Relevante Aussagen?

Ein Schweizer, ein Italiener und ein Serbe hätten den Überfall begangen. So stehts in der Zeitung. Wie relevant sind die Aussagen für den Lesenden? Hilft es? Nützt es? Wer will es wissen? Wäre es auch interessant, zu erfahren, ob bei der Schlägerei oder beim Autounfall ein Aargauer, ein Walliser und ein Luzerner involviert sind? Wieso nicht? Bei der Massenkollision auf der A1 bei Härkingen durch Nebel waren Autolenker aus dem Thurgau, aus St. Gallen, Schaffhausen und dem Jura beteiligt. Im Zürcher Lokalblatt könnte doch darauf verwiesen werden, dass ein Wollishofer, ein Stettbacher und ein Albisrieder im Nachtclub nach Belästigungen des Personals verhaftet wurden. Und in der Quartierzeitung müsste folglich erwähnt sein, dass die prügelnden Gäste von der Hinterhofstraße, der Oberaustraße und der Mittelgasse kommen und einer sogar am Waldweg wohnt.

Urs Heinz Aerni

 

Advertisements

Religion und Homosexualität

Der Bischof aus Chur, Vitus Huonder, löste mit seinem Bibelzitat über die Homosexualität während einer Rede in Fulda eine riesige Empörung und enormes Medienecho aus. Glaube und Religion bewegt nach wie vor, trotz „aufgeklärtem“ Zeitalter und der Wissenschaft, die viele alte Lehrmeinungen oft in völlig neues Licht stellte. Im Osten und Süden wird im Namen Gottes gequält und getötet und im Norden und im sogenannten Westen sorgen Glaubenslehren und Gottesbilder für Debatten und Irritation.

Religiöse Überzeugungen basieren auf heilige Schriften und Überlieferungen aus uralter Zeit. Wer bestimmt deren Anpassung an den neuen Zeitgeist? Wer ist befugt zu erklären, wie sich ein Gott zu unserer heutigen Welt stellt? Nach was und wem sollen Menschen, die an einen Gott glauben möchten, richten?

Interessant sind die Quellen, die heute die rechtsgültigen Lehrinhalte für ihre Gemeinden definieren. Nach deren Lektüre obliegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, das zu glauben und zu vertreten. Aber zuerst gilt es zu erfahren, was denn geglaubt werden soll, oder?

Die hier anschließenden Auszüge aus Originaltexten sollen zur eigener Sondierung dienen und vertreten nicht die Meinung von Sondierung.com:

Hinweis: Formatierung kann je nach Computer anders aussehen, dann einfach die Verlinkung zum Original anklicken.

Katechismus der Katholischen Kirche (Auszüge und Verlinkung zum Weiterlesen):

II Berufung zur Keuschheit

2337 Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, daß der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitlich unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist. Die Tugend derKeuschheit wahrt somit zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe.Unversehrtheit der Person

2338 Der keusche Mensch bewahrt die in ihm angelegten Lebens- und Liebeskräfte unversehrt. Diese Unversehrtheitsichert die Einheit der Person; sie widersetzt sich jedem Verhalten, das diese Einheit beeinträchtigen würde. Sieduldet kein Doppelleben und keine Doppelzüngigkeit [VglMt 5,37].

2339 Die Keuschheit erfordert das Erlernen der Selbstbeherrschung, die eine Erziehung zur menschlichen Freiheit ist. Die Alternative ist klar: Entweder ist der Mensch Herr über seine Triebe und erlangt so den Frieden, oder er wird ihrKnecht und somit unglücklich [VglSir 1,22. ]. „Die Würde des Menschen erfordert also, daß er in bewußter undfreier Wahl handelt, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt und nicht unter blindem innerem Drangoder unter bloßem äußeren Zwang. Eine solche Würde erwirbt der Mensch, wenn er sich aus aller Knechtschaft derLeidenschaften befreit und so sein Ziel in freier Wahl des Guten verfolgt und sich die geeigneten Hilfsmittel wirksamund in schöpferischem Bemühen verschafft“ (GS 17).

2340 Wer seinem Taufversprechen treu bleiben und den Versuchungen widerstehen will, soll darauf bedacht sein, die Mittel dazu zu ergreifen:

Selbsterkenntnis, den jeweiligen Situationen angepaßten VerzichtGehorsam gegenüber den Geboten GottesÜbungder sittlichen Tugenden und Treue im Gebet. „Durch die Keuschheit werden wir gesammelt und zu der Einheitzurückgeführt, von der wir uns getrennt hatten, um in der Vielheit zu zerfließen“ (Augustinusconf. 10,29).

