Dergestalt mega

Ich las einen Roman, der sich in den 1930er Jahren in Berlin abspielte. Ich stieß auf eine Passage, in der ein Mann einen anderen fragte, ob ihm der soeben besuchte Anlass gefallen habe. Da antwortete der Andere: «Nicht wirklich.» Dann musste ich das Buch weglegen. Wissen Sie warum? Weil diese Wendung damals nicht üblich war, die kam erst so im 21. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum auf. «Das geht gar nicht», dachte ich und hielt inne mit der Feststellung, dass auch diese Formulierung noch nicht lange bei uns gebräuchlich ist. Interessant ist, wie wir seit einigen Jahren uns erkenntlich zeigen mit «Ich danke Dir» und nicht mehr einfach nur «Danke» sagen und es mit «Gerne» quittiert bekommen statt «Gern geschehen». Eingebürgert hat sich die Rückmeldung in Restaurants bei der Aufgabe von Bestellungen mit «sehr gerne». Die Sprache ist in Bewegung, mutiert sich, übernimmt von da einen Sound und woanders her ganze Satzteile. Spurenelemente zeugen von Herkunft und vergangenen Kulturen. So muss der Jugend erklärt werden, dass die «gemeine» Amsel nicht eine hinterhältige ist und die «Wählscheibe» eigentlich aus der alten Welt der Kommunikation stammt. Wir könnten uns doch mal vornehmen, dergestalt ältere aber noch taugliche Wörter zu verwenden, dass unser Gegenüber zur Feststellung gelangen könnte, wie mega cool es sein kann, wenn man versuchte, mit archäologischer Manier aus dem Vollen zu schöpfen.

 

Hochachtungsvoll

Urs Heinz Aerni

 

Der passende Buchtipp: «Die deutsche Sprache – Ursprünge, Entwicklung und Wandel» von Herbert, Genzmer Matrix Verlag

Beitrag erschien auch in der BÜNDNER WOCHE