard: Musik verbindet, tröstet, beschwingt. Sie hat in schlimmsten Zeiten stets grosse Wichtigkeit. Sie darf nie aufhören zu spielen. Das dürfen wir uns nie nehmen lassen. Wenn ich zum Beispiel höre, dass in gewissen islamischen Ländern den Mädchen das Singen verboten wird, macht mich das fassungslos und auch wütend. Wir tun gut daran, Kindern den Zugang zum gemeinsamen Musizieren zu ermöglichen. Ich glaube das ist eine sehr gute, menschliche Investition.

Aerni: Sie scheinen in allen Musiksparten zu Hause zu sein, von Schlager über Swing und Jazz bis Pop. Welchen Radiosender schalten Sie beim Autofahren ein?

Lienhard: Radio Swiss Jazz oder SRF1 – dies vor allem kurz vor Mittag, wenn es ums Essen geht!

Aerni: Zu guter Letzt: Was man einem Fischer oder einem Jäger wünscht, ist ja bekannt. Was dürfen wir Ihnen als Musiker wünschen?

Lienhard: Eine erfolgreiche Tournee wäre ganz wunderbar. Vielen Dank!

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Seit über 50 Jahre steht Pepe Lienhard auf der Bühne in vielen Musikwelten wie von Eurovisions-Songcontest bis Montreux Jazz Festival, von TV-Gala und Ländler-Juuzer. Er war 37 Jahre lang Orchesterleiter von Udo Jürgens. Solomusiker, Bandleader, Arrangeur, Talkmaster, Gastredner. Er blickt zurück auf die Zusammenarbeit mit Superstars wie Frank Sinatra, Whitney Houston, Quincy Jones. Weitere Infos zur neuen Tournee finden sich auf:

www.pepe-lienhard.ch

PS: Das Bild stammt vom Konzert in Bonstetten zu Ehren des 20jährigen Jubiläums des Kulturkellers La Marotte in Affoltern am Albis (Kanton Zürich)

Rechtfertigung

Ein Gastbeitrag von Corina Burkhardt

Hast du dich heute schon vor dir selbst gerechtfertigt? Dich mittels Gedankenkraft davon überzeugt, dass deine Handlung sein muss, obwohl deine Wahrnehmung einen anderen Standpunkt vertritt? Sich vor dem Gegenüber glaubhaft zu rechtfertigen ist eine Kunst, sich vor sich selbst rauszureden, die Königsdisziplin. Das merke ich spätestens, wenn die Rotweinflasche mich wiederholt anlächelt und meine Gedanken dem Gesundheitsbewusstsein den Garaus machen wollen. Soll ich auf ein drittes Glas verzichten, wenn ich doch ahne, was mein Arzt dazu sagen würde? Nein. Schließlich habe ich mehrmals gehört, dass Rotwein gesund ist. Er verfügt über einen hohen Gehalt an Polyphenolen und kann sogar Krebs vorbeugen. Das wusste bereits Opa und ist deshalb auch neunzig geworden.

Wenn eigene Wahrnehmungen kollidieren, kommt es zu einem Fest der Rechtfertigungen. Da feiern Kuchenstücke und Traumkörper plötzlich im ein und demselben Raum und bringen uns buchstäblich zur Verzweiflung. Wir versuchen Umweltbewusstsein mit dem nächsten Flug und gute Vorsätze mit Faulheit zu vereinbaren, um die negativen Gefühle irgendwie abzulegen. Dafür verteidigen wir unsere Handlung, lassen uns Ausreden einfallen und lügen, dass sich die Balken biegen. Dabei endet das Rechtfertigen erst, wenn der innere Richter mit dem Hämmerchen alle Wahrnehmungen stummgeschlagen hat, die uns kein Wohlwollen versprechen. Daraufhin folgt die Handlung ‒ und was passiert danach? Ja, genau. Das Gedankenkarussell lädt auf eine nächste Runde ein. Bitte einsteigen. Denn selbst wenn eine Rechtfertigung für den Augenblick funktioniert, folgt in den meisten Fällen eine gleiche oder ähnliche Situation, in der wir erneut mit unseren Wahrnehmungen konfrontiert werden. Es kommt zu einer fortwährenden Verhandlung, bei der die immer gleichen Argumente vorgelegt und verabschiedet werden.