2341 Die Tugend der Keuschheit steht unter dem Einfluß der Kardinaltugend der Mäßigungwelche dieLeidenschaften und das sinnliche Begehren des Menschen mit Vernunft zu durchdringen sucht.

2342 Selbstbeherrschung zu erringen, ist eine langwierige Aufgabe. Man darf nie der Meinung sein, man habe sie fürimmer erworben. Man muß sich in allen Lebensiagen immer wieder neu um sie bemühen [VglTit 2,1-6.]. Ingewissen Lebensabschnitten, in denen sich die Persönlichkeit ausformt, erfordert sie eine besondere Anstrengung, etwa in der Kindheit und im Jugendalter.

2343 Die Keuschheit folgt Gesetzen des Wachstums: sie durchläuft verschiedene Stufen, in denen sie nochunvollkommen und für die Sünde anfällig ist. Der tugendhafte und keusche Mensch ist „ein geschichtliches Wesen, das sich Tag für Tag durch seine zahlreichen freien Entscheidungen selbst formt; deswegen kenntliebt undvollbringt er das sittlich Gute auch in einem stufenweisen Wachsen.“ (FC 34).

2344 Die Keuschheit ist eine persönliche Aufgabe; sie erfordert aber auch eine kulturelle Anstrengung, weil „derFortschritt der menschlichen Person und das Wachstum der Gesellschaft als solcher voneinander abhängen“ (GS25,1). Die Keuschheit setzt die Achtung der Menschenrechte vorausinsbesondere des Rechtes auf Bildung und Erziehungwelche die sittlichen und geistigen Dimensionen des menschlichen Lebens berücksichtigen.

2345 Die Keuschheit ist eine sittliche Tugend. Sie ist auch eine Gabe Gottes, eine Gnade, eine Frucht des Geistes 1. Der Heilige Geist schenkt den im Wasser der Taufe Wiedergeborenen die Kraft, der Reinheit Christi [Vgl. 1 Joh 3,3]nachzustreben.

Ganzheit der Selbsthingabe

2346Die Liebe ist die Form aller Tugenden. Unter ihrem Einfluß erscheint die Keuschheit als eine Schule derSelbsthingabe. Die Selbstbeherrschung ist auf die Selbsthingabe hingeordnet. Die Keuschheit läßt den, der ihr gemäßlebtfür den Nächsten zu einem Zeugen der Treue und der zärtlichen Liebe Gottes werden.

2347 Die Tugend der Keuschheit entfaltet sich in der Freundschaft. Sie läßt den Jünger Christi erkennen, wie er Jesusnachfolgen und ähnlich werden kann. Jesus hat uns zu seinen Freunden erwählt [VglJoh 15,15.], sich uns ganzhingegeben und läßt uns an seinem Gottsein teilhabenKeuschheit verheißt Unsterblichkeit.

Keuschheit äußert sich besonders in der Freundschaft mit dem NächstenFreundschaft zwischen Menschen gleichenoder verschiedenen Geschlechtes ist etwas sehr Wertvolles für alle. Sie führt zu einer Gemeinschaft im Geist.

Verschiedene Formen der Keuschheit

2348 Jeder Getaufte ist zur Keuschheit berufen. Der Christ hat „Christus [als Gewandangelegt“ (Gal 3,27), ihn, dasVorbild jeglicher Keuschheit. Alle, die an Christus glauben, sind berufen, ihrem jeweiligen Lebensstandentsprechend ein keusches Leben zu führen. Bei der Taufe verpflichtet sich der Christ, in seinem Gefühlsleben keusch zu sein.

2349 Die Keuschheit „soll die Menschen in den verschiedenen Lebensständen auszeichnen: die einen im Stand derJungfräulichkeit oder in der gottgeweihten Ehelosigkeit, einer hervorragenden Weise, sich leichter mit ungeteiltemHerzen allein Gott hinzugeben; die anderen, in der für alle vom Sittengesetz bestimmten Weiseje nachdem ob sieverheiratet oder unverheiratet sind“ (CDFErkl. „Persona humana“ 11). Verheiratete sind berufen, in ehelicherKeuschheit zu leben; die anderen leben keusch, wenn sie enthaltsam sind.

