WEF Davos 2019 und der angekündigte erneute Besuch Donald Trumps

Ein offenes Wort an Veranstalter und Gastgeber Klaus Schwab

Sehr geehrter Herr Schwab

Dank dem World Wide Web ist der Welt der letztjährige Auftritt von Donald Trump in bester Erinnerung:

https://www.youtube.com/watch?v=UT7GlaDc060

Nach dem Bekanntwerden, dass Herr Trump auch 2019 mit seiner Entourage wieder nach Davos kommen wolle, erlaube ich Ihnen, Herr Schwab, folgende wohlgemeinte Worte zu widmen.

Donald Trump wirkt Kraft seines Amtes als US-Präsident:

  1. Gegen die Bemühungen der Welt, eine Klimakatastrophe abzuwenden
  2. Für eine Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten
  3. Für eine noch nie dagewesene Fluktuation des Personals im Weißen Haus
  4. Für eine regelmäßige Brüskierung seinen internationalen Partnern
  5. Für eine Verschleierung der laufenden rechtlichen Verfahren und Untersuchungen gegen ihn
  6. Für eine Lockerung und Aufhebung von Naturschutzzonen um an Öl zu gelangen
  7. Gegen Medien, die ihn für seine Politik kritisieren
  8. Für eine zunehmende Agressivität in der internationalen Politik
  9. Gegen die Chance, andere Menschen verstehen zu können
  10. Für die Möglichkeit, dass Psychologen und Psychiater sich in einem Buch über seine geistige, charakterliche und mentale Gesundheit Gedanken machen (Buchtitel siehe unten)

 

Aus diesen 10 Gründen, die nur eine Auswahl darstellen, darf die Frage zugelassen werden, inwiefern sich der immense Aufwand an Personal, Kosten und Kerosin lohnt, Herrn Trump zum zweiten Mal die Bühne zur Selbstdarstellung analog zu 2018 zu überlassen. Sie seien ein herzlicher Gastgeber, Herr Schwab, so wurde mir es zugetragen und Ihr Ziel sei es mit dieser Veranstaltung, Verbindungen und den Austausch zwischen Menschen mit großer Verantwortung für unsere Gesellschaft zu ermöglichen, ja zu fördern. Die prächtige Bergwelt Graubündens trägt sicherlich dazu bei, Ihre edlen Absichten mitzuprägen, so dass in Gelassenheit und Empathie die Kultur des Verstehens zwischen den Welten möglich gemacht werden kann.

Wenn in diesem Sinn und Geist Herr Trump miteingebunden werden kann, in den Dialog, dem Zuhören, dem Lernen und der Findung von Kompromissen und konstruktiven Kooperationen der Nachhaltigkeit, dann könnte dem logistischen und sicherheitstechnischen Aufwand einen Sinn abgerungen werden. Und wenn es Ihnen gelingt, Herr Schwab, mit Herrn Trump bei einem gemütlichen Fondue ohne Blaskapelle, das eigentliche Anliegen der Menschheit so zu formulieren, dass er nickt und endlich begreift, dann macht das WEF uns allen ein schönes Geschenk. Mit den besten Wünschen für Ihre Arbeit und das Leben drum herum, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Urs Heinz Aerni

Das erwähnte Buch: „Wie gefährlich ist Donald Trum?“  27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie, Psychosozial Verlag, ISBN 978-3-8379-9

Dieser Beitrag erschien auch auf Berglink Berlin und Zürich

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„Bilder im Kopf das Laufen zu lehren“

Wie haben es Schreibende eigentlich mit ihrem Tun und ihrem Verhältnis zu Büchern und zur Sprache an der Arbeit. Fragen an den Schriftsteller und Hörspielautor Ulrich Land

 

Urs Heinz Aerni: Die Kraft der Sprache ermöglicht…

Antwort: … lauter Leute, die man kennt, und noch mehr, die man nicht kennt, einsteigen zu lassen in eine Kutsche, die losfährt und erst unterwegs damit rausrückt, wohin die Reise geht. Oder wohin nicht.

