2,5 Rappen Schlosskultur pro Tag und pro Einwohner

In der Schweizer Gemeinde Bad Zurzach im Kanton Aargau, stimmt die Bevölkerung ab, ob der Unterhalt des privaten aber öffentlich zugänglichen Schlossparks durch die Mitfianzierung der Gemeinde unterstützt werden soll.
Roy Oppenheim ist Kulturschaffender und Kulturvermittler und nimmt dazu Stellung, mit Überlegungen, die Grundsätzliches ansprechen, nämlich dass ein Leben ohne Kultur kein Leben ist und dass die öffentliche Gesellschaft auch hierfür eine maßgebende Verantwortung trägt.
Dieser Gastbeitrag ist zuerst in der Zeitung «Die Botschaft» erschienen.

2,5 Rappen Schlosskultur pro Tag und pro Einwohner. Soviel kostet der umstrittene Beitrag an die Unterhaltskosten im Schlosspark. Die Debatte gibt vor, es gehe um finanzielle Fragen. Im Grunde geht es um die Frage, ob wir Bürger bereit sind, in Partnerschaft mit engagierten Privaten kulturelle Initiativen zu unterstützen.  Aber es geht wohl kaum ums Geld allein; man möchte ein Exempel statuieren und stellt die Frage, die öffentliche Hand eine private Unternehmung finanziell unterstützen soll. Und dabei spielt immer auch ein Stück Neid mit; unsere Eidgenossenschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer «Neidgenossenschaft» entwickelt (so die Luzerner Ständerätin Josi Meier, anlässlich ihrer letzten 1.August-Rede 2004).

Das Schlosspark-Referendum erinnert mich an ein legendäres Kulturreferendum in Basel. Es ging um die Kunstsammlung Peter A. Staechelin. Sein Vater hatte diese Familiensammlung in eine Stiftung überführt. Mit der Auflage, die Bilder dürften nicht verkauft werden, es sei denn, ein Familienmitglied gerate in finanzielle Not. Und in dieser Not befand sich nun aus verschiedenen Gründen der Sohn. Franz Meyer, der damalige Direktor des Kunstmuseums Basel, brachte Politiker, Kunstfreunde und Peter A. Staechelin soweit, dass die Stadt für 8,4 Millionen Franken die beiden Gemälde kaufen konnte. 2,4 Millionen musste von privater Seite erbracht werden, die restlichen 6 Millionen wollte die Stadt zahlen. Doch gegen den Staatsbeitrag wurde das Referendum ergriffen. Was nun folgte, war beispiellos. Die Basler Jugend ging auf die Strasse und kämpfte für den Bilderankauf. Die ganze Stadt war auf den Beinen, sogar der FCB warb mit einer Plakataktion dafür.

Ein legendäres Bettelfest wurde organisiert. Am 17. Dezember 1967 entschied die Basler Stimmbevölkerung an der Urne, dass die zwei Gemälde von Pablo Picasso mit Steuergeldern gekauft werden. «All You Need Is Pablo»: Mit diesem Slogan kämpften junge Basler 1967 für den Ankauf von zwei Picasso-Bildern. Sie bewegten die Basler Stimmbürger dazu, mehr als sechs Millionen Franken auszugeben. Dieser legendäre Volksentscheid führte zu einer wundersamen Picassobilder-Vermehrung. – Pablo Picasso war derart von der Reaktion der Basler Bevölkerung, von der «Jeunesse de Bâle», gerührt, dass er Basel einige millionenschwere Bilder schenkte. Andere Private zogen nach – etwa Maja Sacher u.a. Basel besitzt dank diesen Schenkungen heute eine der weltweit bedeutendsten Picasso-Sammlung. Unbezahlbar…

Bad Zurzach, wo zur Zeit ein Referendum gegen die Beteiligung der Gemeinde an den Unterhaltskosten des Schlossparks in der Höhe von jährlichen 37’000 Franken ergriffen wurde, hat einst einmal eine Pionierrolle in der Kulturförderung gespielt. Zurzach, wie es früher hiess, führte als erste Gemeinde der Schweiz 1958 das «Kulturprozent» (1 Prozent der Steuereinnahmen) ein. Es war Dr. Walter Edelmann, damals Gemeindeammann, der die Idee zum Kulturprozent erfand. Walter Edelmann hatte 1957, ein Jahr zuvor, die «Gemeinnützige Stiftung für Zurzacher Kuranlagen» ins Leben gerufen. Eine Stiftung, die entscheidend zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung von Zurzach/Bad Zurzach beigetragen hat – bis heute.

Für diese beispiellose Entwicklung war und ist das geschickte Zusammenspiel von privatem Engagement und öffentlicher Hand unabdingbar. Dazu gehören ein kreatives Miteinander, ein soziales Denken, ein Geben und Nehmen. Die besondere helvetische Variante dieses Zusammenspiels ist der soziale Aspekt, dass auch die Bevölkerung am Wohlstand wohlhabender Bürger partizipieren kann. Zurzach hatte dank einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten und dank dem Kulturprozent bedeutende kulturelle Erfolge: Kunstkollektionen wurden aufgebaut, Skulpturen an wichtigen Orten des Fleckens errichtet; die Gemeinde trat sogar als Käuferin von Kunst auf.