„Es gibt drei Formen der Tugend der Keuschheit: die eine ist die der Verheirateten, die andere die derVerwitweten, die dritte die der Jungfräulichkeit. Wir loben nicht die eine unter Ausschluß deranderen. Dies macht den Reichtum der Disziplin der Kirche aus“ (Ambrosiusvid. 23).

2350 Die Brautleute sind aufgefordert, die Keuschheit in Enthaltsamkeit zu leben. Sie sollen diese Bewährungszeitals eine Zeit ansehen, in der sie lerneneinander zu achten und treu zu sein in der Hoffnung, daß sie von Gotteinander geschenkt werden. Sie sollen Liebesbezeugungen, die der ehelichen Liebe vorbehalten sind, der Zeit nach der Heirat vorbehalten. Sie sollen einander helfen, in der Keuschheit zu wachsen.

Verstöße gegen die Keuschheit

2351 Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuß der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer innerenHinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.

2352 Masturbation ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Zielgeschlechtliche Lust hervorzurufen. „Tatsache ist, daß sowohl das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen niemals gezögert haben, die Masturbation als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken“, weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschiehtaußerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzungwesentlich widerspricht„. Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt „die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehungjene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert“ (CDFErkl. „Persona humana“ 9).

Um ein ausgewogenes Urteil über die sittliche Verantwortung jener, die sich hierin verfehlen, zu bilden und um die Seelsorge danach auszurichtensoll man affektive Unreife, die Macht eingefleischter GewohnheitenAngstzuständeund weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigenwelche die moralische Schuld vermindernoder sogar aufheben.

2353 Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht miteinanderverheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichenGeschlechtlichkeit selbst, die von Natur aus auf das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung vonKindern hingeordnet ist. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorbenwerden.

2354 Pornographie besteht darin, tatsächliche oder vorgetäuschte geschlechtliche Akte vorsätzlich aus der Intimitätder Partner herauszunehmen, um sie Dritten vorzuzeigen. Sie verletzt die Keuschheit, weil sie den ehelichen Akt, dieintime Hingabe eines Gatten an den anderenentstellt. Sie verletzt die Würde aller Beteiligten (Schauspieler, Händler,Publikum) schwer; diese werden nämlich zum Gegenstand eines primitiven Vergnügens und zur Quelle einesunerlaubten ProfitsPornographie versetzt alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie ist eine schwere Verfehlung. DieStaatsgewalt hat die Herstellung und Verbreitung pornographischer Materialien zu verhindern.

2355 Prostitution verletzt die Würde der Person, die sich prostituiert und sich dadurch zum bloßen Lustobjekt andererherabwürdigt. Wer sie in Anspruch nimmtsündigt schwer gegen sich selbst: er bricht mit der Keuschheit, zu der ihnseine Taufe verpflichtet hat, und befleckt seinen Leib, den Tempel des Heiligen Geistes [Vgl. 1 Kor

6,15-20.].Prostitution ist eine Geißel der Gesellschaft. Sie betrifft für gewöhnlich Frauen, aber auch MännerKinder oderJugendliche (in den beiden letzteren Fällen kommt zur Sünde noch ein Ärgernis hinzu). Es ist immer schwersündhaft, sich der Prostitution hinzugebenNotlagen, Erpressung und durch die Gesellschaft ausgeübter Druckkönnen die Anrechenbarkeit der Verfehlung mindern.

2356 Vergewaltigung ist ein gewaltsamer Einbruch in die geschlechtliche Intimität eines Menschen. Sie ist einVerstoß gegen die Gerechtigkeit und die LiebeVergewaltigung ist eine tiefe Verletzung des jedem Menschenzustehenden Rechtes auf AchtungFreiheitphysische und seelische Unversehrtheit. Sie fügt schweren Schaden zu, der das Opfer lebenslang zeichnen kann. Sie ist stets eine in sich zutiefst verwerfliche Tat. Noch schlimmer ist es, wenn Eltern oder Erzieher ihnen anvertrauteKinder vergewaltigen.

