Das Kongo Tribunal

Was da in Kongo passiert, ist eine unsagbare Katastrophe und wie der Rest der Welt damit umgeht, eine zusätzliche. Dieser Film von Milo Rau verdient höchste Aufmerksamkeit und Anerkennung. Aber was dann? Wie geht es weiter? Wie viele Verantwortungsträger wird dieser Film aufrütteln? Und was tun wir? Aus dem Kino gehen, einen Beruhigungs-Schnapps bestellen und dann das neuste Smartphone für unseren Neffen zu Weihnachten kaufen? Ich befürchte, so wird es sein. Das „Kongo Tribunal“ könnte als Tribunal ausgeweitet werden über die Gleichgültigkeit seitens der Welt, die nur noch eines kennt: die Maximalrendite. Liebe Leserinnen und Leser, schauen Sie sich den Film an und wer weiß, vielleicht sehe ich doch zu schwarz und es passiert was.

„Das Kongo Tribunal“ ist transmedial und bedient viele Formate. Aus Theaterevent und Dokumentarfilm ist ein grosses interaktives Webprojekt entstanden. Verknüpft mit dem Doku-Game „Zeuge J“ führt ein umfassendes Online-Archiv Informationsstränge, Hearings und Analysen zusammen: http://www.the-congo-tribunal.com/

Hier geht es zum Trailer

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Die letzte Pointe und wir

Plötzlich wusste ich nicht, ob ich weitermachen kann. Das war oben auf der Heide in diesem Sommer. Die Wanderung war nicht mal so schwer. Nach einer Pause auf einer Bank mit Blick zum Scalottas (ein Berg in Graubünden) wollte ich wieder losmarschieren und da kam dieser Stich im Knie. Langsam versuchte ich die nächsten Schritte, es ging, tat aber weh. „Unbedingt einschmieren, mit diesem Gel“, sagte Monika und nahm in der Drogerie eine Tube aus dem Regal. Das Knie ist erst seit 56 Jahren in Betrieb und schwächelt schon?

Oder kennen Sie die Situationen bei Gesellschaft in einem Restaurant, dass man sich hörtechnisch sich plötzlich ausklinkt, wenn alle anderen heftig durcheinander debattieren und man nicht mehr weiß, wo zuhören? Dass wir alle durch diese Phase des Lebens müssen, könnte ein Trost sein, muss aber nicht. Altersgebrechen, Angst vor Demenz und die Frage, wie man mit Würde von dieser Welt gehen möchte, rollen schneller auf uns zu, als wir es realisieren und durch Urlaubsplanung und zu viel Arbeit es vor uns herschieben. Neulich saß ich im Kino, eine junge Dame neben mir lachte regelmäßig laut und herzlich, dabei geht es im Film um eine alte Lady, die wegen geheimnisvoller E-Mails in der Angst lebt, dement zu sein. Sie steigerte sich dergestalt hinein, dass die ganze Familie um sie herum in Verzweiflung gerät. Die Enkelin sorgt sich, der Sohn schielt auf ihr großes Haus, die Tochter will sie zum Umzug überreden. Ein Gentlemen mit Blumenstrauß vor ihrem Haus bringt die sympathische alte Dame vollends aus dem Häuschen. Während des Films lachte die junge Frau nicht mehr alleine, ich machte mit. Es gibt auch ein Erkennungslachen, bei Szenen, die einem so vertraut sind, so typisch für unser Leben heute. Wie es ausgeht, sei hier nicht verraten, denn der Film heißt auch „Die letzte Pointe“ von Rolf Lyssy. Ein Film mit Herz und in der Tat, mit einer nicht erwartbaren Pointe. Gehen Sie hin, lassen Sie sich zum Denken über das eigene Lebensfinale anregen und vor allem, genießen Sie das Lachen.

PS: Nach der Zürcher Premiere appellierte der Filmemacher im vollen Kino, wie wichtig es für den Schweizer Film sei, dass das Volk bei No Billag Initiative richtig abstimme.

Urs Heinz Aerni

Der Film „Die letzte Pointe“ u. a. mit Monica Gubser, Delia Mayer, Suly Röthlisberger, Peter Jecklin, Anikó Donath, Elisabeth Schnell, Graziella Rossi läuft jetzt in den Kinos.

Der Beitrag erschien in der Zeitung Bündner Woche