Kontaktchaos

Der Rekord war fünfmal das Treppenhaus runter und rauf für fünf Pakete. Dabei lernte ich keuchend die Mitarbeiter der Firmen Schweizerische Post, DHL, Planzer, UPS, DPD und Quickpac kennen. Fünfmal hat es geklingelt und fünfmal durfte ich für jedes einzelne Paket meine Unterschrift für die Empfangsbestätigung auf fünf verschiedene elektronische Geräte kritzeln.

Wenn Sie so ungefähr in meinem zarten Alter sein sollten, dann haben wir das Vorrecht, uns an die Zeit zurückzuerinnern, als die Post zwar zweimal klingelte aber nur einmal alle für uns vorgesehenen Pakete überreichte und wir wieder an die Arbeit konnten. Seit der Liberalisierung der Paketpost partizipieren viele Unternehmen mit eigenen Logistikzentren und läuten uns x mal im Tag zur Haustüre runter. Ein Fortschritt im Sinne der Kundenfreundlichkeit in Preis und Service? Werden wir in ein paar Jahren zehnmal zur Tür rennen müssen oder vielleicht wieder auch nur einmal am Tag nach wettbewerbsbedingter Reinigung?

Neulich ließ mich Hugo wissen, dass er via Instagramm und Signal erreichbar sei aber nicht über Threema und WhatsApp. Annelies schickte mir ein WhatsApp in dem sie mitteilte, dass sie nun neu nur auf Telegram kontaktierbar sei, Yvonne fragte mich, ob sie mich über Messenger-Facebook erreichen könne und Sebastian meint, dass er am liebsten über Skype mit mir reden würde … oder meinte er FaceTime?

Ist ja schön, wie wir unter Freunden und Geschäftsleuten den Kontakt suchen und pflegen und erst noch kostenlos und allen so ziemlich egal zu sein scheint, dass all diese Gratisanbieter uns für die Werbung durchleuchten, Daten entlocken und als bald Gesichtserkennungsprogramme über unsere Antlitze schicken werden.

Es gab irgendwann mal Zeiten, in denen uns der Kontakt mit einem Menschen noch etwas Geld wert war. Sei es als Briefmarke, Telefonat, E-Mail-Account oder SMS. Diese Geiz-Kultur treibt mich nun zum zeitraubenden Verwaltungs- und Abspeicherungsaufwand um die richtige Person in ihrer gewünschten Kommunikationsform zu registrieren und wieder zu finden.

Liebe Leserin, lieber Leser, gerne bin ich für Sie da und beantworte Ihre Fragen. Und nun wünsche ich Ihnen abenteuerliche Freude beim Herausfinden, auf welchem Kanal das möglich sein könnte.

Urs Heinz Aerni

Veröffentlicht von

Urs Heinz Aerni

Urs Heinz Aerni wirkt als freischaffender Journalist BR ZPV, Kommunikationsberater, Kulturvermittler und Vogelbeobachter. Weitere Informationen: www.ursheinzaerni.com

2 Gedanken zu „Kontaktchaos“

  1. Sehr schön, Urs!!!!

    Hab gut gelacht: ich muss auch immer lachen, wenn man ein Mail von jemandem bekommt, dies GLEICH beantwortet, und dann SOFORT eine Abwesenheitsmeldung bekommt. Bekannt?

    herzlich Magdalena

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