Keuschheit und Homosexualität

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlichoder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlenHomosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt.Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [VglGen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht inOrdnung sind“ (CDFErkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetzdenn die Weitergabedes Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagungnicht selbst gewähltfür die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit AchtungMitleid und Takt zubegegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrerVeranlagung erwachsen können, mit dem

Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zurinneren Freiheit erziehenkönnen und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheitannähern.“

+++

Auszüge aus einem Forum der Adventisten:

„Homosexualität ist heilbar

New York. In den USA hat eine Studie der Columbia Universität eine Debatte über die Veränderbarkeit von Homosexualität ausgelöst. Der Psychiater Robert Spitzer hatte 200 Homosexuelle befragt, die sich einer Therapie unterzogen hatten, über die ihre Neigung umgewandelt werden sollte. Viele von ihnen hatten unter dem Konflikt mit christlichen Werten gelitten. Spitzer kommt zum Ergebnis, dass Homosexualität in vielen Fällen heilbar sei. Weiterlesen…
+++
Auszug aus „Homosexualität und christliche Gemeinde“, verabschiedet von der Mitgliederversammlung des Verbands der Pilgermission St. Chrischona 1998 in Schlieren (Schweiz):

„Als Antwort und Gericht liefert Gott die Menschen ihren Begierden und Verwirrungen aus (V.24-28). Homose- xuelles Verhalten wird als Beispiel genommen, um diese Verdrehung des Natürlichen exemplarisch dar- zustellen. Sie wird aber in denselben Zusammenhang wie z.B. Habsucht, Streit, Verleumdung, Hochmut, Unbarmherzigkeit gestellt (V29-32). All diese Verhaltensweisen stehen unter dem Gerichtsurteil Gottes.“ Lesen Sie das ganze Dokument hier…

+++
Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche des Kantons Zürich beschäftigte sich 1999 mit der Homosexualität für eine Stellungnahme auf ein Postulat von Franz Leutert in Obfelden. Das Dokument kann hier gelesen werden…
+++
+++
Alle diese oben genannten Aussagen und Meinungen vertreten nicht die Meinung von Sondierung.com, sondern dokumentieren Lehren und Haltungen aus religiösen Kreisen, mit dem Ziel – im Gegensatz zu den vielen Medienartikeln – Originalstimmen aus den einschlägigen Quellen zu sichten. Die Debatte wird noch lange weitergehen aber für jede und jeden stellt sich die Frage, was, wie und wo im religiösen Sinne geglaubt werden soll.

 

Mehr Effizenz und zugleich Patientenzufriedenheit?

Rapid Recovery heißt das Programm vom Konzern Zimmer Biomet und soll die Patientenversorgung effizienter und erfolgreicher machen – in jeder Hinsicht. An die Projektverantwortliche in der Schweiz, Martina Remonda, stellten wir Fragen dazu.

Urs Heinz Aerni: Rapid Recovery ist entwickelt worden um für Patienten, die einen künstlichen Gelenkersatz erhalten, alle Bereiche der Patientenversorgung von der präoperativen Untersuchung bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus zu verbessern. Bevor wir zu den Details kommen, wer steckt als Spiritus Rector hinter diesem Konzept?

Martina Remonda: Der dänische Chirurg Prof. Henrik Kehlet hat bereits in den 1990er Jahren Ansätze entwickelt, die es ermöglichten, Patienten nach einer OP wieder rasch genesen zu lassen. Man spricht von der sog. „Fast‐Track‐Chirurgie“. Auf Grundlage von Kehlets Erkenntnissen und in Zusammenarbeit mit ihm wurde das Rapid Recovery Programm als Versorgungskonzept zur Behandlung von Patienten, die einen künstlichen Gelenkersatz an Knie, Hüfte oder Schulter erhalten, entwickelt. Rapid Recovery bedeutet „rasche Genesung“. Das Programm zielt darauf ab, Traditionen in Krankenhäusern zugunsten optimierter Prozesse und Behandlungsergebnisse zu hinterfragen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten. Grundlage für diese Verbesserungen sind stets aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Neben medizinischen Parametern wie beispielsweise modernen Operations‐ und Narkosetechniken spielt vor allem die aktive Einbindung des Patienten in den Behandlungsverlauf eine wesentliche Rolle.

Aerni: Ein Teil von Rapid Recovery ist, dass mehrere Patienten schon Tage vor der OP zusammen in einer Art Seminar oder Schulung informiert werden. Dann sind auch alle Beteiligten des Krankenhauses anwesend, vom Operateur bis zur Physiotherapeutin. Wie wird das von den Patienten angenommen?

