SBB streicht die Minibar

Die Abschaffung der Minibar bei der SBB könnten auch andere Gründe haben. Vor kurzem kam ich mit einem Minibar-Mann ins Gespräch und er erzählte mir aus seinem Alltag: Er musste von Zürich nach Genf fahren um dort seine Wägelchen in Empfang zu nehmen damit er den Dienst antreten konnte. Oft hatte er mehrmals am Tag bis zweistündige Pausen irgendwo auf einem Bahnhof. Mehrmals kam es vor, dass er ein Wagen halb leer, also nicht mit vollem Sortiment entgegennehmen musste und so dementsprechend weniger verkaufen konnte. Er erhielt vom Arbeitgeber schon Briefe, auf denen zwar seine Adresse stand aber an einen anderen Empfänger gerichtet waren.

Könnte ein Teil der Unrentabilität durch eine ineffiziente innerbetriebliche Organisation und Struktur hausgemacht sein? Wurde einer Optimierung der Vertriebs- und Personalstruktur sowie des Sortiments vorher überhaupt eine Chance gegeben? Die Minibar gehört zu einem Gesamtkonzept des Komforts für Bahnreisende und wenn jeder Deut in sich rentieren soll, so sei doch auch gleich das Licht runtergedimmt oder ganz gelöscht, da ja eh fast jeder Fahrgast in sein Smartphone starrt. Und zum Beispiel die ÖBB? Antwort von Sonja Horner von der ÖBB: „Bei uns ist beim mobilen Bordservice keine Abschaffung oder Änderung geplant. In Österreich sind die Kunden mit dem Catering-Angebot zufrieden, wir wollen das Reisen weiterhin so komfortabel wie möglich gestalten. Wir werden das Angebot, auch für Fernzüge in die Schweiz, beibehalten. In der ersten Klasse wird das Essen direkt zum Sitzplatz gebracht.“ Das ist Reisen im 21. Jahrhundert.

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Ein weiteres Kapitel dazu:

Vor kurzem blieb ein Schnellzug von Zürich nach Locarno vor Bellinzona mitten auf der Strecke stehen. Grund: Stromausfall. Auch auf diesem Zug gab es weder ein Restaurant noch eine Minibar. Die Gäste mussten ohne Mindestverpflegung ausharren. Eine Anfrage an die SBB ergab diese Antwort, die wir nun hier mit eingefügten Kommentaren veröffentlichen:

 

Die Antwort vom Kundendienst SBB Zürich:

Sehr geehrter Herr Aerni

Besten Dank für Ihren Brief vom 8. März. Wir bedauern Ihre unglücklich verlaufene Fahrt vom 5. März nach Locarno. Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

Aerni: Sich selber entschuldigen geht übrigens, nicht, man kann aber darum bitten.

Wie Sie uns mitteilen, müsste auf Zügen mit längeren Distanzen ein Mindestangebot an Essen und Trinken vorhanden sein. Selbstverständlich würde dies von einem Teil der Kunden bestimmt geschätzt, ein solches Angebot müsste sich wirtschaftlich auch zumindest teilweise rechnen.

Aerni: Den Durst und den Hunger von Fahrgästen im stillstehenden Schnellzug auf offener Strecke zu stillen, müsste sich wirtschaftlich rechnen?

Generell erreichen die Minibars eine schlechte Wirtschaftlichkeit. Der Grund dafür bildet vor allem das immer steigende Angebot an Verkaufsständen in den Bahnhöfen, mit welchen sich die Kunden bereits vor der Reise eindecken.

Aerni: Die Minibars erreichen u. a. auch eine schlechte Wirtschaftlichkeit durch komplizierte interne Strukturen, überforderte Logistik, sich nie änderndes Sortiment und oft wegen unmotiviertes Personal, das manchmal mit der Minibar durch die Gänge rast, mit der Angst, von Bestellwilligen angesprochen zu werden. Zudem besitzen kleine Bahnhöfe nur noch Automaten oder kleine Kioske und auf den großen ist der Weg zwischen den Bahnsteigen ziemlich lange, was beim Umsteigen ein Einkauf des öfteren unmöglich macht.

Mit den Angaben im Fahrplan, ob ein Verpflegungsangebot vorhanden ist oder nicht, können sich die Reisenden auch entsprechend einrichten.

Aerni: In der Tat, in der Ahnung, dass der Zug möglicherweise wegen einer Panne lange in der Pampa stehen bleibt. Oder meinen Sie, dass wir wie zu Kriegszeiten uns vor der Fahrt kulinarisch eindecken sollten mit dem Motto: „Es kann ja alles passieren“?

Bei dem von Ihnen erwähnten IR 2417 nach Locarno ist das Minibarangebot nachfrageabhängig vorgesehen. So wird vom 1. April bis 30. Okt. jeweils freitags bis sonntags eine Minibar angeboten.

Aerni: Eine wertvolle Information, wenn man außerhalb diesen Zeiten Zug fährt oder eben damit stehen bleibt.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis für unsere Ausführungen und danken Ihnen für die Gelegenheit unserer Stellungnahme.

Aerni: Sie dürfen weiter hoffen.

Freundliche Grüsse
Heinz Baumann
Kundendienst Region Zürich
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SBB AG
Division Personenverkehr, Kundendienst
Postfach, 3000 Bern 65, Schweiz
Telefon +41 51 222 33 22
kundendienst@sbb.ch, www.sbb.ch
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