Es stellt sich die Frage, ob wir womöglich zu hart mit uns ins Gericht gehen. Ich glaube, das hängt von der Dissonanz ab und welche Wichtigkeit wir Wahrnehmungen zusprechen. Dabei scheint es nicht elementar, die Rechtfertigungen komplett verschwinden zu lassen. Immerhin gewähren sie uns einen Blick auf unsere Einstellungen, Wünsche und Absichten. Führen sie jedoch stets zu einem negativen Gefühlszustand, sollten wir versuchen einsichtig zu sein, bevor wir uns möglicherweise Erfolgen, Erlebnissen oder gar Zielen berauben.

Corina Burkhardt

Corina Burkhardt wurde im Jahr 1988 in der Schweizer Stadt Baden geboren. Heute lebt sie, gemeinsam mit ihrem Partner und zwei Katzen, in der Nähe ihrer Heimatstadt. Sie studiert angewandte Psychologie und schreibt nebenbei mit großer Leidenschaft Liebes- und Jugendromane. Am liebsten vereint sie beide Genres in einer Geschichte. Außerdem ist die Autorin verrückt nach Kaffee, mag es zu reisen und kann sich stundenlang in eine Serie vertiefen. Mit ihren Lesern tauscht sie sich gerne über Facebook oder Instagram aus. Weitere Informationen unter: www.corina-burkhardt.ch

RONDINE MONTANA

Irgendwas zischt mir über den Kopf beim Wandern im südlichen Graubünden bei Grono. Kaum versuchte ich, das fliegende Etwas zu erkennen, muss ich mich wieder ducken vor einer Scheinattacke. Beim zweiten Angreifer wird es klar, es sind Felsenschwalben. Ich stehe unter einer niedrigen Brücke, und in der Lücke zwischen der Trägersäule und dem Beton der Straße kann ich ein Nest ausmachen. Und diesem Nest bin ich wohl zu nahe gekommen. Schnurstracks gehe ich meines Weges, auch wenn dieser Vogel nicht für physische Feindberührungen bekannt ist.

Wie alle Schwalben segeln die Felsenschwalben durch Schluchten und über Felder, um Insekten zu fangen. Und wie alle anderen Schwalben kehrt sie dem Norden im Herbst den Rücken und im Frühling denselben dem Süden. Sie gehört allerdings zu den Ersten, die nördlich der Alpen eintreffen, wenn im März noch Schnee liegt. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass Sie beim Skiliftanstehen eine Felsenschwalbe vorbeiziehen sehen. Bemerkenswerterweise bevölkert diese Schwalbe zwar die Alpen und das Jura, aber nicht nördlicher als Zentralfrankreich, Süddeutschland und in Ungarn bis zum Donaudelta. Sie wählt lieber das raue Klima auf 2600 Meter über Meer als den hohen Norden.

Erfreulicherweise darf vermeldet werden, dass die Bestände dieses Vogels hierzulan- de stabil und ungefährdet sind. Und es lohnt sich, zum Beispiel beim Umsteigen, am Bahnhof Tiefencastel herumzuschauen. Hier sitzen auf den Fenstersimsen die Teenager, wartend auf Futter. Oder wenn Sie das Hotel gegenüber der Post in Len- zerheide verlassen, dann schauen Sie schräg links auf das Gebäude mit der Tem- peraturanzeige. Dort in den Nischen unter dem Dach können jedes Jahr Felsen- schwalben bewundert werden. Und ja, hier können Sie die Vögel aus sicherer Distanz beobachten und müssen sich nicht ducken.