Remonda: Wir bekommen zur sogenannten Patientenschule grundsätzlich sehr positive Rückmeldungen aus den Kliniken die mit dem Rapid Recovery Programm arbeiten. Der„mündige Patient“ liefert sich ja heute keinesfalls dem „Gott in Weiß“ aus. Er beliest sich schon vor dem Arztbesuch im Internet, hat viele Fragen und ist durchaus kritisch. Rapid Recovery macht sich diese Neugier zunutze und bezieht den Patienten aktiv in den Genesungsprozess mit ein. Es ist wichtig, dass die Patienten umfassende Informationen darüber erhalten, was im Zuge einer Gelenkersatzoperation geplant ist. Eine Art Erwartungsmanagement, das auch dazu beitragen soll, dass sich Patienten als Partner im Behandlungsprozess fühlen und ihre Genesung aktiv mitgestalten. Zudem dürfen Rapid Recovery‐Patienten immer auch einen sog. „Coach“, einen vertrauten Begleiter, mit zur Patientenschule bringen. Der Coach wird mitgeschult und kann dann auch nach der OP gut unterstützen.

Aerni: Wo sehen Sie die Vorteile der kollektiven Vorbereitungs‐Veranstaltung?

Remonda: Wie gesagt, die umfassende Information über die bevorstehende Gelenkersatz‐ OP ist sehr wichtig. Für viele Patienten ist es aber besonders hilfreich, dass bei der Patientenschule andere Patienten zu treffen, bei denen der gleiche Eingriff geplant ist. Man tauscht sich schon vorher aus und lernt sich kennen. Patienten, die gemeinsamen die Patientenschule besucht haben, werden üblicherweise auch in der gleichen Woche operiert und treffen sich dann entsprechend wieder. So kann eine Gruppendynamik entstehen von der alle profitieren.

Aerni: Kleine Patientengruppen werden am selben Tag operiert und werden noch am Tag der OP mobilisiert. Im weiteren Genesungsverlauf finden die physiotherapeutischen Übungen oft dann auch in der Gruppe statt. Ich nehme an, dass dies zur gegenseitigen Motivierung gedacht ist? Funktioniert es?

Remonda: Richtig, die Patienten werden dazu ermuntert, auch in der Gruppe miteinander physiotherapeutische Übungen zu machen. Gemeinsam zu üben macht Spaß, kann helfen Ängste abzubauen und spornt natürlich an, rasch wieder auf die Beine zu kommen. Es wird niemand gezwungen da mitzumachen, aber grundsätzlich kommt es immer sehr gut an.

Aerni: Der Entlassungs‐Tag wird bereits beim Eintritt ins Krankenhaus geplant, kommt das gut?

Remonda: Die Entlassungsplanung findet schon frühzeitig, idealerweise bereits am Patientenschulungstag vor dem stationären Aufenthalt, statt. Das ist nur möglich, weil die gesamte Behandlung beim Rapid Recovery Programm klar strukturiert ist. Zum einen ist das für die Patienten eine gute Sache – sie wissen, was sie an jedem Tag ihres Spitalaufenthaltes und darüber hinaus erwartet. Zum anderen ist diese Form der strukturierten Prozesse natürlich sehr vorteilhaft für die Spitäler. Dank der sogenannten Behandlungspfade ist immer klar, was für welchen Patienten als nächstes ansteht. Falls der Patient aus medizinischen oder anderen Gründen länger im Spital bleiben muss, wird das individuell selbstverständlich berücksichtigt. Ohne, dass die festgehaltenen qualitativen Entlasskriterien vom Patienten erreicht werden, wird niemand entlassen.

Aerni: Rapid Recovery verspricht durch Kontinuität im Prozess „mehr Raum für mehr Patientenorientierung“. Schönes Ziel, was hält Sie an dieser Zuversicht fest?

Remonda: Das ist nicht nur unsere Zuversicht, das ist eine Tatsache. Immer wenn Sie Abläufe standardisieren, setzen Sie gleichzeitig Ressourcen frei für individuelle Anforderungen. Und das macht sich Rapid Recovery zunutze. Ich denke zudem, dass unter anderem in meinen Ausführungen zur Patientenschule schon klar geworden ist, dass Rapid Recovery ein absolut patientenorientiertes Programm ist. Mehr noch: Es richtet sich nicht nur auf den Patienten aus, sondern bezieht ihn ausdrücklich in seine Genesung aktiv mit ein.

Aerni: Rapid Recovery soll Krankenhäuser dabei unterstützen, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung ihrer Versorgungsprozesse zu nutzen. Warum ist das so wichtig?

