Jazz zu wenig weiblich?

Das meint die Musikerin Nicole Johänntgen und dafür gründete sie SOFIA. Im Gespräch erklärt sie, wie das funktioniert.

Urs Heinz Aerni: Sie sind Initiantin dieses Projekt mit dem Ziel mehr Frauen zum Jazz vermitteln zu können. Werden Frauen hier zu wenig gefördert oder liegt es am Interesse?

Nicole Johänntgen: Musikerinnen und Musiker werden heutzutage gefördert. Es gibt dennoch wenige Jazzmusikerinnen weltweit und die sollen zusammenspannen. SOFIA setzt dort an, wo Studentinnen sich nach dem Studium sich nun fragen, wie bekomme ich Konzerte? Wie versende ich Pressemitteilungen? Wie mache ich Kultur-Interessierte auf meine Musik aufmerksam?

Aerni: Klingt sehr praxisnah…

Johänntgen: Ja, SOFIA Support of Female Improsiving Artists soll Jazzmusikerinnen die Möglichkeit geben innert einer Intensiv-Woche sich in den Bereichen Selbstmanagement, Musik-Business, Vernetzung, und Musik weiterzubilden. Sie lernen Musikerinnen aus Italien, Kroatien, Frankreich, Deutschland und Kuba kennen und sie machen gemeinsam Musik. Es ist ein grosses „Come together“. Wir haben Vertreter der Jazz-Szene in den Bereichen Booking, Performance-Training, und mehr eingeladen, die international agieren und somit ist es ein Sprungbrett für Musikerinnen, die einen Schritt nach vorne machen möchten als Berufsmusikerin. Sie lernen bei SOFIA die Vertreter der Jazz-Szene wie Carine Zuber, Jazzclub Moods, oder Roger Rüegger von der Konzertagentur All Blues aus der Schweiz kennen. Zürich als Mittelpunkt für Internationales, für persönliche Treffen und für Kunst.

Aerni: Wie merken Sie, dass eine Musikerin es „drauf“ hat?

Johänntgen: Jede Musikerin und jeder Musiker muss den Zuhörer und Zuschauerin berühren können. Die Musik muss irgendwie bewegen und was das Geheimnis dessen ist, weiss man nicht. Ich war bei den SOFIA-Bewerberinnen 2016 verblüfft, welche Talente im In- und Ausland sich befinden.

Aerni: Sie sind erfolgreich unterwegs und veröffentlichten schon einige CDs. Durch wen oder wie wurden Sie gefördert?

Johänntgen: Ich wurde durch meine Eltern, durch die Lehrer der Musik-Hochschule in Mannheim und gute Musikerinnen und Musiker gefördert. Nachdem ich begonnen habe mit dem Saxophon Spielen konnte ich direkt schon in der Familien-Band einsteigen und kurz darauf im Jugend-Jazz-Orchester unter der Leitung von Christoph Mudrich mitwirken.

Aerni: Sie gründeten schon sehr jung eine eigene Band.

Johänntgen: Mit siebzehn gründete ich meine nach wie vor bestehende Band NICOLE JO. Auf die Praxis kommt’s an. Ich konnte Erfahrungen sammeln die goldwert sind. Ich habe viele private Anlässe gespielt. Zum Beispiel Geburtstage, Hochzeiten waren heiss im Rennen. Durch meine deutsche Band NICOLE JO hatte ich dann auch die Möglichkeit Konzerte zu spielen auf grossen Bühnen. Du lernst mit der Zeit wie wichtig es ist dass es ein Publikum gibt, und dies möchte mit Dir zusammen die Musik-Welle reiten. Diese Werte werden auch bei SOFIA vermittelt. Aufeinander zugehen, miteinander nach vorne gehen und diese mit einem Kännchen Mut verfolgen und umsetzen.

Aerni: Seit November sind die Musikerinnen für diesen Kurs bekannt. Wie schaut es für die Öffentlichkeit aus?

Johänntgen: Ganz wichtig: Zuhörer und Zuschauerinnen sind herzlich willkommen! ich würde mich freuen wenn ganz viele Musikerinnen und Musiker kommen und einfach zuhören. Denn man lernt so viel dabei. Sei dabei!

Aerni: Wie wird das Projekt denn finanziert?

Johänntgen: Die Finanzierung läuft noch und derzeit wird es durch die Stadt Kultur, die ZHdK, Migros-Kulturprozent und private Sponsoren gefördert.

Aerni: Was macht Zürich zu einer Jazz-Stadt?

Johänntgen: Das Angebot an Jazz in Zürich ist gross. Es gibt Jazzfestivals hier, Jazzclubs gross und klein. Es gibt den wöchentlich stattfindenden JazzBaragge Wednesday Jam seit 15 Jahren und viele private Musik-Liebhaber, die noch ihre Wohnzimmer zu Stubenkonzerten anbieten. Das ist toll!

SOFIA (Support Of Female Improvising Artists) basiert auf eine Idee des amerikanischen Förderprogramms Sisters in Jazz, das zur musikalischen Weiterbildung von Jazzmusikerinnen eingerichtet wurde. Nicole Johänntgen stammt aus dem Saarland, lebt in Zürich und veröffentlichte schon viele CDs. Die Kurse finden in der Zürcher Hochschule der Künste statt. Infos und Kontakt: www.sofia-musicnetwork.com

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