Die Banken und wir, die Normalverdienenden

Als Kultur- und Medienschaffender im deutschsprachigen Raum tat ich gut daran, ein Euro-Konto bei der Commerzbank in Deutschland zu haben, damit meine Geschäftsfreunde ohne Gebühren-Hürden meine Rechnungen bezahlen konnten. Das ging jahrelang sehr gut, auf dem Konto lagen durchschnittlich 10‘000 Euro. Eines Tages überwies mir ein Kunde aus Spanien einen Betrag von 400 Schweizer Franken aus Versehen auf das Euro-Konto. Schlussendlich landeten nur noch etwas über 300 Euro bei mir, nach Abzug von einer Liste von Bankspesen. Ich erlaubte mir eine Frage zu einem bestimmten Spesenbetrag.

Die Antwort der Commerzbank? Kündigung des Kontos auf Ende Jahr ohne Recht auf Rückfrage oder Gegenwehr. Laut Berichten in den Medien sei dies eine Methode, kleine Kunden loszuwerden.

Ich fragte bei der Deutschen Postbank um die Möglichkeit einer Kontoeröffnung an. Eine freundliche Dame rief zurück und bat mich, die Formulare auszufüllen, die per Post eintreffen würden. Das habe ich getan und alles wieder per Post abgeschickt. Dann bat mich die Postbank, Kopien von Rechnungen wie Heizung und Strom zu schicken, damit sie wüssten, ob ich eine realexistierende Person mit Adresse bin. Habe ich gemacht.

Dann äußerten sie den Wunsch, dass ich bei einer Postbank-Filiale persönlich vorstellig werden könnte mit dem Vorzeigen der Identitäts-Karte. Das tat ich in der Filiale in Konstanz, wo die Schalterfrau eine Kopie machte und nochmals Formulare ausfüllte.

Nach einer Pause von ein paar Wochen erhielt ich einen Brief von der Postbank mit der Auflage, dass sie nur ein Konto einrichten könnten, wenn ich ein Handy-Abonnement bei einem Deutschen Telefonanbieter abschließe. Ansonsten könnten sie kein Konto für mich eröffnen.

Ein Banker in der Schweiz steht aktuell u. a. wegen „Spesen“ von über einer halben Million Franken vor Gericht, riskante Bankgeschäfte lösten Finanzkrisen aus und schädigten Steuergelder von Staaten und ich überlege mir, ob ich der Postbank für meine Aufwendungen eine Rechnung schicken soll.

Urs Heinz Aerni

Die Schweiz stimmt über die Grundlage einer reichen Medienvielfalt ab.

pd

Die Bevölkerung der Schweiz darf am 13. Februar 2022 entscheiden, ob sie mit Ihrem Steuergeld die Förderung der freien und unabhängigen Medien sowie der Medien in den Regionen unterstützen sollen.
Die Medienkonzerne und die großen Medienhäuser mit einer neoliberalen bis hin zur rechtskonservativen Gesinnung möchten das verhindern. Unter anderem mit dem Argument, dass der Staat Einfluss in die Berichterstattung nehmen will.

Diese Befürchtung macht die Verfassung eines Rechtsstaates wie die Schweiz hinfällig. Seit 1848 schreibt sich die Schweiz die Presseförderung im Sinne einer demokratischen Diskussionskultur auf ihre Fahnen.
Die Medienkonzerne fusionieren sich jedoch mit Onlineanbietern, die mit dem Journalismus nichts am Hut haben. Ein Trend, der immer mehr zunimmt.
Grund: Maximalrendite.

Der Trend geht Richtung schnelles vieles Geld durch das digitale Geschäft, nicht in Richtung kritischen Journalismus. Zudem schlucken die Großen immer mehr die regionalen, fachspezifischen und unabhängigen Medien, da diese sich am Werbe- und Lesermarkt nicht mehr halten können.

Eine Studie zeigt, dass sogenannte Regionalmedien in den Händen von Konzernen viel zu wenig aus ihrem Einzugsbereich berichten, sondern in einen Einheitsbrei geraten, der überall zu lesen, zu sehen und zu hören ist.
Kurz: Es findet eine Amerikanisierung der hiesigen Medienlandschaft statt. Reiche füttern die Medien mit ihrer Weltsicht und untergraben die Meinungsvielfalt, die zu einer volksnahen Demokratie gehört.

Die Medienförderung durch den Bund soll diesem Trend paroli bieten. Und auch wenn über so manches Detail noch nicht alle Fragen beantwortet sind, sei eine Zustimmung zu diesem Medienförderungsgesetz empfohlen.

Und nebenbei: Die Presse gilt als die vierte Macht, nach der Exekutive, Legislative und der Judikative. Und, die Justiz wird auch durch öffentliche Gelder finanziert und gilt in einem Rechtsstaat als unabhänige Instanz für die Rechte der im Lande lebenden Menschen.

Hoffen wir, dass die Menschen in der Schweiz das Kreuz am richtigen Ort machen.

Links:

Ja-Komitee

Information der Schweizer Regierung

Urs Heinz Aerni