Urs Heinz Aerni

PS: Der Vogelbeobachter bietet in der Sommersaison auf der Lenzerheide und in Chur Vogelspaziergänge an. Anfragen: ursaerni@web.de

Poetische Veredelung

Eine Songmapp lässt Menschen Poetisches lauschen, wo sonst nur der Alltag brummt. In Zürich stellte Markus Schönholzer ein neues Hör-Format vor.

Bild von Nina Müller

«Diese App lässt Orte und Plätze poetisch veredeln.» sagte ein Teilnehmer der Präsentation der Songmapp-App, die zu ausgesuchten Örtlichkeiten was zu erzählen weiss. Unter der Anleitung des Projektteams spazierten, sassen und standen die eingeladenen Gäste an der Bahnhofstrasse, im Hauptbahnhof, auf der Negrelli-Brücke und im Friedhof Sihlfeld um mit Kopfhörer und Smartphone Lieder und Texte zu hören, die genau zu diesem Ort was preisgeben.

Der Musiker und Songwriter Markus Schönholzer zeigte sich in der Pandemie-Krise genauso kreativ, wie man ihn von der Bühne kennt. Es war ein Spaziergang mit seiner Frau durch einen Friedhof, an dem er sich fragte, was die Toten flüstern würden, wenn man sie hören könnte. Das war die Initialzündung für die Idee der Vertonung von Orten. Schönholzer gewann für diese App Adrian Elsener für das Design, Stefan Pauwels für die technische Umsetzung und Marc Wilmes für die Produktionsleitung und das Fundraising.

«Man könnte es mit einem Taschentheater vergleichen» erklärt Schönholzer, «mit immer wieder neuen Premieren.» Die ersten Editionen stammen von ihm selber, vom Kabarettisten und Autor Ralf Schlatter und bereits befinden sich weitere in Planung, deren Künstlerinnen und Künstler demnächst bekannt gegeben werden.

Die Songmapp schaffe ein Erleben, das die Verbindung von Raum und Werk in Szene setzt, erklärt Ramona Rothmund vom Team; «geschaffen für jeweils einen bestimmten Ort, werden die Texte, Lieder und Musik nicht als Hintergrundrauschen, sondern ganz bewusst aufgenommen. Auf den Themenrouten entstehen so besondere Stimmungen und eine neue Achtsamkeit für die Umgebung und das Werk.»

Ausweitung der Hörzone

Im Theater Kulturmarkt Zürich gab Bänz Friedli bekannt, dass das von ihm kuratierte Mundart-Festival in Arosa, ebenfalls eine Songmapp-Edition produzieren werde.

Viele Kulturschaffende aus der Welt der Musik und Kleinkunstbühne zeigten sich an der Präsentation interessiert um eigene Editionen in Erwägung zu ziehen. Markus Schönholzer sagt den Medien gegenüber frei heraus:  «Ich freue mich riesig, dass die App nun endlich öffentlich ist und wir dabei sind, die erste Hörlandschaft in der Schweiz zu bauen.» Wie alle sei auch er gespannt, welche unterschiedlichen Werke seine Plattform in Zukunft beherbergen dürfe. Jeder neue Künstler, jede neue Künstlerin verleihe der App eine andere Facette, was Potential für eine sehr diverse Klanglandschaft biete – auf nur einer App.

Erste Stimmen

Spricht man mit den Gästen nach der Welturaufführung, um es in der Sprache des Kinofilmes zu formulieren, sind Stimmen zwischen Verzückung und Überraschung zu vernehmen. Eine Besucherin aus Luzern wünscht sich so etwas auch für ihre Region, ein Besucher aus Fislisbach meinte, dass er sich damit eine Hommage an sein Heimatdorf vorstellen könne und ein weiterer mache sich schon Gedanken, welche Geschichten er im Tösstal hören könnte.

Songmapp ist ab sofort im AppStore und auf Google Play kostenlos erhältlich. Zum erstmaligen Zugriff auf die Songs und Texte ist der Besuch an den jeweiligen Orten erforderlich; danach sind sie jederzeit in der App verfügbar. www.songmapp.ch

Kulturtipp: „Berg & Buch“ im Hotel Schweizerhof Lenzerheide

Es lohnt sich, über Ostern ein Zimmer im Hotel Schweizerhof in Lenzerheide zu buchen. 