Remonda: Dazu würde ich gerne ein Beispiel anführen: Früher wurden die Patienten nach einer Gelenkersatz‐OP erst einmal drei Wochen ins Bett gepackt. Nur nicht überlasten, hat man gedacht. Heute wissen wir aus zahlreichen Studien, dass das genau das Falsche ist! Wenn sie unnötig lang im Bett liegen, bauen Patienten Muskulatur ab, der Kreislauf wird geschwächt. Kliniken sollten also hinterfragen, warum sie das tun was sie immer tun, und die Entscheidung für eine bestimmte Art der Versorgung immer auf eine fundierte wissenschaftliche Grundlage stellen. Und weil die Wissenschaft eben festgestellt hat, dass Bettruhe nach einer Gelenkersatz‐OP tendenziell eher ungünstig ist, ist fester Bestandteil des Rapid Recovery Programms die Frühmobilisation.

Aerni: Das sieht konkret wie aus?

Remonda: Das heißt, Patienten dürfen und sollen schon am Tag der OP unter physiotherapeutischer Anleitung wieder in Bewegung sein, um den Kreislauf in Schwung zu halten, nicht unnötig Muskulatur abzubauen und vor allem Vertrauen in ihr neues Gelenk und die neugewonnene Mobilität zu gewinnen.

Aerni: Medizinpersonal steht immer mehr unter ökonomischem Druck und möchte zugleich die Patientenzufriedenheit gewährleisten oder steigern. In welchem Bereich fällt Ihr neues Konzept mehr ins Gewicht?

Remonda: Da bin ich ganz klar: Die Patientenzufriedenheit steht immer im Vordergrund! Heutzutage wollen Patienten auch nach einer Gelenkersatz‐OP bald wieder aktiv und schmerzarm am täglichen Leben teilhaben. Dazu trägt Rapid Recovery als umfassendes Versorgungskonzept maßgeblich bei, das belegen mittlerweile verschiedene Studien. Aber da Sie die ökonomischen Aspekte ansprechen: Die Erfahrung zeigt uns, dass Kliniken, die ihre Versorgungsprozesse optimieren meist auch von ökonomischen Vorteilen profitieren.

Aerni: Neue Herausforderungen stellen sich auch an die Teamarbeit im Krankenhaus. Welche Umstellungen sind beim Personal nötig wenn eine Klinik sich entschließt, mit dem Rapid Recovery Programm zu arbeiten?

Remonda: Spitäler die mit dem Rapid Recovery Programm arbeiten, gründen üblicherweise eine Steuerungsgruppe, die sich intensiv damit beschäftigt, den Behandlungsprozess ständig im Sinne des Patienten und auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu optimieren. In dieser Steuerungsgruppe sind deshalb alle am Behandlungsprozess beteiligten Berufsgruppen beteiligt. Physiotherapeuten, Anästhesisten, Mitarbeiter der Pflege, Operateure, Sozialdienst – sie alle haben Anteil an der Genesung und sollen deshalb den Prozess aktiv mitgestalten. Entsprechend müssen die von Ihnen angesprochenen Umstellungen oft vor allem in den Köpfen stattfinden. Es entscheidet eben nicht mehr nur der Chefarzt allein, sondern das gesamte Behandlungsteam. Aber auch da können wir nur Gutes berichten, denn für die Mitarbeiterzufriedenheit ist diese interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe ein großes Plus.

Aerni: Die Ökonomisierung im Gesundheitssystem und im Medizinbereich sorgt für einigen Diskussionsstoff, in der Schweiz seit der Einführung der sogenannten Fallpauschale erst recht. Wie schätzen Sie diesen Trend ein?

Remonda: In Deutschland arbeitet man ja schon seit nunmehr 10 Jahren mit dem DRG‐ System, insofern würde ich da weniger von einem Trend sprechen als von gelebter Realität, der wir uns einfach stellen müssen. Und ich sehe darin auch große Chancen: Wir können die ökonomischen Zwänge zum Anlass nehmen, uns grundsätzlich über die Qualität der Versorgung Gedanken zu machen. Unsere Erfahrung mit dem Rapid Recovery Programm zeigt diesbezüglich, dass zum Beispiel eine kürzere Krankenhausverweildauer durchaus ein Indikator für Qualität sein kann. Wenn Prozesse klar strukturiert sind, das Klinik‐Team gut und aufeinander abgestimmt zusammenarbeitet und der Patient aktiv als Partner in die Genesung einbezogen wird, ist das erfahrungsgemäß eben nicht nur gut für den Patienten, der rasch wieder aktiv am Leben teilnehmen kann, sondern es birgt auch ökonomische Potenziale für die Klinik. Das ist eigentlich das großartige am Rapid Recovery Programm – über eine konsequente Fokussierung auf Qualität erreichen die Krankenhäuser automatisch auch eine bessere Wirtschaftlichkeit.