Aerni: Mein Lieblingsschreibort ist:

Ulrich Land: … ganz eindeutig der fahrende Zug. Smartphone ausgestellt, Landschaft vorbeirauschen lassen, zwei, drei Gesprächsfetzen aufschnappen, vielleicht sogar einbauen – und weiter und weiter schreiben. Und weiter. Raus in die Welt. In die Welt, die draußen vorbeifließt.

Aerni: Der Lesende darf meine Bücher…

Land: … gern auf den Kopf stellen. Fließt kein Blut raus. Das steckt hoffentlich zwischen und in den Zeilen. Und er darf auch die letzte Seite zuerst aufschlagen – bei meinen Krimis wird er allerdings wenig Glück haben; dann auf der letzten Seite steht meistens irgendein mehr oder weniger halbgares Kochrezept.

Aerni: Eine Welt ohne Bücher würde…

Land: … ein Leben ohne Atmen bedeuten. Okay, fast. Jedenfalls ohne eine gepfefferte Fantasiebeigabe. Überleben würde man wahrscheinlich auch ohne Bücher, aber das Erleben anderer Lebensdimensionen, das Eintauchen in andere Leben und andere Welten, die einem nicht via Leinwand oder Bildschirm vorgekaut werden, das würde wegfallen. Ein ewiger Verlust. Eine Verarmung. – Interessant aber, dass man sich die Frage überhaupt stellt. Dass man die Vorstellung einer Welt ohne Bücher überhaupt in den Kopf nimmt. Schon das ein Zeichen der Zeit. Und der Zeiten.

Aerni: Die Fähigkeit des Lesens ermöglicht…

Land: … die Bilder im Kopf das Laufen zu lehren.

Aerni: Die Arbeit mit Sprache und Geschichten bedeutet für mich…

Land: … mein Lebenselexier. Wüsste gar nicht, was ich sonst mit den Tagen anfangen sollte. Nee, echt.

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Ulrich Land, *1956 in Köln, lebt und schreibt in Freiburg. Neben Lyrik, Erzählungen und Essays hat er 40 Hörspiele und über 60 Radiofeatures veröffentlicht. »Krätze eiskalt« ist sein siebter Krimi in der Reihe »Mord und Nachschlag«. Land lotet in seinen Texten mit Vorliebe die Ränder des süßen Grauens und skurrile Alltagsereignisse aus. Krisen und Katastrophen, Süchte und Sehnsüchte, Mut und Unmut, Tod und Teufel sind sein Metier.
Sein aktuelles Buch: „Krätze eiskalt – Finnland-Krimi mit Rezepten, Mord und Nachschlag“

Wiederlesen mit Elke

„Keiner kennt meine Geschichten so genau wie ich.“ Das sagte Elke Heidenreich auf meine Frage, ob sie beim Vorlesen, auch mal spontan was ändere im Text. Dieses Interview wurde im St. Galler Tagblatt 2001 veröffentlicht. Wir trafen uns an den Solothurner Literaturtagen, nebenan saß Peter Bichsel. Meine Güte, wie viel Wasser ist seit dann durch den Rhein geflossen. Heidenreich ist eine unglaubliche Vielleserin und gehört zu den temperamentvollsten Literaturvermittlerinnen, was ich sehr schätze. Nun, nach so vielen Jahren werde ich sie wieder treffen, an der Novitätenschau im Literaturhaus Zürich am 13. Dezember um 19:30 Uhr, dann werden wir zusammen mit den Gastgeberinnen Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen neu entdeckte Bücher präsentieren. Welche Bücher die anderen drei vorstellen werden, weiß ich nicht. Aber es ist interessant, wie sich im Laufe des Lebens die literarische Vorliebe verändern kann. Oder tut sie es doch nicht? Egal, da Sie liebe Leserin und lieber Leser vielleicht nicht den Weg zu dieser Veranstaltung unter die Räder nehmen werden, darf ich Ihnen dafür heute schon meine Entdeckungen preisgeben.