Der richtige Moment für ein gutes Buch

Von Karfreitag bis Ostersonntag wird abends in unserer Lobby geplaudert, gespielt und gelesen.

«Bücher sind dicke Briefe an Freunde» sagte mal ein Philosoph. In Zusammenarbeit mit zwei Buchhandlungen dürfen wir während den Feiertagen eine auserlesene Bücherwelt präsentieren.

Spannende Geschichten, Reiseberichte, Natur, Kunst, Kinderwelten, Poesie, Fragen an das Leben und fröhlicher Humor; das ist der Stoff aus denen die Bücher sind und wir wünschen viel Vergnügen beim Stöbern, Wundern und Kaufen. Das Sortiment der hauseigenen Buchhandlung in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Schuler in Chur wird durch die Buchhändlerin Alexandra Vogel von der Buchhandlung zum Geeren in Dielsdorf mit gedruckten Leckerbissen erweitert.

Und der bekannte Kinderbuchautor Lorenz Pauli wird die Kinder mit seinen Geschichten verzaubern.

Hörrundgang im Hotel

Seit 30 Jahren betreiben Claudia und Andreas Züllig den Schweizerhof Lenzerheide. Das sind 30 Jahre Erlebnisse und Emotionen, die ein ganzes Buch füllen würden. Zu diesem schönen Jubiläum schenken wir nun unseren Hotelgästen einen einzigartigen Hör-Rundgang durch Raum und Zeit. Lassen Sie sich vom bekannten Schauspieler Gian Rupf durchs Hotel führen – lauschen Sie «hinter den Kulissen», und erleben Sie unser Haus aus neuer Perspektive. (Text von Urs Heinz Aerni, Technik und Sound von Michael Wernli)

Kunst im Hotel

Erleben Sie Kunst mit allen Sinnen – unter anderem mit Max Dudler und Mayo Bucher und dem schönsten Hamam im Alpenraum.

Überall in unserem Hotel begegnen Sie Kunst: in der Gabar, im Wintergarten, im Restaurant/Bar, vor und im Hamam, in der Lobby und in den Gängen zu den Alpenchic Zimmern. Aktuell arbeiten wir an einem kleinen Kunstführer, der auf den Frühling 2022 erscheinen wird. Bis dahin empfehlen wir Ihnen, sich einfach durchs Hotel treiben zu lassen, die Kunst zu bestaunen und auf sich wirken zu lassen.

«Seit der Mensch baut, widerspiegeln sich in der Architektur seine körperlichen und geistigen Bedürfnisse. Die gebaute Umwelt be­ein­flusst­ die­ Qua­li­tät­ un­se­res ­Le­bens.­ So­ ge­se­hen­ ist­ Ar­chi­tek­tur­ nichts anderes als Lebensqualität. Auf dieser Erkenntnis basiert unser Denken und Handeln.»

Max Dudler, Architekt Hamam Hotel Schweizerhof

Na dann, vielleicht sieht man sich…

Und hier geht es zum schönen Buch über das Hamam…

Aerni’s Depesche

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ist das Ihnen auch schon passiert? Wir hatten mal Gäste zum Fondue, die wir noch nicht so gut kannten. Irgendwann erodierte der Gesprächsstoff und es wurde so beklemmend ruhig. Um die Stimmung zu retten zücke ich jeweils dieses Büchlein:

„Von der Pampelmuse geküsst“ – Gedichte, Prosa, Szenen von Heinz Erhardt

Es sind herrlich witzige und schräge kurze Texte. Diese lese ich den Gästen am Tisch vor und in der Tat, der Abend ist gerettet.

Damit eine unangenehme Stimmungsschwankung in gesellschaftlicher Runde verhindert werden kann, hilft dieses Büchlein perfekt.

Ich schicke Ihnen das Ding für 6 Franken oder Euro portofrei nach Hause, wenn Sie eines möchten.

