Mit Durst und Hunger auf dem Zürichsee

Eine Kritik über die Strategie bezüglich Gäste-Service der Zürichsee Schifffahrt

Am Montagabend, 20. September 2020 bestieg ich mit Begleitung das Schiff in Meilen mit Ziel Bürkliplatz. Wir beabsichtigen 1. Klasse zu buchen, etwas zu essen und zu trinken. Dann wurde uns mitgeteilt, dass kein Restaurant an Bord in Betrieb sei. Auch keine Getränke. Und nicht mal einen Getränkeautomaten stünde zur Verfügung.

Wir standen da, schauten uns an, hatten eine Stunde Schifffahrt vor uns auf dem Zürichsee in einem der reichsten Kantone der Schweiz ohne einen einzigen Tropfen zu trinken. Mitfühlend bot ein ZSG-Mitarbeiter an, Wasser bieten zu können, falls es schwierig werden sollte.

Es ist unfassbar, wie eine kleinspartenmäßig geplante wirtschaftliche Struktur dafür sorgt, Gäste, Passagiere und Kunden zu enttäuschen.

Es ist nicht nachvollziehbar, dass nach dem 5-Franken-Zuschlag-Coup nun eine weitere Sparaktion den Ruf des Kantons Zürich und seinem touristischen Angebot beschädigt wird. Eine Aktion, die weder auf dem Neuenburgersee, auf dem Rhein, auf dem Vierwaldstättersee oder Bodensee bekannt ist oder angewandt wird. Es ist peinlich, als Zürcher einer Begleitung einen solchen Zustand erklären zu müssen.

Einmal mehr scheint eine kurzfristige Rendite wichtiger zu ein als die mittel- und langfristige Image- und Finanzplanung. Auch in Zeiten von Corona.

Eine Schifffahrt ist ein ganzheitliches Erlebnis, mit allem Drum und Dran: die Fortbewegung, saubere Toiletten, freundliche Crew, einem gut ausgebildeten Kapitän, gepflegtes Ambiente, genug Rettungsringe und eben eine Verpflegung, da ja Menschen transportiert werden sollen, nicht Holzlatten oder Altpapier beispielsweise. Wären die WC-Reinigung, das gedruckte Werbematerial und der Strom für das Licht auch an wirtschaftliche Subunternehmen ausgelagert worden, müssten wir dann mit dem Schlimmsten rechnen?

Verpflegung der Passagiere – ohne die es ja keine Schifffahrt gäbe – gehört zu einem Rundum-Angebot der ZSG. Wenn das nicht mehr der Fall ist, können die Abteilungen Akquise, Marketing und Werbung auch gleich weggespart werden.

Zu guter Letzt wird der Zürichsee zum ersten See, auf dem Touristen und Heimaturlauber nur noch rudern dürfen.

Urs Heinz Aerni

 

PS: Falls Sie es doch mal wagen sollten, ein Passagierschiff auf dem schönen Zürichsee zu besteigen, dann einfach das Survival-Set nicht vergessen.

Hier geht es zum Fahrplan der ZSG…

Kino made in Switzerland und Filme für die Erde

Das Zurich Filmfestival 2020 ehrt das Gesamtwerk von Rolf Lyssy. Seine Dok- und Spielfilme drehen sich immer um gesellschaftliche Themen, die mit viel Charme, Empathie und Humor eingekreist werden. Sein neuester Streifen „Eden für jeden“, wieder eine Komödie über uns allzu bekannte menschliche Facetten feiert in Zürich Premiere.

Nebst der Erinnerung an unseren Lesungen aus unserem gemeinsamen Buch denke ich an 2012 zurück, als wir in La Punt auf der Bühne über die Rolle des Schweizer Films auf dem Markt diskutierten. Dabei waren auch Oscar-Preisträger Xavier Koller, damalige SRF-Filmkritikerin Monika Schärer und der Filmemacher Paul Riniker. Das Gespräch wurde im Magazin FILMBULLETIN veröffentlicht und ist heute noch hier zu lesen. Viel Vergüngen: „Wir sind halt ein eigenartiges Land“.

Der Verein «Filme für die Erde» zeigt in diversen Ländern, so auch in der Schweiz, Doku-Filme mit Themen wie Umwelt, Naturschutz, Klima und generell über unseren Umgang mit der Erde. Der Schweizer Co-Geschäftsleiterin, Barbara Roth, stellte ich Fragen zu Konzept und Programm und über die Stärke des Filmes bei der Vermittlung von Wissen und Anliegen. Das Interview ist in verschiedenen Medien zu lesen, hier per Link in der Jungfrau Zeitung: «Filme haben die Kraft, viel auszulösen».

Einen fröhlichen Restsommer und viel Vergnügen beim Lesen und mit den vielen neuen Kunstwerken auf der Leinwand.

Urs Heinz Aerni

Talk mit Rolf Lyssy und Urs Heinz Aerni im Dorfmuseum Lengnau (Aargau) 2008.

Barbara Roth ist Co-Präsidentin des Vereins „Filme für die Schweiz“


Fragen zu einer Abstimmungskampagne in der Schweiz

Soeben landete das „Extrablatt“ der Schweizerischen Volkspartei (SVP) in allen Briefkasten zur kommenden Abstimmung. Sie kämpfen mit allen fragwürdigen Mitteln für ihre patriotische und nationalistische Weltsicht. Jetzt für ein Gesetz gegen Einwanderung mit dem Argument, dass die Schweiz übervölkert und verbaut würde.

 

Liebe SVP,

ja es stimmt, die Schweiz wird verbaut, zubetoniert, zersiedelt und der Boden immer mehr versiegelt. Liegt es wirklich an den Menschen, die hierher gekommen sind, die die Arbeit verrichten, die wir „Schweizerinnen“ und „Schweizer“ nicht mehr machen wollen? Frühmorgens in der Straßenbahn sitzen links und rechts von mir in der Tat Menschen, die zur Frühschicht in die Fabrik, in den Küchenservice der Restaurants, zum Regaleinräumen der Großverteiler oder auf Baustellen müssen.

Mich stört es nicht, wenn ich in solchen Momenten kein Schweizerdeutsch höre, sondern dass genau diese Menschen als Ursache für die Vernichtung von natürlichen Landflächen sein sollen.

 

Liebe Funktionärinnen und Funktionäre der SVP,

habt Ihr Euch eigentlich auch schon mal Gedanken gemacht, welche Rollen die Expansionen Eurer Konzerne, die riesigen Villen, Eure Zweit- und Drittwohnung im Engadin und Tessin samt den Rasen, die Parkplätze, Garagen für die SUV’s und die Autos von den Kindern spielen, beim Landverlust Eurer einzigartigen Schweiz?

Was tut Ihr konkret zur Schonung der Ressourcen Eurer kleinen, so innig und heiß geliebten Insel?

Bin gespannt auf Eure Antworten.

 

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Diese Frage wurde via Facebook an Politkerinnen und Politiker der besagten Partei versand. Falls Antworten eintreffen sollten, wären sie hier zu lesen.