______

Martina Remonda wurde 1959 in Berlin geboren. Ihre Ausbildungsstationen führten von der Germanistik in die Medizin durch Ausbildung im Bereich Krankenpflege in Hamburg, OP in Bern und Studium der Logotherapie und Existenzsanalyse. Berufliche Stationen waren u. a. im Produktmanagement Chemotherapeutika, MBA und seit 2010 ist sie beim Orthopädiekonzern Zimmer Biomet verantwortlich für Rapid Recovery in der Schweiz.

 

Links mit weiterführenden Informationen:

Hirslanden Klinik Aarau über Rapid Recovery

Krankenhäuser in Deutschland mit Rapid Recovery

Orhtopädisches Spital in Wien Speising mit Rapid Recovery

 

 

 

 

 

Deutsche Wespe

Es gibt sie, die Gemeine Deutsche Wespe. Die Schweizer Zeitung Obersee Nachrichten thematisiert eine Wespenplage mit einer unterschwelligen Anspielung auf das Nachbarland Deutschland. Ist die Art der Schlagzeile und des Leads eine versteckte Form einer antideutschen Kampagne? Oder fällt das nur den Übersensiblen auf? Wir fragten bei ausgesuchten Personen nach und hier sind die ersten Rückmeldungen:

 

Das soll ernst gemeint sein? Rainer Weiss, Frankfurt

Eine Gegenschlagzeile: Tragisch: Schweizer Bakterien fressen Journalistenhirn Silvio Huonder, Berlin

Im Radio SRF1 ist ein Beitrag dazu zu hören, von Thomas C. Breuer, Rottweil

Auf wissenschaftliche Informationen zur Deutschen Wespe verweist per Link Ulrike Wörner, Esslingen

Seid froh, dass es keine deutschen Drohnen oder gar Pferde sind … Marc Berger, Gransee

Wir schicken die Deutschen Wespen in die Schweiz, um über den erhöhten Verkauf des Schweizer Produkts Antibrumm die eidgenössische Wirtschaft anzukurbeln. Dank des jetzigen Wechselkurses können wir uns in Deutschland Antibrumm nicht mehr leisten und mussten darum unsere Wespen um den Besuch im Nachbarland bitten. Stefan Weidle, Bonn

Fragen an Claude Cueni

«Giganten» heißt der aktuelle Roman des Schweizer Schriftstellers Claude Cueni, eine Geschichte über eine Rivalität zwischen zwei Meistern der Monumentalarchitektur aus dem 19. Jahrhundert. Ich stellte dem Autor Fragen zum Buch und zum Schreiben.

Herr Cueni, steht man in der Krone der Freiheitsstatue in New York oder unter dem Eiffelturm in Paris, dann liegt das Wort Gigantismus in der Tat auf der Zunge. Sie nähern sich nun in Ihrem Roman den beiden Erschaffern dieser Bauwerke. Erinnern Sie sich noch, was oder wo die Initialzündung dafür war?

CLAUDE CUENI: Als Bub hat mich Bartholdis Löwe von Belfort sehr beeindruckt, ich habe später oft sein Geburtshaus in Colmar besucht, das heute ein Museum ist, aber es gibt keine eigentliche Initialzündung, ich speichere vieles intuitiv und im Laufe der Jahre entsteht ein Stoff für einen Roman.

Während die Charakterbeschreibungen des Bildhauers Bartholdi und des Ingenieurs Eiffel der Realität näherkommen, basiert der Konflikt – unter anderem natürlich durch eine Frau – auf Fantasie. Wie kann man sich die Arbeit zwischen Wahrheit und Fiktion vorstellen? Wo lagen die Herausforderungen?

Der Roman besteht aus historisch gesicherten Fakten, die ich einer fiktiven Dramaturgie unterzogen habe. Ursprünglich schrieb ich einen klassischen historischen Roman und bewegte mich eng an der historischen Zeitschiene.