Nun folgen Empfehlungen für solche, die raus unter die Leut‘ möchten, einige Tips bis Ende April.

Herzliche Grüße: Ihr Urs Heinz Aerni

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Buchs SG

„birds & words“ zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart: https://www.facebook.com/bibliothekbuchssg/posts/1359779411166032

Niederweningen ZH

Plaudern rund um schöne Bücher mit Martin Ostermeier, Gemeindepräsidentin Andreas Weber, Martin Kunz, Katrin Sutterr, Nicola Steiner, Hanspeter Müller-Drossaart, Nathalie Schmid und Annette König:

file:///Users/ursaerni/Downloads/BibliothekNiederweningen_Biblioweekend_Zeitungsprofil-1.pdf

Olten SO:

„Der Witz – die unterschätzte literarische Gattung“ zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart: https://www.werliestwo.ch/17079/der-witz-die-unterschaetzte-literarische-gattung

Laufenburg AG

Lesen am Thresen mit Annette König, Anja Berger und Martin Willi:

Herrliberg ZH

Vogelspaziergang am Waldrand:

https://www.nvveh.ch/node/107

Oberengstringen ZH

„birds & words“ zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart:

https://www.bibliotheken-zh.ch/Oberengstringen/getimage.ashx?id=3328

Zürich

Weltpremiere Songmapp – eine neue Hörkultur:

Erste Infos und Details zum Anlass können angefordert werden:

https://songmapp.ch/index.html

Zürich

Ausgeschrieben? Was macht das Älterwerden mit dem Schreiben?

Talk mit Margrit Sprecher und Ludwig Hasler:

https://www.literarischerclubzuerich.com/

Lenzerheide GR

Kulturprogramm über Ostern mit Büchermeer und Geschichten für Kinder

Olten SO

„birds & words“ zusammen mit Hanspeter Müller-Drossaart:

https://www.werliestwo.ch/17082/literarisch-gestimmter-vogelspaziergang

St. Gallen

Witzberatung Buchhandlung Orell Füssli Thalia an der Messe OLMA:

https://www.olma-messen.ch/de/willkommen#

Zürich

Buchpremiere mit Karin Wenger „Bis zum nächsten Monsun“:

file:///Users/ursaerni/Downloads/Einladung%20Buchpremiere%20Buchhandlung%20spheres-1.pdf

Schwarzer Schatten

Das Fenster steht offen, ich sitze eine Kolumne in der Bündner Woche am Laptop. An amüsantem Stoff aus dem Alltag mangelt es nicht. Aber mir fehlt es angesichts der Weltlage die Worte. Die Worte für Sie zur erbaulichen Lektüre.

Die ersten Vögel aus dem Süden sind bereits wieder zu hören und zu sehen. Die Unterhaltung mit einer liebenswürdigen Dame im Zug, die erschöpft aber glücklich aus dem Engadin nach Bern fährt, oder von der gelungenen Kinopremiere von Daniel Felix übers Wandern böten Anekdoten.

Aber einfach so schreiben, als würde es in der Ukraine nicht brennen? Der von mir hochgeschätzte Schriftsteller Michail Schischkin ist ein Jahr älter als ich, in Moskau geboren und lebt mit seiner Familie schon viele Jahre in der Schweiz. Viele internationale Preise wurden ihm verliehen, seine Romane wurden zur Schullektüre.

Wir unterhielten uns immer wieder über Russland, öffentlich auf Bühnen oder beim Glas danach. Nach einer Veranstaltung im schönen Hall in Tirol sagte er mir, dass nach der Lüftung des Eisernen Vorhangs Russland sich wieder zu einem Zarenreich zurückentwickle. Seine Kritik führte dazu, dass seine Bücher wieder aus Russlands Schulen entfernt wurden.

In diesen Tagen engagiert sich Schischkin sehr beeindruckend gegen den Krieg; er schreibt, demonstriert, hält Reden und stellt sich Debatten in den Medien. In der Sendung «Arena» auf SRF sagte er deutlich, wie er sich schäme für dieses Russland und dass Putin ein Verbrecher ist.

