Religion und Homosexualität

Der Bischof aus Chur, Vitus Huonder, löste mit seinem Bibelzitat über die Homosexualität während einer Rede in Fulda eine riesige Empörung und enormes Medienecho aus. Glaube und Religion bewegt nach wie vor, trotz „aufgeklärtem“ Zeitalter und der Wissenschaft, die viele alte Lehrmeinungen oft in völlig neues Licht stellte. Im Osten und Süden wird im Namen Gottes gequält und getötet und im Norden und im sogenannten Westen sorgen Glaubenslehren und Gottesbilder für Debatten und Irritation.

Religiöse Überzeugungen basieren auf heilige Schriften und Überlieferungen aus uralter Zeit. Wer bestimmt deren Anpassung an den neuen Zeitgeist? Wer ist befugt zu erklären, wie sich ein Gott zu unserer heutigen Welt stellt? Nach was und wem sollen Menschen, die an einen Gott glauben möchten, richten?

Interessant sind die Quellen, die heute die rechtsgültigen Lehrinhalte für ihre Gemeinden definieren. Nach deren Lektüre obliegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, das zu glauben und zu vertreten. Aber zuerst gilt es zu erfahren, was denn geglaubt werden soll, oder?

Die hier anschließenden Auszüge aus Originaltexten sollen zur eigener Sondierung dienen und vertreten nicht die Meinung von Sondierung.com:

Hinweis: Formatierung kann je nach Computer anders aussehen, dann einfach die Verlinkung zum Original anklicken.

Katechismus der Katholischen Kirche (Auszüge und Verlinkung zum Weiterlesen):

II Berufung zur Keuschheit

2337 Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, daß der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitlich unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist. Die Tugend derKeuschheit wahrt somit zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe.Unversehrtheit der Person

2338 Der keusche Mensch bewahrt die in ihm angelegten Lebens- und Liebeskräfte unversehrt. Diese Unversehrtheitsichert die Einheit der Person; sie widersetzt sich jedem Verhalten, das diese Einheit beeinträchtigen würde. Sieduldet kein Doppelleben und keine Doppelzüngigkeit [VglMt 5,37].

2339 Die Keuschheit erfordert das Erlernen der Selbstbeherrschung, die eine Erziehung zur menschlichen Freiheit ist. Die Alternative ist klar: Entweder ist der Mensch Herr über seine Triebe und erlangt so den Frieden, oder er wird ihrKnecht und somit unglücklich [VglSir 1,22. ]. „Die Würde des Menschen erfordert also, daß er in bewußter undfreier Wahl handelt, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt und nicht unter blindem innerem Drangoder unter bloßem äußeren Zwang. Eine solche Würde erwirbt der Mensch, wenn er sich aus aller Knechtschaft derLeidenschaften befreit und so sein Ziel in freier Wahl des Guten verfolgt und sich die geeigneten Hilfsmittel wirksamund in schöpferischem Bemühen verschafft“ (GS 17).

2340 Wer seinem Taufversprechen treu bleiben und den Versuchungen widerstehen will, soll darauf bedacht sein, die Mittel dazu zu ergreifen:

Selbsterkenntnis, den jeweiligen Situationen angepaßten VerzichtGehorsam gegenüber den Geboten GottesÜbungder sittlichen Tugenden und Treue im Gebet. „Durch die Keuschheit werden wir gesammelt und zu der Einheitzurückgeführt, von der wir uns getrennt hatten, um in der Vielheit zu zerfließen“ (Augustinusconf. 10,29).

2341 Die Tugend der Keuschheit steht unter dem Einfluß der Kardinaltugend der Mäßigungwelche dieLeidenschaften und das sinnliche Begehren des Menschen mit Vernunft zu durchdringen sucht.

2342 Selbstbeherrschung zu erringen, ist eine langwierige Aufgabe. Man darf nie der Meinung sein, man habe sie fürimmer erworben. Man muß sich in allen Lebensiagen immer wieder neu um sie bemühen [VglTit 2,1-6.]. Ingewissen Lebensabschnitten, in denen sich die Persönlichkeit ausformt, erfordert sie eine besondere Anstrengung, etwa in der Kindheit und im Jugendalter.

2343 Die Keuschheit folgt Gesetzen des Wachstums: sie durchläuft verschiedene Stufen, in denen sie nochunvollkommen und für die Sünde anfällig ist. Der tugendhafte und keusche Mensch ist „ein geschichtliches Wesen, das sich Tag für Tag durch seine zahlreichen freien Entscheidungen selbst formt; deswegen kenntliebt undvollbringt er das sittlich Gute auch in einem stufenweisen Wachsen.“ (FC 34).