Bad Zurzach verdankt all diesen partnerschaftlichen Aktivitäten seinen guten Ruf – bis heute. Sollte das aktuelle Referendum Ende Monat angenommen werden, wäre das ein schlechtes Fanal für die Zukunft. – Doch es geht hier nicht nur um eine finanzielle Frage; es geht um Kultur, um das nämlich, was uns Menschen zu Menschen macht. In Zeiten der Pandemie könnte man sogar sagen: Zivilisation ist ein Lebensmittel – Kultur ein Überlebensmittel.

Wer in unserer Zeit minimalste kulturelle Unterstützungen durch die öffentliche Hand ablehnt, hat nicht begriffen, um was es im menschlichen Leben geht: um unser seelische Überleben.

Roy Oppenheim



Roy Oppenheitm wurde 1940 in Baden geboren und lebt als Kulturpublizist nach beruflichen Stationen beim Schweizer Radio- und Fernsehen SRF, S Plus und Arttv.ch in Lengnau im Schweizer Kanton Aargau. Unter anderem verfasste er diverse Bücher und produzierte Filme. Weitere Infos sind hier per Mausklick zu finden.

Hier geht es zu weiteren Informationen über das Schloss Bad Zurzach.

P-Mail statt E-Mail

Sie liegen auf dem Tisch, werden selten sofort gelöscht. Die Briefe in Papierform, die aus dem Briefkasten von Hand herausgenommen und geöffnet werden. Nach dem ersten Blick auf die eigene Anschrift und auf die schöne Briefmarke wird der Umschlag gewendet um zu sehen, von wem das Schreiben ist. Eine Handlung der Entschleunigung und bewusster Wahrnehmung. Kein Tastendruck auf «als gelesen markieren» oder «löschen». Angesichts des digitalen Tempos könnte der Werbespruch für das Buch auf den Brief gelten: «Ein Wert, der bleibt.»

Der Absender erwartet nicht eine Reaktion in der nächsten Minute, es reicht Tage später. Erinnern Sie sich, als es Usus war, dass Rechnungen einmal im Monat beglichen wurden mit einem Monatsauszug der Bank? Heute treffen E-Mails ein mit der Info, dass die geschuldeten 15 Euro sofort überwiesen wurden mit der Bitte, das gleich zu überprüfen. Als würde diese Hetze die Wirtschaft ankurbeln dabei generiert sie schlicht mehr Aufwand.

Aus dem Geschäftsbericht der Post ist die Zunahme der Paketpost zu vernehmen und die Abnahme der Briefpost. Damals war man wer, wenn viel Briefpost auf dem Tisch landete, sie beeindruckte die Büro- und Wohnnachbarschaften. Wissen Sie noch, wie genüsslich jedes Couvert mit dem eleganten Brieföffner aufgeschlitzt wurde um daraus in aller Ruhe das Paper zu klauben um zu erfahren, was man von einem wolle? Ein Prozess zur Eröffnung des Arbeitstages, der immer seltener wird. Doch das kann wieder zurückgängig gemacht werden. Wie?

Mit Gutes tun. Zahlen Sie pro Bettelbrief von Stiftungen, Kinderheimen, Igelschützerinnen, Selbsthilfegruppen, Patiententransportvereinen, Parteien einen kleinen Betrag Ihrer Wahl. Also überall etwas, statt nur einmal viel. Sie werden sich wundern, wie viel Echo Sie damit auslösen. Ihr Briefkasten wird voll sein mit Spendenbestätigungen (steuerlich absetzbar) und gleich wieder mit Gesuchen mit Geschenken wie Kugelschreiber, Katzenkarten und Schneeflocken-Sticks.

Und Ihre Nachbarn, die Ihre gesellschaftliche Bedeutung immer unterschätzt haben, werden staunen.

Urs Heinz Aerni

Ganz ehrlich? Ja, es ist Werbung in eigener Sache.

Liebe Freunde und Bekannte,

Der Hamburger Fotograf Tom Krausz machte ganz spezielle Fotografien von Vögeln, so quasi von Auge zu Auge. Dann fragte der Verleger Robert Galitz die Elke Heidenreich und mich, ob wir zu den jeweiligen Viechern und Bilder was Schönes schreiben. Es darf informativ sein aber es soll unterhalten, eine Art Lesebuch mit Bildern.

Das haben wir dann getan und nun ist das Buch da. Im coronabedingten kleinen Kreise wurde es in der Galerie Lindenhof in Zürich gefeiert und da die Veranstaltung am 13. Dezember 2020 im Kaufleuten Zürich alles andere als sicher ist, sei es mir erlaubt, Euch wissen zu lassen, dass das Lese- oder auch Geschenkbuch nun im Handel erhältlich ist.

In Deutschland zum Beispiel hier: https://eissing.buchhandlung.de/shop/article/43445911/urs_heinz_aerni_elke_heidenreich_aves_voegel_charakterkoepfe_.html

In Österreich zum Beispiel hier: https://www.heyn.at/item/45051342?back=b84de40a1dde4a3776c254c8a949dbd7

In der Schweiz zum Beispiel hier: https://www.zumgeeren.ch/artikel.html?id=34389864

Oder bei mir direkt…

Ich danke Euch fürs Durchlesen. Als Kleinstunternehmer kommt man halt um Werbung für Selbstgemachtes nicht drum herum.

Bleibt weiterhin gesund und fröhlichen Gemüts.

Herzliche Grüße

Urs Heinz Aerni

Angaben zum Buch: „Aves/Vögel – Charakterköpfe“, Tom Krausz, Elke Heidenreich, Urs Heinz Aerni, Dölling und Galitz Verlag, 2020, ISBN 978-3-86218-133-9

www.ursheinzaerni.com