Aber Sie kamen schlussendlich davon ab.
Ja, irgendwie haben die historischen Figuren in meiner Fantasie ein Eigenleben entwickelt und diese Szenen fand ich wesentlich spannender und bewegender. Ich schrieb den Roman deshalb neu. Es ist sicher ein wesentlich besseres Buch geworden, aber immer noch auf Fakten basierend.

Historische Stoffe haben Sie als Romancier schon immer fasziniert, nun befinden wir im Roman «Giganten» in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eigentlich die Epoche, die unsere heutige Gesellschaft maßgeblich gestaltete. Haben Ihre Recherchen neue Schlussfolgerungen zu unserer Geschichte ermöglicht?

Meine letzten Romane spielen im 17., 18. und 19. Jahrhundert. Eigentlich erlebt jede Generation Finanz- und Wirtschaftskrisen, Enteignungen, Verarmung, Kriege, Epidemien – das ist historisch betrachtet so alltäglich wie die vier Jahreszeiten. Wer nur die Gegenwart kennt, denkt, so was sei heute nicht mehr möglich. Aber diese „Katastrophen werden sich immer wieder ereignen, denn die Natur des Menschen verändert sich nicht. Er bleibt ein rücksichtsloser Jäger, der nur an seinen eigenen Nutzen denkt.

Beim Lesen wähnt man sich auch immer wieder im Alltäglichen dieser Zeit. Können Sie sich einfach aus der Gegenwart ausklinken?

Ja, das ist nie ein Problem. Kaum habe ich das erste Wort geschrieben, sitze ich in einer anderen Epoche, und selbst wenn links und rechts Bauarbeiter hämmern und bohren, nehme ich das nicht mehr wahr.

Wie machen Sie das?

Ich brauche auch keine besonderen Arbeitsbedingungen. Ich schreibe beinahe wie unter Hypnose, weil ich in Gedanken Tag und bei meinen Figuren bin.

Was kann die Belletristik besser als ein Sachbuch? Warum die Form des literarischen Erzählens?

Der historische Roman ist ein Film, der nur mit der Fantasie der Leser vollendet wird. Es entsteht ein prächtiges Gemälde, ein Unikat. Das Sachbuch hingegen besteht aus Fakten, Zahlen, Tabellen, Abbildungen: Der Inhalt ist für alle Leser gleich. Es geht um Informationen, nicht um Emotionen.

Wenn ich ein Gemälde mit einem lesenden Menschen mit Ihrem Buch in den Händen malen müsste, wie sollte das aussehen?

Ich würde das Gemälde eines Orientalisten des 19. Jahrhunderts nehmen. Wüsten, Ruinenstädte, Beduinen und im Bild sitzt ein Mensch des 21. Jahrhunderts, der durch seine zeitgenössische Kleider auffällt. Witzig wäre natürlich auch ein Leser in einem Pariser Bistro des 19. Jahrhunderts.

Herr Cueni, vielen Dank.

 

Claude Cueni wurde 1965 in Basel geboren und schrieb historische Romane, Thriller, Theaterstücke, Hörspiele und viele Drehbücher, unter anderem für TV-Serien wie «Tatort»«Eurocops»«Peter Strohm» und «Cobra 11». Sein historischer Roman «Das große Spiel», die wahre Geschichte des Papiergelderfinders John Law, belegte Platz eins der Schweizer Bestsellerliste und wurde bisher in 13 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien 2014 der Bestseller«Script Avenue», in dem Cueni, anders als in seinen bisherigen Büchern, nicht die Geschichten ande- rer, sondern seine eigene erzählt. Cueni ist an Leukämie erkrankt und lebt in Basel.

Die Ethik der Zeugung

Eine Beobachtung im Zug.

In Schwarz sitzen junge Leute mit allerleiVariationen von Frisuren zwischen langen Strähnen und kahl geschorenen Schädelflächen im Zugabteil. Hunde unter den Sitzen gähnen und schauen der Entleerung von Red-Bull- und Bierdosen zu, als hofften sie, das Blech würde sich in blutige Knochen verwandeln. Die Jungs reden über Sex und Zeugung: «Also ehrlich, ich möchte nicht während einer Gruppensexparty gezeugt werden.» Der andere schaut ihn ziemlich verdutzt an.

Die Ethik der Lebensentstehung; eine Frage, die sogar Zeitgenossen beschäftigt, die, was das Äußere betrifft, darauf bedacht sind, der Umwelt zu verstehen zu geben, dass sie auf gar nichts etwas geben.