Beat Gloor ist Sprachforscher und treibt in seinem Buch „uns ich er“ (Salis) ein herrliches Sinnspiel mit ungewöhnlichen Worttrennungen. Nicht ganz ein neues Werk aber eines, das würdig ist, noch von vielen sprachliebenden Zeitgenossen entdeckt zu werden. Neu ist von Hans Ulrich Bänziger „Ahnungslose Beute“ (Wolfbach), mit Miniaturen wie: „Ohne Schwerkraft wären wir schon längst im Himmel.“ oder „Er ging auf dem rechten Weg, doch in der falschen Richtung.“ „Wörter statt Möbel“ (Gesunde Menschenversand) macht deutlich, wie intensiv die verstorbene Autorin Aglaja Veteranyi in der Sprache lebte und nun ermöglicht uns ihr damaliger Bühnenpartner, Jens Nielsen, neue Zugänge in ihre Kunst. Matthias Jäger nimmt den Lesenden im „Der letzte Schritt der Vernunft“ (Bucher) mit, zu Ereignissen und Menschen in alter Zeit, die heute noch nachhallen und er versteht es, die Vergangenheit ins Hier und Jetzt zurück zu holen. Und dann wäre noch das grandios schön gemachte Buch „Das Gedicht & sein Double“ (Azur), das von Lyrikerinnen und Lyriker ein ausgesuchtes Gedicht einem ästhetischen Schwarzweißportrait gegenüberstellt, so, dass quasi die eine Seite mit der anderen den Dialog aufnimmt.

Diese Bücher bringe ich mit zur Novitätenschau aber, Sie können diese selbstverständlich kaufen aber noch nicht verraten, es soll am 13. Dezember eine Überraschung sein.

Urs Heinz Aerni

Link zum Anlass…

Dieser Beitrag erschien auch in der Zeitung BÜNDNER WOCHE

Das Leben auf der Bühne und mit Büchern und der Dialekt

Das Leben auf der Bühne und mit Büchern

Thomas Sarbacher spielt Rollen und Figuren vor der Kamera und auf der Bühne und er liest brillant aus Büchern im Literaturclub SRF/3sat oder an Festivals wie Sprachsalz in Tirol. An zwei Abenden am schönen Thunersee unterhalten wir uns über das Spiel mit Charakteren, das Lesen und das Leben drum herum.

Am 3. und 5. Dezember 2018 im Hotel Beatus Merligen. Hier geht es zum Veranstalter…

Die Mundart – und was sie mit uns macht

«Gredi üüfe» lautet das brandneue Gedichtbuch von Hanspeter Müller-Drossaart. Der erste Band des Autors erschien auf Obwaldnerisch, der zweite nun im Urner Dialekt. Seine Lesungen sind legendär, sein Spiel mit der Mundart ebenso. Was führt Hanspeter Müller-Drossaart dazu, so zu schreiben, wie den Menschen in den Bergtälern der Schnabel gewachsen ist? Erfährt die Poesie eine andere Erlebnisebene je nach Färbung mit Lokalkolorit?
Was passiert mit Ihnen, wenn Sie in einem «Tatort» schwäbisch hören, oder alemannisch oder auch tirolerisch? Genau, es heimelt an. Und in der Regel sind Figuren im Film, die Mundart sprechen, selten die Bösewichte. Meine Gesprächsgäste und ich nehmen Platz am literarischen Kaminfeuer in der guten Wortstube: Der Schauspieler Hanspeter Müller- Drossaart verwandelt sich im Rahmen seines Berufes wie kein anderer verbal in einen Bayer, Bündner oder Basler. Markus Gasser beantwortet als Redaktor der SRF-Sendung «Schnabelweid» Fragen rund um unsere Mundart. Als Experte meinte er in einem Zeitungs-Interview, dass «jeder Dialekt schön» sei. Ist dem so? Wir werden sehen.

Am 7. Dezember im La Marotte Affoltern am Albis. Hier geht es zum Veranstalter…

 

Und, am 13. Dezember ist die letzte Veranstaltung von 2018 angesagt, mit Elke Heidenreich in Zürich. Aber davon kurz vorher mehr auf diesem Kanal.

Bis bald und herzliche Grüße

Ihr Urs Heinz Aerni