Warum die vielen Steine in den Gärten?

Esther Dähler ist Ornithologin, Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins Zürich-Altstetten. Wir trafen uns im Restaurant Sternen in Zürich-Albisrieden...

 

Urs Heinz Aerni: Sie beobachten Vögel und sind im Vorstand des Vogelschutzvereins Zürich-Altstetten. Was beschäftigt Sie momentan mehr, das Birden oder die Vorstandsarbeit?

Esther Dähler: Eindeutig das Vogelbeobachten. Die Vorstandsarbeit fällt nicht regelmäßig an, und vieles kann ich zum Glück in den Abendstunden erledigen. Im Frühling ist das Vögelbeobachten besonders spannend. Die Zugvögel kehren aus dem Süden zurück. Einige sind bei uns in der Schweiz schon in ihrem Brutgebiet angelangt. Andere machen nur einen Zwischenhalt, um zu fressen, und fliegen danach bis in den hohen Norden weiter. Es ist eine wunderbare Zeit, außergewöhnliche Beobachtungen sind möglich. Aber auch die alltägliche Amsel verleiht mir mit ihrem flötenden Gesang Flügel. Die Vögel singen jeden Tag mehr und lauter, die Brutaktivitäten beginnen. Paare können beim Balzen, beim Nest bauen und schon bald beim Füttern der Jungen beobachtet werden.

Aerni: Sie leben zwar in der Stadt aber nicht weit weg vom Wald, ist hier die Welt noch in Ordnung?

Dähler: Im Wald sind die Vögel weniger gefährdet als im Kulturland oder in den Feuchtgebieten. Aber auch hier ist der Artenrückgang ein Thema. Der Wald ist keineswegs unberührt. Er wird bewirtschaftet und als Erholungsraum intensiv genutzt. Es ist erfreulich, gehen die eintönigen und artenarmen Fichten-Monokulturen zurück. Statt große Flächen kahlzuschlagen werden die reifen Bäume einzeln aus dem Wald geholt. Wobei der Einsatz von großen und schweren Maschinen den Wald erheblich belastet.

Aerni: Gibt es noch etwas Positives zu vermelden?

Dähler: Viel Freude bereiten Aufwertungsmaßnahmen wie Weiher und Hecken, die am Waldrand angelegt wurden. Die Freizeitnutzung hat eben ihre zwei Seiten. Der teilweise 24-Stunden-Betrieb oder das Querfeldeinbiken schränken den Lebensraum und die Ruhe der Wildtiere ein und führen zu Stress. Andererseits gefällt mir, dass es so viele Leute in den Wald zieht. Der Wald wird geschätzt, geliebt, gebraucht.

Aerni: Wir haben hier viele Gärten, was können die Bewohner unternehmen, damit diese unserer Natur und der Vogelwelt gut tun?

Dähler: Einheimische Pflanzen, Bäume, Sträucher und Kräuter sind das Zauberwort. Diese bieten den Vögeln Nistmöglichkeit und ganzjährig Nahrung. Und nicht vergessen: Bäume tun auch uns Menschen gut. Bäume wirken als Staubfilter, kühlen bei hohen Sommertemperaturen, bieten Erholungsraum in der Nähe.

Aerni: Da läuft ja eine Kampagne dazu…

Dähler: Genau. BirdLife Schweiz führt eine Kampagne für mehr Bäume und Sträucher im Siedlungsraum durch. Eine informative und reich bebilderte Broschüre erläutert, was die Pflanzen bewirken und warum insbesondere einheimische Pflanzen wichtig sind. Abgerundet wird das Thema mit konkreten Praxistipps.

Aerni: Wenn Sie aus Ihrem Wohnungsfenster schauen, welche Vögel sehen Sie?

Dähler: Ich habe das Glück, am Waldrand zu wohnen. Hier gibt es unglaublich viele Vögel zu sehen. Die Bandbreite reicht vom Rotkehlchen, das uns täglich mit seinem Besuch und Gesang beglückt bis zur bisher einmaligen Sichtung von einem Schwarzspechtpaar. Wir sehen vor allem Meisen, Finken, und Spechte, Vögel die im Garten, im Wald und am Waldrand vorkommen. Auf dem Nachbardach hat sich aber auch schon ein Graureiher niedergelassen, und während der Vogelzugzeit sahen wir den seltenen Gartenrotschwanz. Leider sind unsere Mauersegler-Nistkästen noch nicht besiedelt worden. Hoffentlich lassen sich die Mauersegler diesen Sommer bei uns nieder. Im Gesamten haben wir schon über 40 verschiedene Vogelarten beobachten können.

Aerni: Welche größte Sorge treibt Sie am meisten um?

Dähler: In immer mehr Gärten oder Gartenteilen werden Wiesen und Sträucher durch Steine ersetzt. Diese bieten weder für Pflanzen noch für Tiere Lebensraum. Keine Bienen können da Honig sammeln, keine Blumen können blühen und Schmetterlinge anziehen und auch kein Salat kann wachsen. Den Erwachsenen fehlt in der Sommerhitze der wohltuende Schatten der Bäume, den Kindern fehlen die Sträucher, hinter denen sie sich verstecken können. Was steckt hinter diesen steinigen Bodenbedeckern? Gefällt das oder ist es einfach billig im Unterhalt? Steine brauchen keine Pflege, kein Rasen ist mehr zu mähen und kein Strauch zu schneiden. Fühlen sich die Bewohner in dieser Umgebung wirklich wohl?

Aerni: Welche positive Tendenz freut Sie am meisten?

Dähler: Immer mehr Leute interessieren sich für Vögel oder generell für alles, was kreucht und fleucht. Sie sind unterwegs in Feld und Wald. Sie besuchen die zahlreichen Kurse, die BirdLife anbietet – auch zu weiteren Tieren und Pflanzen. Sie engagieren sich in Natur- und Vogelschutzvereinen und werden vor Ort aktiv. Oft werde ich im Büro oder von Bekannten auf Vögel angesprochen. Sie erzählen mir von einem besonderen Vogel-Erlebnis, worauf eine vage Beschreibung des Vogels folgt. Sie wollen wissen, wie der Vogel heißt, den sie gesehen haben. Nun liegt es an mir, das herauszufinden. Darüber hinaus sind Informationen über das Verhalten, Fressen, Brüten und mehr gewünscht. (Mein) Interesse scheint ansteckend zu sein.

 

Mehr Infos über Bäume und Sträucher in den Gärten findet man hier: http://www.birdlife.ch/de/content/baeume-und-straeucher-im-siedlungsraum.)

Wenn Sie in Zürich in den Vierteln Altstetten oder Albisrieden leben und sich für den am Naturschutzverein Altstetten interessieren, dann können Sie sich hier melden und mehr Informationen wünschen: daehler.e@gmail.com.

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