Poetische Veredelung

Eine Songmapp lässt Menschen Poetisches lauschen, wo sonst nur der Alltag brummt. In Zürich stellte Markus Schönholzer ein neues Hör-Format vor.

Bild von Nina Müller

«Diese App lässt Orte und Plätze poetisch veredeln.» sagte ein Teilnehmer der Präsentation der Songmapp-App, die zu ausgesuchten Örtlichkeiten was zu erzählen weiss. Unter der Anleitung des Projektteams spazierten, sassen und standen die eingeladenen Gäste an der Bahnhofstrasse, im Hauptbahnhof, auf der Negrelli-Brücke und im Friedhof Sihlfeld um mit Kopfhörer und Smartphone Lieder und Texte zu hören, die genau zu diesem Ort was preisgeben.

Der Musiker und Songwriter Markus Schönholzer zeigte sich in der Pandemie-Krise genauso kreativ, wie man ihn von der Bühne kennt. Es war ein Spaziergang mit seiner Frau durch einen Friedhof, an dem er sich fragte, was die Toten flüstern würden, wenn man sie hören könnte. Das war die Initialzündung für die Idee der Vertonung von Orten. Schönholzer gewann für diese App Adrian Elsener für das Design, Stefan Pauwels für die technische Umsetzung und Marc Wilmes für die Produktionsleitung und das Fundraising.

«Man könnte es mit einem Taschentheater vergleichen» erklärt Schönholzer, «mit immer wieder neuen Premieren.» Die ersten Editionen stammen von ihm selber, vom Kabarettisten und Autor Ralf Schlatter und bereits befinden sich weitere in Planung, deren Künstlerinnen und Künstler demnächst bekannt gegeben werden.

Die Songmapp schaffe ein Erleben, das die Verbindung von Raum und Werk in Szene setzt, erklärt Ramona Rothmund vom Team; «geschaffen für jeweils einen bestimmten Ort, werden die Texte, Lieder und Musik nicht als Hintergrundrauschen, sondern ganz bewusst aufgenommen. Auf den Themenrouten entstehen so besondere Stimmungen und eine neue Achtsamkeit für die Umgebung und das Werk.»

Ausweitung der Hörzone

Im Theater Kulturmarkt Zürich gab Bänz Friedli bekannt, dass das von ihm kuratierte Mundart-Festival in Arosa, ebenfalls eine Songmapp-Edition produzieren werde.

Viele Kulturschaffende aus der Welt der Musik und Kleinkunstbühne zeigten sich an der Präsentation interessiert um eigene Editionen in Erwägung zu ziehen. Markus Schönholzer sagt den Medien gegenüber frei heraus:  «Ich freue mich riesig, dass die App nun endlich öffentlich ist und wir dabei sind, die erste Hörlandschaft in der Schweiz zu bauen.» Wie alle sei auch er gespannt, welche unterschiedlichen Werke seine Plattform in Zukunft beherbergen dürfe. Jeder neue Künstler, jede neue Künstlerin verleihe der App eine andere Facette, was Potential für eine sehr diverse Klanglandschaft biete – auf nur einer App.

Erste Stimmen

Spricht man mit den Gästen nach der Welturaufführung, um es in der Sprache des Kinofilmes zu formulieren, sind Stimmen zwischen Verzückung und Überraschung zu vernehmen. Eine Besucherin aus Luzern wünscht sich so etwas auch für ihre Region, ein Besucher aus Fislisbach meinte, dass er sich damit eine Hommage an sein Heimatdorf vorstellen könne und ein weiterer mache sich schon Gedanken, welche Geschichten er im Tösstal hören könnte.

Songmapp ist ab sofort im AppStore und auf Google Play kostenlos erhältlich. Zum erstmaligen Zugriff auf die Songs und Texte ist der Besuch an den jeweiligen Orten erforderlich; danach sind sie jederzeit in der App verfügbar. www.songmapp.ch

Veröffentlicht von

Urs Heinz Aerni

Urs Heinz Aerni wirkt als freischaffender Journalist BR ZPV, Kommunikationsberater, Kulturvermittler und Vogelbeobachter. Weitere Informationen: www.ursheinzaerni.com

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