2344 Die Keuschheit ist eine persönliche Aufgabe; sie erfordert aber auch eine kulturelle Anstrengung, weil „derFortschritt der menschlichen Person und das Wachstum der Gesellschaft als solcher voneinander abhängen“ (GS25,1). Die Keuschheit setzt die Achtung der Menschenrechte vorausinsbesondere des Rechtes auf Bildung und Erziehungwelche die sittlichen und geistigen Dimensionen des menschlichen Lebens berücksichtigen.

2345 Die Keuschheit ist eine sittliche Tugend. Sie ist auch eine Gabe Gottes, eine Gnade, eine Frucht des Geistes 1. Der Heilige Geist schenkt den im Wasser der Taufe Wiedergeborenen die Kraft, der Reinheit Christi [Vgl. 1 Joh 3,3]nachzustreben.

Ganzheit der Selbsthingabe

2346Die Liebe ist die Form aller Tugenden. Unter ihrem Einfluß erscheint die Keuschheit als eine Schule derSelbsthingabe. Die Selbstbeherrschung ist auf die Selbsthingabe hingeordnet. Die Keuschheit läßt den, der ihr gemäßlebtfür den Nächsten zu einem Zeugen der Treue und der zärtlichen Liebe Gottes werden.

2347 Die Tugend der Keuschheit entfaltet sich in der Freundschaft. Sie läßt den Jünger Christi erkennen, wie er Jesusnachfolgen und ähnlich werden kann. Jesus hat uns zu seinen Freunden erwählt [VglJoh 15,15.], sich uns ganzhingegeben und läßt uns an seinem Gottsein teilhabenKeuschheit verheißt Unsterblichkeit.

Keuschheit äußert sich besonders in der Freundschaft mit dem NächstenFreundschaft zwischen Menschen gleichenoder verschiedenen Geschlechtes ist etwas sehr Wertvolles für alle. Sie führt zu einer Gemeinschaft im Geist.

Verschiedene Formen der Keuschheit

2348 Jeder Getaufte ist zur Keuschheit berufen. Der Christ hat „Christus [als Gewandangelegt“ (Gal 3,27), ihn, dasVorbild jeglicher Keuschheit. Alle, die an Christus glauben, sind berufen, ihrem jeweiligen Lebensstandentsprechend ein keusches Leben zu führen. Bei der Taufe verpflichtet sich der Christ, in seinem Gefühlsleben keusch zu sein.

2349 Die Keuschheit „soll die Menschen in den verschiedenen Lebensständen auszeichnen: die einen im Stand derJungfräulichkeit oder in der gottgeweihten Ehelosigkeit, einer hervorragenden Weise, sich leichter mit ungeteiltemHerzen allein Gott hinzugeben; die anderen, in der für alle vom Sittengesetz bestimmten Weiseje nachdem ob sieverheiratet oder unverheiratet sind“ (CDFErkl. „Persona humana“ 11). Verheiratete sind berufen, in ehelicherKeuschheit zu leben; die anderen leben keusch, wenn sie enthaltsam sind.

„Es gibt drei Formen der Tugend der Keuschheit: die eine ist die der Verheirateten, die andere die derVerwitweten, die dritte die der Jungfräulichkeit. Wir loben nicht die eine unter Ausschluß deranderen. Dies macht den Reichtum der Disziplin der Kirche aus“ (Ambrosiusvid. 23).

2350 Die Brautleute sind aufgefordert, die Keuschheit in Enthaltsamkeit zu leben. Sie sollen diese Bewährungszeitals eine Zeit ansehen, in der sie lerneneinander zu achten und treu zu sein in der Hoffnung, daß sie von Gotteinander geschenkt werden. Sie sollen Liebesbezeugungen, die der ehelichen Liebe vorbehalten sind, der Zeit nach der Heirat vorbehalten. Sie sollen einander helfen, in der Keuschheit zu wachsen.

Verstöße gegen die Keuschheit

2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuß der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer innerenHinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.

2352 Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Zielgeschlechtliche Lust hervorzurufen. „Tatsache ist, daß sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken“, weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschiehtaußerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzungwesentlich widerspricht„. Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt „die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehungjene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert“ (CDFErkl. „Persona humana“ 9).

Um ein ausgewogenes Urteil über die sittliche Verantwortung jener, die sich hierin verfehlen, zu bilden und um die Seelsorge danach auszurichtensoll man affektive Unreife, die Macht eingefleischter GewohnheitenAngstzuständeund weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigenwelche die moralische Schuld vermindernoder sogar aufheben.

2353 Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht miteinanderverheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichenGeschlechtlichkeit selbst, die von Natur aus auf das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung vonKindern hingeordnet ist. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorbenwerden.

