Nietzsche und Gesundheit?

Mirella Carbone und Joachim Jung waren 15 Jahre KuratorInnen des Nietzsche-Hauses in Sils-Maria im Engadin. Heute wirken sie als dessen wissenschaftliche Mitarbeiter und leiten das Silser Kulturbüro KUBUS des Instituts für Kulturforschung Graubünden. Sie führen jährlich die Silser Kunst- und LiteraTourtage durch und bieten zudem ein reiches Vortrags- und Seminarprogramm zu literarischen, philosophischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Themen an, zu denen sie immer wieder auch Kulturwanderungen im Engadin und den Bündner Südtälern durchführen.

Die beiden wissen alles über Nietzsche, sind unglaublich sympathisch und haben zusammen ein Buch herausgegeben. Ich traf Joachim Jung in Zürich und stellte ihm ein paar Fragen dazu, im Auftrag von Radio Freirad Innsbruck…

Mehr Informationen zum Buch finden Sie hier…

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Wien oder Viertausender?

Wir nahmen Platz, in einer Gaststube in Wien nach einer Veranstaltung. Am langen Tisch saßen Kultur- und Medienmenschen und ich, der einzige Schweizer. Der Wein ist geordert, das Schnitzel ebenso. Aufgeräumt war die Stimmung, angeregt die Gespräche. Irgendwann, im Laufe des späten Abends plauderte man über die Vielfalt der Sprache Deutsch. Kommentiert wurden die Eigenarten im Berlinerischen bis zum Wienerischen, vom Bayrischen bis zum Tirolerischen. Als jedoch das Schweizerische Erwähnung fand, ging es los, mit dem Lächeln, Schmunzeln. Worte wie „ist ja nett“ und „klingt so originell“ oder „ach wie niedlich“ machten die Runde. Der einzige Schweizer an der Tafel hörte zu und schwieg. Doch nicht lange. Er bat ums Wort und erhob die Stimme: „Habt Ihr gewusst, liebe Österreicherinnen und Österreicher, dass die Schweiz über 30 Viertausender hat?“

So schnell still wurde es wohl noch nie, in der Gaststube mitten in Wien. Denn Österreich hat keinen einzigen Viertausender. Das Verhältnis zwischen Österreich und der Schweiz wurde durch diesen Satz an diesem Abend auf den Gefrierpunkt gesetzt.

Der Kellner (sprich Ober) hörte mit und verschwand kurz im Büro. Dann trat er mit einem aus dem Internet ausgedruckten Zettel und sagte zu dem Schweizer am Tisch: „Mein Herr, ich muss Sie korrigieren, Sie haben nicht über 30 Viertausender, sondern genau 48.“ Jetzt knisterte es im Saal erst recht. Wie können der Abend und die Völkerverständigung gerettet werden? Der Schweizer stand geistesgegenwärtig wieder auf und bat nochmals ums Wort: „Liebe Freunde, ein Land, das Wien sein eigen nennen kann, braucht keine Viertausender.“

Stille, gegenseitige Blicke, der Griff zum Zweigelt und hoch das Glas …

Uff!

 

Urs Heinz Aerni

 

Passende Buchtipps:

Tourenkarten Set Alpen Österreich Schweiz – nicht nur für Motorradfahrer, 8 folierte und reißfeste Karten, 1:300.00, Touristik-Verlag Vellmar, ISBN 9783937063126

Wohnsitzverlagerung nach Österreich und in die Schweiz. Eine Analyse aus erbschaft- und einkommensteuerlicher Sicht. Von Verena Schönwetter, Verlag Gabler 9783834913463

Andere Haltung?

Um diese Zeilen zu verfassen, nahm ich an einem Tisch in einem Restaurant am Bodensee Platz. Zwei Tische weiter unterhielten sich drei Damen über ihre Erfahrungen als Chorsängerinnen. Man kam nicht umhin zuzuhören. Die eine erzählte von einem viel zu langen Konzert in Konstanz, eine andere von einer Show mit Pop und Swing in Lachen am Zürichsee. Hellhörig wurde ich, als die Dritte betonte, wie eine pointierte Choreografie selbst das langweiligste Musikstück aufzupeppen vermag. Dies brachte mich direkt zu meinem Vorhaben: dem Geleitwort zu diesem Buch von Daniela Michel-Gremaud und Monika Sommerhalder.

Die physische Dynamik beeinflusst unsere Wahrnehmung von Musik – was zunächst langweilig wirkt, gewinnt durch sie, so die Quintessenz des Gesprächs der Chorsängerinnen. Genauso geht es uns allen: Die Prägung unserer seelischen Verfassung zeigt sich in unseren Körper- empfindungen. Oder im umgekehrten Sinne: Mithilfe des Körpers kann ganz bewusst unser mentales Wohlbefinden verbessert werden.

Daniela Michel-Gremaud ist Bewegungspädagogin, psychologische Beraterin und Supervisorin. Mit diesem Hintergrund kann sie aus dem Vollen schöpfen, was das psychisch-körperliche Zusammenspiel angeht. Das trifft auch auf das Konzept dieses Buches zu, für das die Künstlerin Monika Sommerhalder mit ihren Holzschnitten das berühmte i-Tüpfelchen setzt: Sie strahlen Ruhe oder Dynamik aus, je- weils das, was zum Ansinnen ihrer schreibenden Kollegin perfekt passt. Die dargestellten Körperformen und Figuren machen das Auge glücklich, ja, sie gewähren eine Wirkungsgarantie der Themen in die- sem Buch, das für jede Praxis eine Bereicherung ist, in der der Mensch als individuelles Gesamtwerk wahrgenommen wird.

Worte wie Rückzug, Ritual oder Intimität gewinnen bei der Lektüre an neuer Qualität – festgestellt von einem Verfasser, der sich eher als kopflastig bezeichnen würde. Auch hier gilt es, Muster zu brechen, sei es im täglichen unbewussten Ablauf, in ritualisierten entsinnlichten Beziehungen bis hin zum Aufbruch aus festgefahrenen Worthülsen samt ihrem Verhaltenskodex, der von der Gesellschaft erwartet scheint. Das Buch darf nicht einfach als Ratgeber oder Fachbuch ange- sehen werden, vielmehr als ein Buch, das Sinn und Geist erweitert und einen überraschend frischen Wind durch Mark und Bein zu pusten vermag.

„Das zusätzliche Erleben der eigenen Zeitgestaltung durch den Körper ist um einiges tiefgreifender, als wenn man sich nur geistig damit auseinandersetzt“, sagt Daniela Michel-Gremaud im Kapitel „Zeit“ dieses Buches. Dieser Satz veranlasst mich nicht nur, mich von meinem Tisch zu erheben, sondern auch Ihnen viel Inspiration zu wünschen beim Erleben dieses Buches! Urs Heinz Aerni

Das Buch: Körper und Psyche in Balance
Autoren/Herausgeber: Daniela Michel-Gremaud, Monika Sommerhalder
Aus der Reihe: Reihe, Hintergründe Thieme Verlag, ISBN/EAN: 9783132058415, Seitenzahl: 224