Nun, ich sitze hier am offenen Fenster, lausche der Amsel und darf die Deadline dieser Kolumne nicht verpassen. Ist halt so bei einem freischaffenden Journalisten. Aber wenn ich diese Kolumne rechtzeitig abgeben kann, spende ich das Honorar den Menschen in der Ukraine, die von meinen Sorgen nur träumen können.

An einer Podiumsveranstaltung, meinte kürzlich der Ständerat Ruedi Noser, dass diese Fakten nicht wegdemonstriert werden können, zum Beispiel mit Kuhglocken.

Dieser Kriegsschock wirft einen solch schwarzen Schatten auf die Alltagskleinigkeiten, dass es unmöglich ist, hier und jetzt über was Nettes schreiben zu können. Wie es dann sein wird bei der nächsten Kolumne, wird sich zeigen. Bis dahin beschäftigt mich ganz sicher dieser Wunsch:

Es müssen politische und gesellschaftliche Systeme verhindert werden, die einem Geisteskranken ermöglichen, zu einem Massenmörder zu werden.

Urs Heinz Aerni

Erodiert die Grundversorgung der Schweiz?

Quelle: https://ja-zur-medienvielfalt.ch

Wieder bricht ein Stück des Service public (öffentliche Grundversorgung) in der Schweiz weg, nach dem Volks-Nein zu mehr Förderung der Medienvielfalt.

Medien im Besitze von Millionären nationalistischer Gesinnung, der katastrophal kommunizierte Um- und Abbau bei SRF, das Geldscheffeln der Medien-Großkonzerne sowie falsch suggerierte Angst vor sogenannten Staatsmedien, die in der Schweiz gar nicht möglich wären, führten wohl dazu, dass die Mehrheit der abstimmenden Schweizerinnen und Schweizer – die übrigens eine Minderheit zur gesamten Bevölkerung ausmachen –  ein Nein in die Urne legten.

So wie die unabhängige Rechtsprechung, für die Wahrung der bürgerlichen Rechte zuständig ist, hätten die unabhängigen Medien in den Regionen den Auftrag, kritisch über unsere Gesellschaft zu berichten und ein Forum für Bildung und Debatte zu sein.

Dagegen waren einschlägige parteinahe Medien mit finanzieller Absicherung, die immer mehr sich zu Meinungsschleudern mutieren, statt sich dem Qualitätsjournalismus zu verschreiben.

Es scheint, dass eine Amerikanisierung der Schweiz nicht mehr aufzuhalten ist und es ist wohl eine Frage der Zeit, wann nach der Ökonomisierung des Gesundheitssystems die Polizei und die Feuerwehr privatisiert werden. So im Sinne, je nach Bonität darf dann zwischen Sofortlöschung des Brandes oder Aufräumarbeiten mit Sonderrabatt ausgewählt werden.

Urs Heinz Aerni

Die Banken und wir, die Normalverdienenden

Als Kultur- und Medienschaffender im deutschsprachigen Raum tat ich gut daran, ein Euro-Konto bei der Commerzbank in Deutschland zu haben, damit meine Geschäftsfreunde ohne Gebühren-Hürden meine Rechnungen bezahlen konnten. Das ging jahrelang sehr gut, auf dem Konto lagen durchschnittlich 10‘000 Euro. Eines Tages überwies mir ein Kunde aus Spanien einen Betrag von 400 Schweizer Franken aus Versehen auf das Euro-Konto. Schlussendlich landeten nur noch etwas über 300 Euro bei mir, nach Abzug von einer Liste von Bankspesen. Ich erlaubte mir eine Frage zu einem bestimmten Spesenbetrag.

Die Antwort der Commerzbank? Kündigung des Kontos auf Ende Jahr ohne Recht auf Rückfrage oder Gegenwehr. Laut Berichten in den Medien sei dies eine Methode, kleine Kunden loszuwerden.

