Beruf ist nicht Beruf?

 

 

Antoine de Saint-Exupéry nahm sich nicht das Leben, er wurde fliegend in seiner Kiste von einem deutschen Kriegsflugzeug abgeschossen. Gefundene Wrackteile im Meer und die Aussage eines ehemaligen deutschen Piloten im Greisenalter vor einiger Zeit im Fernsehen geben diese Information preis. Der alte Mann spricht mit betroffener Miene vor der Kamera über seinen damaligen Einsatz. Zu Boden blickend erklärt er, dass er nicht geschossen hätte, wenn er gewusst hätte, wer in der anderen Maschine saß, er habe diesen Autor gern gelesen und sehr geschätzt. Schätzte dieser Mann die Arbeit eines Spenglers, Architekten, Druckers oder Gärtners nicht? Glaubt dieser Mann, dass Saint- Exupéry nur ausgewählte Berufsgattungen ins Visier genommen hat? Soll ein Schriftsteller längere Lebensberechtigung im Kriegsfeuer haben als ein Butler oder ein Tierarzt? Hätten alle Schriftsteller im Kriegseinsatz ihre Maschinen mit Namen und Profession beschriften sollen? «Ich bin der bekannte Schriftsteller Soundso und bin mit dem aktuellen Roman noch nicht fertig. Schießen Sie mich nicht ab und freuen Sie sich auf mein nächstes Buch.»

«Achtung! Maschine K5, Sie werden von einem feindlichen Objekt verfolgt. Antworten.»

«Verstanden. Nehme Gegenangriff auf. Antworten.»

«Verstanden. Stopp! Sie haben Feuerverbot. Es handelt sich um den bekannten Lyriker Samuel Huber. Antworten.»

«Verstanden. Werde nichts unternehmen. Antworrrr…»

«K5! Können Sie uns hören? K5! Antworten Sie …»

Der passende Buchtipp: „Antoine de Saint-Exupéry“ von Karlheinrich Biermann, Rowohlt, ISBN 9783499505478

Advertisements

Längere Halbwertszeit?

Vor kurzem war ich zu Besuch bei meinen Eltern im Aargau. Beim Aperitif legte meine Mutter ein Buch auf den Wohnzimmertisch, ein Geschichtsbuch über die Schweiz während des Zweiten Weltkrieges. Sie sei beim Räumen und ob ich dieses Buch haben wolle. Mein Vater saß neben mir und griff zu diesem Buch aus dem Jahr 1970. Er begann zu blättern, zu lesen und zu staunen. Ja, ja, das sei seine Zeit gewesen. Er zitierte Namen aus dem Buch, besah alte Aufnahmen und sagte zu meiner Mutter, dass er es zuerst haben und lesen wolle. Dann gingen wir über zum Abendessen.

Warum schreibe ich das?

Vor rund vierzig Jahren erschien das besagte Buch. Als Schüler hatte ich es in den Händen, dann lagerte es in der Hausbibliothek und heute, im Jahre 2017 wird es neu entdeckt und durchs Lesen wieder belebt. Genau das macht es doch aus, das Medium Buch, mit seinen Seiten voller Texte und Bildern, geschützt durch zwei Buchdeckel und oft mit einem Navigationshilfsmittel namens Lesebändchen.

Hätte dieses Buch damals schon in digitaler Form gegeben, hätten wir vielleicht nicht mehr gewusst, welche Software anzuschließen sei, mit welchen Passwörtern es zugänglich gemacht hätte können oder es wäre schlicht unentdeckt geblieben. Wie hätte sich der Autor dieses Buches angesichts des kürzlichen Blätterns in einem Wohnzimmer nach 40 Jahren gefreut.

Oder glauben Sie, dass ich irgendwo in einer guten Stube in 30 Jahren vor einem Bücherregal stünde und sagte: „Sieh mal an, was haben wir da“ und klaubte überrascht ein E-Book heraus, damit ich ohne technischen Zirkus und elektronische Hürden mich hinsetzte um es bei einem Tee oder so in aller Ruhe zu Gemüte führte?

Ich glaube nicht so recht daran. Deshalb ist eben ein reales Buch mit vielen Seiten also doch ein Wert, der bleibt. Genauso wie ein guter Wein, der auch in 30 Jahren in Form einer wohletikettierten Glasflasche auf dem Tisch stehen wird.

Gratisheft?