2354 Pornographie besteht darin, tatsächliche oder vorgetäuschte geschlechtliche Akte vorsätzlich aus der Intimitätder Partner herauszunehmen, um sie Dritten vorzuzeigen. Sie verletzt die Keuschheit, weil sie den ehelichen Akt, dieintime Hingabe eines Gatten an den anderenentstellt. Sie verletzt die Würde aller Beteiligten (Schauspieler, Händler,Publikum) schwer; diese werden nämlich zum Gegenstand eines primitiven Vergnügens und zur Quelle einesunerlaubten ProfitsPornographie versetzt alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie ist eine schwere Verfehlung. DieStaatsgewalt hat die Herstellung und Verbreitung pornographischer Materialien zu verhindern.

2355 Prostitution verletzt die Würde der Person, die sich prostituiert und sich dadurch zum bloßen Lustobjekt andererherabwürdigt. Wer sie in Anspruch nimmtsündigt schwer gegen sich selbst: er bricht mit der Keuschheit, zu der ihnseine Taufe verpflichtet hat, und befleckt seinen Leib, den Tempel des Heiligen Geistes [Vgl. 1 Kor

6,15-20.].Prostitution ist eine Geißel der Gesellschaft. Sie betrifft für gewöhnlich Frauen, aber auch MännerKinder oderJugendliche (in den beiden letzteren Fällen kommt zur Sünde noch ein Ärgernis hinzu). Es ist immer schwersündhaft, sich der Prostitution hinzugebenNotlagen, Erpressung und durch die Gesellschaft ausgeübter Druckkönnen die Anrechenbarkeit der Verfehlung mindern.

2356 Vergewaltigung ist ein gewaltsamer Einbruch in die geschlechtliche Intimität eines Menschen. Sie ist einVerstoß gegen die Gerechtigkeit und die LiebeVergewaltigung ist eine tiefe Verletzung des jedem Menschenzustehenden Rechtes auf AchtungFreiheitphysische und seelische Unversehrtheit. Sie fügt schweren Schaden zu, der das Opfer lebenslang zeichnen kann. Sie ist stets eine in sich zutiefst verwerfliche Tat. Noch schlimmer ist es, wenn Eltern oder Erzieher ihnen anvertrauteKinder vergewaltigen.

Keuschheit und Homosexualität

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlichoder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlenHomosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt.Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [VglGen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht inOrdnung sind“ (CDFErkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetzdenn die Weitergabedes Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagungnicht selbst gewähltfür die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit AchtungMitleid und Takt zubegegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrerVeranlagung erwachsen können, mit dem

Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zurinneren Freiheit erziehenkönnen und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheitannähern.“

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Auszüge aus einem Forum der Adventisten:

„Homosexualität ist heilbar

New York. In den USA hat eine Studie der Columbia Universität eine Debatte über die Veränderbarkeit von Homosexualität ausgelöst. Der Psychiater Robert Spitzer hatte 200 Homosexuelle befragt, die sich einer Therapie unterzogen hatten, über die ihre Neigung umgewandelt werden sollte. Viele von ihnen hatten unter dem Konflikt mit christlichen Werten gelitten. Spitzer kommt zum Ergebnis, dass Homosexualität in vielen Fällen heilbar sei. Weiterlesen…
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Auszug aus „Homosexualität und christliche Gemeinde“, verabschiedet von der Mitgliederversammlung des Verbands der Pilgermission St. Chrischona 1998 in Schlieren (Schweiz):

„Als Antwort und Gericht liefert Gott die Menschen ihren Begierden und Verwirrungen aus (V.24-28). Homose- xuelles Verhalten wird als Beispiel genommen, um diese Verdrehung des Natürlichen exemplarisch dar- zustellen. Sie wird aber in denselben Zusammenhang wie z.B. Habsucht, Streit, Verleumdung, Hochmut, Unbarmherzigkeit gestellt (V29-32). All diese Verhaltensweisen stehen unter dem Gerichtsurteil Gottes.“ Lesen Sie das ganze Dokument hier…

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Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche des Kantons Zürich beschäftigte sich 1999 mit der Homosexualität für eine Stellungnahme auf ein Postulat von Franz Leutert in Obfelden. Das Dokument kann hier gelesen werden…
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Alle diese oben genannten Aussagen und Meinungen vertreten nicht die Meinung von Sondierung.com, sondern dokumentieren Lehren und Haltungen aus religiösen Kreisen, mit dem Ziel – im Gegensatz zu den vielen Medienartikeln – Originalstimmen aus den einschlägigen Quellen zu sichten. Die Debatte wird noch lange weitergehen aber für jede und jeden stellt sich die Frage, was, wie und wo im religiösen Sinne geglaubt werden soll.

 

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