Ich fragte bei der Deutschen Postbank um die Möglichkeit einer Kontoeröffnung an. Eine freundliche Dame rief zurück und bat mich, die Formulare auszufüllen, die per Post eintreffen würden. Das habe ich getan und alles wieder per Post abgeschickt. Dann bat mich die Postbank, Kopien von Rechnungen wie Heizung und Strom zu schicken, damit sie wüssten, ob ich eine realexistierende Person mit Adresse bin. Habe ich gemacht.

Dann äußerten sie den Wunsch, dass ich bei einer Postbank-Filiale persönlich vorstellig werden könnte mit dem Vorzeigen der Identitäts-Karte. Das tat ich in der Filiale in Konstanz, wo die Schalterfrau eine Kopie machte und nochmals Formulare ausfüllte.

Nach einer Pause von ein paar Wochen erhielt ich einen Brief von der Postbank mit der Auflage, dass sie nur ein Konto einrichten könnten, wenn ich ein Handy-Abonnement bei einem Deutschen Telefonanbieter abschließe. Ansonsten könnten sie kein Konto für mich eröffnen.

Ein Banker in der Schweiz steht aktuell u. a. wegen „Spesen“ von über einer halben Million Franken vor Gericht, riskante Bankgeschäfte lösten Finanzkrisen aus und schädigten Steuergelder von Staaten und ich überlege mir, ob ich der Postbank für meine Aufwendungen eine Rechnung schicken soll.

Urs Heinz Aerni

Die Schweiz stimmt über die Grundlage einer reichen Medienvielfalt ab.

pd

Die Bevölkerung der Schweiz darf am 13. Februar 2022 entscheiden, ob sie mit Ihrem Steuergeld die Förderung der freien und unabhängigen Medien sowie der Medien in den Regionen unterstützen sollen.
Die Medienkonzerne und die großen Medienhäuser mit einer neoliberalen bis hin zur rechtskonservativen Gesinnung möchten das verhindern. Unter anderem mit dem Argument, dass der Staat Einfluss in die Berichterstattung nehmen will.

Diese Befürchtung macht die Verfassung eines Rechtsstaates wie die Schweiz hinfällig. Seit 1848 schreibt sich die Schweiz die Presseförderung im Sinne einer demokratischen Diskussionskultur auf ihre Fahnen.
Die Medienkonzerne fusionieren sich jedoch mit Onlineanbietern, die mit dem Journalismus nichts am Hut haben. Ein Trend, der immer mehr zunimmt.
Grund: Maximalrendite.

Der Trend geht Richtung schnelles vieles Geld durch das digitale Geschäft, nicht in Richtung kritischen Journalismus. Zudem schlucken die Großen immer mehr die regionalen, fachspezifischen und unabhängigen Medien, da diese sich am Werbe- und Lesermarkt nicht mehr halten können.

Eine Studie zeigt, dass sogenannte Regionalmedien in den Händen von Konzernen viel zu wenig aus ihrem Einzugsbereich berichten, sondern in einen Einheitsbrei geraten, der überall zu lesen, zu sehen und zu hören ist.
Kurz: Es findet eine Amerikanisierung der hiesigen Medienlandschaft statt. Reiche füttern die Medien mit ihrer Weltsicht und untergraben die Meinungsvielfalt, die zu einer volksnahen Demokratie gehört.

Die Medienförderung durch den Bund soll diesem Trend paroli bieten. Und auch wenn über so manches Detail noch nicht alle Fragen beantwortet sind, sei eine Zustimmung zu diesem Medienförderungsgesetz empfohlen.

Und nebenbei: Die Presse gilt als die vierte Macht, nach der Exekutive, Legislative und der Judikative. Und, die Justiz wird auch durch öffentliche Gelder finanziert und gilt in einem Rechtsstaat als unabhänige Instanz für die Rechte der im Lande lebenden Menschen.

Hoffen wir, dass die Menschen in der Schweiz das Kreuz am richtigen Ort machen.

Links:

Ja-Komitee

Information der Schweizer Regierung

Urs Heinz Aerni