Die neue Ausgabe von ZEITPUNKT ist da.
Gerne schicken wir Ihnen eine Gratisheft. Einfach Adresse mailen an buch-news@web.de
Die Themen im ZEITPUNKT
Zeitpunkt 147: schwarz – weiß
Chapeau! Wir ziehen den Hut vor den mutigen Klimaseniorinnen, dem geläuterten Hans-Dietrich Reckhaus, dem fröhlichen Kämpfer Jürgen Grässlin und dem Zukunftsflüsterer Paul Dominik Hasler.
Das Gute von Ute über Twitter als Mediengenossenschaft, das
Fairphone, Tante Inge und den Genuss des Lebens in vollen Zügen.
allein — zusammen
Lob der Graustufen – warum wir weiss bevorzugen und die Wahrnehmung von Grautönen schulen sollten
Ute Scheub
Die ewigen Anarchisten von St. Imier – ihr Treffpunkt ist der «espace noir»
Klaus Petrus
Sind Schwarz und Weiß Farben?
Bera Hofer
Schwarze Listen – seit je ein Mittel der Generalverurteilung
Regine Naeckel
Kriege weiß waschen – Gegner schwarz malen. Gespräch mit
Jürgen Becker
Die «Weißhelme» des Geheimdienstoffiziers
Ahmad Salah
Schwarze Kutten, weisse Kittel
Martina Pahr
Von schwarzen und weissen Magiern
Ingo Hoppe
Mit Kratzeisen und Stoßbesen – wer kennt sie nicht, die Glücksbringer in Schwarz?
Klaus Petrus
Verruckt muss man sein
Ute Scheub
Schwarzsehen, weißdenken
Martina Pahr
Des Raben weißer Flaum
Eva Rosenfelder
Im Körperkontakt mit Schwarz und Weiß
Heike Pourian
Ein Geschenk des Himmels – Eindrucke vom schneereichsten Ort der Alpen
Andrea Schelbert
entscheiden & arbeiten
«Syrien ist ein guter Platz – auch jetzt während des Krieges»
Regine Naeckel
Vertrauensfrage
Christoph Pfluger
«fake news» – Krieg gegen die Wahrheit. Die brennenden Bärte mit
Geni Hackmann
Schlaglichter auf Ägypten, North Dakota und die USA
Links-rechter Haudegen – der philippinische Präsident Rodrigo Duterte riskiert den Bruch mit den USA
Rainer Werning
Woodstöckli – geldfreie (T)räume
Ute Scheub
Der Fall Jen Jebsen
Mathias Bröckers
Kopeken fur Frankreich – die Komplementärwährung «Coopek» gibt es nur elektronisch
Baptiste Giraud
Verein gegen alles?
Urs Heinz Aerni
Keine Evolution ohne fliegende Fetzen und andere Kurznachrichten zu entscheiden und arbeiten
vollwertig leben
In Morpheus’ Armen … gleitet der Mensch in seine eigene Dunkelheit
Martina Pahr
Viel Geld für heiligen Zorn
Ländliches Wohnen ohne inszenierte Idylle – verdichtetes Bauen, eine Herausforderung und ein Gewinn
Denise Fricker
Kleider tauschen Leute und andere Kurzmeldungen zum vollwertigen Leben
Gut ist genug – Perfektionisten schieben auf, bis die Zeit für Perfektion nicht mehr reicht
John Perry
Der Drahtesel bringt’s
Denise Fricker
Horizonte erweitern
Das Wunder von Medellín – vom Drogensumpf zum sozialenModell
Andreas Koller
Das kreuzfalsche Etikett Zürichs – Huldrych Zwingli war anders
Philippe Welti
«Grandioser Theologe, Politiker & Diplomat» Gespräch mit
Christoph Siegrist
Der Ruf des roten Planeten – Steven Schild will auf den Mars
Eva Rosenfelder
Denk-Bar: Das Jetzt gleicht fallenden Dominosteinen
Markus Waldvogel
Achtsamkeitsperlen: Alle Menschen sind gut
Lioba Schneemann
Vier Seiten gute Adressen. Ob gesund leben, kreativ arbeiten,nachhaltig wohnen, achtsam verreisen, fair einkaufen oder findigsuchen: Dieser Marktplatz hat viel zu bieten.
Kleinanzeigen von und für Zeitpunkt-LeserInnen
Leserbriefe
Einladung zum Zeitpunkt-Apéro, 30. Januar 2017 in Winterthur