Reisen

Es gab Zeiten, da reiste ich viel. Ich korrigiere, ich reise auch jetzt gerne, aber anders. Warum reisen wir überhaupt? Um die Welt kennen und verstehen zu lernen? Um den Alltag mit Exotik zu übertünchen? Oder die Arbeitskollegin neidisch zu machen und beim Grill die Gastgeber zu beeindrucken? Aber eigentlich funktioniert das heute nicht mehr, alle können es sich leisten, durch die Welt zu jetten, und tun es auch. Umwelt hin oder her. 

Ja, sie gehören an einen prominenten Platz im Lebensalbum, die Tage in Namibia, Ägypten, Malediven, Malta, Madeira, USA etc. Ich weiss nicht, wie Sie es mit dem Reisen während und nach der Pandemie hatten. Als stolzer Generalabonnement-Besitzer (oder SwissPass) entdeckte ich die Vielfalt an Natur und Kultur der Schweiz aufs Neue. Beim Studieren des GA-Netzes stieß ich auf die famose Möglichkeit, ins Ausland zu reisen ohne Aufpreis. Also besuchten wir alle Nachbarländer mit dem GA, genossen andere Mentalitäten und neue Naturschönheiten. Es sind bezaubernde Orte mit klangvollen Namen: Thonon-les-Bains mit französischem Charme am Wasser. Porlezza mit Italianità in Architektur und Kulinarik. Feldkirch mit österreichischem Schmäh in schmucker Altstadt. Mals mit südtirolischem Weitblick ins Tal. Weil am Rhein zwischen Weinbergen und Curry-Wurst nach Berliner Vorbild. Die Liste wäre noch zu verlängern mit Tirano, Luino, Evian-les-Bains, Divonne-les-Bains, Delle, Schopfheim, Waldshut, Konstanz, Friedrichshafen, Lindau, Hohenems, Malbun, Landeck-Zams, Nauders, Livigno, Bormio, Chiavenna, Menaggio, Luino, Domodossola … Sind das nicht Namen von Sehnsuchtsorten? Alle GA-tauglich.

Falls Sie jedoch das GA oder den SwissPass nicht haben sollten, so bleiben Sie im Land und gehen in die Buchhandlung Ihres Vertrauens und kaufen dieses Buch: «Eine Weltreise durch die Schweiz» von Artur Kilian Vogel (Wörterseh Verlag), das mit grandiosen Bildern zeigt, dass auch hier die Welt stattfindet. Gute Reise. 

Urs Heinz Aerni

Alle Jahre wieder, zum Leidwesen der Vögel

Im ganzen Land wird zur Nationalfeier am 1. August Feuerwerke gezündet, auch immer mehr in privaten Gärten. Welche Auswirkungen hat das auf die Vögel? Fragen an die Leiterin der Vogelpflegestation Voliere Zürich, Elisabeth Schlumpf.

Urs Heinz Aerni: Frau Schlumpf jedes Jahr wird über die Auswirkungen der Feuerwerke auf die Natur und die Tiere diskutiert. Wie verhalten sich eigentlich die Vögel wenn es draußen knallt?

Elisabeth Schlumpf:  Sie erschrecken und fliegen in Panik davon. Bei den Wasservögeln kommt noch die Verschmutzung der Gewässer durch herumliegende Raketenreste und Russ dazu.

Aerni: Könnte es sein, dass die Vögel das Feuerwerk als ein Gewitter empfinden?

Schlumpf: Ein Wetterwechsel spüren die Vögel vorher schon, durch Wind, Bewölkungszunahmen oder näherkommendes Donnergrollen. Die Knallerei der Feuerwerke komme ohne Ankündigung und plötzlich. Zudem meistens in der Nacht und somit sind vor allem die ruhenden Tiere besonders betroffen.

Aerni: Werden mehr verletzte Vögel nach einer solchen Nacht, wie auch nach einer Silvesternacht zu Ihnen in die Pflegestation gebracht?

Schlumpf: Wir erhalten jeweils mehr Meldungen über tote Vögel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Panik in Mauern und Scheiben geflogen sind.

Aerni: Gibt es Lärm, an den sich Vögel gewöhnen können?

Schlumpf: Die Lautstärke muss nicht immer ein Problem sein, denken wir an natürliche Lärmquellen, wie z.B. Wasserfälle, Bäche etc. und auch an regelmäßigen Lärm wie Straßen oder Eisenbahn können sich die Vögel recht gut gewöhnen, denken wir zum Beispiel an den Damm zwischen Rapperswil und Pfäffikon an Oberen Zürichsee, wo die Ko-Existenz zwischen Verkehr und Vogelschutzgebiet erstaunlich gut funktioniert. Das Problem ist das plötzliche Knallen und das dazugehörende Lichtgewitter, das die Tiere sehr verängstigt.

Aerni: Was würden Sie sich wünschen und was raten Sie Menschen, die Tiere besitzen wenn es dann wieder die Raketen gezündet werden?

Schlumpf: Am besten darauf verzichten. Auch wenn ein Feuerwerk Tradition und für uns Menschen sicher sehr schön ist, sollte man Traditionen nach dem heutigen Stand des Wissens überdenken. Alle Wildtiere, wie auch Haustiere würden es danken, in dem sie uns erhalten bleiben.

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Elisabeth Schlumpf ist Geschäftsführerin der Voliere am Mythenquai und die Vogelpflegestation, wo verletzte einheimische Vögel gepflegt und wieder ausgewildert werden. Die Voliere nimmt auch Vögel zur Ferienpension auf und unterhält exotische Vögel aus Zuchthaltungen, zum Teil Arten, die vor dem Aussterben bedroht sind. Die Voliere-Gesellschaft Zürich wird durch Spenden und Gönnerbeiträge finanziert. www.voliere.ch